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Sanjuro

(Originaltitel: Tsubaki Sanjūrō)
Herstellungsland:Japan (1962)
Standard-Freigabe:FSK 12
Genre:Abenteuer, Eastern
Bewertung unserer Besucher:
Note: 9,70 (10 Stimmen) Details
inhalt:
Neun junge Samurai treffen sich in einem verlassenen Tempel, um zu überlegen, was sie gegen die Korruption innerhalb ihres Clans tun können. Als sie laut diskutieren, wecken sie den Samurai Tsubaki Sanjuro, der in dem Tempel geschlafen hat. Er hört sich die Geschichte der Samurai an und dass sie den Vorsteher Kikui zu Rate ziehen wollen, doch alleine aus den Erzählungen der neun Männer erkennt Sanjuro, dass Kikui der Urheber der Verschwörung ist. Als der Anführer des Clans entführt wird, beschließt Sanjuro den neun Samurai zu helfen…
Diese Kritik enthält Informationen über den späteren Handlungsverlauf der Geschichte.
eine kritik von anti-pirat:

Guten Abend werte Mitmenschen,

einer aktuellen Stimmung folgend wanderte nun SANJURO in meinen werten blu-ray-fähigen DVD-Player. Das im Informationsstand darüber, dass es sich um einen Kurosawa-Film handelt, der eine Fortsetzung von YOJIMBO sein soll. Zunächst einmal verbinde ich zumindest mit dem Namen Kurosawa einige Eigenschaften, welche meine Erwartungshaltung an einen Film doch sichtlich beeinflussen. Kurosawa steht für bildgewaltige und dennoch zurückhaltende gar meditative Filme mit starker Symbolkraft. Der Leone des Ostens, wenn man mal außen vorlässt. dass es Kurosawa war, der Leone prägte und nicht andersherum. Aber genug zum Regiesseur, mehr zum Film selbst.

SANJURO ist ein Lehrfilm in Management- und Führungslehre und als solcher lehrsam, wie er unterhaltsam ist. Wir erleben eine Ansammlung junger wie junggebliebener Samurai, welche sich kritisch miteinander versammeln um über die grassierende Korruption im eigenen Clan wie auch eine mögliche Lösung dieses Problems zu debattieren. Debattieren aber ist das falsche Wort, denn eine Entscheidung ist längst getroffen, hat man sich ja bereits an zwei hochrangig administrativ waltende Personen gewandt und sich daher darauf verständigt, hier in die Falle zu gehen. Und so kommt es zum Zusammentreffen mit Yojimbo, der sich hier später Sanjuro nennen lässt und den neun Flegeln erstmal erklärt, bei sichtlichem Widerwillen der Agesprochenen, warum sie sich taktisch unklug verhalten haben. So gelingt es ihm schließlich doch, die Rasselbande vor dem Zugriff eines Liquiditionskommandos zu schützen, was er sich schließlich marginal auszahlen lässt. Im weiteren Verlauf geht es nun darum, den Drahtziehern dieses vereitelten Zugriffs an den, wie man so sagt, Kragen zu gehen und dies in Sanjuros Stil: Ruhig, besonnen, abwartend und etwas ruppig.

Und so kann ich zunächst einmal sagen, dass damit das vorgetragene Bild- und Tonerzeugnis der hohen Erwartungslage entsprechen konnte. Kurosawa liefert einen handwerklich wie stilistisch hochrangigen Film ab und das auf einer für seine Verhältnisse kurzen Spieldauer von anderthalb Stunden.

So tief ich auch hineingehen möchte, stoße ich dennoch auf das Übersetzungsproblem der visuellen Sprachbarriere. Ich halte SANJURO für einen hochgradig symbolistischen wie auch idealistischen Film, kann aber nur mutmaßen, wo mir meine japanologische Bildungslücke Einhalt gibt. Aus meinem sporadischen Wissen aus dem Hagakure, den fünf Ringen und dem Film selbst erscheint es mir aber, dass Kurosawa japanische Gebräuche durchaus kontrastiert und sich dadurch mehr dem Sinn, als der Form widmet. Es beginnt mit dem Anfang im Tempel, wo sie auf Sanjuro stoßen, der dort schläft und schon allein die Frage, welche Bedeutung es hat, in einem Tempel zu schlafen, was in unserem Kulturkreis unüblich ist.

