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Hostel 2

(Originaltitel: Hostel: Part II)
Herstellungsland:USA (2007)
Standard-Freigabe:SPIO/JK geprüft: strafrechtlich unbedenklich
Genre:Horror, Thriller
Bewertung unserer Besucher:
Note: 6,67 (226 Stimmen) Details
inhalt:
Die Fortsetzung des sensationell erfolgreichen Horrorhits begibt sich auf die Spur von drei jungen Amerikanerinnen, die während des Sommersemesters in Rom Kunst studieren. Bei einem Wochenendausflug werden sie in das berüchtigte slowakische Hostel gelockt. Schon bald erfahren sie das düstere Geheimnis dieses Ortes äußerst schmerzhaft am eigenen Leib – und erleben die Hölle auf Erden ...
eine kritik von dicker hund:

Zwei Jahre nach "Hostel" nahm Eli Roth noch einmal für die erste von bislang zwei Fortsetzungen auf dem Regiestuhl platz. Im Prolog knüpft sein "Hostel 2" zunächst konsequent an die bisherige Handlung an, nutzt jedoch ein frühes Schockmoment, um seine gestalterische Freiheit zu erweitern. Nunmehr sind es drei Damen, die sich zusammen auf den Weg in die Slowakei machen. Das wären die libidoreiche Beth (Lauren German aus dem Remake vom "Texas Chainsaw Massacre"), die geldreiche Whitney (Bijou Phillips aus dem Remake vom "Wizard of Gore") und die lehrreiche Lorna (Heather Matrazzo aus "Im Auftrag des Teufels" und "Scream 3"). Sie erhalten eine simple, aber eingängige sowie sympathischere Charakterisierung.

"Bekommst du einen Tagebuch-Orgasmus?"

Nacktheit und das Miteinander der Geschlechter bleiben Thema, auch wenn nicht mehr ganz so die Neigung zum Expliziten erkennbar ist (Sex 3/10). Einige der blanken Impressionen sind dabei eher auf die suspekte denn auf die stimulierende Art erotisch. Das hängt natürlich damit zusammen, dass die Hauptattraktion des osteuropäischen Dorfes eine für die Gäste unerfreuliche Art der Beherbergung unter der Führung des zwiellichtigen Geschäftsmannes Sasha (Milan Knazko) ist.

"Was macht er beruflich?"

- "Er ist Auktionator."

Dafür schart er ein verkommenes Personal um sich, dass entweder intrigant, brutal oder beides ist, um die Kunden zu bedienen. Das Drehbuch wirft dabei zu Recht einen 2005 noch vermissten tiefen Blick in die Strukturen des Jagdvereins mit dem Doggen-Tattoo und die sadistischen Abgründe, welche dessen Mitglieder motivieren. Als Neuzugänge werden hierbei der draufgängerische Todd (Richard Burgi) und der zögerliche Stuart (Roger Bart) vorgestellt. Dadurch, dass sie mehr sind als die gesichtslosen Zweisatzredner des Originals, wird das, was sie bewegt, besser erkennbar. "Verständlich" ware wohl der falsche Begriff, denn nach der ersten Hälfte der Spielzeit bekommt man mit voller Wucht wieder Folterungen zu Gesicht. Mit ausgezeichneter Effekttechnik werden hier kommerzialisierte Ritualmorde zelebriet, was sowohl äußerst blutig (Gewalt 8/10), als auch recht hart anzuschauen ist (Horror 6/10). 

Innerhalb der boshaften Grundstimmung, welche die Einnahmequelle der Hüter des respekteinflößenden Verlieses mit den ausgebauten Sicherungsvorkehrungen ausstrahlt, erzeugt der exotisch konnotierte Score eigenwillige, doch treffende Untertöne. Diese sind meistens bierernst; erst im Epilog wird in eindeutiger Fun-Splatter-Manier das Auge in Richtung des Zuschauers schmunzelnd zugekniffen (Humor 2/10). Viele Versatzstücke sind bis dahin bereits bekannte Bestandteile des Erstlings, die lediglich erweitert und vertieft worden sind. Doch überzeugt die veränderte Schwerpunktsetzung mehr als ihr ursprüngliches älteres Geschwisterkind. Selbst einleitende Szenenblöcke wie die unberechenbare Zugfahrt und Nebenrollen wie jene der charmanten Axelle (Vera Jordanova) bleiben kurzweilig. Einen gesellschaftskritischen Subtext kann der geneigte Rezipient darin sehen, dass sich die Protagonisten auf beiden Seiten der Metzgereitheke in vielerlei Hinsicht gar nicht so sehr voneinander unterscheiden, so dass der Foltermarkt als Zuspitzung der Irrwege der kapitalistisch indoktrinierten Zivilisation gedeutet werden kann.

