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Bad Taste

Herstellungsland:Neuseeland (1987)
Standard-Freigabe:SPIO/JK geprüft: strafrechtlich unbedenklich
Genre:Horror, Komödie, Science-Fiction,
Splatter, Trash
Bewertung unserer Besucher:
Note: 8,12 (169 Stimmen) Details
inhalt:
Außerirdische auf Nahrungssuche stellen fest, dass Menschenfleisch exakt ihren Bedürfnissen entspricht, und eröffnen einen extraterrestrischen Schnellimbiss irgendwo in der Provinz von Neuseeland. Ein Geheimdienstkommando im Auftrag ihrer Majestät, der Königin des Commonwealth, reist aus dem fernen Wellington herbei und muss feststellen, dass die Invasoren bereits ganze Arbeit geleistet haben. Gemeinsam mit den kümmerlichen Resten der Zivilbevölkerung geht man zum Gegenangriff über.
Diese Kritik enthält Informationen über den späteren Handlungsverlauf der Geschichte.
eine kritik von cabal666:

Ja, Peter Jackson hat früher mal ganz andere Filme als heutzutage gedreht!


Sein erster abendfüllender Spielfilm ist eine herrlich durchgeknallte Splatter-Komödie und ein Paradebeispiel für den - wie es der Titel schon sagt - "schlechten Geschmack". Man sollte schon eine hohe Toleranz für absurden, schwarzen Humor, sinnbefreite Actionszenen und amateurhafte Schauspielleistungen sowie einen starken Magen mitbringen, wenn man hieran Spaß haben will. Aber dann lohnt sich der Film auch wirklich!


"Bad Taste", der ursprünglich als Kurzfilm geplant war, sich dann aber zu einem verhältnismäßig aufwändigen Spielfilm entwickelte, ist zwar hochgradig trashig, aber nicht zuletzt deswegen auch sehr unterhaltsam. Nebenbei ist es erstaunlich, was hier mit einem quasi nicht existenten Budget alles auf die Beine gestellt werden konnte. Peter Jackson opferte dem Film vier (!) Jahre seines Lebens, in denen er mit seinen Freunden an den Wochenenden drehte, die Effekte herstellte, ihn zusammenschnitt und nebenbei noch arbeiten musste. Für einen Amateurfilm ist "Bad Taste" dabei überraschend professionell gemacht. Bei Low-Budget-Produktionen ist es nicht unüblich, dass die Filmcrew aufgrund des Mangels an Geld und Zeit immer wieder improvisieren muss, woraus sich oft die verblüffendsten Resultate ergeben. So wurde beispielsweise während der Dreharbeiten für etwas kompliziertere Szenen einfach mal ein Kran für die Kamera gebastelt, um so Einstellungen aus größeren Entfernungen und längere Kamerafahrten zu ermöglichen (was man in der sehr sehenswerten, fünfundzwanzigminütigen Dokumentation "A Good Taste Made Bad Taste" erfahren kann). In Anbetracht der äußerst geringen finanziellen Mittel ist das Ergebnis wirklich beeindruckend.


Wer einen lustigen und blutigen Film für einen Party-Abend sucht, wird hier jedenfalls bestens bedient. Die Story ist schnell erzählt: Aliens landen in einem kleinen neuseeländischen Kaff, um die Bewohner zu Fastfood zu verarbeiten. Die neuseeländische Regierung schickt eine schwer bewaffnete Spezialeinheit, die "Boys", um die Gefahr zu bannen und schon geht das muntere Geballere, Gehacke, In-Die-Luft-Gesprenge und Geschlitze los. Man bekommt sinnfreie Sprüche, derbe (wenn auch als solche erkennbare) Splatter-Effekte und völlig überzogene Actionszenen geboten.

Inspiriert von George A. Romeros "Dawn Of The Dead", Stuart Gordons "Re-Animator" und natürlich Sam Raimis "Evil Dead" bot der junge Peter Jackson alles ihm mögliche auf, um seine schräge Fantasie Wirklichkeit werden zu lassen - und übernahm nebenbei noch zwei Rollen im Film. Er ist als der kindliche Außerirdische Norbert und als Derek, der überdrehte Anführer der "Boys" zu sehen, welcher ersteren gefangen nimmt und foltert (was, wie Jackson in der erwähnten Dokumentation herausstellt, nicht gerade einfach zu drehen war) und der am Ende in bester "Tanz der Teufel"-Manier die Kettensäge schwingen darf. Die restlichen Schauspieler, welche mit offensichtlichem Spaß bei der Sache waren, bleiben einem auch im Gedächtnis und verleihen ihren Charakteren Eigenheiten. Sie sind zwar allesamt, wie schon erwähnt, Amateure, machen aber an sich keinen schlechten Job.

