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Sons of Anarchy

Herstellungsland:USA (2008)
Genre:Drama, Krimi
Alternativtitel:Forever Sam Crow
Sons
Bewertung unserer Besucher:
Note: 8,84 (33 Stimmen) Details
inhalt:
Jackson "Jax" Teller (Charlie Hunnam), der Sohn des verstorbenen Gründers, ist zwischen den gewalttätigen Bikern aufgewachsen. Immer mehr gerät er jedoch mit den skrupellosen Methoden der "Sons of Anarchy" in Konflikt. Als Jax´s Mutter (Katey Sagal) und sein Stiefvater Clay Morrow (Ron Perlman) die Gang in immer kriminellere Geschäfte verwickeln, ist Jax zwischen der Loyalität zum Club und dem ideellen Vermächtnis seines Vaters hin und hergerissen…
Diese Kritik enthält Informationen über den späteren Handlungsverlauf der Geschichte.
eine kritik von anti-pirat:

Beim Durchschauen der Reviews, ob nun von der Startseite aus oder über die jeweilige Seite des Bild- und Tonendprodukts, bekommen wir drei Informationen. Der Titel des besagten Guts, dem Autor und die Wertung. Nun Ersteres ist unerlässlich und da nunmal auch der Autor direkt genannt ist, bin ich gewillt der bisherigen stilistischen Entwicklung meiner Meinungsbeiträge treu zu bleiben. So im Sinne von Markenbildung, Kundenzufriedenheit. Dass ich diesen Absatz hier reinklatsche, hat aber nicht den einfachen Grund, dass ich mir selbst gerne beim Reden zuhöre, sondern es ist der dritte Punkt: Die Wertung ist sichtbar. Und daher möchte ich von vorneherein sagen, dass es eine sentimentale Wertung ist. Ich gab diese Wertung bislang einem Kurosawafilm, was nicht heißen soll, dass ich diese Werke gleichsetze. Es ist eine Frage der Maßstäbe und was ich in SONS OF ANARCHY sehe, ist Vollendung. Und Vollendung ist Schönheit. Legen wir los.

Hamlet und die Saat der Gewalt

Der Autor Robert Greene schrieb sinngemäß in 48 Gesetze der Macht, dasss wir als Menschen in unseren Emotionen und Entscheidungen Teil einer langwierigen Kette sind, die weit zurückreicht, weit über unser Leben und das unserer direkten Vorfahren hinaus und dass daher Ereignisse unserer Vorfahren von vor Jahrhunderten uns weiter beeinflussen, in dem, was wir sind, wie wir unsere Nachfahren prägen werden. Das ist in etwa die Geschichte, die SONS OF ANARCHY erzählt.

Wie weithin bekannt orientiert sich die Serie an William Shakespires Hamlet, die Tragödie um den Prinzen von Dänemark. Hamlets Vater wird ermordet durch die Intrige seines Bruders und seiner Ehefrau. Sein Bruder nimmt den Platz ein als König Dänemarks, Ehemann Gertrudes und Stiefvater Hamlets. Hamlet, der die Wahrheit herausfindet, vollendet die Tragödie mit dem Tod aller. Und so beginnt die SONS OF ANARCHY ebenfalls mit einer weit zurückreichenden Sünde, denn JT, ehemaliger Präsident des SAMCRO ist bereits seit langer Zeit nicht mehr unter den Lebenden.

Dieser Auszug der Geschichte der SONS OF ANARCHY baut im Groben auf zwei begangenen Ursünden und deren Auswirken auf insgesamt drei Generationen. Nicht drei Generationen des Clubs, sondern drei Generationen der Familie Tenner. Die erste Ursünde ist wahrscheinlich der Einstieg der Lederkluftträger in den illegalen Waffenhandel mit der destruktiven Beziehung zur Real Irish Republican Army (RIRA). Verlockt durch das scheinbar schnelle Geld geraten die Schwermetallpostboten in den Sog immer weiterer Probleme, eine Entwicklung, die der einstige Präsident vorhersah und dessen Bedenken zu seinem Ende führen sollten. Für Clay Morrow, die andere Hälfte von Teller Morrow bedeutet es am Ende auch den Einstieg ins Drogengeschäft und die Verbandelung mit den Kartellen. Ein Strom, der nach unten reißt. Die gesamten sieben Staffeln erzählen daher auch vollständig die Geschichte, wie Jax schließlich versucht, diese Verbindung zu kappen, lässt meines Erachtens jedoch offen, ob dies wirklich klappt. Aus dieser Ursünde folgt die zweite, doch gilt es auch hier, weiter zurückzugehen.

