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Applecart

Herstellungsland:USA (2015)
Genre:Horror, Drama, Krimi
Bewertung unserer Besucher:
Note: 6,00 (3 Stimmen) Details
inhalt:
Experimenteller Schwarz & Weiß 4 Episodenfilm ohne Dialog

Episode 1 - A woman hates her family: Ein Familienvater, der kein Interesse mehr an seine Frau hat, hegt jedoch ein großes sexuelles Interesse für seine Tochter und dessen Freundin, die über Nacht zu Besuch ist. Die Mutter ist stark eiversüchtig und versucht mit allen mitteln das Interesse seines Mannes zurückzugewinnen. Die Eifersucht steigt so stark, dass sie ihre Familie und sich selbst vergiftet

Episode 2 - An elderly person is abused: Eine Krankenpflegerin wird gerufen um einen älteren Herrn zu Pflegen. Die Pflegerin hat jedoch kein Interesse ihre Arbeit Menschlich auszuüben. Sie pinkelt in das Essen, Katheter wird schmerzhaft und Amateurhaft gewechselt und vor den Augen des Patienten wird es mit dem Partner getrieben. Der Alte Herr nimmt all seinen Mut zusammen und erwürgt die unprofessionelle Pflegerin.

Episode 3 - A woman hates her dad: Eine Tochter hat es mit ihren Streng gläubigen Vater nicht leicht. Sie versucht ihre uneheliche Schwangerschaft mit ihrem heimlichen Partner zu verheimlichen. Ihr Vater kommt dahinter, erteilt ihr eine Lektion und bringt ihre heimliche Liebe um. Diese psychische Gewalt kann sie nicht mehr lange standhalten. Sie treibt das Kind selbst ab und stirbt dabei.

Episode 4 - A nut abducts his female co-worker: Ein einfacher Arbeiter ist verliebt in seiner Kollegin. Sie jedoch, hat kein Interesse an ihm. Sein Freund und Kollege, hält sie für ihm bei sich zu Hause gefangen, damit beide ihre sexuellen Fantasien an sie ausüben können. Der Verliebte kommt in einen Gewissenskonflikt, bringt seinen Freund um und will sie für sich haben. Er befreit sie und wird anschließend von ihr umgebracht.
eine kritik von hudeley:
Applecart
 
Vor 5 Jahren wanderte der Film The Hornet's Sting And The Hell It's Caused auf den Index und die deutschen Messageboards waren gefüllt mit Kommentaren darüber, was dies denn für ein Film sei. Dass dieses Schmuddelfilmchen hier nicht bekannt ist verwundert nicht, ist Regisseur Dustin Mills einer derjenigen, der eher hinter dem großen Teich bekannt ist. Seine Schaffensvita ist durchaus enorm und unter anderen mit vergleichsweise bekannten Einträgen wie Her Name Was Torment sowie dessen Fortsetzung, Skinless oder Bath Salt Zombies mit Filmen gesegnet, die man als Fan härterer Ware gesehen habe sollte. Vielseitig ist der Gute, denn er werkelt sich quer durch die Horrorsubgenres: Melt Movies, Zombiefilmchen, Fakesnuffstreifen in Puppet Master Manier oder Arthouse angehauchte - und mit ordentlich Nacktheit versehene Werke, stehen unter anderem in seinem Portfolio.
 
So wirft er uns mit seiner monochromen, schwarz-weiß Anthologie Applecart zurück in die Zeit der Stummfilme. Den bildlich stark kontrastierten Sets werden mit Darstellern, deren Gesichter mit an das Kabuki-Theater erinnernden Masken bedeckt wurden, anonymisiertes Leben eingehaucht. Die Absicht ist klar ersichtlich, sollen die vier Episoden um zerrütete Familienverhältnisse, einer Krankenschwester, die einen alten Patienten misshandelt, eine Vergewaltigungsentführung, sowie eine Tochter, die von ihrem Vater sexuell missbraucht wird, wohl die nicht zutage tretenden Schattenseiten der Gesellschaft darstellen. Durch die Maskierung wird deutlich: es könnte jeder uns bekannte Mensch Täter wie auch Opfer sein.
 
