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Underwater - Es ist erwacht

(Originaltitel: Underwater)
Herstellungsland:USA (2019)
Standard-Freigabe:FSK 16
Genre:Action, Drama, Science-Fiction, Thriller
Bewertung unserer Besucher:
Note: 6,68 (19 Stimmen) Details
inhalt:
Sieben Meilen unter dem Meeresspiegel liegt eine Forschungsstation, in der ein Team von Wissenschaftlern Bohrungen vornehmen soll. Doch ein Seebeben zerstört die Stationund die Überlebenden wagen schließlich den verzweifelten Versuch sich bis zur nahegelegenen Bohrstation zu retten. Doch dabei werden sie von mysteriöse Kreaturen attackiert, die durch das Beben geweckt wurden.
Diese Kritik enthält Informationen über den späteren Handlungsverlauf der Geschichte.
eine kritik von chollo:

Nachdem man in jüngster Vergangenheit mit "Alien Covenant" das All und mit "Blade Runner 2049" den Erdball im Science-Fiction Genre abgegrast hatte, begaben sich die findigen aber mitunter nicht sehr kreativen Drehbuchautoren in die Tiefen des Meeres um dort nach neuen Einfällen zu suchen. Minder Kreativ da eine solche Welle bereits Ende der Achtziger mit James Cameron's "Abyss" an den Kinosälen gebrandet ist und diverse Mockbuster wie Cunnigham's "Deep Star Six" oder Cosmatos "Leviathan" nach sich zog. Die drei C's waren da dann auch alphabetisch nach dem zweiten Buchstaben in ihren Nachnahmen in einer stetigen Abwärtsspirale erfolgreich, wobei sich diese kohärent zu den dazugehörigen finanziellen Möglichkeiten der jeweiligen Filme verhielt. "Abyss" war ein Hit und öffneten James Cameron endgültig die Tore zu Hollywood und schier unbegrenzten Budgets. George Pan Cosmatos konnte mit seinen 20 Millionen USD ein annehmbares Rip-Off zu Carpenters "The Thing" konzipieren und zumindest sein Budget wieder reinholen. Schlusslicht wurde dann Sean S. Cunnigham's sinkender Stern "Deep Star Six", obwohl auch dieser seine Qualitäten besitzt.

Es sind auch diese drei Filme bei denen sich William Eubank's Sci-Fi/ Horror "Underwater" bedient wenn es um seine Bedrohung geht. Erst nur schemenhaft und äußerst mysteriös und irgendwann sehr physisch bis bombastisch. Natürlich standen Eubank ("The Signal"; "Love") der Neuzeit geschuldet ganz andere optische Verfeinerungen zur Verfügung, und auch eine interessantes Ensemble konnte er für seine Tiefseefahrt gewinnen. Umso enttäuschender ist es, dass er mit seinen Möglichkeiten nur das Spannungspotenzial von zwei der drei genannten Einträge gerade so erreicht und dabei um Welten von der Klasse und Emotionalität der Cameron Vision entfernt ist. Über letztgenanntes sollte man ihm aber keinen Strick drehen, da sich an diesem Ausnahmetalent schon viele Kollegen die Zähne ausgebissen haben.

Eubank lässt die wilde Waschzuberfahrt dann auch standesgemäß und den modernen Sehgewohnheiten entsprechend mit einem sprichwörtlichen Knall beginnen, sodass sich der Zuschauer erst einmal selbst klar darüber werden muss ob er sich noch in heimischen Hemisphären bewegt. Auf diesen Zunder folgt dann aber erst einmal die kalte Dusche und der Regisseur bringt uns in klaustrophobischen Settings die Figuren seines Schauspiels näher. Gar nicht mal verkehrt könnte man meinen, aber gerade dort offenbart sich die mitunter eklatante Einfallslosigkeit seiner Autoren. Die üblichen Szenarien werden aufgefahren bei dem die bemitleidenswerten Protagonisten unter widrigen Umständen und verfolgt von etwas Unfassbaren versuchen ihr kostbares Leben zu retten, bei dem freilich einer nach dem anderen das Zeitliche segnen darf. Zuweilen fühlte ich mich an Stallone's "Daylight" erinnert, nur dass hier der Leitwolf kein muskelbepackter Herkules, sondern eine schwachbrüstige Amazone ist.

Kristen Stewart, vielen Schmachtnasen aus der "Twilight" Trilogie ein Begriff, versucht sich neuerlich mit derartigen Einträgen zu emanzipieren. Leider gelingt ihr jenes nicht ganz so gut wie ihrem ehemaligen Kollegen Robert Pattinson ("The Rover"; "Cosmopolit"), der wohl über ein Fünkchen mehr Talent verfügt. Stewart macht ihre Sache aber trotzdem zufriedenstellend und hinreichend überzeugend, sodass bei ihrer attraktiven Physiognomie und des sympathischen Habitus auch mal mitgefiebert werden darf. Aus dem restlichen Cast sticht dann noch Vincent Cassel hervor, der offensichtlich immer abkommandiert wird, wenn man nach einem zwielichtigen oder nicht von vornherein zu durchschauenden Charakter Ausschau hält. Auch dieser darf sein Können im gewohnt gehobenen Maß, wenn auch nicht einen Zentimeter darüber hinaus, zur Schau stellen.