Der Engel des Schreckens

Gemma Teller war ein nettes kleines Mädchen, das gerne in den Rosengärten spielt, Tochter eines Pastors. Doch etwas muss geschehen sein, was, das ist erahnbar mit Hinblick auf die immer wieder angeführte Geschichte ihrer Mutter Rose. Rose, die eigentich keine große Familie wollte, einen Sohn verlor und am Ende nur noch für ihren Rosengarten lebte und ihre Tochter beiseite ließ.

Gemma wendet sich dem Rockermilieu zu und wird bald Old Lady Teller und soll doch bald ihren Gatten hintergehen. Auch sie verliert ihren Sohn doch überkompensiert das Bild ihrer Mutter, für sie zählt ihr verbliebener Sohn über alles. Und der Club. Und für den Club muss ihr Mann schließlich sterben. Denkt man, dass es Gewissheit sei, Clay habe ihn ermordet, so schafft die finale Staffel einen Schatten der Ungewissheit, ob es nicht doch ein Selbstmord gewesen sein konnte.

Für ihre Männer wird Gemma immer ein Fluch sein. Für Teller, für Clay und für ihre Bewunderer. Und ein Stück weit auch für Nero, der wohl deshalb leben darf, weil er sich schließlich von ihr entfernte. Alles um sie herum, reißt die Bärenmutter in den Abgrund. Gemma ist nicht nur ein Fluch für ihre Partner, sondern für das gesamte Umfeld. Und sie merkt es, es schmerzt ihr. In Raserei tötet sie ihre Schwiegertochter, versucht dem Unausweichlichen zu entrinnen und scheitert. Gemma ist kein schlechter Mensch, sie will stets das in ihren Augen Richtige tun und ihre Mitmenschen beschützen. Doch trägt sie stets ihr Umfeld in den Abgrund. Ihr Tod im Rosengarten ihrer Mutter, den diese mehr liebte, als sie, stellt damit einen Abschluss dieses Fluchs dar.

Die zweite Ursünde im Konzept, ist Gemmas Verrat an Teller. Und ihre Taten haben Auswirkungen auf ihren Mann, ihren Sohn und ihren Enkel. Wie sie auf ihrer Flucht ihrem Enkel schließlich den SON-Ring gibt, ist ein Zeichen, wie sie ihm versucht die Last aufzubürden, im Unwissen, was sie da tut. Der Letzte, den sie jedoch mit hinunter reißt, ist Wayne Unser, der ehemalige Sheriff, der sie nicht alleine lassen kann, der Zeit seines Lebens versucht hat, sie zu beschützen. Der krebskranke Wayne, der stets versucht hatte, Frieden und Gleichgewicht herzustellen, aber letztendlich zu schwach dafür war.

Highway to hell

Viele Serien leiden unter ihrem schwachen Finale. Ein Grund dürfte sein, dass viele Serien die richtige Länge überstrapazierten und ihre Erzählung schließlich darunter leidet. SONS OF ANARCHY ist für mich ein Beispiel eines sehr gelungenen Finales, welches es schafft eine Abrundung des Anfangs darzustellen und keine großen Fragen mehr offenzulassen. Es ist würdig, es ist befreiend und es ist auf seine Weise endgültig. Jax stirbt den Tod seines Vaters und hinterlässt die Ordnung, die er wollte, in der sein Club die Möglichkeit hat, den richtigen Weg zu gehen und in dem seine Kinder fernab dieser Welt aufwachsen, sowohl mit Wendy als geeignete Mutter und Nero als Vater.

Doch ich schreibe hier keine reine Review der letzten Staffel oder der Finalfolge, sondern über die gesamte Serie. SONS OF ANARCHY hat mich über viele Jahre begleitet, da ich die Serie nie komplett am Stück sah. Sie ist mir trotzdem durchaus präsent gebliebe, sodass auch der Wiedereinstieg unkompliziert vonstatten ging. An die Optik wie auch die sterile Beleuchtung muss man sich gewöhnen, doch ich halte dies für einen stilistischen Einschlag über den ich nicht urteilen möchte. Die Serie lebt neben dem Setting an sich sehr von ihren Figuren und ihren ambivalenten Charakteren. Wie wir den einzelnen Akteuren gegenüberstehen, wandelt sich immer wieder von Neuem. Der Club scheut keine Gewalt und insbesondere zum Ende hin steigert es sich in ein Maß, bei dem ich doch überrascht war, dass es durch die FSK kam. Die Akteure treffen schlechte Entscheidungen mit grausamen Konsequenzen, das wir sie durchaus verabscheuen können. Jax, der in der letzten Staffel getrieben wird von reiner Destruktivität, seine Familie vernachlässigt und sich einem Strom aus Rache und Gewalt hingibt. Doch hier erleben wir eine Serie, in der Gewalt und Grausamkeit jedes Mal ihre Konsequenzen haben. Wenn Jax plötzlich merkt, dass er einen Unschuldigen zu Tode gefoltert hat, im Glauben, es sei der Mörder seiner Frau unterscheidet er sich dann von Clay, dass er die Konsequenzen seines Handelns annimmt.

