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Vivarium - Das Haus ihrer (Alp)Träume

(Originaltitel: Vivarium)
Herstellungsland:Belgien, Dänemark, Irland, USA (2019)
Standard-Freigabe:FSK 16
Genre:Science-Fiction, Thriller
Bewertung unserer Besucher:
Note: 6,00 (5 Stimmen) Details
inhalt:
Das große Glück in den eigenen vier Wänden: für das junge Paar Tom (Jesse Eisenberg) und Gemma (Imogen Poots) scheint dieser Traum in der Siedlung „Yonder“ endlich wahr zu werden. Bei einem Besichtigungstermin schein alles dem idyllischen Ideal zu entsprechen, doch plötzlich verschwindet der etwas merkwürdige Makler bei der Visite in Haus Nummer 9 spurlos – und somit beginnt der kafkaeske Alptraum für Tom und Gemma. Alle Versuche, aus dem nach dem Schachbrett aufgebauten Suburb mit den gleichaussehenden Häusern zu entkommen, scheitern. Die beiden realisieren, dass sie zu Figuren eines grauenhaften Spiels geworden sind, aber nicht entkommen können. Als Gemma und Tom den Auftrag bekommen, ein Kind großzuziehen, spitzen sich die Ereignisse dramatisch zu.
eine kritik von ghostfacelooker:

Sobald man Martin sprechen hört und nicht schon von seiner gelegt, aus einer 70er Jahre Soap des letzten Jahrtausends entsprungenen äußeren Erscheinung und der steril wirkenden Einrichtung des Büros ein wenig irritiert ist, könnte man meinen man wäre in einer Folge Little Britain gelandet in der man David Walliams als Carol Beer am Arbeitsplatz erlebt.

Doch dieser zweite Langfilm von dem neben seinem dem Horror, Mystery Debüt, Without Name, hauptsächlich im Kurzfilmsektor angehörendem Regisseur, Lorcan Finnegan, ist wenn auch ähnlich skurril wie die Britcom Serie, alles andere als lustig.

Dem Zuschauer selbst scheint, anders als den Protagonisten diese makellose Vorstadtidylle allein schon wegen den perfekt Ton in Ton gehaltenen und mit an liebevolle Spinatkotze erinnerndem Grünfärbung der Häuser, alles sehr suspekt, aber die beiden scheinen erst Minuten später, als sie den halben Tag im Kreis fahren skeptisch.

Und diese atypische Verhaltensmuster eigentlich normal zu nennender Menschen ist die zwar zum visuellen Ziel erklärte Dissonanz des Films, aber für mich nicht wirklich hinnehmbar, außer, man würde am Ende des Films eine erhellende Aufschlüsselung des Warum bieten.

Doch der Regisseur sieht es lieber, die eintönige Zweisamkeit des Paares mit ungewolltem und unnatürlichem Kindersegen zu garnieren und ihnen die Erziehung des menschenähnlichen Wesens als Filmfüllende Aufgabe und gleichsamen Storyinhalt auf den Weg zu geben.

Dazu kommen dann noch die widerwillige Akzeptanz der Beiden dieses anormal heranwachsende Ding in gewisser Art zu behüten, während wenigstens Tom noch halbwegs nach einem Ausweg aus dieser perfekt inszeniert wirkenden Anti-Twilight Thwilightzone, in der selbst Truman Burbank einen Nervenzusammenbruch erlitten hätte, zu suchen gewillt ist, indem er den Rest des Filmes mit dem Graben einer Grube im Vorgarten zubringt.

Die in der Filmhandlung folgenden „Fremdkörper“ des Films beginnen mit zunehmender Handlung irgendwann nicht mehr die perfekt symmetrischen Häuser, das immer gleiche Essen die künstlich, zweckmäßige Einrichtung bar jeder persönlichen Note oder der beobachtend imitierende Junge zu sein, dessen zeitweise Schrei noch das kettensägenartig Nervende an seinem sowieso schon zu außerirdisch wirkendem Verhalten ist, sondern die immer mehr abstumpfenden Gefühle der Figuren ihrer ausweglos scheinenden Situation und zueinander zu werden.

