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8MM - Acht Millimeter

(Originaltitel: 8MM)
Herstellungsland:USA, Deutschland (1999)
Standard-Freigabe:FSK 18
Genre:Drama, Krimi, Thriller
Bewertung unserer Besucher:
Note: 8,06 (98 Stimmen) Details
inhalt:
Es scheint nur ein Routinefall zu sein, der den ehrgeizigen Privatdetektiv Tom Welles (Nicolas Cage) auf seiner Karriereleiter weiter nach oben bringen wird: Er soll für eine reiche Witwe die Herkunft und Echtheit einer kleinen Rolle Acht-Millimeter-Films recherchieren, den sie im Tresor entdeckt hat. Im Film ist zu sehen, wie eine junge Frau zu Tode gefoltert wird. Die Spur führt in die Hardcore-Porno-Szene, eine dunkle Hölle, in der Toms grauenvollste Vorstellungen Wirklichkeit werden...
Diese Kritik enthält Informationen über den späteren Handlungsverlauf der Geschichte.
eine kritik von chollo:

Ab und an geschieht es, das man sich im großen Studiosystem rund um Holywood zaghaft aus seinem Versteck heraus traut um etwas anderes zu wagen. Mit Versteck meine ich die kalkulierte Herangehensweise mit der die Geldgeber aktuellen Puplikumsgeschmack evaluieren und mit mehr oder weniger Aufwand und den vermeintlich passenden Figuren das gewinnbringende Pferd besatteln. Die Maschinerie funktioniert so schon seit Jahrzehnten und kann aufgrund des fortlaufenden Bestehens als ziemlich erfolgreich bezeichnet werden.

Wenn es aber Drehbücher gibt für die sich bereits bewährte Vertreter dieser Maschinerie vor und hinter der Kamera interessieren/einsetzen und veranschlagte Budgets nicht allzu hoch gesteckt werden macht das System auch mal eine Ausnahme und der Geist einer Independent Produktion durchläuft die Fliesbänder dieser Wirtschaft. Vertreter dieser Ausnahmen wären z. B. John Frankenheimer's "Seconds" bzw. "Der Mann der zweimal lebte" mit Rock Hudson in der Hauptrolle. Oder aber "Fight Club" von David Fincher mit Edward Norten und Brad Pitt. Eher verquere Ideen die nicht wirklich erfolgversprechend sind.

Bei "8 MM" haben wir es mit einem solchen Fall zu tun. Auch heute wäre die Thematik einer Detektiv Geschichte im Underground Porno Business mit Verweis auf den Snuff Film Mythos eher ungewöhnlich. Solche Themen werden überwiegend im Low bis No Budget Segment abgefrühstückt und erhalten wenn überhaupt ein Direct-to-DVD Release. Nicht so vorliegendes Werk und das gleich aus mehreren Gründen. Zum einem stammt das Drehbuch von Kevin Walker, der bereits 2 Jahre zuvor mit "Sieben" ein gutes Schriftstück vorlegen konnte das dann auch von D. Fincher mit B. Pitt und M. Freemann erfolgreich umgesetzt werden konnte. Zudem interessierte sich Joel Schumacher, der erst mit "Batman Forever" und "Batman und Robin" einen Sommerhit und einen soliden Erfolg an den Kinokassen verbuchen konnte und allgemein als vertrauenswürdiger und versierter Filmemacher in der Branche galt, für dieses Projekt. Und nicht zuletzt bekundete auch der frischgebackene Oscar Gewinner Nicholas Cage Interesse an eben jener Verfilmung. Grund genug für die zuständigen Bosse grünes Licht zu erteilen. Die Geschichte um einen reichen Schnösel der sich mit perversen Neigungen eventuel strafbar gemacht hat und ein Privat Schnüffler der dieser Geschichte auf den Grund gehen soll während er immer tiefer in einen Strudel aus Gewalt und Perversionen hineingezogen wird ist nicht gerade neu. So erinneren die Geschehnisse stark an den 1979 entstandenen Film "Hardcore" mit George C. Scott. Schuhmacher klaut sich hier aber nichts zusammen, sondern verpasst der Geschichte eher etwas zeitgemäßes Kolorit. Mit seiner bewährten Videoclip- Ästhetik und seinem handwerklichen Geschick verpasst er diesem Thriller so seine gehobene Optik ohne dabei das Sujet, und besser gesagt den benötigten "Schmutz" auf der Linse zu vergessen. Die als Paralelwelt dargestellte und moralisch höchst fragwürdige Gesellschaft flaniert durch in Neonlicht getauchte Seitenstraßen, verdreckte Wohnungen und spärlich ausgeleuchtete Kellergewölbe. Freilich wirkt das mitunter etwas Klischeehaft, versprüht aber dennoch Charme und verpasst dem Zuschauer wenigstens dahingehend Klarheit und etwas Distanz.

