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Sinnlos im Weltraum

Herstellungsland:Deutschland (1994)
Genre:Komödie, Parodie, Science-Fiction
Alternativtitel:Star Trek: Sinnlos im Weltraum
Bewertung unserer Besucher:
Note: 8,00 (8 Stimmen) Details
inhalt:
Der Weltraum. Unendliche Hirnlosigkeit.
Hier finden die Abenteuer der Crew des Raumschiffs Enterprise statt, des größten fliegenden Rehabilitationszentrums für Nassbirnen, Vollidioten und unheilbare Alkoholiker. Unter Leitung des stets gewaltbereiten Hobbyalkoholikers Jean-Luc Picard erlebt die Crew, bestehend aus dem Superhirn Commander Riker, dem kleinputzigen, fruchtgummi-kauenden Lieutenant Worf, dem zerstreuten Chef im Maschinenraum Geordi und dem Rechengenie Data sinnlose Abenteuer, wie man sie noch nie gesehen hat.
eine kritik von cabal666:

Anlässlich des 80. Geburtstags von Patrick Stewart: eine Kritik zu einem ganz besonderen deutschen Kulturgut!

 

Das ist sie: die Mutter aller deutschen Comedy-Synchros.

"Ja, Leude, ey, ich erhebe mein Glas auf die fiesesten Wichser, echt ey!"


Als sich im Dezember 1994 ein paar Kumpels aus Siegen in Nordrhein-Westfalen eine "Star Trek"-Folge ohne Ton ansahen und sich im Anschluss nur so aus Jux daran machten, diese und andere Folgen neu zu vertonen, ahnten sie definitiv noch nicht, was für einen Nachhall ihr Spaßprojekt zeitigen sollte. "Sinnlos Im Weltraum", das langsam aber sicher seinen Weg ins noch relativ junge Internet fand, sollte zum Begründer einer neuen Art von Fanfiction werden (zumindest auf deutschem Boden) und gleichzeitig ihr gelungenster Beitrag. Denn an die innere Geschlossenheit und Kontinuität der Serie sowie die originellen Einfälle der Macher sollten nur die allerwenigsten Nachfolger heranreichen.


Für Kenner der Originalserie "Star Trek: The Next Generation" ergibt sich die Komik von "Sinnlos Im Weltraum" vor allem daraus, dass Charaktere und Handlungen in ihr krasses Gegenteil verkehrt wurden. So wurde aus dem eigentlich friedfertigen und umsichtigen Captain Picard der "stets gewaltbereite Hobbyalkoholiker", der von seiner beschränkten Crew dauernd genervt ist und sie praktisch ununterbrochen beleidigt und ihr Gewalt androht. Dabei zeichnet diese Synchro etwas aus, was viele ihrer Nachahmer nicht haben: nämlich Authentizität. Picard sieht die meiste Zeit tatsächlich so aus, als wäre er mies drauf und würde am liebsten zuschlagen. Eine weitere absurde Komik ergibt sich beim Charakter Wesley, der ja eigentlich total der Milchbubi ist, hier aber eine extrem tiefe Stimme verpasst bekam. Ein weiterer witziger Running Gag und Insiderwitz ist, dass die "Sternzeit", zu der die Handlung offenbar spielt, immer eigenartigere Bezeichnungen erhält, wie beispielsweise "7/3,5/4", "Komma 3", einmal auch schlicht "Komma" oder von Picard kurzerhand mal weggelassen wird.


Die Funsynchro ist natürlich auch extrem unterhaltsam, wenn man das Original nicht kennt. Vor allem Picards fiese Sprüche, die Eigenheiten der anderen Charaktere, ihre oft, wie es der Titel schon sagt, ziemlich sinnlosen Wortgefechte und Aktionen sorgen für eine Menge Lacher.


