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Bad Boys - Harte Jungs

(Originaltitel: Bad Boys)
Herstellungsland:USA (1995)
Standard-Freigabe:FSK 16
Genre:Action, Drama, Komödie, Krimi, Thriller
Alternativtitel:Bulletproof Hearts
Bewertung unserer Besucher:
Note: 8,68 (128 Stimmen) Details
inhalt:
Geklaut: von der Polizei konfisziertes, reines Heroin. Wert: 100 Millionen Dollar! Auftrag: die beiden Polizisten Burnett (Martin Lawrence) und Lowrey (Will Smith) müssen die Beute wiederbeschaffen. Und das innerhalb 72 Stunden, ansonsten wird ihr Department dicht gemacht. Die einzige Zeugin des Überfalls (Téa Leoni) hat Angst, taucht zunächst unter, vertraut sich dann aber doch Lowrey an. Bald stoßen sie auf gigantische Korruption und einen kaltblütigen Hintermann...
Diese Kritik enthält Informationen über den späteren Handlungsverlauf der Geschichte.
eine kritik von punisher77:

                                                            BAD BOYS - HARTE JUNGS

In den Achtzigerjahren gehörten sie zu den berühmtesten und erfolgreichsten Produzenten Hollywoods: Jerry Bruckheimer und Don Simpson. Auf ihr Konto gingen Kinohits wie Flashdance (1983), Top Gun – Sie Fürchten Weder Tod Noch Teufel (1986) und die ersten beiden Beverly Hills Cop-Streifen (1984 & 1987). Doch mit dem Rennfahrer-Streifen Tage Des Donners (1990) geriet die Karriere der beiden ins Straucheln. Mit dem 1995er Buddy Movie Bad Boys – Harte Jungs (1995) ging´s dann aber wieder bergauf. Die 19 Millionen Dollar teure, in Miami gedrehte Produktion spielte weltweit über 141 Millionen Dollar ein und machte Michael Bay, einen Regisseur von Werbespots und Musikvideos, der hier sein Kinofilmdebut gab, und Hauptdarsteller Will Smith zu Superstars. Neben Smith standen noch sein Leinwandpartner Martin Lawrence (Nix Zu Verlieren, 1997), Tea Leonie (Jurassic Park III, 2001), Tcheky Karyo (Kiss Of The Dragon, 2001), Joe Pantoliano (Auf Der Flucht, 1993) und Theresa Randle (Malcolm X, 1992) vor der von Howard Atherton (Eine Verhängnisvolle Affäre, 1986) geführten Kamera.

Mike Lowrey (Will Smith) und Marcus Burnett (Martin Lawrence) sind Partner bei der Drogenfahndung von Miami, könnten aber unterschiedlicher nicht sein. Während Single Lowrey vermögend ist, sich gut kleidet und einen luxuriösen Sportwagen fährt, führt Burnett ein Leben als Ehemann und Familienvater. Der bisher größte Erfolg des Duos war die Sicherstellung von Heroin im Wert von 100 Millionen Dollar, das jedoch aus der Asservatenkammer des Miami Police Departement gestohlen wurde. Die Abteilung für innere Angelegenheiten vermutet Korruption innerhalb der Polizei und will die Abteilung in 72 Stunden dicht machen – soviel Zeit haben Lowrey und Burnett, die Drogen wiederzubeschaffen…

Zugegeben, die Versatzstücke, aus denen Bad Boys  besteht, sind alles andere als neu (Zwei ungleiche Partner, eine Zeitspanne von wenigen Tagen, das Umgraben der städtischen Unterwelt…), aber was Michael Bay aus diesen Zutaten gemacht hat, ist beachtlich und gehört zu den Actionfilmhighlights der Neunzigerjahre. Dabei hatte Bay das Glück, auf zwei hervorragende Hauptdarsteller zurückgreifen zu können, die zwar nicht ganz an dynamische Duos wie Mel Gibson & Danny Glover (Lethal Weapon – Zwei Stahlharte Profis, 1987) und Nick Nolte & Eddie Murphy (Nur 48 Stunden, 1982) herankommen, aber dennoch prächtig miteinander harmonieren; allein wegen des Zusammenspiels und der Wortgefechte von Smith und Lawrence, die einen großen Teil des Bad Boys-Unterhaltungswerts ausmachen, sollte man den Streifen gesehen haben. Bay, der das Drehbuch des Films nicht sonderlich gemocht haben soll, soll Smith und Lawrence erlaubt haben, zu improvisieren, was sich mit Sicherheit auf die Spielfreude der beiden Akteure ausgewirkt haben dürfte, die in vielen gemeinsamen Szenen deutlich sichtbar wird. Außerdem ist es erfrischend, mal ein Buddy Movie zu sehen, in dem zwei ungleiche Partner nicht durch bestimmte Umstände zur Zusammenarbeit gezwungen werden müssen, sondern von Anfang an ein Team bilden. Das erlaubt z.B. einen tieferen Einblick in das Privatleben der beiden Cops, insbesondere in das von Familienvater Lawrence/Burnett, das durchaus dazu geeignet wäre, einen Polizeihelden zu diskreditieren, im Falle von Bad Boys den Film aber etwas erdet und den Hintergrund für einige Gags des Films bietet.