Ein noch halbwegs brauchbarer Zigarettenstummel, das Auto oder später ein Gespräch über Wolken oder das erste Kennenlernen zwischen Gemma und Tom werden so gleichsam zum Anker einer fernen, ehemals gekannten aber wie im Traum verblassenden Normalität für Darsteller sowie Zuschauer.

Zum Leidwesen des letztgenannten, fehlt diesem Film jegliche Spannung, obwohl man diese sehnlichst erhofft und eigentlich auf ein Geheimnis wartet, welches versprochen durch die Anwesenheit des Jungen, seinem Verhalten und dem völligem Auslöschen der für uns bestehenden Realität sich abzeichnet, auf dessen Enthüllung man jedoch bis zum Ende des Films wartet.

Eine vom Regisseur vielleicht absichtliche Anklage an amerikanische Vorstadtidyllen und der geheimen Qualen hinter manch einer Haustür die von außen immer unscheinbar und freundlich wirken, für den Zuschauer jedoch eine emotionale Qual ohne erkennbaren Hintergrund, obwohl dieser interessanter gewesen wäre, wenn man ihn zumindest in einem offenen Ende hätte andeuten wollen, oder man durch das was am Ende geschieht, man zumindest eine annähernd erkennbare Vorstellung hätte bekommen können woher die Yonda-Siedlung kommt oder Wozu und Wer sie erschaffen hat.

Doch der bürokratische Akt, mit welchem man den Film beendet und seine Handlung begründet ist so eintönig wie das Essen, welches Tom und Gemma während ihres täglichen Aufenthalts in dieser sprichwörtlichen Reihenhaussiedlung zu sich nahmen und ihre schauspielerische Leistung insgesamt, alles andere als im Trailer deklariert als schauspielerische Meisterleistung und weit ab von einem nervenaufreibend, treffsicherem Thriller.

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Kommentare

03.08.2020 06:36 Uhr - Fckboi
1x
Schade. Der Film wirkte damals, ausgehend vom Trailer, durchaus interessant auf mich. Hast aber genau meine damaligen Befürchtungen in deiner Kritik angesprochen.

By the way:

Dazu kommen dann noch die widerwillige Akzeptanz der Beiden dieses anormal heranwachsende Ding in gewisser Art zu behüten, während wenigstens Tom noch halbwegs nach einem Ausweg aus dieser perfekt inszeniert wirkenden Anti-Twilight Thwilightzone, in der selbst Truman Burbank einen Nervenzusammenbruch erlitten hätte, zu suchen indem er den Rest des Filmes mit dem Graben einer Grube im Vorgarten zubringt

Dieser Satz macht grammatikalisch keinen Sinn.

03.08.2020 11:01 Uhr - Ghostfacelooker
1x
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@fckboi
danke. Ja scheint als hatte ich die beiden fehlenden und nun durch deinen Hinweis ergänzten Worte ursprünglich zwar gedanklich, jedoch nicht auf "Papier" formuliert

03.08.2020 13:37 Uhr - Lukas
@fckboi: In der Tat ein etwas schwieriger Film, wobei es hier auch stark auf die Erwartungshaltung und Herangehensweise ankommt. Besonders in der zweiten Hälfte ist er stark mit surrealen Elementen durchsetzt und die Antworten auf offene Fragen gibt es nicht auf dem Präsentierteller, und bisweilen wohl auch gar nicht.
Ich sag's mal so: Falls du mit David Lynch - Filmen was anfangen kannst, lohnt es sich durchaus, auch Vivarium anzuschauen. :)

03.08.2020 13:43 Uhr - Ghostfacelooker
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03.08.2020 13:37 Uhr schrieb Lukas@fckboi: In der Tat ein etwas schwieriger Film, wobei es hier auch stark auf die Erwartungshaltung und Herangehensweise ankommt. Besonders in der zweiten Hälfte ist er stark mit surrealen Elementen durchsetzt und die Antworten auf offene Fragen gibt es nicht auf dem Präsentierteller, und bisweilen wohl auch gar nicht.
Ich sag's mal so: Falls du mit David Lynch - Filmen was anfangen kannst, lohnt es sich durchaus, auch Vivarium anzuschauen. :)