Allerdings muss man dazu sagen, dass die einzelnen Folgen, welche in ihrer Dauer von nur wenigen Minuten bis zu einer komplett synchronisierten Episode reichen, teils stark hinsichtlich ihrer Qualität schwanken. Bei dem allerersten synchronisierten Ausschnitt, der später im Nachhinein "Und damit fing der Wahnsinn an" genannt wurde, sowie der folgenden komplett neu vertonten Folge "Zeitsprung mit Q" (bzw. Zeitsprung mit Daniel, denn so wurde der Charakter - nach dem Namen seines Sprechers - umbenannt) merkt man noch deutlich, dass sich die Macher erst ausprobieren mussten, sie die Charaktere noch nicht richtig ausgearbeitet hatten (ganz zu Anfang sind Data und Picard sowohl hinsichtlich der Sprecher als auch ihrer Charakterzüge vertauscht) und ihnen auch noch keine wirklich witzigen Gags einfielen. Teilweise wussten sie offensichtlich garnicht, was sie sagen wollten, denn Data meint beispielsweise an einer Stelle im "Wahnsinn": "Wird langsam mal Zeit, dass hier die Scheiß-Szene endlich mal zu Ende geht, Junge. Größtenteils herrscht eher Langeweile. Die beiden Folgen sind im Grunde verzichtbar, denn wie es Guinan am Ende von "Zeitsprung mit Daniel" richtigerweise ausdrückt:

"Wer sich hier die Folge bis hierhin angeguckt hat, der kann se doch, njo, wirklich nimmer alle haben."


Auch die dritte Folge, "Illusion und Wirklichkeit" (mit wenigen Ausnahmen sind sie nach den deutschen Titeln der Originale benannt) plätschert anfangs eher dahin, da die Dialoge meistens nur aus nicht wirklich einfallsreichem Gezanke bestehen. Ab der Hälfte nimmt sie dann aber an Fahrt auf und wenn Picard zum Schluss Data und Kanzler Troi klar macht, wie sehr er sie und die restliche Mannschaft wegen ihrer Dummheit verachtet, wird es endlich richtig lustig. Und mit den folgenden Episoden kamen dann auch die Meisterwerke. Die komplett synchronisierten "Versuchskaninchen", "Darmok", "Planet der Klone" und "Das fehlende Fragment", bei denen teilweise nur zwei Sprecher beschäftigt waren, die aber einen Haufen Charaktere sehr individuell darstellen konnten, gehören mit zum witzigsten, was je über deutsche Computerbildschirme flimmerte. Insbesondere "Versuchskaninchen" wartet mit herrlichen Pointen und zum Brüllen komischen Wortgefechten zwischen Riker und Picard auf.

Riker: "Äh, sag mal, spinnst du?"

Picard: "Ich glaub' ich muss dir mal die Barthaare einzeln auszupfen."

Riker: "Äh, ich glaub' es ist an der Zeit, dat ich endlich mal Captain bin".

Picard: '"n Stück Scheiße bist du."

Riker: "Wenn ich dat Kommando übernehme mach' ich aus dir 'n Stück Scheiße!"

Picard: "Ich glaub' ich muss dir echt mal wat brechen, Junge."

Riker: "Ich Captain, du Scheiße."

Picard: "Ich hab' echt noch 'n paar Gehirnzellen, Junge und du keine. Und wenn du meinst du könntest hier ausrasten, dann muss ich glaub' ich echt mal gucken, ob meine Axt noch scharf genug für Knochen ist, Junge."

Riker: "Äh, weiste wat? Ich hätt' ja vielleicht Angst, wenn ich wüsste, wat ne Axt ist."

Picard: "Oh mann, so doof kannst wirklich echt nur du sein, Junge. Äh, mach' weiter so, dann geb' ich von selber auf. Weiste, was ich echt von dir halte, Junge? Äh, du hast 'nen Intelligenzquotienten von drei und 'ne tote Ratte hat einen von zehn, echt Junge. Du Wichser, äh, ich glaub' ich muss dir echt mal 'ne Koppnuss geben, Junge. Dummer Lutscher."

 

Kürzere Episoden, die noch entstanden, waren "Noch einmal Daniel", "Der Überläufer (Remulaner)" (die nach "Versuchskaninchen" witzigste Folge), "Auf schmalem Grad" (welche unter Alkoholeinfluss entstand, was man auch deutlich merkt), "Segelohr" (die einzige, die nicht "The Next Generation" als Ausgangsmaterial verwendet, sondern eine Folge der Originalserie mit Kirk und Spock) und "Schaukelpferd", die letzte und kürzeste Episode, bei der der Schluss garnicht mehr nachvertont wurde.


