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Antiviral

Herstellungsland:Kanada, USA (2012)
Standard-Freigabe:FSK 16
Genre:Horror, Science-Fiction, Thriller
Bewertung unserer Besucher:
Note: 8,14 (7 Stimmen) Details
inhalt:
Wer die ultimative Verbundenheit mit seinem persönlichen Lieblingsstar sucht, erhält von der renommierten Lucas Klinik ein unwiderstehliches Angebot: Hier werden der Kundschaft die Virusinfektionen aus der Blutbahn kranker Top-Promis eingeimpft – vorausgesetzt, man zahlt den Preis für diesen extravaganten Luxus.
Syd March ist einer der besten Verkäufer der Lucas Klinik. Der begehrteste Star in seiner Produktpalette ist das Supermodel Hannah Geist: Atemberaubend und wunderschön. Syds Kunden reißen sich darum, von Hannah infiziert zu werden. Niemand ahnt, dass Syd heimlich einen lukrativen Schwarzhandel mit den begehrten Krankheiten betreibt, indem er sich die Infektionen selber spritzt und so aus der hermetisch abgesicherten Klinik schmuggelt. Als Hannah Geist an einer unbekannten Virusinfektion erkrankt, wittert Syd das große Geschäft. Doch wenige Tage später ist Hannah tot - gestorben an den Folgen der Infektion, die möglicherweise ein Attentat war. Während das Virus beginnt, auch Syds Körper zu zerstören, muss er das Geheimnis um Hannahs Tod lösen, damit ihn nicht dasselbe Schicksal ereilt.
eine kritik von the machinist:

Antiviral

Ganz wie der Papa?

 

Wenn du dir selbst einen Namen als aufstrebender Genre-Regisseur machen möchtest, aber dein Vater David Cronenberg ist, dann hast du mit zusätzlichem Leistungsdruck eines übergroßen Vermächtnisses zu kämpfen. David Cronenberg selbst ist als wegweisender Mitbegründer des Body-Horror-Genres aus der Historie des Films nicht wegzudenken und das obwohl er solche Sachen seit nunmehr zwanzig Jahren nicht einmal mehr macht. Doch 2012 beschloss Sohnemann Brandon Cronenberg in die Fußstapfen des Papas zu treten und sich selbstständig eine Dosis Starkult zu setzen. Damit ist und bleibt er zwar der Sohn vom Typen der Die Fliege gemacht hat, aber nun eben auch der Kerl der Antiviral gedreht hat. Gar kein so schlechter Ruf, wie ich gestehen muss.   

Ein kleiner Nadelstich macht's möglich: In einer nicht näher erläuterten Zukunft können sich Otto-Normalbürger mittels Injektion die Viren ihrer Lieblingspromis spritzen lassen um sich mit diesen verbunden zu fühlen. Syd March (Caleb Landry Jones) ist für die Lucas-Klinik tätig, einer der führenden Händler auf dem Virus-Markt. Nebenbei verhökert Syd die kostspieligen Krankheitsträger auf dem Schwarzmarkt indem er sie per Blutaustausch in seinem eigenen Körper von der Arbeitsstelle mitgehen lässt. Der letzte Schrei ist auf einmal die neuartige Infektion des Starlets Hannah Geist (Sarah Gadon), ein ''Produkt'' welches sich Syd natürlich sofort von der Verkaufswilligen abholt und selbst einverleibt. Schlechte Idee wie sich herausstellt, denn ein paar Tage später stirbt Hannah an den Folgen des Infekts und auch Syd bemerkt die ersten Symptome des nun Dank ihm in Umlauf gebrachten tödlichen Hannah-Stoffes...  

