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Falling Down - Ein ganz normaler Tag

(Originaltitel: Falling Down)
Herstellungsland:USA, Großbritannien, Frankreich (1993)
Standard-Freigabe:FSK 16
Genre:Drama, Krimi, Thriller
Bewertung unserer Besucher:
Note: 8,64 (27 Stimmen) Details
inhalt:
In glühender Hitze im endlosen Stau von L.A. dreht D-Fens durch und entschließt sich, zu Fuß zum Heim seiner Ex-Frau zu gelangen. Dieser lange Marsch wird zu einem Rachefeldzug im Dschungel der Großstadt. Ein nervenzerreißender Wettlauf auf dem Weg in den Wahnsinn beginnt... Ein spannender Psychothriller, der unsere Gegenwartszivilisation und die alltäglichen Frustrationen attackiert.
eine kritik von chollo:

Als das Duo Schumacher/Douglas 1993 den Psychothriller "Falling Down" herausbrachten, ahnten sie vermutlich nicht das sich ihr Film von Jahr zu Jahr selbst aktualisieren würde. Die Geschichte um einen Normalbürger dem aufgrund vermeintlicher Nichtigkeiten die Sicherung durchbrennt ist heute delikater denn je. Schon deshalb ist "Falling Down" ein Werk, das nur geringfügige Alterserscheinungen offenbart, und das wenn dann nur aufgrund der Optik, denn der Thematik.

Michael Douglas gibt hier den Otto Normalverbraucher bei dem triviales wie eine penetrante Fliege, und zu Teilen Nachvollziehbares wie ein paar Wutbürger, endgültig das Fass zum überlaufen bringt. Und mit Michael Douglas hat Joel Schumacher schon mal die richtige Wahl in Sachen Hauptdarsteller getroffen. Beide Seiten verkörpert der Gute völlig plausibel. Zu Anfangs noch der Normalo der versucht seine Emotionalität in Schach zu halten, ist das Abdriften in den pathologisch-psychotischen Bereich beinahe greifbar. Douglas Konterfei scheint sich einfach optimal für ein derartiges Psychogramm zu eignen. Aber auch die Nebenrollen sind markant besetzt. So gibt Robert Duvall den alternden Polizisten kurz vor der Berentung, der offenbar ordentlich unter dem Scheffel seiner Herzensdame steht. Ihm zur Seite steht Rachel Ticotin als Detektive Torres, die ebenfalls Glaubwürdig aber auch sehr nachvollziehbar agiert. Die One-Man-Show wird aber natürlich von Michael Douglas getragen, der den sich ausbreitenden Wahnsinn gut zum Publikum transportieren kann. Die Geschichte steht und fällt praktisch mit ihm und so werden das gegen Ende etwas erschlaffende Spiel, bevor es zum großen Showdown kommt auch sofort vom Zuschauer negativ registriert. Alles in allem dennoch eine großartige Leistung.

Schumacher part seine Tour de Force aber durchaus auch mit komödiantischen Einlagen, so darf z. B gelacht werden als die Nahrung in der örtlichen Frittenbude zu wünschen übrig lässt. Diese Lacher bleiben aber auch schnell wieder im Halse stecken wenn man sieht, wie Douglas in Form von William "D-Fens" Foster als Richter und Henker in persona hier immer willkürlicher seine Runden dreht. Fast schon obligatorisch bei Schumacher's Regie kommen auch die urbanen Verhältnisse rund um das Geschehen nicht ungeschoren davon. Auch hier scheint die Bevölkerung schon soweit moralisch verwahrlost, das es einem zu Teilen wirklich schwerfällt Empathie zu empfinden. Der blaue Flatschen der eingeschränkten Jugendfreigabe geht hier aber völlig in Ordnung, das es an wirklich expliziten Material fehlt. Seine Sog Wirkung zieht "Falling Down" aber ähnlich wie Schumacher's "8MM" aus völlig anderen Aspekten. Hier macht wahrlich der Ton die Musik und ähnlich wie in Cage's Fall, wirkt die Welt von Douglas bis zum bitteren Ende äußerst pessimistisch und (über-) lebensfeindlich.

Was Sauer aufstößt und den Gesamteindruck etwas schmälert sind die diverse Fauxpas in der Logik. So ist es für den Biedermann kein Problem eine Gang aus ihrem Ghetto zu vertreiben und auch das darauffolgende Drive-by-Shooting überlebt der Gute ohne auch nur die kleinste Blessur. Auch die Begegnung mit dem rechtsgerichteten Sympathisanten wirkt etwas aufgesetzt und wie die hölzerne Moralkeule, da man offenbar versucht hat Douglas Taten durch die Gedanken Welt dieses verachtungswürdigen Individuums zu rechtfertigen.

Insgesamt wirkt manches im Vergleich zu ähnlichen Produkten neuerlicher Zeit wie etwa der ebenfalls sehr gelungene "A Beautiful Day" mit dem wunderbaren Joaquin Phoenix hier eher alles etwas grob skizziert und ein bisschen weniger differenziert. Man muss aber doch auch den Mut sowie die Kreativität honorieren mit der die Beteiligten vorliegendes Werk auf Zelluloid gebannt haben. Ungeachtet dessen macht dieser "ganz normaler Tag" einfach Laune beim Zuschauen was ihn dann irgendwie abseits der fraglos vorhandenen Qualitäten noch zu einem wahren Guilty Pleasure werden lässt.

 

R.I.P   Joel Schumacher

9/10
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Kommentare

17.07.2020 05:55 Uhr - McGuinness
User-Level von McGuinness 5
Erfahrungspunkte von McGuinness 323
" Gefahr im Straßenbau " 🤭... Genialer Film und wieder mal toll von dir vorgestellt, CHOLLO 😊👍🏻

17.07.2020 08:21 Uhr - ActionJackson77
1x
KULT! Film und Review rocken! Klarer 10/10 Kandidat für mich :-)

17.07.2020 14:20 Uhr - sonyericssohn
2x
DB-Co-Admin
User-Level von sonyericssohn 20
Erfahrungspunkte von sonyericssohn 8.338
"Ich würde gerne frühstücken." :-D
Genialer Film !

21.07.2020 18:56 Uhr - Man Behind The Sun
2x
User-Level von Man Behind The Sun 5
Erfahrungspunkte von Man Behind The Sun 340
Ein ganz klarer Klassiker, der, genau wie dem qualitativ ähnlich gutem "8MM", leider immer noch eine ordentliche HD-VÖ verwahrt geblieben ist. Völlig unverständlich.

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