Rückblickend ist es echt erstaunlich, was sich aus einem, mit den billigsten Mitteln produzierten, ziemlich niveaulosen Spaß entwickeln sollte. Entstanden noch zu Prä-Internet-Zeiten, ganz spartanisch mit mittlerweile antiker Technik aufgenommen, zuerst auf VHS, später CD-Rom an Freunde weitergereicht und von dort dann seinen Weg ins Internet findend, errang das Werk einen regelrechten Kultstatus und enormen Bekanntheitsgrad, der seine Macher (von denen nur einer seine Identität später öffentlich machen sollte) wohl mit am stärksten überraschen sollte. Es entstanden Internetforen, Fanfictions, Fotomontagen (von den Fans liebevoll "Klatschkarten" genannt), Computerspiele und natürlich zahlreiche Nachahmer. Höhepunkt war die Ausstrahlung von zwei Folgen im Siegener Open Air Kino auf Großleinwand im Jahr 2002. Danach wurde es eher ruhig um SiW. Das letzte Lebenszeichen war das Video "Der Klingone" aus dem Jahr 2007, bei dem drei der Sprecher ein Interview mit einem Klingonendarsteller neu vertonten. Die Blütezeit der Fansynchros sollte freilich erst beginnen. Seit ein paar Jahren sind diese jedoch auch kaum noch vertreten. Auf Youtube sind es nur noch dodokay mit seinen schwäbischen Neuvertonungen von Filmausschnitten und der Musiker, professionelle Schauspieler und Synchronsprecher Davis Schulz, die dieses Szepter hoch halten. Die SiW-Videos erfreuen sich jedoch nach wie vor großer Beliebtheit.


Was den Unterhaltungswert der Synchro vor allem ausmacht, sind die neu gestalteten Charaktere mit ihren urkomischen Eigenheiten, allen voran Captain Picard, für den absolut jeder ein Junge ist, vollkommen ungeachtet des Geschlechts, Alters, Ranges oder der Herkunft seines Gegenübers, der es selbst aber überhaupt nicht mag, wenn man ihn so anspricht.

"Sach noch einmal Junge!"

Dazu ist er anfällig für Lob und Respektsbekundungen:

Dr. Crusher: "Ich hätte ja nicht gedacht, dass du bei einer solchen Konkurrenz gewinnst."

Picard: "Ja, Junge, da kann man mal sehen, wie schlecht du denken kannst."

Er ist zudem ein geschickter Taktiker im Kampf: in der Folge "Darmok" lehnt er das ihm vom Tamarianischen Captain gegebene Messer ab, denn "damit kann man doch net hauen".

Er weiß auch genau, wie er Doppelgänger voneinander unterscheiden kann:

"Am besten brech' ich dir deine Arme, und dir Junge, dir brech' ich am besten mal deine Beine. Dann kann ich euch beiden wenigstens mal auseinanderhalten, echt."

Er lässt besiegten Feinden eine angemessene Behandlung zukommen:

"Jetzt seid ihr meine Gefangenen und dat bedeutet gemeine Schläge, brutale Knochenbrüche und ganz miese Verstümmelungen."

Er hatte eine behütete Kindheit:

"Dat sin jetz hier echt die Dinger, die man hier rausnehmen kann, wa Junge? Un echt jetz, äh, pass mal genau auf, Junge! Äh. Die hab ich immer genommen und äh, hab die meinen Spielkameraden vor den Kopp geschmissen."

Das Verhältnis zu seiner Familie kann man wohl als typisch ansehen:

Vater: "Du bringst mich echt noch in't Grab, Jong."

Picard: "Hä? Dat wird auch langsam mal Zeit, Junge. Äh, da hau ich dich zur Not noch rein, echt."

Wie auch seinen Umgang mit dem Nachlass verstorbener Mitglieder von dieser. So meint er beispielsweise zu seinem Vater:

"Wat macht denn die Mutter noch? Is die immer noch tot?"

