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Hostel

Herstellungsland:USA (2005)
Standard-Freigabe:SPIO/JK geprüft: strafrechtlich unbedenklich
Genre:Horror, Thriller
Bewertung unserer Besucher:
Note: 6,89 (227 Stimmen) Details
inhalt:
Sie suchen das Abenteuer und finden das nackte Grauen! Die beiden abenteuerlustigen College-Freunde Paxton und Josh sind mit ihrem neuen Kumpel, dem Isländer Oli, mit dem Rucksack unterwegs auf Europa-Tour. Da bekommen sie einen Geheimtipp: Abseits der üblichen Reiserouten soll im tiefsten Ost-Europa ein Nirwana für Backpacker liegen - ein Hostel in der Slowakei, in dem atemberaubende und obendrein noch willige Frauen auf sie warten. Und tatsächlich: Die Freunde lernen die beiden Schönheiten Natalya und Svetlana kennen und sie haben die Zeit ihres Lebens. Doch die währt nur kurz. Zu spät bemerken sie, dass sie in einer tödlichen Falle sitzen. Flucht ist unmöglich - sie stecken bereits mitten in den finstersten Abgründen der menschlichen Natur. Was sie dort erleben, ist so unvorstellbar, dass es alles in den Schatten stellt, was an Grausamkeit und Perversion bislang bekannt war und nur als Mythos galt. Haben sie eine Chance, diesen Alptraum zu überleben?
eine kritik von dicker hund:

Drei Jahre nach seinem Langfilmdebut "Cabin Fever" lieferte Eli Roth den Torture-Streifen "Hostel" ab, der zusammen mit der "Saw"-Reihe ein Subgenre des 21. Jahrhunderts begründete und bislang zwei Fortsetzungen nach sich zog. Dass eine Gruppe aus drei jungen Männern außerhalb ihrer gewohnten Umgebung in Schwierigkeiten gerät, so dass ein letaler Rückzählreim droht, ist dabei sicherlich keine neue Erfindung. Den Vorgang des Ablebens allerdings zur möglichst schmerzhaften Kunst zu erheben, schon eher. 

In der ersten Hälfte der Spielzeit ist davon allerdings noch nicht viel zu spüren. Die Rucksacktouristengruppe wird mit einer authentisch wirkenden Dynamik präsentiert, die nicht mit Sympathie verwechselt werden sollte. Politisch unkorrekte Beschimpfungen wie "Käsekopf", "schwule Sau" und "Stricher" passen zu den ignoranten, dauernd zugedröhnten Bordellgängern. Das sind die Ami-Studenten Paxton (angemessen übermütig: Jay Hernandez) und Josh (folgerichtiger Tiefstatus: Derek Richardson) und der ältere Isländer Oli (natürlich überdreht: Eythor Gudjonsson), die ihre Prioritäten zu setzen verstehen. Das fällt ja auch nicht schwer beim entzückend-nuttigen Anblick von Busenwundern wie Natalya (schön zwielichtig: Barbara Nedeljakova) und Svetlana (in nichts nachstehend: Jana Kaderabkova).

"Die Mädchen dort sind heißer als ein Backofen."

Folgerichtig gibt es erst einmal wohl dosierten, freizügigen Sex (5/10) zu betrachten, dessen unverklemmte Erotik nicht zu leugnen ist. Die Jungs albern hierzu herum, indem etwa Oli seinen Po mit einem Smiley verziehrt. Gelegentlich zitiert das Drehbuch in direkter ("Pulp Fiction") und indirekter ("Braindead") Form eine Auslese des ruppigen Kinos, so dass ein kleiner Schuss Humor (2/10) erkennbar ist. Die glänzenden Fassaden des Amsterdamer Rotlichtviertels weichen aber alsbald dem slowakischen Bahnhof "Poricani", dessen trostloser Anblick schon einmal auf die Verwahrlosung des finalen Schauplatzes einstimmt. Dieses heruntergekommene Fabrikgebäude ist so abartig wie die in ihm praktizierten Dienstleistungen, die man der beschaulichen osteuropäischen Kleinstadt gar nicht zutraut.

"An das hier kann man sich immer erinnern, richtig?"

Zur Halbzeit angelangt, ist der Geduldsfaden langsam porös geworden. Anstelle der interessanten Grundidee um die Gewerbetreibenden hinter dem Schornsteingebilde und den dunklen Oberklassefahrzeugen hält sich Eli Roth lange mit dem Balzverhalten seiner Hohlbirnen auf. Doch schon auf diesem langen Weg wendet sich das Blatt langsam zu einer gewissen Suspense hin. Der dubiose niederländische Geschäftsmann (krank: Jan Vlasák) bietet die erste undurchsichtige Begegnung, während die unberechenbare Kinderbande realitätskompatible Reiseschrecken verbildlicht. So wird unter Nutzung des effektiven Scores der Grundstein gelegt für das Grauen, das schließlich in gellenden Schreien und klaffenden Wunden der Folteropfer aufblüht (Horror 6/10). Begleitet wird es von Nicoteros feiner Effektkunst, deren Inszenierung von Fingerverlusten und ähnlichen Rohheiten kaum nachvollziehbar macht, warum einige der drastischen Gewaltausbrüche (7/10) im Offscreen versteckt worden sind.