Leider waren den Geldgebern die Produktionskosten von ca. 80 Millionen USD zu üppig, um im tiefen Becken schwimmen zu gehen. So musste statt des anvisieren eines R- Ratings, nach dem familienfreundlichen PG-13 und seinen üblichen Restriktionen in Sachen dargestellter Gewalt gefischt werden. Dieser Aspekt, für nicht wenige Vertreter in diesem Genre bereits ein Todesurteil, tut dem fertigen Film auch nicht sonderlich gut da er dadurch fast befremdlich blutarm wirkt.

Das Ruder etwas herumreißen kann aber vor allem ein Punkt, und das ist die Atmosphäre. Die Kulissen wirken durchgehend kalt, menschenfeindlich und bedrückend. Selbst wenn das Monster dann in Erscheinung tritt, stiehlt es dieser Gegebenheit nicht die Show und Eubank schafft es intelligenterweise auch, diese beiden Angst Faktoren gekonnt und flüssig miteinander zu kombinieren. Auch hat er sich nicht von Mainstream Einheitsbrei beirren lassen und serviert uns ein beinahe schon nihilistisches, und deshalb sehr erfrischend anmutendes Ende. Kombiniert mit dem Umstand dass er auf keine seiner etwaigen Identifikationsfiguren Rücksicht nimmt und man dahingehend wirklich mit allem rechnen muss, lässt sein Endprodukt auf den letzten Metern dann doch noch Fahrt aufnehmen. Leider kam mir das aber etwas zu spät und nicht über die ganze Länge konsequent genug, sodass mir rückblickend nur schmerzlich in Erinnerung geblieben ist, auch hier wieder ein ordentliches Pfund Potenzial verschenkt zu haben. Ich betreibe hier objektiv betrachtet aber Jammern auf hohem Niveau, wodurch ich mich schlussendlich doch genötigt fühle diesem Werk "nur" 3 Punkte abzuziehen.

7/10
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Kommentare

14.07.2020 12:30 Uhr - sonyericssohn
2x
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DAS IST MEIN FILM !!!!
Ich find den einfach so goil !!! :-D
Könnte den rauf und runter sehen. Aber an dem scheiden sich wohl mehrere Geister ;-)

Gelungen verfasst Herr Kollege !

14.07.2020 15:41 Uhr - Lukas
1x
Ne, da bin ich ziemlich enttäuscht aus dem Kino gekommen. Ungelenk zusammengeklaute Story, platte Charaktere, wenig überzeugende Regie (einige seltsame Zeitsprünge und ungelenke Schnitte; in den Szenen im Wasser sieht man oft quasi gar nichts) und übersichtliche Spannung waren für mich in Summe dann doch zu wenig. Einzig Stewart fand ich echt gut, auch wenn mir in diesem Film nur bedingt eine "attraktive Physiognomie" in den Sinn kam. ;-) Hat bei mir unterm Strich gerade noch so für ne 6/10 gereicht.
Deine Review ist aber auf jeden Fall wieder schön geschrieben, CHOLLO!

14.07.2020 16:20 Uhr - Cabal666
1x
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Da schließe ich mich meinen Vorpostern an. Sehr gut beschrieben, CHOLLO!
Besonders gefallen mir deine, passend zum Setting des Films, eingebauten Wassermetaphern bei der Besprechung. "Wilde Waschzuberfahrt" - herrlich! Merk ich mir! :D
Den Film hab ich blöderweise im Kino verpasst, obwohl er mich durchaus interessiert hat. Von den Trailern her wirkte er auf mich eher wie ein "Alien"-Verschnitt unter Wasser. Aber Story und Setting reizen mich schon. Und die Stewart seh ich mittlerweile eigentlich ganz gerne. Man sollte sie eben nicht nur auf ihre - wirklich schwachbrüstige - Leistung in den "Twilight"-Filmen reduzieren. Mehr noch will ich mir den Film aber wegen Jessica Henwick ansehen. ^^
Früher oder später schau ich mir den sicher noch an. Ich erwarte keinen großen Wurf, sondern immerhin ein ansehbares Creature-Feature. Und das scheint "Underwater" zu sein. Deine Kritik hat mir auf jeden Fall einen bildhaften Vorgeschmack gegeben, worauf ich mich einstellen kann.

14.07.2020 21:57 Uhr - CHOLLO
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Vielen Dank liebe Leute, für die freundlichen Rückmeldungen

15.07.2020 09:52 Uhr - Tom Cody
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Wirklich sehr gelungene Kritik zu diesem leider unterschätzten und zu Unrecht gefloppten Unterwasser-Thriller!
Da ich selber auch nie einen der Twilight-Filme gesehen habe, hatte ich auch an der Besetzung mit Kristen Stewart nichts auszusetzen. Im Gegenteil, sie hat eine ziemlich gute Performance abgeliefert.

Auch auf die Gefahr hin, hier etwas zu spoilern:
Ist eigentlich jemandem aufgefallen, dass das Monster (auch von der Intention der Autoren) bewusst an H. P. Lovecraft und den "Großen Alten" Cthulhu angelehnt war, bzw. diesen darstellen sollte?!

15.07.2020 09:59 Uhr - Lukas
1x
Dass hier auch noch Cthulhu verhunzt wurde macht den Film auch nicht besser. ;-)

15.07.2020 17:34 Uhr - CHOLLO
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Danke auch dir Tom C.

15.07.2020 17:44 Uhr - sonyericssohn
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15.07.2020 09:59 Uhr schrieb Lukas
Dass hier auch noch Cthulhu verhunzt wurde macht den Film auch nicht besser. ;-)


Was wie immer ausschließlich im Auge des Betrachters liegt !

15.07.2020 17:57 Uhr - Lukas
Vielleicht... vielleicht auch nicht, aber das ist hier nicht das Thema. :)

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