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Meet the Feebles

Herstellungsland:Neuseeland (1989)
Genre:Horror, Komödie, Trash
Bewertung unserer Besucher:
Note: 7,22 (21 Stimmen) Details
inhalt:
Trevor, eine hinterlistige Ratte, die ihr Geld als Drogendealer verdient, arbeitet nebenbei auch als Pornofilmer. Ein Frosch namens Wynyard ist sein bester Kunde, da er seit seinen Erfahrungen im Krieg drogenabhängig ist. Sid ist ein depressiver Elefant, der eine Vaterschaftsklage von einem Huhn am Hals hat. Der Star der "Meet the Feebles"-Show ist allerdings das Nilpferd 'Heidi', die seit langer Zeit an Übergewicht leidet und von Ihrem Mann betrogen worden ist. Nun ist für sie das Maß voll und sie macht Gebrauch von den großkalibrigen Waffen, die ihr Gatte schmuggelt.

Die Show ist ein großer Erfolg aber was sich hinter den Kulissen abspielt, kann man nur erahnen...
Diese Kritik enthält Informationen über den späteren Handlungsverlauf der Geschichte.
eine kritik von cabal666:

"Meet The Feebles" ist eine bitterböse, geschmacklose, extrem zynische Parodie auf die Muppets. Der junge Peter Jackson nahm sich in seinem zweiten Film nach seinem derben Debüt "Bad Taste" die liebenswerte, scheinbar völlig unschuldige Welt der Puppentiere - und reicherte sie mit sämtlichen hässlichen Seiten des Showbusiness an, die man aus den alltäglichen Nachrichten kennt. Ehebruch, exzessiver Geschlechtsverkehr, Pornodrehs, Drogenhandel und -missbrauch - hinter den Kulissen der Puppen-Varieté-Show der titelgebenden "Feebles" geht es alles andere als gesittet zu.

Zeuge dieses Blicks in seelische Abgründe wird man durch die Augen des naiven, herzensguten Igels Robert, der als neues Ensemblemitglied anheuert und sich dabei in die Pudeldame Lucille, eine der Backgroundsängerinnen, verliebt, aber schockiert ist von den Ausgeburten tierischer Unmoral, die sich ihm bieten. So betrügt beispielsweise Bletch der Boss, ein skrupelloses Walross, seine Frau mit der Katze Samantha und kauft Drogen von dem zwielichtigen schottischen Gangster Cedric, einem Warzenschwein. Erwähnte Frau, die pfundige Nilpferddame Heidi, ahnt das längst und bekämpft ihren Kummer mit Fressanfällen. Bletchs rechte Hand Trevor, eine gehässige, riesige Ratte, die für praktisch für alle nur Verachtung übrig hat, dreht derweil Pornos für seinen Chef und verkauft dem Messerwerfer der Show, dem traumatisierten Frosch-Kriegsveteranen Wynyard, Drogen. Harry, der Hase, der sämtlichen Vorurteilen über seine Rasse alle Ehre macht, sieht sich derweil plötzlich mit der Diagnose Geschlechtskrankheit konfrontiert, was der fiese Schmeißfliegen-Paparazzo Fly-in-the-Sky prompt für die nächste Schlagzeile ausnutzt. Und dann ist da noch der depressive Elefant Sid, dem seine Exgeliebte Sandy, ein Huhn, unablässig wegen ihres gemeinsamen Kindes in den Ohren liegt.

Nebenbei laufen die Proben für die kommende Show auf Hochtouren. Die wegen erwähnter Probleme gestressten oder schlicht und einfach unfähigen Tänzer (darunter auch ein indischer Fakir, die einzige menschliche Figur des Films) verpatzen ihre Nummern ausnahmslos, was den Bühnenregisseur der Show, den schwulen Fuchs Sebastian, an den Rand der Verzweiflung treibt. Der einzige, der bei dem ganzen Chaos und den Ausschweifungen den Überblick behält und sich, neben Robert und Lucille, seine Moral bewahrt, ist der Wurm Arthur, der Hausmeister der Show. Er kann jedoch gegen die seelischen Probleme der Stars auch nicht viel ausrichten. Bei der Premiere scheint dann aber trotz Harrys und Wynyards katastrophal verlaufender Darbietungen zunächst alles glattzulaufen. Doch dann macht Bletch mit Heidi endgültig Schluss und sie findet sein Maschinengewehr...


Was an "Meet The Feebles" verblüfft, sind die erstaunlich gut ausgearbeiteten Charaktere. Die Probleme so gut wie jeder Figur scheinen, trotz der vielen Überzeichnungen, erstaunlich wirklichkeitsnah, sodass man nach einer Weile fast vergisst, dass man hier im Grunde Plüschtieren zusieht und mit mehr als einem Charakter mitfühlen kann. Zwar zieht "Meet The Feebles" auch einen Großteil seines Unterhaltungswertes aus dem obszönen und schwarzen Humor und den zynischen Dialogen, aber gleichzeitig könnte manches auch aus dem echten Leben abgehalfterter Stars stammen, weshalb der Film gegen Ende auch sehr emotional wird und einen fast zu Tränen rührt.


