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Human Centipede - Der menschliche Tausendfüßler

(Originaltitel: The Human Centipede (First Sequence))
Herstellungsland:Großbritannien, Niederlande (2009)
Standard-Freigabe:FSK keine Jugendfreigabe
Genre:Horror
Bewertung unserer Besucher:
Note: 7,09 (87 Stimmen) Details
inhalt:
Auf einem Road-Trip durch Deutschland haben die beiden Amerikanerinnen Lindsay und Jenny eine Reifenpanne.Hilfsuchend kommen sie zu dem abgelegenen Haus des deutschen Chirugen Dr. Heiter.Der sehr hilfsbereit und freundlich wirkende Mann entpuppt sich allerdings später als kranker Psychopath der die beiden Mädchen in seinem Keller einsperrt und mit ihnen und einem weiteren Gefangenen eine kranke, perverse und wahnsinnige Operation durchführen will.
eine kritik von dicker hund:

Dem Niederländer Tom Six kam im Jahre 2009 große Aufmerksamkeit zu, als er dem vom Torture-Genre abgestumpften Publikum eine neue Ausgeburt der Perversion präsentierte: "The Human Centipede". Dieser wurde mit der gewollt kontroversen wie umfangreichen Aufmerksamkeit bedacht, so dass der Weg zu zwei Fortsetzungen geebnet war. Dabei macht dieser berüchtigte Filmfiesling gar nicht so viel anders als seine Vorbilder aus Übersee. Ähnlich dem vier Jahre jüngeren "Hostel" zeigt er in einem arg beliebig geratenen Prolog zwei junge Nordamerikanerinnen, die ihren Urlaub in Europa verbringen, anstelle der erhofften Party-Ekstase aber in einer kreativ-sadistischen Falle landen. Der wesentliche Unterschied liegt in der Ausgestaltung letzterer.

"Wollt ihr ficken?"

Das wollen Lindsay (Ashley Williams) und Jenny (Ashlynn Yennie) mitnichten, jedenfalls nicht mit dem Fragesteller. Heiß gekleidet sind sie eigentlich nur für die Diskothek, werden aber noch auf erniedrigende Weise mehr Haut zeigen müssen als ihnen lieb ist (Sex 3/10). Ursächlich hierfür ist die Begegnung mit dem alleinigen Bewohner einer steril wirkenden Villa, die wie eine luxuriöse Zahnarztpraxis für gut betuchte Privatpatienten aussieht. Dr. Heiter, gespielt von dem leider im Februar diesen Jahres verstorbenen Dieter Laser, gibt sich zunächst hilfsbereit und spricht auch das gewünschte Englisch, wenn er sich nicht gerade aufregt.

"Kannst du nicht aufpassen, du dumme Sau?!"

Dann wechselt er in den Klang seiner deutschen Muttersprache, die hier mindestens so aggressiv klingt wie die bissigsten Jingles der Nazi-Schergen aus dem "Wolfenstein"-Franchise. Sein Overacting sorgt zugleich für eine satirische Note, deren Absicht allerdings nur für ironiegewöhnte Liebhaber der cineastischen Rohkost erkennbar ist (Humor 4/10). Den meisten Zuschauern dürfte ausschließlich der Horror (8/10) in die Knochen fahren - und dort vereitern. Denn die Vorstellung, auf einem Seziertisch dieses Mengele-Epigonen zu landen, ist ein mehr als nur beunruhigender Gedanke. Dieser wird mit nachhaltiger Schockwirkung weiterverfolgt, nachdem der Patientenschreck seine Vision eines "siamesischen Drilling" erklärt hat.

Dass schließlich Blut fließt, erscheint da nur konsequent. Die Gewalt (7/10) ist zwar nicht allgegenwärtig, in ihrem klinischen Sadismus aber dort, wo sie umgesetzt wird, von drastischer Härte. Mit ekelig-kreativen Ideen ist exakt so viel von der respektabel getricksten Effektarbeit eingebaut worden, wie nötig ist, um das scheußliche Projekt des Psychopathen mitfühlbar zu machen. Über bedeutsame Abschnitte hinweg schreit eines der Opfer (Katsuro: Akihiro Kitamura) fast ausschließlich für den Betrachter unverständliche Sätze auf Japanisch, während die übrigen Figuren verstummt sind. Das verleiht dem Geschehen einen unwirklichen Klang, den der sphärische Score noch verstärkt. 

Aus diesen Bestandteilen baut Six ein herrlich überdreht-krankes Kammerspiel zusammen, das mit kleinen, aber feinen Überraschungen gespickt ist. Es strotzt nur so vor rotziger Exploitation, deren hervorragende Inszenierung sich an die qualitative Spitze der Torture-Riege gemausert hat (9/10 Punkten). Bedenkt man, dass "medizinische Experimente" in historischen Konzentrationslagern ein Teil der Realität gewesen sind und dass die Wahrnehmung psychisch kranker Patienten von den Fixierbetten der Isolierstationen geschlossener Psychiatrie-Abteilungen womöglich ganz ähnlich beklemmende Empfindungen für diese mit sich bringen kann, hat "The Human Centipede" sogar potentielle Denkanstöße parat. Diesen kann man indes ausschließlich anhand ungeprüfter Fassungen mit der vollen gewünschten Suggestion folgen.

 

9/10
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Kommentare

16.10.2020 05:48 Uhr - McGuinness
1x
User-Level von McGuinness 4
Erfahrungspunkte von McGuinness 281
Dieter Laser spielte hier großartig und schien in seiner Rolle richtig aufzugehen.
Zum Film selbst... Ich frage mich, wie sich für solch medizinisch zu 100% unkorrekte Auswüchse geistiger Perversion, freiwillig Schauspieler melden konnten ?!

Alles in allem wußte mir der Film aber durchaus zu gefallen, insbesondere durch diese " frische Idee ", wodurch sich das gezeigte doch von genre - üblicher Kost deutlich abhebt und dem geneigten Zuschauer mal etwas völlig neues und abgedrehtes bietet, auch wenn mir das alles keine 9 Punkte wert ist, wäre da eher so bei einer 7.

16.10.2020 12:40 Uhr - Kable Tillman
1x
DB-Helfer
User-Level von Kable Tillman 12
Erfahrungspunkte von Kable Tillman 2.206
Wie immer knackig, pointiert, auf den Punkt gebrachte Filmbewertung, die keine Fragen oder Wünsche offen lässt. Eine Bereicherung für die Plattform.

16.10.2020 13:03 Uhr - Lukas
1x
Gekonnt ausformuliertes Review, dass meinen Zwiespalt bzgl. dieses Films wieder ans Tageslicht bringt. Einerseits hab ich das Gefühl, dass er wahrscheinlich eher Rotz is, andererseits bin ich schon echt neugierig darauf, da doch mal einen Blick reinzuwerfen. Echt schwierig! :-D

17.10.2020 20:40 Uhr - Ashy Slashy OT
Geht mir genauso. Bin auch hin und her gerissen.

19.10.2020 13:52 Uhr - Mr.Tourette
1x
User-Level von Mr.Tourette 2
Erfahrungspunkte von Mr.Tourette 63
Sicher einer der besten Beiträge, die das Torture Porn Genre zu bieten haben. Die Review wie immer mit dem Nagel in den Punkt! ;)

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