Darauf sein Vater: "Gottseidank."

Als der Vater dann gestorben ist und es um die Beerdigung geht, meint Picard:

"Ich hab keine Kohle für so'n Kappes! Der Alte wird aus dem Fenster geschmissen und da is dat gut. 13 Mark, ich glaub ihr habt sie nimmer alle!"

Außerdem kann er Drogenmissbrauch auf seinem Schiff wirkungsvoll unterbinden:

"Wenn ich merke, dat einer von euch Drogen nimmt, dann hau' ich eure dummen, fiesen Köppe gegeneinander."

Und auch souverän mit abweichenden Meinungen umgehen. So meint er zu Kanzler Troi:

"Äh, pass' mal auf. Wenn du dich net zu 'ner Kneipentour bereiterklärst, dann erzähl' ich allen, dat du hier mit jedem rumhurst. Oder ich hau' dir so die Schnauze ein, dat dich hier an Bord garantiert keiner mehr fi**t."

Auch vertritt er ein verantwortungsvolles Konsumverhalten:

"Alkohol, Junge! Der schmeckt richtich!"

 

"Singt mal alle mit hier! Wir saufen bis wir umfalln, wir saufen bis wir umfalln..."

Er ist sozusagen "the man himself" und ein Vorbild in jeder Hinsicht. ^^

"Ich kann nämlich schon per Gedankenkraft Schiffe zum Explodieren bringen!"


Dazu ist Picard auch ein großer Liebhaber des am weitesten verbreiteten koffeinhaltigen Getränks, das er in einer wahren Ode anpries:

"Ja, Junge, Alde, dat is Kaffee, echt jetz. Und Kaffee is nun mal lecker. Äh, schwarz, stark und vor allem schön lecker. Äh, echt jetz."

Aber auf gar keinen Fall sollte man dem Kaffee Milch zuführen, denn dann ist er nicht mehr schwarz und lecker! Und was die weißen Figuren jetzt damit zu tun haben, das wird wohl auf ewig ein Rätsel bleiben, auch wenn Picard meint, dass die Lösung ganz klar auf der Hand läge.

"Jetz echt schwarzer Kaffee, woa, Junge. Äh, der schmeckt richtich. Richtich lecker schmeckt der, echt jetz. Äh, dat is wie mit den Figuren hier, echt jetz, Junge. Mm, äh. Nur dat die net schwarz sin."


Demgegenüber sein erster Offizier Riker, der niemals und zu keiner Zeit irgendwas rafft und ständig von dem Wunsch beseelt ist, selbst einmal Captain sein zu dürfen (was im Grunde eine recht simple, aber zutreffende Darstellung des Rikers aus der Originalserie ist), welcher ihm aber so gut wie nie erfüllt wird. Seine Intelligenz unterschreitet den Datentransfer jedes Computers und seine Begriffsstutzigkeit ist beispiellos. Wobei er paradoxerweise durchaus eine Ahnung von komplizierten technischen Sachverhalten wie Beamen hat, wogegen die simpelsten Bezeichnungen für ihn Fremdwörter sind:

Picard: "Äh, hat denn schon einer die Karre aufgetankt?"

Riker: "Ja, wat ist denn tanken?"

Picard: "Jaja, halt die Fresse."

 

Auch seine romantischen Vorstellungen sind sehr ausgefallen:

Maria Kron: "Oh, ist das hier dein Schlafzimmer?"

Riker: "Wat ist denn 'n Schlafzimmer?"

Maria Kron: "Ja, wo ich den Fummel hier ausziehen kann."

Riker: "Wie, dat Kleid? Dahinten steht 'n Mülleimer."


Ihnen zur Seite steht der Klingone Commander Worf, der noch in den Kindergarten geht und für den alle in seinem Umfeld böse sind - nur die notgeile Ärztin Dr. Pulaski bezeichnet er in der Folge "Planet der Klone" kurz als "lieb".