Ein weiterer Kontrastpunkt findet sich dort, wo die Komik in den Film kommt, im Kontrast aus männlich und weiblich. Die teils absurden Dialoge zwischen der Tante und ihrer Tochter scheinen auch für japanische Verhältnisse absurd zu sein, wenn man das Mienenspiel der Umstehenden betrachtet und auch die deutsche Synchronisation macht einige Anleihen für unseren Kulturkreis nicht eindeutig. Der Kontrast geht schließlich über die sozialen Stellungen und das Alter hinaus, so auch in der Gruppe der Samurai selbst, deren Hierarchie man auch nur erahnen kann.

Die handwerkliche Perfektion erschließt sich für mich besonders in der Szene, in jener eine Menschenmasse auf einen jüngst veröffentlichten Aushang reagiert und einer der versammelten Bürger die Lippen bewegt, eben, wie manche Menschen es denn doch tun, wenn sie etwas lesen und es anscheinend nicht stets und ständig machen. Derartige Detaillverliebtheit ist idoch Anlass und Grund cineastischer Ekstase und wer was Anderes sagt, der lügt.

Sanjuros Charakter selbst verinnerlicht gleich mehrere Werte, die die authentische Führung benötigt. Sein Handeln ist überlegt, strategisch und effektiv. Auf Seite von Freund und Feind, wird gezeigt, wie die jeweiligen Kräfte immer wieder in Wallung geraten, Freude oder Angst und in diesem Zustand dumme Entscheidungen treffen, während Sanjuro stoisch bleibt. Seine scheinbare Bequemlichkeit ist viel mehr Ausdruck seiner Geduld, denn auch als Schlafender bleibt er ein aufmerksamer Teil seiner Umwelt. Im nächsten Zug schafft es Sanjuro durch seine Anpassungsfähigkeit und Formlosigkeit stets für Zuschauer, Freund und Feind unberechenbar zu sein. Philosophisch wichtig insbesondere im asiatischen Kontext denn die Formlosigkeit ist im chinesischen Kontext als gängiges Beispiel der große Konflikt, den Bruce Lee und Ip Man in den Kampfkünsten bedeuteten.

Und daher ist SANJURO in jeder Faser seiner Existenz als Film meditativ und lehrsam und sollte unserer aktuellen Schwemme esoterischer Erfolgscoaches ohne Erfolgshintergrund vorgezogen werden. Lassen Sie hier lieber über Kamelien philosophieren, als eine extrovertierte Botoxfresse über Adler und Tauben und warum alle, die nicht auf ihre Seminare gehen Tauben seien. Es ist nebenbei auch billiger.

Empfehlen will ich SANJURO vor allem denen, die hohes japanisches Kino sehen möchten, ohne einen zeitrahmen von zwei bis drei Stunden. Kurosawa ist immer ein Blick wert, aber manchmal lassen unsere Termine und andere Fesseln es eben nicht zu.

Auf eines Gutes

10/10
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Kommentare

19.07.2020 12:29 Uhr - Intofilms
1x
Die unübertreffliche 10 würde ich für drei andere Kurosawa-Samuraifilme aus dieser Zeit vergeben, für „Seven Samurai“, „Throne of Blood“ und „Hidden Fortress“. „Yojimbo“ und „Sanjuro“, in meinen Augen etwas kleinere Meisterwerke, sehe ich bei jeweils 9 Punkten. Damit aber kein Missverständnis entsteht: ALLE diese Filme sind von herausragender Qualität und es ist sicher keine Übertreibung, zu behaupten, dass Kurosawa mehr oder weniger jeden Regisseur beeinflusst hat, der mit seinen Werken in Berührung kam (nicht nur Sergio Leone). Auch ich liebe seine Filme natürlich besonders für ihre Bildgewalt und visuelle Gestaltung. Genau wie du sagst, immer wieder einen Blick wert. Sehr schöne Review! Nur auf Toshiro Mifune, den wohl größten Filmstar seiner Zeit in Japan, hättest du noch etwas eingehen können. ;)

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