"Ich bin ein Derek. Dereks laufen nicht weg!"


Vom noch recht düsteren Anfang bis zum völlig überzogenen Showdown im "Rambo"-Stil bietet der Film einem gut anderthalb Stunden beste Unterhaltung mit übertriebener Gewalt, monströsen Alien-Masken, amüsantem Slapstick, geistreichen popkulturellen Zitaten und Anspielungen sowie allerhand Skurrilitäten, wie beispielsweise einem Beatles-Kleinbus und einem explodierenden Schaf. Die Macher scheinen dabei übrigens ein besonderes Faible für die britischen Inseln zu haben; neben dem erwähnten Beatles-Wagen gibt es nämlich noch weitere Verweise auf die "Wahrzeichen" des ehemaligen Weltreichs zu sehen, wie eine Anspielung auf die kultige Serie "Doctor Who", von welcher Peter Jackson erklärter Fan ist (nicht zuletzt deswegen besetzte er auch den "siebten Doctor" Sylvester McCoy in seinen "Hobbit"-Filmen als Zauberer Radagast), und ein Foto der jungen Queen Elizabeth.


Ich persönlich kann "Bad Taste" auf jeden Fall nur empfehlen. Manche der Gewaltszenen waren zwar fast schon etwas zu derbe (die mit Dereks aufspringendem Schädel, in den er sich Alienhirn reinstopft, hätte man sich meiner Meinung nach zum Beispiel besser gespart), aber im Großen und Ganzen macht der Film wahnsinnig Spaß. Und dazu gibt's noch einen fetzigen Soundtrack mit mehreren unheilvoll wabernden oder aber klischeehaft überzogenen Keyboardkomposition von der ansonsten unbekannten Michelle Scullion und zwei coolen Hard-Rock-Titeln, die von den Darstellern Mike Minett (spielt Frank, einen der "Boys") und Dave Hamilton (ist als einer der Außerirdischen zu sehen) eingespielt wurden.


In Anbetracht der äußerst geringen Mittel, die hier zur Verfügung standen, haben die Macher definitiv Respekt verdient. "Bad Taste" ist neben dem originalen "Tanz der Teufel", Romeros "Night of the Living Dead" und Tobe Hoopers "Texas Chainsaw Massacre" das wohl herausstechendste Beispiel für einen mit nur wenig finanziellen Mitteln, dafür aber viel Herzblut hergestellten Kultfilm, welchen sich viele junge Filmemacher zum Vorbild nahmen und der für angehende Jungregisseure auch nach wie vor ausgezeichnet als solches taugt.

Hier in Deutschland lief er übrigens merkwürdigerweise erst im Jahr 2000, mit dreizehnjähriger Verspätung, in den Kinos an und wurde auf Video und DVD (natürlich) indiziert, bekam dafür aber auch eine sehr gute Synchronisation (mit u.a. dem mittlerweile verstorbenen Peer Augustinski, der deutschen Stimme des unvergessenen Robin Williams, als Sprecher von Peter Jacksons Derek) spendiert. Die auf einigen DVDs auch enthaltene sogenannte "Comedy-Synchro" ist dagegen nicht zu empfehlen, denn dabei handelt es sich offensichtlich um eine inoffizielle, von Privatpersonen erstellte Vertonung, die irgendwann vor der offiziellen Veröffentlichung erstellt wurde und sich durch alberne Betonungen und eine absolut miese Tonqualität eher störend auf den Filmgenuss auswirkt. Die bisher erschienenen DVDs von Laser Paradise hatten zwar viele, teils sehr interessante, deutschlandexklusive Extras zu bieten, bewegten sich, was Bild und Ton anging, aber auf VHS-Niveau. Auf Blu-Ray ist er bis heute nicht erschienen. Eine dem Werk angemessene, restaurierte Veröffentlichung ist, wie auch bei Jacksons Nachfolgefilmen "Meet The Feebles" und "Braindead", mehr als überfällig.