Dann gibt es noch den Androiden Commander Data, dessen Sprachchip oftmals defekt ist, wodurch sich ständig seine Stimme und sein Akzent ändert und der sich dadurch auszeichnet, mit seiner 1Bit-Speicherkapazität jede einstellige Addition innerhalb von drei Stunden garantiert falsch lösen zu können.

"3x14 is 38 und 12 das gibt 110!"

 

Sowie den offensichtlich ziemlich zerstreuten Chefingenieur Geordi, dessen häufigste Äußerungen W-Fragen sind und der gelegentlich mit Data aneinandergerät:

Data: "Äh, ich glaube, mein Sprachmodul ist leicht defekt. Ähm, ich habe schon wieder diese komische Stimme."

Riker: "Ich bin froh, dass ich net so 'ne komische Stimme hab, hä?"

Data: "Das ist immer noch besser als dieser Unsinn mit dem Wie, Was, Wer, Wo, Wann."

Geordi: "Wat, wie, wer?"

Data: "Jaja."

 

Beeindruckende Rechenfähigkeiten besitzen auch die anderen männlichen Offiziere. Hier zwei Beispiele:

 

Auf dem "Planeten der Klone" kommen Riker und Worf in ein Zimmer, in dem drei identisch aussehende Frauen sind.

Darauf Riker: "Guck' mal Worf, die vier sehen alle gleich aus. Dat sind ganz gewiss Zwillinge, komisch."

Eine vierte Frau kommt hinzu. Worf meint: "Dat sind sogar Drillinge."

 

Im "fehlenden Fragment" meint Data an einer Stelle: "12x9 ist 38 plus 43 sind Minus 13."

Picard kommt hinzu und korrigiert ihn: "Minus 14, Junge!"


Und es gibt noch die nicht minder verpeilten weiblichen Besatzungsmitglieder: die schlagfertige Dr. Crusher, welche früher als Prostituierte tätig war und in betrunkenem Zustand alles mit sich machen lässt, Dr. Pulaski, die allen männlichen Mitgliedern ständig sexuelle Avancen macht, obwohl diese sie allesamt verabscheuen und schließlich Kanzler Troi, die abwechselnd entweder extrem hochnäsig ist oder genau die gleichen Charaktereigenschaften und Stimme wie Dr. Pulaski hat - also vermutlich eine multiple Persönlichkeit hat.


Diese eigenartige Crew begegnet im Laufe der Serie ebenso schrägen Zeitgenossen, die illustre Namen wie Rubi Flanell, Einfach Toll, Superidiot, Adelheid, Heinz, Bad Randolph, Daniel, Jim Beam, Maria Kron und Karl Squell tragen, und erlebt Abenteuer, wie es sie zuvor noch nie gegeben hat.


Wie schon erwähnt: "Sinnlos Im Weltraum" ist äußerst niveaulos - ach was, extrem stumpf, debil, gewalt- und drogenverherrlichend, sexistisch, schwulenfeindlich, politisch völlig inkorrekt, absurd und eben vollkommen sinnlos... aber auch kein bisschen ernst gemeint.


Und steckt dazu voller teils richtiggehend genialer Einfälle. Zu den originellsten Momenten zählt beispielsweise der immer absurder werdende Dialog zwischen Data und Geordi in der Folge "Der Überläufer", bei der die beiden zuerst völlig aneinander vorbeireden, um sich dann nur noch über W-Fragen zu verständigen (was vermutlich schlichtweg aus der Not heraus geboren war, weil den Sprechern in dem Moment nichts besseres einfiel).

 

Geordi: "Hey Data, der Alte hat wieder 'n Hals, hast du wieder 'ne Sonde losgelassen oder wie oder wat?"

Data: "Hm, joa."

Geordi: "Ja, du bist aber für 'nen Androiden schwer nachlässig, kann dat sein oder wie?"

Data: "Ja mein Gott, müssen denn auch immer so viele scheiß Knöpfe an dem Pult sein?"

Geordi: "Wie, wat, wat hast du gesagt?"

Data: "Joa, ja so viele scheiß Knöpfe."

Geordi: "Wat, Töpfe? Wovon redest du überhaupt, oder wat oder wie oder wer?"