Beinahe gemütlich schwebt sie durch die schmucklos weißen Hallen der Lucas-Klinik; Karim Hussains Kamera auf der Jagd nach Symmetrie und penetrant geschwätzigen Fan-Patienten. Trotzdem wirken die Bilder in gewisser Weise nackt und kalt. Auch Straßen, Lokale und und Wohnungen erscheinen unangenehm klinisch, ohne jegliche Individualität, genauso wie die Menschen die sie bevölkern. Desinfiziert, könnte man meinen. Cronenberg Jr. beweist hier bereits einen kerngesunden Stilwillen, der schon in den ersten Minuten seinen Zenit erreicht und diesen optischen Zustand auch über die gesamte Laufzeit halten kann. Die in Antivral nebenbei erzählte Parabel über krankhaften Starkult, welcher an manchen Stellen schon einer selbstkasteienden Huldigung gleichkommt, versucht man ebenfalls durch minimalistische Wucht zu kanalisieren. Ein Unterfangen das zumindest in ästhetischer Hinsicht glückt, dessen tatsächlichem Inhalt es aber an der nötigen Durchschlagskraft mangelt.

Zwischen der recht gut gehaltenen Balance aus Wirtschaftsthriller und Kunsthorrorfilm krankt das Drehbuch vor allem an seiner enttäuschend plakativen Umsetzung und versucht garnicht erst einen auf abstrakt zu machen. Das mag zunächst noch lobenswert sein, denn Cronenberg versucht hier nicht einfach nur Cronenberg zu kopieren und ergießt sich vielmehr in der Selbstzerstörung seines nur als differenziert zu betrachtenden Protagonisten Syd, doch verschwendet andererseits das gesellschaftskritische Dynamit seines Drehbuchs. Zugleich schafft es der Regisseur nicht die viel zu absurde Grundidee in Einklang mit seiner pseudointelektuellen Erzählweise zu bringen und begeht den Fehler seinen Film schlauer darstellen zu wollen als er es dann letztendlich ist. Als akute Nebenwirkung dessen ist Antiviral in seinen besten Momenten zwar durchaus originell und interessant, aber weder sonderlich mitreißend noch logisch.         

Der bis dato relativ unbekannte Caleb Landry Jones wird dadurch in seinem Bemühen möglichst ''krank'' zu spielen wenig ausgebremst und verdient ein ärztliches Attest als skrupellos manischer Anti-Sympathieträger. Andererseits wartet Antiviral innerhalb seines unsinnigen Kontextes mit zahlreichen skurrilen Einfällen und ungewöhnlichen Figuren auf. In der Klinik dient das Gespräch zweier Bürohengste über die neuseten Viren-Trends als bizarrer Running Gag und Joe Pingue verkauft als Metzger Arvid Promi-Steaks aus geklonten Körperzellen (Wie sowas wohl schmeckt?). Malcolm McDowell schaut auch kurz vorbei, in der Rolle des Mediziners Dr. Abendroth, der seine Verbindung zu berühmten Persönlichkeiten auf anderem Wege zum Ausdruck bringt.

Irgendwann schwappt Blut impressionistisch auf weiße Fließen und Syd blickt auf seinem Viren-Dekodiergerät der Krankheit wortwörtlich ins Gesicht. Solche Momente sind in der Tat surreal, dennoch bemerkt man, dass Cronenberg künstlerischen Eskapismus zu jeder Zeit kontrolliert und diesen nie aus seinem sterilen Mikrokosmos ausbrechen lässt. Somit hat Antiviral zunächst noch vieles gemein mit Vaters Frühwerken Shivers und Rabid, versprüht aber nie den ausschweifend exzentrischen Charme eines B-Movies. Eine Albtraumsequenz in der Caleb Landry Jones zum Naked Lunch-Tribut umfunktioniert wird, ist somit genauso schnell wieder vorbei und wird in ein Meer aus mehrfarbigen Tulpen verbannt, während dazu E. C. Woodleys schwärende Elektro-Mucke den fiebrigen Wahnsinn des nächsten Tages einer toxischen Gesellschaft ankündigt. 

Die Schlusssequenz ist dafür der feuchte Traum eines jeden Body-Horror-Fans. In diesem Sinne: Bleibt gesund und sehet selbst.

''Ein schräges Business, Syd.''