Weiterer Unterhaltungswert ergibt sich aus dem (ein wenig konstruierten) Rollentausch in Bad Boys: durch das Auftauchen der Zeugin Julie (Nicht nur aufgrund ihres hübschen Aussehens ein Gewinn für die Besetzung des Films: Tea Leoni), die partout nur mit Mike Lowrey sprechen will, werden Playboy Lowrey und Familienvater Burnett gezwungen, die Rollen zu tauschen, was zu zahlreichen witzigen Situationen führt, so dass keine Langeweile aufkommt. Apropos witzige Situationen: Bad Boys sollte in der englischen Sprachfassung gesehen werden, da in der deutschen Sprache nicht jeder Spruch optimal rüberkommt. Zudem wurde nicht jede deutsche Stimme gut gewählt, was besonders für den von Joe Pantoliano dargestellten Captain Howard gilt, der in der deutschen Sprachfassung durch seine Stimme und die Verwendung von denglischen Begriffen wie „gemanaged“ oder „abgefuckt“ nerviger wirkt als es in der Originalfassung. Wer also über die nötigen englischen Sprachkenntnisse verfügt, sollte sich Bad Boys im Original ansehen. Allen anderen sei gesagt, dass der Streifen aber auch auf Deutsch immer noch eine Menge Spaß macht.

Michael Bays Spielfilmdebut würde also als reine Komödie funktionieren, aber Bad Boys ist auch ein Actionfilm und auch wenn Bay hier – aufgrund des für einen hochkarätigen Actionfilms eher moderaten Budgets – noch nicht so aus den Vollen schöpfen konnte wie in seinen späteren Filmen, hat er in Bad Boys einige hervorragende Actionsequenzen inszeniert, denen durch die hämmernde, pulsierende Musik von Mark Mancina (Speed, 1994) zusätzliche Dynamik verliehen wird. Wenn man z.B. die Verfolgungsjagd mit einem mit hochexplosivem Äther beladenen Lieferwagen oder den Showdown auf einem Flughafen betrachtet, dann ist man aufgrund des hervorragenden Zusammenspiels von Kameraführung, Schnitt, Musik und Darstellern auch nach mehrfacher Sichtung des Films immer noch mitgerissen. Zudem hatte man damals keine Scheu, sich die Finger schmutzig zu machen – auch wenn die (neue) Altersfreigabe ab 16 Jahren durchaus in Ordnung ist, bleibt festzuhalten, dass Bad Boys sein R-Rating nicht nur dem großzügigen Gebrauch von Schimpfwörtern verdankt, sondern auch etlichen blutigen Einschüssen. Und auch wie der brillant als Schurke aufspielende Tcheky Karyo mit Personen umgeht, die ihm nicht passen, verleiht dem Film zusätzliche Härte und Kaltblütigkeit; einen derart unangenehmen Gangster hat man auch damals nicht alle Tage gesehen. Kurz und knapp: Was die Action angeht, ist Bad Boys jedenfalls im oberen Drittel des Neunzigerjahre-Actionkinos einzuordnen.

Was Bad Boys ebenfalls über den Genredurchschnitt hebt, ist seine atemberaubende Optik. Man merkt Michael Bays Inszenierungsstil an, dass er aus der Werbe – und Musikvideobranche stammt, denn Bad Boys sieht einfach verdammt gut aus. Nicht nur in den fulminanten Actionszenen, sondern generell. Bay versteht es, die (hauptsächlich) attraktiven Schauplätze ins bestmögliche Licht zu rücken. Im weiteren Verlauf seiner Karriere ist Bay für seine Hochglanzoptik, die zu sehr auf optische Schauwerte setzen und so von den dünnen Plots seiner Filme ablenken soll, durchaus kritisiert worden, in Bad Boys jedoch ist sie ein weiterer Pluspunkt, der zur Qualität des Films beiträgt.

Bad Boys – Harte Jungs ist auch 25 Jahre nach seiner Erstveröffentlichung immer noch ein hervorragendes, sehenswertes Buddy Movie, das über zwei tolle Hauptdarsteller, mehrere überzeugende Nebendarsteller, ein hohes Potenzial an gelungenen Gags und bleihaltigen Actionszenen und eine spektakuläre Optik verfügt.