"Bad Taste" ist jedenfalls der wohl originellste Alien-Invasions-Film, der je gedreht wurde. Heute noch genauso sehenswert wie vor über 30 Jahren. Als richtiger Filmfan muss man den einfach mal gesehen haben!

8/10
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Kommentare

31.07.2020 18:25 Uhr - sonyericssohn
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Wenn man bedenkt daß der mit einer Kamera gedreht wurde die nur...wieviel warens ?....20 Sekunden aufnahm... Hab den damals zum ersten Mal auf englisch gesehen. Sehr amüsant !

Nebenbei bemerkt. Du schreibst im zweiten Absatz von -allgemein bekannt-. Wenn jetzt aber jemand den Film noch nicht gesehen hat... Du weißt was ich meine. Vielleicht wäre eine andere Formulierung da nicht das dümmste. Nur ein Gedanke meinerseits ;-)

31.07.2020 19:08 Uhr - Cabal666
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Danke für dein Feedback! :)
Habe die entsprechende Stelle abgeändert. Hast schon Recht.

31.07.2020 19:27 Uhr - sonyericssohn
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Super !!! Das find ich stark, daß man so rasch reagiert ! Wollte dir da nicht dreinreden, aber hast ja selbst gesehen ;-)
Danke !!!!!!!!!

31.07.2020 23:00 Uhr - Horace Pinker
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Tja da zeigt sich wieder Mal das Enthusismus und coole Ideen oftmals mehr bewirken kann als ein gigantisches Budget. Schöne Rezension jedenfalls Cabal, auch deinem Fazit kann ich mich anschließen Cabal Bad Taste ist eine äußerst unterhaltsame Mischung aus Splatter, Action und Comedy die auch heute noch Spaß macht.

31.07.2020 23:14 Uhr - dicker Hund
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Die Rezi trifft den Film, der auch bei mir 8 Punkte abgeräumt hat. Den habe ich das erste mal als VHS-Bootleg mit der Comedy-Synchro gesehen. Die hat daher einen gewissen Nostalgiebonus bei mir. Ein "richtiger Filmfan" ist für mich jeder, der Begeisterung für das Medium mitbringt. Der muss nicht unbedingt bestimmte Titel kennen.

01.08.2020 09:20 Uhr - Dissection78
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Ich gehe mit Deiner Einschätzung konform. Mit minimalstem Budget, Einfallsreichtum, Improvisationstalent und DIY-Attitüde über mehrere Jahre ein solches Werk zu erschaffen, zeugt von vergossenem Herzblut, vielleicht auch fanatischer Liebe zum Film und ist mir extrem sympathisch. "Herr der Ringe" und "King Kong" sind zwar hervorragend goutierbar, und ich schätze, wie Peter Jackson hier den gigantischen Multimillionen-Aufwand händelte, doch als Filmemacher ist er mir vor allem durch seine anarchisch-splattrigen Kleinproduktionen "Bad Taste", "Meet The Feebles" (tolles Review übrigens!) und "Braindead" ans Herz gewachsen. Von mir aus könnte er nochmal was in der Richtung machen. Hatte er vor Jahren nicht sogar mit Gedanken für eine etwaige Fortsetzung zu Frühwerken gespielt? "Bad Taste 2"? "Meet The Feebles 2"? "Braindead 2"? Oder war's "The Frighteners 2"?

Meine erste Berührung mit "Bad Taste" hatte ich dann tatsächlich Mitte der 90er mit dem Bootleg-Tape von 'VL Video Luxemburg'. Diese so genannte Synchronisation, die erst später euphemistisch als 'Comedy-Synchro' bezeichnet wurde, die in der Tat jedoch so rüberkommt, als würden zwei besoffene Russen irgendeinen Blödsinn über zigmal kopierte Videobilder von höchst bescheidener Qualität labern, gehört auf den Müllhaufen der Filmgeschichte. Für die ganze Chose - ich gestehe es! - gab ich damals fast 80 DM aus (wobei ich Tapes kenne, aus den 80ern noch, die weit über 100 Deutschmarks kosteten). Gerade jetzt, wo ich diesen Kommentar schreibe, liegt die VHS vor mir (1996er Copyright) ;)

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