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Feuertanz - Horror Infernal

(Originaltitel: Inferno)
Herstellungsland:Italien (1980)
Standard-Freigabe:FSK 18
Genre:Horror, Thriller
Alternativtitel:Feuertanz der Zombies
Horror Inferno
Inferno - Horror Infernal
Rædslernes inferno
Bewertung unserer Besucher:
Note: 8,35 (52 Stimmen) Details
inhalt:
Rose ist eine alleinstehende Poetin und lebt in New York City. Ein antikes Buch führt sie in den Keller ihres Wohnhauses, hin zur Heimstätte einer mächtigen Hexe, der Mater Tenebrarum. Sie ist eine der "drei Mütter" - die anderen hausen in Freiburg und Rom: Aus ihren Verstecken heraus regieren sie die "Welt mit Tränen, Seufzern und Finsternis". Rose ist entsetzt und verständigt ihren Bruder Mark. Doch als dieser nach langer Reise ankommt, ist Rose verschwunden. Und in der Stadt, die niemals schläft, ist etwas erwacht. Eine unheimliche, bösartige Kreatur. Die Mutter der Finsternis.
eine kritik von dicker hund:

Dario Argentos "Horror Infernal" von 1980 ist der zweite Teil der so genannten Mütter-Trilogie, die ihren Anfang drei Jahre zuvor mit "Suspiria" genommen hatte. Der Abschluss folgte erst 2007 mit "Mother of Tears". Es handelt sich jeweils um Okkulthorror, wobei das Prinzip Style over Substance charakteristisch ist. Audiovisuell ist Argentos Stil auch hier beeindruckend. Atmosphärische Klaviertasten klimpern, neonbunte Farben glänzen tranceartig durch die Kulissen, eine stoisch ruhige Kamera spielt mit den Set-Pieces, als seien es Instrumente. Zudem sind mehrere Szenen im künstlerischen Sinne interpretationsoffen. Nicht wenige Kritiken lassen sich hierdurch zu Höchstwertungen hinreißen. Vor einer unangemessenen Erwartungshaltung sei daher mit dem Folgenden ausdrücklich gewarnt.

"Es ist nichts weiter als ein Buch, das von irgendeinem Alchimisten geschrieben wurde."

So kommt es, dass die ersten sechs Minuten daraus bestehen, dass Rose (Irene Miracle, "12 Uhr nachts", "Puppet Master") in eben jenem Buch liest, dessen Zeilen ein Sprecher im Off verlautbart. Im Anschluss redet sie mit dem Verkäufer über den rezipierten Inhalt. Zu sehen sind sie und der Antiquitätenhändler Kazanian (Sacha Pitoeff mit Doppelpunkt über dem "e") in der Profilansicht, aus welcher heraus der erste von einer Vielzahl zäher Dialoge zu verfolgen ist. Die gesprochenen Zeilen und das korrespondierende Schauspiel sind dabei oftmals so hölzern wie eine zukünftige brasilianische Rinderweide, der ein bolsonarischer "Feuertanz" (Alternativtitel) droht. Nicht einmal Hauptprotagonist Mark ist frei davon, wobei Leigh McCloskey, der eher für Serienauftritte in Formaten wie "Love Boat" bekannt ist, auch kein wirklicher Ersatz für den ursprünglich gewünschten James Woods ist.

"Verzeihung, suchen Sie etwas?"

Allerdings! Nahaufnahmen von Gegenständen und ähnliche auf "Profondo Rosso" verweisende Techniken lassen die hypnotische Wirkung vermissen, die durch die spezielle Vertonung von "Goblin" erreicht worden war. Der Score mag weit von "schlecht" entfernt sein und durchaus tonale Antworten auf die übersinnlichen Herausforderungen finden, kann mit seinem Vorbild jedoch nicht wirklich mithalten. Auch bei der wahrscheinlich nicht zufällig an "Suspiria" erinnernden Taxifahrt entsteht musikalisches Heimweh, zumal sich die Klasse dieses gefeierten Intros schlichtweg nicht einfach so reproduzieren lässt. 

Das Highlight besteht in einem aufwändig inszenierten Unterwasserausflug, der zum Beispiel als Eintauchen in das Unterbewusstsein gedeutet werden kann. Dessen performative Schönheit ist im doppelten Sinne blendend: Einerseits als strahlender Glanz, weil hier partielles Genie aufblitzt. Andererseits als täuschende Fassade, zumal die Szene sehr früh eingesetzt ist, so dass die Weiterungen nicht mehr gleichermaßen zu beeindrucken wissen. Hinzu tritt, dass die Regie sich offenbar nicht entscheiden konnte, ob es nun Erotik oder Surrealismus sein soll: Da geht Irene Miracle züchtig in voller Bekleidung schwimmen, lässt beim Auftauchen aber für Voyeure klar erkennbar ihre Brustwarzen durch die dünne Bluse schimmern (Sex 2/10). Wenn ihre Figur Rose so freizügig ist, dass sie keinen Büstenhalter trägt, warum sollte sie dann angezogen tauchen gehen? Dies führt zu einem wiederkehrenden Problem des Titels, der unfreiwilligen Komik (Humor 3/10). 

