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Ein Fressen für die Geier

(Originaltitel: Two Mules for Sister Sara)
Herstellungsland:Mexiko, USA (1970)
Standard-Freigabe:FSK 16
Genre:Abenteuer, Action, Komödie, Krieg,
Western
Bewertung unserer Besucher:
Note: 8,20 (10 Stimmen) Details
inhalt:
In diesem anarchischen, unkonventionellen Action-Western im Mexiko des 19. Jahrhunderts rettet ein amerikanischer Söldner (Clint Eastwood) eine scheinheilige Nonne (Shirley MacLaine) vor einer Vergewaltigung. Die zufällige Begegnung erweist sich für ihn als Glücksfall, da die Nonne über die Offiziere der Garnison bescheid weiß, in die er eindringen will. Bald stellt er fest, dass die vermeintliche Ordensschwester gar keine ist Nonne ist - während Festungsmauern der Garnison in die Luft fliegen, bahnt sich eine ebenso explosive Romanze an.
eine kritik von velvetk:

Ein Auge und zwei Ohren riskieren. Klassiker aufzuarbeiten gehört in diesen Tagen zu den schönsten Beschäftigungen, hat man etwas für den Film übrig. Da hochkarätige Neuware aktuell kaum zu erstehen ist, lohnt der Blick zurück wie lange nicht. Und da Clint Eastwood immer eine Reise wert ist, kam mir diese Kollektion, die mich keine 5€ gekostet, gerade recht.

https://www.ssl.ofdb.de/view.php?page=fassung&fid=8647&vid=297282

Von manchen Filmen hatte ich schon gehört, sie aber nie gesehen. Tja, und wie's mit solchen Ramschsammlungen nicht selten ist, stellte sich Box ziemlich schnell als recht dürftige Resterampe heraus. Da verschmerzt es sich umso schwerer, dass auf dem Cover ein Motiv des berüchtigten Klassikers Ein Fremder ohne Namen abgebildet ist, ohne dass dieser Film in der Sammlung enthalten ist. Coogans großer Bluff, von Regisseur Don Siegel, ist ein zäher und gestreckter, aber immerhin charmant kantiger Film. Kein Vergleich mit den Großtaten, in denen Eastwood noch mitwirkte, aber immerhin keine absolute Zeitverschwendung. Sinola ist im direkten Vergleich minimal besser und ergiebiger, letztlich aber doch eher Stangenware, die es in keinem Universum zum Klassiker gebracht hätte. Im Auftrag des Drachen, der von Eastwood selbst inszeniert worden ist, ließ mich dann beinahe völlig vom Glauben abfallen, dass irgendwas in dieser Box auch nur annährend gut sein könnte. Mal davon abgesehen, dass Im Auftrag des Drachen ziemlich interessant und spannend losgeht, nur um dann dramaturgisch abzufallen und sich in wenig imposanten Landschaftsbildern zu verlieren, hat man das Bild der DVD seinerzeit nicht anamorph codiert. Und egal wie viel ich bei meinem Fernseher auf- und wieder einzoomte, diese allseits gerahmte Matschpfütze von einem Bild gab mir dann den Rest. Blieb nur noch Ein Fressen für die Geier, ein zweiter Film von Dirty-Harry-Regisseur Don Siegel in dieser B-Seiten-Lese aus dem Fundus Eastwood.

Und da war sie dann, die beinahe-Perle, die gefühlte Nadel im Heuhaufen. Siegel, mit dem ich bisher nicht viel anfangen konnte, hat sich den Spaghettiwestern genau angeschaut und die richtigen Schlüsse daraus gezogen, ohne hier einen wahren Klassiker zwischen den Stühlen US- und Italowestern geschaffen zu haben. Ein Fressen für die Geier erreicht zwar nur selten die gerissene und eindrucksvolle Klasse von Leones oder Corbuccis Filmen, kommt aber dennoch, auch nach fünfzig Jahren, erstaunlich frisch und unterhaltsam daher. Zum einen steht die solide Inszenierung nie zu lange auf einem Fleck und zum anderen geizt das Drehbuch nicht mit tollen Einfällen und einem lausig zeitlosen Zynismus, den ich für meinen Teil immer gerne sehe. Und auch wenn sich MacLaine und Eastwood abseits der Dreharbeiten wohl nicht besonders mochten, hätte man die nicht ganz freiwillige Reise der beiden ungleichen Protagonisten kaum besser besetzen können. Clint Eastwood spielt genau den rauen und bärtigen Loner, den er halt am besten drauf hat. Ein unverwechselbarer Auftritt, der von der spielfreudigen Shirley MacLaine immer einen herrlich amüsanten Gegenwind abbekommt. Die Wortduelle und oftmals süffisanten Konfrontationen sind launisch und durchweg markant und MacLaine spielt ihren Part als vermeintliche Nonne in Not dermaßen selbstbewusst und cool, damit es eine wahre Freude ist! Sie ist klar das Highlight des Films und ich bin ziemlich froh, dass ich die Inhaltsangabe auf der Rückseite, die lediglich das Ende von Ein Fressen für die Geier vorwegnimmt, nicht gelesen habe - das ist kein alles überwältigender Twist oder so, doch hat dem Film ein nettes Häubchen aufgesetzt, auch wenn die Schlussszene an süßlichem Kitsch nicht zu überbieten ist. Ein schönes und immerzu humorvolles Ding, das in visueller Hinsicht zwar keine Gauner aus den Latschen schießt, doch gefällig gefilmt daher kommt.