 

Fazit: In seiner abstrusen Filmidee zwar als unverbraucht und präzise stilisiert, jedoch noch lange nicht als meisterhaft zu bezeichnen, legt Cronenberg Jr. immerhin den Grundstein dessen, was später eine glänzende Genre-Karriere werden könnte. Die sorgfältig modernisierten Body-Horror-Eskapaden in Antviral sprechen jedenfalls dafür.    

6/10
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Kommentare

26.07.2020 14:58 Uhr - sonyericssohn
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Schlecht is der nicht. Nur irgendwie nicht zu Ende gedacht... Die Fußstapfen in der der Regisseur treten wollte sind einfach recht groß. Mit deiner Kritik geh ich mit.

26.07.2020 15:24 Uhr - dicker Hund
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Hört sich trotz der kritischen Untertöne schon so an, als sei er einen Blick wert. Der Stammbaum des Regisseurs könnte für ihn übrigens auch Vorteile haben: Stichwort "Halo-Effekt".

26.07.2020 23:29 Uhr - TheRealAsh
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Prompt geliefert und hört sich jetzt ja nicht enttäuscht an, oder? Ich denke auch, dass von Cronenberg Jr. noch was interessantes kommen könnte und harre dem neuen Film entgegen. Finde im Übrigen auch, dass Antiviral mit der Zeit einiges hinzugewinnt, aber klares Debut natürlich.

27.07.2020 02:28 Uhr - Cinema(rkus)
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Arthouse.
Und damit in meinen Augen grundsätzlich schon mal stärker einzuschätzen, als ca. 98 % aller anderen Filme, die heute für den Massenmarkt abgekurbelt werden.

Ich finde den Film stark. Die Ausgangsidee - möge sie evtl. auch für viele unter uns absurd klingen - ist für mich die perfekte Abbildung der heutigen Gesellschaft. Es gibt (leider) so viele Menschen, die mit sich unzufrieden sind, seelisch in einer Schräglage gefangen sind und deshalb irgendwelchem Star-Kult verfallen. Wobei "Star" heute ja ein inflationäres Wort geworden ist; wer heutzutage alles Instagramm-Super-Star ist bzw. als "Influenzer" Karriere macht, lässt mich oft schmunzeln. Wie viele von uns folgen denn irgendwelchen Sternchen virtuell und lassen sich von deren Quatsch beeinflussen ? Zu viele, meiner Meinung nach.
Und deshalb empfinde ich die Grundidee des Films außergewöhnlich durchdacht. Ja, ich glaube zu 1000 %, dass sich viele Mitmenschen heute auch die Krankheiten ihres Idols spritzen lassen würden. Genialer Grundgedanke also, der auch sehr gekonnt umgesetzt wurde.
Die klinischen Bilder, der Score, die gesamte optische Gestaltung, die Darsteller; also mich hat der Film bei Erstsichtung sehr beeindruckt zurückgelassen. Mir gefallen Werke, die einen anderen Weg beschreiten, die nicht effektehaschend nach dem Massenpublikum greifen. Nur noch mit solchen Story möchte ich die nächsten 50 Jahre filmisch verbringen.
-----------------> Deshalb, Danke für die Vorstellung und Deine wieder mal sehr fundierte Herangehensweise, um uns den Film gebührend näher zu bringen. Hast die einzelnen Elemente des Films sehr gut hervorgehoben, siehst - aus Deiner Sicht - auch einiges zurecht als etwas kritisch und arbeitest aber auch diese Punkte sorgsam auf. Gefällt mir. Wenn solch tolle Kritiken im Einklang mit außergewöhnlichen Filmen entstehen, dann erwärmt sich mein Film-Herz.
Gruß C.M.

27.07.2020 13:05 Uhr - The Machinist
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Danke für's Lesen und Kommentieren Leute.

@sony: Genau die richtige Umschreibung. Das Konzept ist großartig, letztendlich bleibt der Film aber hinter seinen Ambitionen zurück. Mochte ihn natürlich trotzdem.