Schauspielerisch, aufgrund fehlender Mimik nun nicht gerade die einfachste Wahl, hat Dustin Mills hier Geschick bei der Auswahl der Darsteller bewiesen. Diesen agieren durch entsprechend deutliches Gestikulieren sauber genug, um den Umstand fehlender Gesichter und Dialoge den Zuschauer vergessen zu lassen. Ein leicht augenzwinkernder, ironischer Touch mag je nachdem herauszuschmecken sein, trägt aber zur sonderbaren Inszenierung mit bei. Wer sich die grotesk anmutenden Szenen aus der Parallelwelt in Insidious ins Gedächtnis ruft, hat möglicherweise eine ganz passable Referenz der grundlegenden Stimmung. 
 
Sämtliche Episoden, welche im Gegensatz zu anderen Anthologien nicht durch eine Rahmenhandlung zusammengehalten werden, fallen außerdem durch ihr einzigariges Sounddesign auf. Gesprochen wird hier nämlich kein Ton und die an Stummfilme erinnernde, fröhlich beschwingte Klarviermusik, die auf den ersten Lauscher so gar nicht in den Kontext eines Extremfilmes passen möchte, gibt dem Ganzen einen wirkungsvollen Unterbau. Gelegentliche Sequenzen sind komplett stumm geschaltet, ehe plötzlich ein Rauschen einsetzt und bedrohlich anschwillt. Wirklich herausragend, ist das Einsetzen einer Lach-Tonspur, wie man sie - neben Stummfilmen - auch aus Sitcoms kennt. Gelacht wird in Applecart meist dann, wenn sich das Geschehen explizit zuspitzt und es am wenigstens Grund zum Lachen geben sollte. Lediglich ein stilistischer Kontrapunkt oder gar eine Entlarvung des blutgierigen Zuschauers?
 
Dessen Gelüste werden hier sowieso nicht entsprochen, da die Spezial Effekte im Sack bleiben. Bis auf die Aufnahme einer im Wasser treibenden Blutspur, kann ich mich ebenfalls an keinen Einsatz roten Lebenssaftes erinnern. Soweit keine große Tragik, denn Applecart ist hart; nicht nur ob der Thematik, sondern weil gewisse Szenen, wie eine angedeutete Abtreibung / vaginale Selbstverstümmelung per Kleiderhaken, oder das gewaltsame Herausreißen eines Katheters aus dem Penis eines im Film älteren Mannes, zuschlagen, treffen und sitzen. Dustin Mills scheut ebenfalls nicht vor pornographischen Einstellungen zurück, obgleich diese nie in triebabfertigende Schmuddelvideo-Einlagen der Marke Andreas Bethmann abdriften. Alles bleibt der Geschichte und Konsequenz dienlich, während Regisseur Mills, trotz offensichtlich nicht gestellter und zeigefreudiger Aufnahmen, nie ins Selbstzweckhafte abrutscht. 
 
Regiefremde Vergleiche zu seinen Werken sind schwer zu nennen, da dessen Schaffen die teils qualitativ uninteressierten Konkurrenten des filmischen Untergrunds deutlich aussticht. Besonders auf technischer Seite ist Dustin Mills immer um Steigerung bemüht und liefert, aller Stummfilmverweise zum Trotz, ein gestochen scharfes und perfekt ausgeleuchtetes Bild ohne nachträgliche Verschmutzungseffekte ab. Auch die Laufzeit von knapp unter 60 Minuten ist angenehm, denn Filme der extremen Couleur halten nur selten die Aufmerksamkeit des Zuschauers über die gängige Spielfilmlänge hinweg. So wären faire Vergleiche wohl die mit dem amerikanischen Kollektiv A Baroque House, deren Filme wie beispielsweise Spit, I Cut Your Flesh, Blue Android oder Sea Of Blood nicht nur namentliche Querverweise auf asiatische Splatter-/ Fetischproduktionen der letzten Jahrzehnte sind. Auch die ebenfalls stark schwarzgefilterten, klinischen Splatterfilme eines Kasper Juhls wären eine zumindest optische Referenz, während man sich inhaltlich in Applecart der durchaus verstörenden Trilogie Family Portraits - A Trilogy Of America (mit der legendär brutalen Episode Cutting Moments) angenähert hat. 
 