Schon das Klischee, dass die Handlung in New York City spielen muss, die Dreharbeiten aber ausschließlich in Studios in Rom gefertigt worden sind, wedelt mit dem Trash-Schild. Dieses spottet über gewagte Einstellungen, bei denen süße Miezekatzen auf eine am Boden liegende Darstellerin geworfen werden oder eine Schreckensgestalt dadurch verkörpert ist, dass man einen Statisten in ein Karnevalskostüm gesteckt hat, das glatt von der Billigmodekette "Zeeman" im Schlussverkauf erworben sein könnte. Wo da im ganzen "Infernal" der Horror (5/10) noch ernst genommen werden will, bleibt ein Geheimnis. Bei den wirkungslosen Jump-Scares der Kategorie: "Huch, da ist ja 'ne Leiche!" oder "Ojemine, das schwarze Katerchen habe ich ja gar nicht gesehen!" jedenfalls nicht. Die Gewalt (4/10) verspricht mit einem angemessen harten Messer-Kill einzuspringen, liefert in der Folge aber nur noch Niedrigschwelligeres, was die fortbestehende Indizierung zum Treppenwitz geraten lässt. 

Nach alledem mag "Horror Infernal" handwerklich solide Kost sein (5/10 Punkten). Im Portfolio eines Argento, in dem wirklich große Filmperlen wie "Phenomena" oder eben "Profondo Rosso" zu finden sind, ist er aber eine Enttäuschung. Das liegt vor allem daran, dass die Zelebrierung der farbenfrohen Umgebungen in extravaganten Perspektiven nicht konsequent zum Selbstzweck erhoben worden ist, sondern immer wieder von einer dämlichen Geschichte über eine olle Hexe mit Perserschmusetiger im Arm eingeholt wird. Für einen audiovisuellen Overkill wird hier viel zu oft und viel zu tranig über Ereignisse gesprochen, die weder zu schocken, noch sonstwie zu interessieren wissen, und die besser gezeigt als zerredet werden sollten. Weiß man das alles, bekommt man einen cineastischen Galeriebesuch präsentiert, der Fotografie und Innenraummalerei geradezu meisterhaft darbietet, sich um den - anders als in modernen Titeln wie "Amer" mit reichlich Screentime bedachten - Rest aber nicht schert. Das fühlt sich dann manchmal an wie eine Vorlesung, bei welcher einfach über Kopfhörer Klassik-Kompositionen eingespielt werden, bis der im Übrigen untätige Dozent sein Geld verdient hat. 

 

5/10
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Kommentare

18.09.2020 08:32 Uhr - sonyericssohn
1x
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Erfahrungspunkte von sonyericssohn 8.222
Da isser wieder: Die Verbindung von mir zu Argento ähnlich eines Elefanten und Ballett. Das passt irgendwie nicht. Von -Trauma- war ich zwar angetan, aber der letzte Funken wollte einfach nicht überspringen. Trotzdem möchte ich mal Phenomena eine Chance geben...dem hier eher ned ;-)

18.09.2020 12:18 Uhr - cecil b
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Ein beeindruckend formuliertes Review!

Ja, ich kann jeder Kritik diesem Film gegenüber verstehen. Ich schätze den persönlich, herrlich seltsam, aber deswegen auch schwer zugänglich. Auch für mich.

18.09.2020 14:36 Uhr - Intofilms
2x
Hier muss ich energisch widersprechen! Für mich persönlich einer der besten Horrorfilme überhaupt, außerdem mein aktueller Lieblingsfilm des Maestro. Die eigentümliche Atmosphäre und Stimmung liebe ich über alles. Mehr darf ich nicht verlangen. Deine kritische subjektive Sichtweise kannst du allerdings sehr gut vermitteln. Ich kann dir durchaus nicht böse sein (und hoffe auf Verständnis und Milde deinerseits)! 😁

18.09.2020 15:01 Uhr - dicker Hund
1x
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Erfahrungspunkte von dicker Hund 3.845
Danke, Ihr Lieben!

Der befürchtete Shitstorm scheint auszubleiben...

😉

18.09.2020 16:30 Uhr - Intofilms
3x
PS:
Argento hat dieser Tage übrigens seinen 80. Geburtstag gefeiert, alles Gute!

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