Weniger Klarheit herrscht da bei den vorgestellten Charakteren, von denen Keiner, bis auf Cage's Charakter, eine weiße Weste zu tragen scheint. Joaquin Phoenix als androgyner Szenekenner Max California wirkt bereits auf ähnliche Art und Weiße verkommen, wie sein auf den ersten Blick sehr seriös wirkender Mitspieler Anthony Heald als Anwalt Daniel Longdale.Unterste Schublade sind dann der exzellent aufspielende Peter Stormare als sozialethisch komplett desorientierter Produzent Dino Velvet. So wie sein in Sachen Pietät wahrscheinlich noch etwas tieferliegender aber ebenfalls und beinahe ekelhaft gut aufspielende James Gandolfini als Eddie Poole. Gänzlich einer moralischen Kategorisierung entzieht sich Chris Bauer als The Machine, und das wohl auch gewollt um den bitteren Nachgeschmack am Ende noch etwas zu intensivieren. Leider bekommen die Opfer auch bei Schuhmacher in Form der hadernden Mutter des Opfers vergleichsweise wenig Spielraum. Die Macher begnügen sich mit der Sensation im negativen Sinn und leisten dem implizierten Vorwurf auf Voyeurismus denn auch eher Vorschub als ihn zu verurteilen. Nicholas Cage hingegen liefert meiner Meinung nach hier als Dreh und Angelpunkt der Geschichte neben "Leaving Las Vegas"; "Bringing out the Dead" und "Lord of War" eine seiner besten Leistungen ab. Auch Norman Reedus darf sich in einer frühen Rolle kurz als Gentleman der etwas anderen Art präsentieren.

Was den Gewaltgrad angeht wird "8MM" nur in den seltensten Fällen explizit. Der Terror spielt sich hier in den Köpfen der Zuschauer ab und bei einer derartigen Konzentration von verachtungswürdigen Kreaturen und diversen Schandtaten wird dieser schon mehr als genug gefordert. Aber auch hier fließt natürlich etwas Lebenssaft um dem Publikum dahingehend nicht völlig den Hahn abzudrehen. Den roten Flatschen trägt Schuhmachers persönliche Abrechnung mit dem Hollywood'schen System also völlig zurecht.

Obwohl Kevin Walker im Gegensatz zu "Sieben" mit der Adaption seines Drehbuchs so gar nichts anfangen konnte und noch etwas düsteres mit Handkamera und Russell Crowe als Hauptdarsteller im Sinn hatte, ist den Verantwortlichen dennoch ein sehr sehenswerter und zu Teilen auch erquickend ungewöhnlicher Beitrag gelungen. "8MM" besitzt wahrscheinlich nicht mehr ganz die Wirkung wie noch vor gut 20 Jahren, dürfte bei den meisten aber trotzdem ein etwas flaues Gefühl hinterlassen. Und genau das ist es doch was ein anständiger Thriller soll.

 

R.I.P.   Joel Schumacher

9/10
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Kommentare

17.07.2020 05:49 Uhr - McGuinness
1x
User-Level von McGuinness 5
Erfahrungspunkte von McGuinness 323
Der steht bei mir immer noch hoch im Kurs... Genau wie das lesen deiner Review 😉

Finde den ebenfalls äußerst stark gespielt und bis in die Nebenrollen hervorragend besetzt.

Spannend, düster, dreckig und brutal... Ein toller Thriller, der sich aufgrund der Thematik vom üblichen " Einheitsbrei " abhebt.

17.07.2020 10:21 Uhr - Lukas
1x
Tolle Kritik zu einem sehr guten Film, bei dem ich mir jedoch gewünscht hätte, dass er sich noch ein bisschen mehr traut und noch ein Stück weiter ins Extreme geht. Aber bei einem Film, den man ins Kino bringt und entsprechend auf ein breiteres Publikum hofft, sind da natürlich leider gewisse Grenzen gesetzt bzw. waren damals die Grenzen noch enger als heute gesteckt.

23.07.2020 15:39 Uhr - Hack/Slash
Schau ich immer wieder gerne.
Wobei mich mal das Original Drehbuch interessieren würde
Schöne Review

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