9/10
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Kommentare

11.08.2020 19:53 Uhr - McGuinness
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Wow... Eine richtig tolle Review von dir, zu einem meiner Meinung nach lupenreinen Actionkracher und für mich seit jeher 10 Punkte Kandidat 💪🏻😎

Perfekt inszenierte Action, zündende Gags, tolle Schauspieler, hervorragende Kameraarbeit, passender Soundtrack usw. ... Ein wahres Fest für Action - Fans, welches ich mir immer wieder gerne ansehe 🤗

Die Sichtung in der Originalfassung ist mir bisher ehrlich gesagt noch nie in den Sinn gekommen, da ich mit der deutschen Synchronisation immer vollkommen zufrieden gewesen bin... Aber warum eigentlich mal nicht ?! 🤔😉

Wie gesagt, wirklich klasse von dir vorgestellt, mit allen relevanten Informationen... Ich hab nun schon wieder Appetit 😋

11.08.2020 20:20 Uhr - Punisher77
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Vielen Dank, Mc Guiness,
freue mich sehr über Deine ausführliche Rückmeldung!
Die deutsche Synchro ist schon in Ordnung, aber der O-Ton ist besser...viel Spaß beim Entdecken oder dem Re-Watch auf Deutsch.

11.08.2020 21:40 Uhr - dicker Hund
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Bei mir haben die bösen Jungs nie die ganz große Begeisterung zu wecken vermocht. Im O-Ton habe ich sie aber in der Tat noch nicht reden hören. Vielleicht liegt es auch an der aufgesetzten Coolness von Will Smith, dass mir die hier rhetorisch ansprechend dargestellten Stärken des Films nicht so deutlich in Erinnerung sind. Mit einem Wesley Snipes tue ich mich zum Beispiel leichter.

11.08.2020 22:10 Uhr - Punisher77
1x
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@Dicker Hund:
Danke für Dein Feedback.
Ob ich hier von "rhetorisch ansprechend dargestellter Stärke" sprechen würde, weiß ich nicht. Ich fand den Film im O-Ton etwas locker-flockiger als in der deutschen Synchro. Muss aber nicht jedem so gehen.

11.08.2020 23:38 Uhr - Kaiser Soze
2x
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Sehr gutes und ausführliches Review! Diese Details über die Produzenten, den Regisseur oder auch der "Vergleich" mit Lethaö Weapon sind neben der eigentlichen Besprechung des Films genau das, was für mich ein gelungenes Review ausmacht - sehr schön verfasst, bin auf die Reviews zu den beiden Fortsetzungen gespannt ^^

12.08.2020 00:02 Uhr - Punisher77
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Vielen Dank, Kaiser!
freut mich, dass Dir das Review gefallen hat. Rezensionen zu den Teilen 2 & 3 folgen in Kürze.

12.08.2020 08:18 Uhr - TheMovieStar
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Tolles Review Punisher zum ersten Bad Boys Teil der mir persönliche ein bisschen zu langatmig war wäre bei 8/10 dabei..... Mein Lieblingsteil ist der Zweite. Wie hat dir eigentlich der dritte Teil gefallen?

12.08.2020 14:58 Uhr - Cabal666
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Schließe mich den anderen an. Toll verfasste Kritik, die auch auf die Hintergründe zum Film eingeht und einen guten Eindruck liefert.
Für mich ist Michael Bays Debüt einer von seinen wenigen wirklich guten Filmen. Irgendwie hat man das Gefühl, dass ihm seine Filme entgleiten, sobald er nicht mehr durch einen erfahrenen Produzenten wie Jerry Bruckheimer angeleitet wird. Denn etwa ab der Jahrtausendwende sind seine Filme immer länger, lauter, hektischer und nerviger geworden. Im ersten "Bad Boys" gefällt aber das Zusammenspiel vom Smith und Lawrence, der Humor ist noch nicht so kindisch und geschmacklos, die weiblichen Figuren nicht nur reines Eye Candy und die Action ist auch noch übersichtlich. Für mich auch der beste Teil der Trilogie. Sehe ich mir immer noch gerne an.
Wobei ich ihn bisher auch nur auf deutsch kenne. Die Synchro finde ich eigentlich auch nicht so schlecht. Müsste ihn auch mal im O-Ton antesten.

12.08.2020 15:28 Uhr - Punisher77
1x
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Vielen Dank, ihr Zwei!

@TheMovieStar:
Der dritte Teil hat mir gut gefallen. Nicht ganz so gut wie Teil 1 & 2, aber trotzdem gut.

@Cabal:
Ja, auch für mich ist "Bad Boys" einer von Bays besten Filmen. Mit den "Transformers"-Filmen konnte ich nie was anfangen, aber "The Rock", "Die Insel" und "Pain & Gain" gefallen mir auch.

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