Trotz David Lynch Sympathie, sollte man diesen Film nicht mit dem Meister des Surrealen wenn nicht sogar Begründer des subtil Verborgenem in scheinbar offensichtlich visueller Darstellung vergleichen, denn von seinen Werken ist dieses weit entfernt.
Heißt nicht das man diesen Film meiden soll. Ein und besonders mein Review ist immer subjektiv und keine Maßgabe

03.08.2020 15:42 Uhr - Lukas
Ich wollte auch keinen direkten Vergleich ziehen, sondern eher eine Orientierung auf der "Mindfuck-Skala" geben. ;-)
Wenn ich nun aber tatsächlich einen Vergleich ziehen müsste, würde ich Vivarium qualitativ gar nicht so extrem weit weg ansiedeln. Klar sind die Lynch-Filme besser, aber jetzt auch nicht unbedingt meilenweit; zumindest soweit ich es noch vor Augen habe, da meine Erinnerungen da auch nicht mehr ganz taufrisch sind.

03.08.2020 17:32 Uhr - Ghostfacelooker
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03.08.2020 15:42 Uhr schrieb LukasIch wollte auch keinen direkten Vergleich ziehen, sondern eher eine Orientierung auf der "Mindfuck-Skala" geben. ;-)
Wenn ich nun aber tatsächlich einen Vergleich ziehen müsste, würde ich Vivarium qualitativ gar nicht so extrem weit weg ansiedeln. Klar sind die Lynch-Filme besser, aber jetzt auch nicht unbedingt meilenweit; zumindest soweit ich es noch vor Augen habe, da meine Erinnerungen da auch nicht mehr ganz taufrisch sind.


Wenn überhaupt, wäre es eine nicht gelungene Verbeugung an Lynch, welcher den Zuschauer nie vor vollendete Tatsachen oder Fakten stellt, sondern es jedem selbst überläßt eine Erklärung suchen zu wollen in dem er einfach einen visuellen Gedankengang, ein Gespräch oder eine Figur in deinen Kopf einsetzt, von der du entscheiden kannst ob du dich mental damit auseinandersetzen willst oder nicht. Und jemehr du glaubst erklären zu können was du siehst und verstehst, umso mehr dreht Lynch die Dinge, ähnlich einem Straßenmagier vor deinen Augen um.
Dieser Film setzt Tatsachen voraus (die Vorstadt, der Junge, das Labyrinth) und läßt dir aufgrund dessen keine Wahl, da das Konzept darauf aufgebaut ist eine Erklärung suchen zu wollen oder schürt die Hoffnung am Ende eine durch den eigenen Verstand verursachte finden zu können,vergeigt es genau damit das es nicht dazu kommt und brüstet sich dann inhaltlich wie ich es empfinde auch noch unverständlicher Weise indirekt durch den Trailer damit eine komplex intellektuell erdachte Story geschaffen zu haben

03.08.2020 18:13 Uhr - Lukas
Was der Trailer ggf. vermittelt, dafür können die für den eigentlichen Film künstlerisch Verantwortlichen überhaupt nichts.
Lynch hat den Surrealismus nun auch nicht erfunden oder für sich gepachtet, also nur weil Vivarium starke kryptische und surreale Züge hat, ist das nicht gleich eine wie auch immer geartete Verbeugung vor Lynch. Wie gesagt, es ging mir nur darum, zur Verdeutlichung dessen, was einen bei Vivarium erwartet, einen groben Vergleich zu ziehen.
Auch wenn bei Vivarium wie gesagt nicht alle Dinge erklärt werden, so kann man sich doch durchaus einiges zusammenreimen oder zumindest halbwegs schlüssige Theorien aufstellen; und um doch nochmal den Vergleich zu bemühen: Mit mehr Fragezeichen über dem Kopf als bei Lynch steht man bei Vivarium am Ende nun auch nicht da. ;-)

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