@dicker Hund: Einen Blick kann man da auf jeden Fall riskieren. Die Kritikpunkte den Inhalt betreffend darf man auch gerne ausblenden und den Film als atmosphärisches Kleinod betrachten. Wie man hier nachlesen kann sind meine ''soliden'' 6 Punkte sogar die bislang schlechteste Bewertung hier.

@Ash: Enttäuscht? Nicht wirklich. Ich versuche aber ohnehin jeden Film mit möglichst neutralen Gedanken gegenüberzutreten, völlig egal welches Genre und von wem der jetzt genau gemacht wurde. ''Antiviral'' war das Schlusslicht eines nächtlichen Triple-Features, bei dem das Vorprogramm aus ''Beyond the Black Rainbow'' und dem Realfilm zu ''Midori - The Camellia Girl'' bestand, ich war also schon etwas vorbelastet. :)
Habe ihn den Tag drauf aber gleich nochmal geguckt, zumal ich zwischen 6 und 7 Punkten schwankte. Ist ein kleiner Rohdiamant, mit Ecken, Kanten, aber auch eigenwilligem Charme.

Der ausschlaggebende Grund zu dieser Kritik war natürlich der kürzlich veröffentlichte Trailer zu Cronenbergs zweitem Film ''Possessor'', in dem der stilistische Schwerpunkt noch deutlich weiter herausgearbeitet wirkt und auf den ich mich im kommenden Veröffentlichungszeitraum auch sofort stürzen werde.

27.07.2020 21:02 Uhr - The Machinist
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Und zu guter Letzt an meinen Lieblings-Oberpfälzer Cinemarkus:
Danke für dein Lob und freut mich wenn du das ebenso bzw. sogar besser siehst. Die Kritik kam mir anfangs noch etwas zu kurz vor, mir ist aber beim besten Willen nichts Ergänzendes mehr dazu eingefallen. Da ich ohnehin fast ausschließlich Werke vorstelle, die unter dem Radar laufen, war dieser hier natürlich die perfekte Erweiterung meines Review-Kanons.
Es wurmt mich nur, denn eigentlich wollte ich ja über den erwähnten serbischen Film schreiben, der in meiner Erinnerung nun schon wieder ein Stück zurückliegt und den ich wahrscheinlich erst noch ein weiteres Mal sehen müsste um überhaupt was Passables verfassen zu können. Aber dann mit Sicherheit!

Danke für's Lesen.

28.07.2020 20:58 Uhr - Cabal666
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Ah, wusste garnicht, dass auch der Cronenberg-Sohn mittlerweile Filme macht.
Und sein Debüt ist jetzt auch schon fast 10 Jahre alt. Habe noch nie von dem Film gehört, aber bin jetzt sehr interessiert. Du lieferst wirklich eine sehr bildhafte Beschreibung ab. Tolle Review, wie immer! :)
Caleb Landry Jones sehe ich außerdem auch gerne. Als so unbekannt würde ich ihn übrigens nicht ansehen: man dürfte ihn zumindest aus "Get Out", "X-Men: First Class" und "Three Billboards Outside Ebbing, Missouri" kennen. Und da waren seine Rollen jetzt nicht so klein.
Nach "Antiviral" werde ich auf jeden Fall in Zukunft Ausschau halten. Und die Regiekarriere des Cronenberg-Sprösslings aufmerksam verfolgen. Der scheint echt was zu können.

31.07.2020 15:48 Uhr - The Machinist
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@Cabal: Ja, Brandon sollte man mal auf dem Schirm behalten, der Nächste wird dann vielleicht ein richtiger Kracher. Cronenbergs Jüngste hingegen ist Fotografin, hat aber auch schon an der Bebilderung von u.a. ''Cosmopolis'' mitgewirkt. Naja, Mika Ninagawa hat auch erst geknipst bevor sie ''Sakuran'' gemacht hat, also besteht noch Hoffnung. :)
Das mit Caleb Landry Jones muss ich noch abändern, bei den besagten Filmen war der mir garnicht mehr in Erinnerung, auch wenn ich die an sich natürlich kenne.

Danke dir.

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