Data: "Hm. Ja, Geordi ich mach mir aber keine Zöpfe, dafür sind meine Haare viel zu kurz."

Geordi: "Äh, seit wann ham Töpfe Haare oder wie oder wat oder wer?"

Data: "Ja, aber Geordi, ich denke für Zöpfe braucht man doch lange Haare."

Geordi: "Jetzt lass' mich mal in Ruhe mit deinen scheiß Töpfen oder wie oder wat oder wer? Oder wie? Oder wie oder wat oder wer? Oder warum."

Data: "Äh, wie oder wer?"

Geordi: "Äh, wie, wat und wer."

Data: "Hä? Wie, wat, wer oder wat?"

Geordi: "Ja, exakt!"

 

Oder wenn sich Picard, Dr. Crusher und Geordi in "Das fehlende Fragment" gegenseitig über die kompliziertesten wissenschaftlichen Begriffe austauschen, von denen die Macher offensichtlich selbst nicht wussten, was sie eigentlich bedeuten:

Geordi: "Dat is hier die Molekularsymplexion über trivial-komplexive Plasmakonvergenzen, wie, wat?"

Picard: "Äh, du meinst etwa spezifische Kausalalgorithmen, die in Reihe gehen mit der Modularsequenzsynthese?"

Geordi: "Net ganz, aber man sollte auch die Resonanzmatrix von der Resonanzpopulation unterscheiden, was hab ich gesacht?"

 

Zwei Sprüche für die Ewigkeit in diesem Stil stammen von Geordi...:

"Dazu müsst' ich erstmal wissen, wie der kausale Amplitüdenwiderstand in der Deklaration entsteht, aber substanziell gesehen kann ich einfach nur sagen: scheise, oder wat?"

....und Picard:

"Ich bin versiert in sämtlichen monokliiden Diskrepanzmodifikationen, Junge, echt ey. Aber ehrlich gesagt, rede ich lieber mit den Fäusten."


Und für besonderen Unterhaltungswert sorgen die Auftritte der Figuren Einfach Toll, Darmok und Karl Squell, die alle vom selben Sprecher, Daniel P., der auch Q spricht, vertont werden, und durch ihre schräge Redeweise, bei der sie die Vokale immer auf absurde Weise in die Länge ziehen, unnötige Pausen beim Reden machen und sich dazu oft sehr wissenschaftlich ausdrücken, einen Lacher nach dem anderen hervorrufen. Dies soll Daniel P. übrigens vom Lageristen seiner Firma, in der er gearbeitet hat, übernommen haben, worauf auch einmal Bezug genommen wird. Ein Zitat für die Ewigkeit ist definitiv:

"Du bist ja noch nicht mal in der Laaage... eine grammatikalisch korrekte Artikulation... zu implizieren!"


Was noch auffällt, ist der interessante Musikgeschmack der Macher, der hauptsächlich im härteren Bereich angesiedelt ist. Die frühen Folgen wurden von ihnen teilweise noch selbst auf der Gitarre begleitet, wobei in "Zeitsprung mit Daniel" kurz das Instrumental "To Live Is To Die" von Metallica zitiert wird. In "Illusion oder Wirklichkeit" lauscht Picard am Ende "I'm Broken" von Pantera und summt laut mit. In "Versuchskaninchen" schließlich entspannt er sich am Anfang noch zur schnulzigen Ballade "If You Leave Me Now" von Chicago, später tanzt er mit Dr. Crusher - und zwar zu "Hammer Smashed Face" von Cannibal Corpse. Death Metal eignet sich also hervorragend als Tanzmusik für Paare, warum wird sowas nicht öfter aufgelegt?
In der Kneipe der Enterprise hört man dann später "Ride On" von AC/DC. Wie gesagt: guten Musikgeschmack haben die Jungs! m/


Wobei die Folgen ansonsten meist von stumpfen Technobeats untermalt werden, die die absurde Wirkung aber zusätzlich noch unterstreichen.


