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Die Horde

(Originaltitel: La Horde)
Herstellungsland:Frankreich (2009)
Standard-Freigabe:FSK keine Jugendfreigabe
Genre:Action, Horror, Thriller
Alternativtitel:Horde, The
Bewertung unserer Besucher:
Note: 6,97 (118 Stimmen) Details
inhalt:
Eine Gruppe von korrupten französischen Cops schwört blutige Rache, als ein Kollege auf brutale Weise umgebracht wird. Schon bald finden sie heraus, dass sich die Gangster in einem verlassenen Hochhaus im Norden von Paris verschanzt haben. Der Vergeltungsakt endet jedoch in einem Fiasko, als sich die Cops in der Gewalt der Verbrecher wiederfinden. Ihrem Ende ins Auge blickend, werden sie überraschend befreit – von Horden entstellter Zombies, die von nichts anderem getrieben werden als von ihrem unstillbaren Hunger.
eine kritik von dicker hund:

"Die Horde" ist ein Zombiefilm am Ende der "neuen französischen Härtewelle", die zu Anfang des Jahrtausends die Feinschmeckerbuffets der Nerds flutete. Einflüsse von "28 Days Later" sind ebenso deutlich zu erkennen wie solche von "Day of the Dead" und insbesondere "Assault". Regie führten Yannick Dahan und Benjamin Rocher, letzterer vielleicht noch bekannt für sein Eigentor "Goal of the Dead". Eigentlich kein gutes Omen, zumal auch der Querverweis zur "fabelhaften Welt der Amelie", in welcher die in der prägenden Rolle der Aurore besetzte Claude Perron schon aufgetaucht ist, nicht gerade eine genrekompatible Empfehlung ist.

"Was erlaubt die sich, hier aufzutauchen?"

Doch weit gefehlt, bleibt die toughe Polizistin doch so ziemlich am einprägsamsten in Erinnerung, neben ihr allenfalls noch Eriq Ebouaney in der Rolle des verstandesgesegneten Gangsters Adewale. Beide transportieren die Mischung aus verbissener Kampfesentschlossenheit und heruntergeschluckter Tragik mit beeindruckender Überzeugungskraft. Eine entsprechend gedrückte Stimmung entsteht gleich auf der geschickt gewählten Beerdigungs-Szenerie zu Beginn. Dorthin übergeblendet sorgt die erste Leiche, die auf einer Müllhalde verwest, für einen frühen grausigen Anblick, der das Rachemotiv der raubeinigen Gesetzeshüter nachfühlen lässt. Ihre Charaktere werden knapp, aber eindrücklich charakterisiert. 

"All das für ein Bullenschwein?"

- "Neeeiiin!"

Stattdessen suchen alsbald die Untoten nach Möglichkeiten, Fleischstücke aus den Lebenden herauszubeißen und dadurch ihren Hunger zu stillen, bis sie im Kugelhagel ausgebremst werden (Gewalt 8/10). Ihre Fratzen und die von ihnen zurückgelassenen Überreste bieten ein recht robustes Training für das Nervenkostüm (Horror 6/10). Derweil lassen sich die Konfrontationen Zeit, kommen in unberechenbaren Zügen mit den wuchtigen Rhytmen des instrumentalen Scores jedoch verlässlich wieder hervor. Die Ereignisse können als heftig empfunden werden, zumal die Grenzen zwischen Freund und Feind beunruhigend blutfließend gezeichnet sind.

So gibt sich "Die Horde" meistens grob und trist zugleich, vermittelt auch durch die Farbgebung zwischen Ocker und Grau. Die Umgebungsarchitektur enttäuscht indes mit allzu beliebigen Bereichen in einem verfallenen Hochhaus, weit weg von der Klasse eines "The Raid". Sobald das Set einmal ein wenig interessant aussehen könnte, verpufft der Effekt durch die deutlich als solche erkennbaren CGI-Texturen. Als weiteres Neuzeit-Problem entpuppen sich die hektischen Akrobatik-Zombies, weil diese nicht konsequent dargestellt sind. Wenn sie etwa minutenlang erfolglos den Versuch unternehmen, das Dach eines flachen Personenkraftwagens zu erklimmen, steht dies im Widerspruch zu ihrer sonstigen Agilität. 

Eine richtige Entscheidung war dagegen die minimalistische Dosierung von Sex und Humor (je 2/10). Ersterer erschöpft sich in sexistischen Verhaltensweisen, am Rande derer nur sehr gering dosierte Erotik genutzt ist, die mehr sleazig als anregend designt wurde und sich dadurch nahtlos in das unangenehme Drumherum einfügt. Letzterer blitzt in den makaberen Sprüchen eines alten Kriegsveteranen auf, die allerdings selbst für abgebrühte Ganoven oft eher angsteinflößend als wirklich witzig sind.

Diese große Filmperle (8/10 Punkten) macht daher vieles gut und weniges schlecht. Sie erstrahlt vor allem durch den Schein ihrer Kompromisslosigkeit und die Qualität der gezeigten Schauspielkunst. Der Plot bedient sich an würdigen Inspirationsquellen, ohne bloß zu kopieren oder in Klischees zu versinken. Technisch stimmt so manches von der Musik über das Pacing bis hin zu den Goreeinlagen. Wäre noch ein wenig mehr Budget in einen ansehnlichen Schauplatz und zusätzliche Sorgfalt in ein in sich stimmiges Creaturedesign geflossen, hätten sogar noch höhere Sphären erreicht werden können. Von 2013 bis 2014 war der Titel beschlagnahmt, inzwischen genügt gnädigerweise die Indizierung. Vorsicht ist bei geprüften Fassungen geboten. 

 

 

8/10
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Kommentare

13.09.2020 08:19 Uhr - sonyericssohn
2x
DB-Co-Admin
User-Level von sonyericssohn 20
Erfahrungspunkte von sonyericssohn 8.160
Ach ja, den fand ich ganz ordentlich. Zwar ist das schon ne Weile her, doch ich denke daß ich hier bei einer 7 wäre. Dazu müsste der aber nochmal ran.
Knackige Erinnerung deinerseits daran ! ;-)

13.09.2020 10:54 Uhr - Intofilms
1x
Schließe mich sony an: gefiel mir damals recht gut, ebenso „Goal of the Dead“ als gewissermaßen heiteres Gegenstück. Beide Filme hätten eine Neusichtung verdient. Gewohnt hochwertige Vorstellung, Moppi! 😉

16.09.2020 18:01 Uhr - Kable Tillman
1x
DB-Helfer
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Erfahrungspunkte von Kable Tillman 2.199
Eine 7 von 10 wäre es auch bei mir. Anständiger Zombie-Reißer, aber so die Klassiker von Romero sind schon geiler. Bin eher der Schlürfzombiefan.

Die Review ist eine 10 von 10. Da gibt es nichts zu meckern.

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