Wie bei den SOPRANOS erleben wir jedoch, dass nicht jeder Sprengstoff zünden muss, dass nicht immer alles eskalieren muss. Die Sons sind nicht auf permanente Gewalt gegen alles und jeden aus. Sie sind zur Deeskalation bereit und sozial engagiert.

Es mag für manche glorifizierend anmuten, wie ernst sich die Serie in ihrer Darstellung von Ehre und Loyalität nimmt, doch vergessen wir nicht, dass es eben auch die vermeintlich positiven Werte sind, die die menschlichen Abgründe hier tiefer bohren. So ist es hier auch mit der Gewalt, die vielleicht normalisierend wirkt, aber nicht positiv, die sich nichts an ihrer Grausamkeit nimmt. Bobbys Martyrium und Tod sind so eine Sache.

Raindrops keep fallin' on my head

Ich denke, ich brauche hier keine weiteren Empfehlungen abgeben, denn wer das hier liest, wird die Serie sowieso schon gesehen haben. Dennoch hoffe ich, ein paar anregende Gedankengänge zur Lesart dieses schönen Stücks Seriengeschichte geliefert zu haben. Nun liebe Mitmenschen: Frohes Schaffen

 

10/10
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Kommentare

29.08.2020 05:41 Uhr - Gorno
1x
DB-Helfer
User-Level von Gorno 13
Erfahrungspunkte von Gorno 2.685
Klasse Review! Für mich wäre zwar der Schluss der dritten Staffel das perfekte etwas offene Ende gewesen, weil das die Welt noch irgendwie rosig war. Auf jeden Fall eine der besten Serien aller Zeiten.

29.08.2020 06:18 Uhr - Knochentrocken
1x
User-Level von Knochentrocken 5
Erfahrungspunkte von Knochentrocken 448
Die beste Serie überhaupt! Ich liebe Sie!

29.08.2020 06:19 Uhr - Knochentrocken
1x
User-Level von Knochentrocken 5
Erfahrungspunkte von Knochentrocken 448
29.08.2020 05:41 Uhr schrieb Gorno
Für mich wäre zwar der Schluss der dritten Staffel das perfekte etwas offene Ende gewesen, weil das die Welt noch irgendwie rosig war.


Ein rosiges Happy End... gähn. Wie langweilig! 🥱😴

29.08.2020 13:51 Uhr - tp_industries
1x
User-Level von tp_industries 2
Erfahrungspunkte von tp_industries 35
Klasse Review zu meiner absoluten Lieblingsserie!

Die Qualitäten der Serie hast du sehr gut dargelegt. Und auch ich muss sagen, das sie von Anfang bis Ende konsequent rund läuft. Man hat nie den Eindruck von Füllmaterial oder gestreckten Folgen, sondern merkt, das von vornherein eine Geschichte mit klarem Handlungsverlauf erzählt wird.

Was die Gewalt angeht hast du vollkomen recht. Sie wurde im Verlauf immer rabiater. Wirkte aber nie aufgesetzt, sondern hatte immer den Sinn die Handlung weiter zu führen und den Abwärtsstrudel so extrem es geht darzustellen. Exemplarisch hierfür sei das Finale der 6. Staffel genannt. Einen heftigeren Tiefschlag habe ich in der Serienlandschaft noch nicht gesehen (toppt meiner Meinung nach sogar die Bluthochzeit von Game of Thrones)!

Auch die schauspielerischen Leistungen, die Charaktere und das Drehbuch sind genial und absolut durchdacht. Kurt Sutter hat hier nicht weniger als ein Meisterwerk abgeliefert und du hast mit deiner gut geschriebenen Kritik dem Kind einen Namen gegeben!

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