Dazu haben die Macher auch etwas Lokalkolorit untergemischt. So wird einige Male die Kneipe "Biertunnel" erwähnt, welche es in Siegen tatsächlich gibt. Und Picards Vater redet in der Folge "Das fehlende Fragment" feinstes Sejerlänner Platt:

"Hömma, Jong. Wo krischt mo da so Mäggesr her? Der is ja so dämlisch, häst du demm zu oft hönnr dr Kopp gehaue or'r watt! Ich hab dir doch früher immer nur gesäht, net allzu fest haue. So dämlisch wie der is, hätt isch den schon längst hier us dem Fenster rusgeschmisse, Jung!"

Ein Stück Kultur wird hier also auch transportiert.


Der enorme Einfluss, den die kleine Fanproduktion haben sollte, war zu ihrer Entstehungszeit unmöglich vorherzusehen und ist auch heute nicht auf den ersten Blick erkennbar. Tatsache ist aber, dass die beiden berühmtesten Nachfolger, "Lord Of The Weed" von Bloodpack Entertainment und die "Harry Potter"-Synchros von Coldmirror, welche SiW mittlerweile an Bekanntheitsgrad weit übertroffen haben, deutliche Bezüge auf dieses enthalten. So ist der erste Rap von "Fresh Dumbledore" in "Harry Potter und ein Stein" fast 1:1 dem ersten von Bad Randolph aus dem "Remulaner" entliehen. In beiden ist die Zeile "ich rappe hier und ich rappe dort" und die Verabschiedung "Yo, Motherfuckeeeer!" enthalten, zudem ist der Beat auch derselbe.

Und im zweiten Teil von "Lord Of The Weed" fragt Frodo Gandalf "Willst du Milch zu deinem Kaffee?" worauf dieser erwidert: "Was fällt dir eigentlich ein, Milch in meinen Kaffee zu gießen?! Dann ist er doch nicht mehr schwarz und lecker!", was auf den schwarzen Kaffee liebenden Picard verweist. Zudem werden im ersten Teil Drogen wie im "Remulaner" mit den Worten angepriesen: "Da fliegen dir die Löffel weg!". Außerdem haben die Macher von LotW ausdrücklich betont, dass sie Fans von SiW sind und haben ihr Werk auch erstmals in einem Fanforum dazu veröffentlicht. Dank SiW konnte sich also eine Synchroszene erst richtig entwickeln.


Wie soll ich das nun bewerten? Eine "Serie" im eigentlichen Sinne ist das hier ja nicht. Zumal die einzelnen Folgen wie gesagt auch starke Qualitätsschwankungen haben.

Die Bewertung für die einzelnen Folgen sähe jedenfalls so aus:

1. "Und damit fing der Wahnsinn an": 3 Punkte

2. "Zeitsprung mit Daniel": 3 Punkte

3. "Illusion oder Wirklichkeit": 6 Punkte

4. "Versuchskaninchen": 10 Punkte

5. "Noch einmal Daniel": 7 Punkte

6. "Der Überläufer (Remulaner)": 9 Punkte

7. "Darmok": 8 Punkte

8. "Segelohr": 6 Punkte

9. "Auf schmalem Grad": 5 Punkte

10. "Planet der Klone": 9 Punkte

11. "Das fehlende Fragment": 9 Punkte

und 12. "Schaukelpferd": 7 Punkte

Damit komme ich (aufgerundet) auf einen Durchschnitt von 7, aber das würde der Serie hinsichtlich des insgesamt gesehen sehr hohen Unterhaltungswerts und des abgefahrenen Konzepts nicht gerecht. Zwei Punkte mehr passen da schon eher. Und eine Lieblingsserie von mir ist das ohnehin.
Wer Interesse hat: die Folgen sind allesamt komplett auf Youtube vorhanden.

"Und allen muss jetz echt mal klar sein: wer sich mit mir anlegt, ey, stirbt langsam!"


Klar soweit?
Gut, dann geh ich mir jetzt 'nen schönen schwarzen, kochend heißen, extrem leckeren, echt schwarzen Kaffee machen. Und wehe, den packt einer an, dann muss ich nämlich echt mal anfangen, hier ganz gemeine Fleischwunden zu verteilen! Oder ich führ euch mal meinen neusten Fausttanz vor! Macht's gut, ihr Nassbirnen! :)

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