Die Filmmusik von Ennio Morricone bedarf nicht vieler Worte. Ohne dieses spielerisch aufheulende Hauptthema, die verrückten Geräusche und dieser einmaligen Note in dem beschwingt epischen Score, wäre Ein Fressen für die Geier nicht so gut. Don Siegel versteht es zwar nicht so genial, wie etwa Leone, diese außergewöhnliche Musik in seiner Regie wirken zu lassen, doch allein die Anwesenheit dieser verwunschen irren Klänge ist ein absoluter Hochgenuss und gibt dem geradlinigen und kurzweiligen Film eine exotische Note - da gibt es mit Sicherheit keine zweite Meinung.

Nicht alles in Ein Fressen für die Geier geht auf, steht aber zumindest gut geeint nebeneinander und hat den Gesamteindruck dieser fahrigen Box echt gerettet. Einerseits wird klar, dass der seit sechzig Jahren präsente Clint Eastwood nicht einmal im Ansatz einen Klassiker nach dem anderen abgedreht hat, andererseits ist selbst ein mäßiger bis solider Film mit Eastwood eben immer noch ein Eastwood - da gibt es womöglich mehr als eine zweite und dritte Meinung, doch Ein Fressen für die Geier sollte man als Liebhaber kernig überhöhter Western und gut besetzter Buddy-Filme nicht auslassen. Und wer Ennio Morricone mag, sollte unbedingt ein Auge und zwei Ohren riskieren.

7/10
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Kommentare

03.08.2020 12:16 Uhr - Tom Cody
2x
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Sehr interessante Kritik zu diesem Western, der zwar keines von Eastwoods wirklichen Highlights ist, insgesamt aber doch recht gut zu unterhalten weiß.
Ein paar kleinere Schwächen fallen hier nicht so groß ins Gewicht.
Witzig ist, dass anfangs eindeutig Hogan den dominierenden Part innehat. Nach und nach verschiebt sich aber das Kräfteverhältnis zugunsten von Sara (daher auch der mMn bessere und ironische US-Titel: "Zwei Mulis für Schwester Sara")
Kleiner Fun-Fact: Ursprünglich sollte Elizabeth Taylor den Part der Nonne spielen, die sich dann als Prostituierte herausstellt (auch einer der Gründe, warum Eastwood damals zusagte). Da wäre die Überraschung sicherlich um einiges größer gewesen als bei "Irma la Douce" Shirley MacLaine.
Die Musik ist tatsächlich sehr gut, ironisch und originell. Selbstverständlich ist das Hauptthema in "Djano Unchained" ebenfalls zu hören.
Die Box finde ich jetzt insgesamt nicht soo übel. Keine Meisterwerke, aber für Eastwood-Fans oder Sammler durchaus lohnenswert. Alleine "Coogan's Bluff" als Vorstufe zu "Dirty Harry" lohnt sich da. Es gibt zudem sicherlich auch viele schlechtere Western als "Sinola", immerhin von Altmeister John Sturges.

05.08.2020 11:22 Uhr - Horace Pinker
1x
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Tolle und lesenswerte Kritik zu einem Western der zwar nicht an Clints eigene Regiearbeiten oder die Dollar Trilogie heranreicht, mir aber dennoch gut gefallen hat. Habe übrigens die gleiche DVD Box , Sinola fand ich ähnlich gut, Coogans Bluff und im Auftrag des Drachen minimal schwächer aber dennoch recht unterhaltsam (bisher war ich ohnehin noch von keinem einzigen Eastwood richtig enttäuscht).

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