Den Großteil des Filmes dominiert aber, wie erwähnt, der bitterböse, schwarze, zuweilen auch sehr absurde Humor. So sieht man eine an "Die Durch Die Hölle Gehen" angelehnte Rückblende in den Vietnam-Krieg, die ziemlich grausige Szenen zeigt, aber die Szenerie durch comichafte Übertreibung, die ulkige Redeweise der Siamkatzen-"Vietnamesen" und allein die Tatsache, dass das Geschehen mit Tierpuppen dargestellt wird, ins Lächerliche zieht.


"Meet The Feebles" ist im Grunde die nicht mehr jugendfreie Version der Muppets: derbe, obszön und politisch völlig inkorrekt. Im Finale, wenn Heidi Amok läuft, wird dazu noch deftig gesplattert, was trotz der Tasache, dass es Puppen sind, die da in Stücke geschossen werden, ziemlich verstörend wirkt. Die Freigabe ab 18 ist daher berechtigt. Letztlich endet der Film aber versöhnlich. Das hier ist ein wirklich tolles Werk mit einer wahnsinnigen Liebe fürs Detail, beachtlichen Puppentricks von Weta Workshop (die später für die beeindruckenden Effekte der Mittelerde-Filme verantwortlich zeichneten), fiesen Seitenhieben gegen das Showgeschäft, aber auch einer rührenden Liebesgeschichte. Zum einen eine bitterböse Satire, zum anderen fast schon ein Drama. Mal will man lachen, mal weinen, wobei ersteres aber eindeutig überwiegt.


Die Filmmusik vom New-Wave- und Jazzmusiker und -komponisten Peter Dasent, mit dem Jackson auch bei seinen Folgewerken "Braindead" und "Heavenly Creatures" zusammenarbeitete, unterstützt das Geschehen dazu perfekt. Die teilweise übertrieben romantischen, absichtlich ins Kitschige übergehenden Themen unterstreichen auf amüsante Weise die Liebesgeschichte und die absurden Geschehnisse. Die teilweise recht anzüglichen Liedtexte halten dazu noch weitere Lacher bereit.

"Let me tell you 'bout sodomy
You must think it's very odd of me
That I enjoy the act of sodomy
You might call the wrath of God on me
But if you try it, then you might agree
That you enjoy the act of sodomy..."

Außerdem gibt's einen netten Insider-Gag für Easter-Egg-Sucher: am Ende sitzt nämlich einer der Aliens aus "Bad Taste" im Publikum. Im Kostüm steckte dabei sogar niemand geringerer als Peter Jackson selbst, was sozusagen seinen originellsten Cameo darstellt. Die Sprecher der Figuren, welche oft mehrere Charaktere gleichzeitig übernahmen, sind hierzulande eher unbekannt - mit einer Ausnahme: Mark Hadlow, der u.a. Robert und Heidi spricht, übernahm später Nebenrollen in Jacksons "King Kong" und den "Hobbit"-Filmen. In letzteren sieht man ihn als den Zwerg Dori.

Die deutsche Synchronfassung ist übrigens sehr gelungen. Zwar mussten die Sprecher ihre Stimmen nicht so extrem wie im O-Ton verstellen, wo auch weibliche Charaktere von Männern gesprochen wurden, sie füllten die Charaktere jedoch ebenfalls richtig mit Leben. Und es ist auch einfach ein Genuss, tollen Sprechern wie Joachim Tennstedt (vertont u.a. John Malkovich, Jeff Bridges, Michael Keaton und Bryan Cranston), Frank-Otto Schenk (kennt man vor allem als deutsche Stimme von Eugene Levy und Jim Broadbent) oder dem unvergessenen Friedrich W. Bauschulte (u.a. Richard Crenna und Richard Attenborough) dabei zuzuhören, wie sie Puppen vertonen.

Diese fiese, deftige "Muppets"-Parodie hat definitiv ihren ganz eigenen Charme. Und ist unterhaltsamer als die letzten "Muppets"-Filme. Spätere Puppenfilme für Erwachsene wie "Team America: World Police" oder "The Happytime Murders" haben sich von Jacksons überdrehtem Musical sicher auch die ein oder andere Inspiration geholt.

9/10
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Kommentare

31.07.2020 20:44 Uhr - sonyericssohn
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Hm, der hat mich irgendwie noch nie gejuckt. Zwar ganz schmackhaft und fein beschrieben, aber nicht mein Gefilde. ;-)

31.07.2020 23:25 Uhr - dicker Hund
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Der würde bei mir wahrscheinlich deutlich weniger gut wegkommen, was aber einem Rewatch vorbehalten bleibt. Ich habe an anderer Stelle mal gelesen, dass die Synchro einige Spitzen stark abschleift. Aber bei so viel Vergnügen an Jacksons Puppen lese ich natürlich gerne mit.

:-)

01.08.2020 08:40 Uhr - sonyericssohn
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Übrigens Glückwunsch zum Gewinn euch beiden (Hund und Cabal) !!! 😎

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