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Nicht auflegen! - Dein Leben hängt an der Strippe

(Originaltitel: Phone Booth)
Herstellungsland:USA (2002)
Standard-Freigabe:FSK 16
Genre:Thriller
Bewertung unserer Besucher:
Note: 7,77 (30 Stimmen) Details
inhalt:
Stu Shepard (Colin Farrell) ist ein energiegeladener, smarter Medienjongleur. Im schicken Designeranzug eilt er durch die Straßen Manhattans und pokert über zwei Handys gleichzeitig mit Kunden und Redakteuren. Er lügt, er droht, er schmeichelt, er scherzt, und zwischendrin findet er sogar ein paar charmante Worte für seine Ehefrau Kelly (Radha Mitchell). Ruhe sucht er in der letzten abschließbaren Telefonzelle auf der 53. Straße. Von hier aus ruft er Pamela (Katie Homes) an, eine junge Schauspielerin, mit der er seine Frau betrügt. Als Stu die Telefonzelle wieder verlassen will, klingelt es. Instinktiv nimmt er den Hörer ab und gerät in eine höllische Falle. Der unbekannte Anrufer ist ein Scharfschütze und Serienkiller. Aus irgendeinem Hochhausfenster hat er sein Präzisionsgewehr auf ihn gerichtet. Er weiß alles über Stu; er will, dass Stu seine Sünden bekennt. Seine Botschaft lautet: Wenn du den Hörer auflegst, bist du ein toter Mann.
Diese Kritik enthält Informationen über den späteren Handlungsverlauf der Geschichte.
eine kritik von chollo:

2003 stand Colin Farrell mit gerade einmal 26 Jahren noch am Anfang seiner mittlerweile beachtlichen Karriere. Zwar hatte er das Glück im selben Jahr noch unter der Regie von Steven Spielberg in der Phillip K. Dick Verfilmung "Minority Report" vor der Kamera zu stehen und hatte auch schon mit Joel Schumacher an dem Antikriegsfilm "Tigerland" zusammengearbeitet, aber erst mit ihre zweiten Zusammenkunft "Nicht Auflegen" sollte es für den gebürtigen Iren so richtig steil Bergauf gehen.

In waschechter Hitchcock-Manier verortet der gute Schumacher seine Geschichte zwar vor der imposanten Kulisse am Time Square, lässt die Geschehnisse aber hauptsächlich in und um eine Telefonzelle stattfinden. Selbst für einen gestandenen Filmemacher wie es Joel Schumacher zu dieser Zeit bereits war ("The Lost Boys"; "St. Elmo's Fire"; "Falling Down" ect. ect.) und nur mit einem vergleichsweise geringen Budget ausgestattet war das keine leichte Sache. Der Mann zieht aber sämtliche Register seines inszenatorischen Könnens und es kommt bei einer in Echtzeit ablaufenden Spielfilmlänge von 78 Minuten, nicht eine Sekunde Langeweile auf. Die Mischung aus hektischen Schnitten in Musikvideo Stil gepaart mit Totalen der agierenden Akteure wirkt stimmig und zieht die Spannungsschraube mit jeder weiteren vergangenen Sekunde unbarmherzig an.

Einen Bärendienst hin zur gehobenen Qualität dieses Werks erweist vor allem Colin Farrell als schmieriger Agent. Die Rolle scheint dem Iren wie auf den Leib geschneidert und an Glaubwürdigkeit mangelt es seiner Rolle sicherlich nicht. Doch spätestens als die Verwandlung im Rahmen seiner moralischen Prüfung einsetzt treten auch die Fähigkeiten im schauspielerischen Bereich deutlich zu Tage. Vom Hassobjekt zum Sympathieträger kann man es hier eigentlich vereinfacht ausformulieren. An zweiter Stelle weiß auch Forrest Withaker, als Hüter des Gesetzes mit entsprechender Spürnase um die ungewöhnlichen Vorkommnisse, zu überzeugen. Trotzdem ist auch Storybedingt nur wenig Platz bzw. Raum um sich zu entfalten, und so muss er dahingehend ein wenig in den Schatten treten. Die beiden weiblichen Darsteller verschwinden so ziemlich vollends im Dunkeln und beschränken sich eher auf erschrockene oder verwirrte Gesichtsausdrücke. Einen Cameo der einprägsamen Art leistet sich zum Schluss dann auch der formidable Kiefer Sutherland. Die wenigen Sekunden die er im Bild ist, laut IMDb wohl genau 52, machen Eindruck und lassen dem Zuschauer einen dezenten Schauer über den Rücken laufen. Leider habe ich den Film noch nicht in seiner Original Vertonung gesehen um auch seine auditiven Qualitäten zu überprüfen, aber auch Tobias Meister in der deutschen Synchronisation macht einen sehr guten Job.

Was den Härtegrad angeht kann man bei einem blauen Flatschen natürlich nicht allzu viel erwarten, aber seine Intensität zieht der Streifen auch aus seiner interessanten und äußerst gekonnt umgesetzten Geschichte. Ein mäßig detaillierter Einschuss da, ein kurzer Blick auf einen Kehlenschnitt dort. Mehr ist es nicht gewesen. Den Zuschauer stört es bei Sichtung nicht, der ist ohnehin damit beschäftigt mit seinem Gesäßorgan auf der Sitzgelegenheit nervös hin und herzurutschen. Nach fulminanten Showdown und Einblendung der Endcredits weiß man spätesten als Filmbegeisterten, keinen Frame Lebenszeit verschenkt zu haben.

"Nicht Auflegen" ist ein kurzer knackiger Thriller mit einem gut aufgelegtem Regisseur und einen höchst talentierten Hauptdarsteller. Ein Goldstück in seinem Genre.

 

R. IP.   Joel Schumacher

9/10
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Kommentare

17.07.2020 06:00 Uhr - McGuinness
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Den habe ich lange nicht mehr gesehen, daher ist mir dieser nun nicht wirklich präsent... Der könnte nach deiner lesenswerten Kritik aber durchaus mal wieder in den Player 😁

17.07.2020 10:16 Uhr - Lukas
Mensch, auch schon wieder knapp 18 Jahre her, dass ich den im Kino gesehen hab... wie die Zeit vergeht.
Ich bin damals mit sehr hohen Erwartungen ins Kino gegangen, die leider nur zum Teil erfüllt worden. Gerade die erste Hälfte fand ich sehr packend, aber zum Ende hin bzw. den Showdown fand ich letztendlich etwas konventionell.
Deine Review, Chollo, ist wieder schön geschrieben, nur ein Hinweis: "Einen Bärendienst erweisen" ist etwas negatives, und ich hatte nicht den Eindruck, dass du Farrell in diesem Satz eine schlechte Leistung attestieren wolltest. ;-)

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