So akademisch dachten auch die Zensoren, die mit einer Beschlagnahme ihre intellektuellen Kapazitäten ausgelotet haben. Den hier zu Grunde gelegten Unrated Director's Cut sollte man daher nicht hinter germanischen Prüfsiegeln vermuten. In seiner vollen Pracht erweist sich dieser als große Filmperle (8/10 Punkten). Dieselbe ist weder eine Superlative in puncto Gore, wofür sie zu träge gepaced ist, noch eine Flut an innovativen Plot-Ideen, wofür einfach zu viele Fortsetzungsklischees erfüllt sind. Dafür führt sie den einmal etablierten Stoff aber mit kleinen Steigerungen fort, ohne die Nervigkeit der belanglosen Party-People weiterhin so stark überzudosieren. Stattdessen liefert sie kreativ gestaltete Skizzen ihrer hauseigenen, fiktiven Variante der Unterwelt und eine Handvoll überaus einprägsamer Grausamkeiten zum reinen Tätervergnügen, wie sie sonst nicht mit Mainstream-Budgets bedacht werden.  

 

8/10
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Kommentare

23.09.2020 12:36 Uhr - sonyericssohn
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Hm jaaaa, der war erträglich. Aber wie schon im ersten Teil nervt mich diese ewig wirkende Anlaufzeit. In Sachen Härte langt man aber dann doch ordentlich hin....was den Film in meinen Augen aber nicht unbedingt besser macht. Wäre mit nett gemeinten 7 Points dabei, aber mit Magenschmerzen. ;-)

23.09.2020 12:44 Uhr - leichenwurm
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Hi dicker hund ! Sehr gut... genau wie dein Review zum ersten "Hostel". Und wertungstechnisch stimm ich dir da ebenfalls zu. Teil 2 ist eine wirklich gelunge Fortsetzung, die hier und da noch zeigefreudiger geraten ist und auch inhaltlich einige ideen konsequent weiterspinnt. Schön auch wie treffend du den Subtext hier zusammen fasst... klasse. Legendär ist ja fast schon der Gastauftritt von Ruggero Deodato als.... man höre und staune.... Kannibale ;-)) !

23.09.2020 13:06 Uhr - tp_industries
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Hier bin ich absolut bei Dir.
Die Protagonisten in diesem Teil nerven nicht ganz so schlimm, und auch die Effekte sind, wie Du schon gesagt hast, richtig gut. Insgesamt finde ich den zweiten auch wesentlich fieser. Nur das von Dir erwähnte Finale mit dem "Fussballspiel", fand ich dann zu "drüber". Bei der bis dahingehenden Ernsthaftigkeit, wirkte diese Funsplatterszene wie ein Fremdkörper.

Deine Review ist wieder einmal klasse geschrieben.

23.09.2020 17:13 Uhr - BFG97
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Und wieder einmal eine vorzügliche Review, die wahrlich auf der Zunge zergeht ;)

Wie unter deiner Review zum ersten Teil schon gesagt, habe ich den Film bisher noch nicht gesehen, was sich nach dieser Lektüre aber wohl in absehbarer Zeit ändern wird. Dafür habe ich mir aber den Start der Reihe nochmals zu Gemüte geführt und wurde tatsächlich um einiges besser unterhalten, als bei der Erstsichtung. Zwar schneidet er noch immer nicht so gut ab, wie bei dir, aber mit guten 5 Punkten bin ich dann doch dabei.

23.09.2020 22:28 Uhr - Lukas
Ach ja, die Hostel-Reihe... fand ja den ersten schon wenig erquickend, aber der zweite hat das Niveau leider nochmal unterboten. Klischeehaft, abgedroschen, ohne Charme und im Wesentlichen anspruchsloser und dämlicher Käse für Gorehounds oder dicke Hunde. :-P Von mir leider nur 4,5/10.

24.09.2020 09:25 Uhr - prince akim
1x
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23.09.2020 17:13 Uhr schrieb BFG97
Und wieder einmal eine vorzügliche Review, die wahrlich auf der Zunge zergeht ;)



Dem kann ich mich nur anschliessen ! Wirklich wieder so ´ne Hausnummer 😉
Hatte den Streifen mal auf Sky gesehen ( cut oder uncut ?? Keine Ahnung ... ) und nach der Szene im Fahrstuhl mit den Hunden war mir irgendwie nicht mehr so ganz wohl. Das war dann, glaube ich, schon langsam der Anfang vom Ende meiner Horror-und Splatter-Zeit.