Einziger subjektiver Kritikpunkt meinerseits dürfte wohl sein, dass die theaterlastige, künstliche Szenerie bei mir nicht ihre volle Wirkung entfalten konnte. Ich habe meine gewalthaltigen Filme gerne - salopp gesagt - zentriert mittig ins Fressbrett und habe zwar grundlegend nichts gegen fiktional stilisierte Gewalt, sehe aber deren reale Wirkung eher dann als gegeben, wenn die Filme vor Dreck nur so triefen. Dies hilft, das Gesehene einzuordnen und gibt keinerlei Anreiz, Gräueltaten konsumierbar zu machen. So halte ich einen Funsplatter Film grundlegend als viel verrohender, als einen dreckigen Folter-/ Nischenfilm, dessen Gezeigtes sich direkt im Wohlbefinden des Zuschauers widerspiegelt. So gehe ich hier wohl mit der Spruchpraxis der Bundesprüfstelle überein, aber keine Sorge - wer meine Kritiken kennt weiß, dass ich für alles spritzend Rote gerne die Flagge hochhalte.
So vermisse ich dahingehend bei Applecart dessen "Faustschlag", da das Dargestellte nicht so richtig zu wirken vermag. An der guten Bildqualität liegt dies sicher nicht, denn vergleichbare Filme wie die ebenfalls von Dustin Mills gedrehten Her Name Was Torment 1+2 oder Marcus Kochs Bloodshock, die ebenfalls glattpoliert und klinisch steril daherkamen, konnten trotzdem den schmutzigen, ausladenden Gewaltunterton aufbauen, den Applecart bei mir nicht errichten konnte.
 
Ich erkenne aber gerne an, dass dies hier so gewollt war. Die ganze Aufmachung um Masken, eine lachende Synchronspur, sowie die Klaviermusik im Hintergrund schreien höllisch laut nach "gewollt". So akzeptiere ich Applecart als im Grunde mir in der Form so noch nicht bekanntes Filmexperiment, mit exakt der Wirkung, die vom Macher angedacht war. Ob das mir subjektiv nun schmeckt, ist die andere Seite. So sind meine Reviews wie auch die Punktewertungen bekennend von meinem eigenen Geschmack gekennzeichnet und zur Höchstpunktzahl hats, trotz aller Achtung meinerseits, nicht gereicht. 
 
7/10
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Kommentare

05.08.2020 06:45 Uhr - dicker Hund
1x
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Das Review hatte meine ungeteilte Aufmerksamkeit, wobei mir mal wieder eine Vielzahl der Querverweise unbekannt waren. Kein Wunder, da der Underground nicht mein Hauptaugenmerk ist. "Applecart" könnte mir aber durchaus zusagen.

05.08.2020 07:50 Uhr - Cinema(rkus)
1x
User-Level von Cinema(rkus) 1
Erfahrungspunkte von Cinema(rkus) 28
Ohhhhhhhhh, hudeley, hört sich nach einem sehr interessanten Projekt an, was Du uns hier - in Deinem Dir eigenen Stil - schmackhaft machst. Wieder toll geschrieben, informativ, flüssig, mit klasse Satzbau und näherbringender Atmosphäre.