Die kleine Filmperle "Hostel" verfehlt ihre Wirkung nicht (7/10 Punkten). Die Gefahren des Sextourismus überspitzt sie plakativ mit ihren glaubhaft auftretenden Mimen. Der hierfür gewählte Schauplatz in der Slowakei war ein absoluter Glücksgriff, der Einfall bezüglich der Tätermotivation lässt sich sogar als eine Prise Gesellschaftskritik deuten, was - auf einfach gestricktem Niveau - für die meisten von Roths Werken gilt. Angesichts der primitiven Protagonisten, des lahmarschigen Pacings und der nicht immer konsequent durchgehaltenen Zeigefreude, die mit dem Folterstreifenversprechen nicht gerade harmoniert, ist das Ergebnis von Perfektion eine ganze Ecke entfernt. Als Tabubrecher taugt es nur für Mainstreampuristen und die FSK, die nicht einmal für die Erwachsenenfreigabe der Kinofassung alles durchzuwinken bereit war. Einen aufwändigen Ausflug in das Reich systematisch zugefügten Leidens bietet es den Fans jedoch allemal.

7/10
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Kommentare

21.09.2020 00:31 Uhr - BFG97
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Bisher habe ich den Streifen nur einmal gesehen und mich sehr gelangweilt, was auf deine Review selbstverständlich keineswegs zutrifft. Diese ist wieder einmal über jeden Zweifel erhaben und vermittelt ein hervorragendes Bild über den Film.
Eventuell verleitet sie mich sogar dazu 'Hostel' nochmal eine Chance zu geben, zumal die anderen beiden Teile auch noch ungesehen im Schrank stehen ;D

21.09.2020 13:01 Uhr - tp_industries
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Was die Schreibweise deiner Review angeht, schließe ich mich meinem Vorredner an. Wirklich toll geschrieben!

Der Film selber, würde bei mir aber eher 1-2 Punkte weniger bekommen. Die 3 Hauptprotagonisten waren mir da einfach zu asozial unterwegs, als das man mit ihnen mitfühlen konnte. Auch die Effekte waren (trotz Nicotero) eher bescheiden. Gerade die Augenszene fande ich unglaublich schlecht getrickst. Handlung und Dialoge waren für mich auch nur plumber Durchschnitt.

Aber hey, deine Kritik ist trotzdem fair und gut geschrieben. Lese sie immer wieder gerne! ;) (deine Reviews)

21.09.2020 13:47 Uhr - Kaiser Soze
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Gut verfasstes Review mit Deinen typischen Zwischennoten, die ich als sehr gelungen ansehe!

Ich weiß noch, wie die DVD-Steelbooks von Hostel 1+2 im Saturn lagen mit SPIO geprüft-Siegel und ich dachte, Saturn würde "verbotene Filme" verkaufen :D Die Steelbooks besitze ich heute noch, auch wenn Teil 2 leicht geschnitten ist.

Besonders Teil 1 finde ich aber sehr gelungen, gerade wg. des Übergangs vom harmlosen Anfang zum - für anno 2005 - harten Folterfilm!

21.09.2020 19:24 Uhr - dicker Hund
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Danke für Blumen!

@BFG
Zu den Fortsetzungen dürfte es im Laufe der Woche an gewohnter Stelle auch noch etwas zu lesen geben...

@tp
Meine Abgründeskala für Wertungen wie "unglaublich schlecht getrickst" reicht in Untiefen wie "Zombie - The Resurrection" oder den vielbemühten "Violent Shit" hinein. Davon sind die Effekte in "Hostel" Lichtjahre entfernt. Ich fand die Augenszene cool. Wenn Dich so ein Niveau noch irritiert, bist Du vielleicht in weniger grafischen Kategorien besser aufgehoben. Ich kenne viele Filmfreunde, die Goreszenen meistens als völlig unecht wirkend empfinden. Da gehöre ich allerdings nicht zu...

@Kaiser
Meines Erachtens reichen die JK-Fassungen. Auch als Schnittberichte-Freund muss man ja nicht jeden Sekundenschwund mit Boykott strafen, finde ich.
:-)

21.09.2020 20:02 Uhr - Kaiser Soze
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@Hund

Bei einer Szene, die 7 Sek dauert und relativ unauffällig geschnitten ist, ist das dann eher eine Prinzipangelegenheit. Ich selbst schaue hier auch lieber diese Fassung, aber es ist ärgerlich, vor allem, da beim The Hitcher-Remake eine ähnliche Szene in der 18er sein durfte (im Polizeiauto). Es ist auch bei Hostel 2 nun einmal eine dieser Gewaltspitzen, wegen der man solche Filme (damals) schaut(e). Jedenfalls mag ich Teil 1 lieber als Teil 2 und bin auf deine Folgereviews gespannt. Hatte ja selber vorn paar Monaten welche dazu verfasst und den Grottenschlechten Dritten ausgelassen.

21.09.2020 20:07 Uhr - cecil b
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Eine ausgelutschte Aussage trifft in diesem Fall einfach wieder zu:

Dem Film kann ich nicht viel abgewinnen, aber deiner Review!

Und ja, da stimme ich zu: "Einen aufwändigen Ausflug in das Reich systematisch zugefügten Leidens bietet es den Fans jedoch allemal.".

Eine Filmperle sehe ich darin selbst ja nicht, aber, ja, der Film lässt einen so schnell nicht kalt!

P.S. Takashi Miike hat nen Cameo.

21.09.2020 22:24 Uhr - Intofilms
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„Hostel“ hat sich für mich als Rewatch-GAU entpuppt, verheerend! Die Review ist jedoch sehr gut. Deine Worte ergeben durchaus Sinn. Über Geschmack streiten, kommt nicht in Frage! 😁

02.10.2020 20:08 Uhr - Kable Tillman
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Die "Hostel"-Reihe habe ich bisher nur einmal geschaut. Fand den hier und dessen Nachfolger ganz unterhaltsam, Teil 3 ist in meinen Augen hingegen Müll. Ein Urteil, welches ich deinem Review absolut nicht geben kann. Gutes Ding!

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