24.09.2020 19:23 Uhr - Intofilms
3x
23.09.2020 22:28 Uhr schrieb Lukas
Ach ja, die Hostel-Reihe... fand ja den ersten schon wenig erquickend, aber der zweite hat das Niveau leider nochmal unterboten. Klischeehaft, abgedroschen, ohne Charme und im Wesentlichen anspruchsloser und dämlicher Käse für Gorehounds oder dicke Hunde. :-P Von mir leider nur 4,5/10.

Inhaltlich sind wir wahrscheinlich nicht weit voneinander entfernt. Aber so, wie du es schreibst, wirkt das einfach sehr überheblich. Hast du doch gar nicht nötig. Ich lese deine Kommentare eigentlich sehr gern.

24.09.2020 22:04 Uhr - Lukas
Geil, wenn man mal nich in die allgemeine Lobhudelei miteinstimmt, is man gleich "sehr überheblich". Was ich geschrieben habe ist ganz einfach mein Blick auf die Dinge; Dicker Hund ist nicht erst seit gestern dabei und wird meinen Kommentar überleben.

25.09.2020 14:41 Uhr - dicker Hund
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Hallo miteinander!

@Sony:
Die Einleitung war hier durch die mehrseitige Perspektive in meinen Augen deutlich gereifter inszeniert. Aber wenn Du Splatter nonstop bevorzugt hättest, ist das für mich nachvollziehbar.

@Leichenwurm
Schön, dass unsere Geschmäcker sich hier zufällig treffen.

@tp
Ja, charmanter Abschiedsgruß oder dumpfer Stilbruch; lässt sich beides hören.

@BFG
Ich habe schon erlebt, dass ich mir bei der Zweitsichtung energisch selbst widersprechen musste. Meistens ähneln sich Ersteindruck und Folgewahrnehmung aber. Wenn das Kennenlernen suspekt war, lieber nicht zu viel versprechen...

@Lukas
Du kommentierst hier ein Review und damit eigentlich nur mittelbar den Film. Für Eingaben wie "Der Film ist Käse für Gorehounds und dicke Hunde!" gibt es einen eigenen Kommentarbereich, den Du mit einem Klick auf das Cover auch schnell aufgerufen hast. Deine Meinung teilst Du mit einer starken Minderheit. Das ist grundsätzlich OK. Und ja: Ich liebe Käse! Aber ist Dir bewusst, dass das Wort "dämlich" sexistische Wurzeln hat? Zur Illustration: Der Gegenbegriff ist "herrlich". Die Semantik ist bei einem Titel mit weiblichen Hauptrollen schon fragwürdig. Verbunden mit der verbreiteten Unsitte, auf die Argumente des Autoren überhaupt nicht einzugehen, macht das keinen besonders sympathischen Eindruck. Den Gegenwind musst Du schon aushalten können, finde ich.

@prince
Danke für die Übersetzung von Lukas Kommentar in die Sprache der gewaltfreien Kommunikation.

@Intofilms
Hau den Lukas! ;-)
Nein, im Ernst, Deine vornehmeren Anmerkungen, dass Du vom Gegenteil meiner Ergüsse überzeugt bist, sind mir schon lieber; aber ein verträglicher Umgangston gelingt mir selbst nicht immer.


25.09.2020 14:46 Uhr - sonyericssohn
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Versteh mich nicht falsch. Nix gegen eine gebührende Einführung der Hauptcharaktere. Aber hier baute man in meinen Augen fast eine Art Unnahbarkeit zu den Personen auf. Das hat mich im Vorgänger auch irgendwie gestört. Und ausschließlich Gesuppe hab ich ned erwartet. Ich doch nicht ! :-D
Fasst aber wie man sieht jeder anders auf ;-)

25.09.2020 18:51 Uhr - Lukas
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@dicker Hund: Ja Mensch, dann trifft es das "dämlich" ja noch besser! :-D Und zu einem Film wie Hostel wäre eine gewaltfreie Kommunikation ja das letzte, was passen würde. ;-) Wir wollen doch den Grundton des Films nicht aus den Augen verlieren!

25.09.2020 20:09 Uhr - dicker Hund
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@Sony
Ach so meintest Du das, OK...

@Lukas
Touché!
;-)

01.10.2020 20:56 Uhr - cecil b
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Köstliche Review!

02.10.2020 20:20 Uhr - Kable Tillman
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Ich gehöre hierbei zu den ca. 0,1% für die "Hostel 2" von Anfang bis Ende eine augenzwinkernde, schwarze Komödie ist. Zwar hat mich bei beiden Teilen der unterschwellige Rassismus gestört, aber gerade beim 2. musste ich oft lauthals loslachen und konnte die abartig gemeinten Gewalteinlagen gar nicht ernstnehmen. Tolles Review, kennt man von dir nicht anders.

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