Ein Sahnehäubchen wäre es, wenn die von Dir beschriebene Blutspur im Wasser evtl. dann in tiefem blutrot aufgenommen wäre ?

Mir gefallen die Elemente des Films jedenfalls sehr gut; die hast Du mir beim lesen wirklich richtig plastisch vor Augen geführt. Eine anscheinend tolle Hommage an die Stummfilmzeit, mit einigen härteren Szenen OHNE wohl das ganze zu übertreiben. Ganz nach meinem Geschmack. Den Film nehme ich in meine Suchliste auf, scheint echt ein kleines Kunstwerk zu sein.
Danke für Deine Vorstellung; hat mich total gepackt und gefangen. Ich werde dem Film eine Chance geben, was DEIN Verdienst ist. Mission erfüllt: hast mich total neugierig gemacht.

Einer meiner Lieblingsfilme ist übrigens: Blancanieves - Ein Märchen von Schwarz und Weiss.
Passt vom Filminhalt her natürlich nicht zu Deiner Vorstellung, ist aber auch eine sagenhafte Verbeugung vor der Stummfilmzeit, mit optisch hervorragender Bildgestaltung. Wer den noch nicht kennt, evtl. mal antesten ? Ganz große Kunst, die es zu entdecken gilt.
Herzlichen Gruß, Alles Gute....C.M.

06.08.2020 17:32 Uhr - DriesVanHegen
1x
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Hatte APPLECART und HER NAME WAS TORMENT bei Ankündigung durch BLE kurzzeitig auf dem Schirm, war dann aber wieder davon ab bzw. hält sich mein aktives Interesse am Underground seit längerer Zeit schon ziemlich bedeckt. Von daher kommen deine Kritiken immer wie gerufen, um trotzdem etwas am Metier zu bleiben.
Was es hier zu den beidne oben erwähnten Werken zu lesen gibt, lässt sie aber wieder zurück auf die Wishlist wandern, zumal ich Mills SKINLESS auch ziemlich brauchbar fand (Review hierzu: https://www.filmtoast.de/skinless-2016/).
Die Verweise zu Juhl und vor allem CUTTING MOMENTS lassen mich dem hier besprochenen Werk aber tatsächlich noch interessierter entgegentreten. Mit dem Fetisch-Krams um Baroque House kann ich wiederum aber nichts anfangen, wobei ich davon nur SPIT (glaube ich jedenfalls) kenne, mir der Rest des Katalogs nur durch Trailer schon entsprechend uninteressant erscheint.

Ach btw: wer hat denn die Inhaltsangabe verbrochen? Wenn die so 1 zu 1 vom BLE-Produkt stammt, hat deren QM aber ordentlich geschlampt...

07.08.2020 04:25 Uhr - hudeley
1x
User-Level von hudeley 8
Erfahrungspunkte von hudeley 948
@Cinema(rkus)
Vielen herzlichen Dank für Dein wie immer sehr ausführliches Statement!
Freut mich ebenfalls, Dir einen Film schmackhaft gemacht zu haben. Deinem Tipp bzgl. Blancanieves werde ich ebenfalls nachgehen, schließlich soll man ja für Alles offen sein :)
PS: Bin Dir seit Wochen noch eine PN schuldig... in den nächsten beiden Tagen kommt endlich mal 'ne Antwort :D

@DriesVanHegen
Ich übernehme gerne die Bericherstattung, so dass dem ein oder anderen hier diverser Underground Kram erspart bleibt.
Sehr schöne Review zu Skinless mit der ich absolut übereinstimme! Filmtoast war mir bisher auch unbekannt - habe gerade etwas gestöbert und mir gefällt, was ich da zu lesen bekam.
Baroque House ist richtige Nischenware. Bei mir rennt sie offene Türen ein, aber ich verstehe komplett, wenn man keinen Zugang dazu findet.
Und die Inhaltsangabe ist nicht von Blacklava ;)

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