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Pesthauch der Menschlichkeit

Herstellungsland:Deutschland (2020)
Genre:Drama
Alternativtitel:Blight of Humanity
Bewertung unserer Besucher:
Note: 4,50 (6 Stimmen) Details
Diese Kritik enthält Informationen über den späteren Handlungsverlauf der Geschichte.
eine kritik von hudeley:
Pesthauch Der Menschlichkeit
 
BUT Filmfestival, Niederlande. Weltpremiere der beiden neuen Marian Dora Filme Das Verlangen Der Maria D. und Pesthauch Der Menschlichkeit. Filmfestivalüblich betritt kurz vor Beginn jemand die Bühne und sagt die Filme an; in diesem Fall kommt einer der Veranstalter selbst vors Publikum und meint, Doras Filme gut zu kennen, da er vor einigen Jahren die Untertitel für die The World Of Marian Dora Collection erstellt habe und somit jeden Film gefühlt 10 Mal anschauen musste. Der wirklich harte und sehenswerte Das Verlangen Der Maria D. wird unspektakulär angekündigt und wieso auch nicht, schließlich weiß ein jeder der anwesenden, 25 Leute auf was er sich einlässt. Auf dem BUT Filmfestival liefen in diesem Jahr unter anderem auch Filme wie Antrum, Nocta, Children Of Golgotha oder Flowers 2. Wieso also auch heuchlerisch vor etwas warnen? Das Verlangen Der Maria D. ist vorbei, ein Q&A mit Schauspieler Marco Klammer war eine interessante wie auch nötige Abkühlung, eine 15 minütige Pause steht bevor und der Ansager ergreift erneut das Mikrofon und spricht für diejenigen, die sich Pesthauch Der Menschlichkeit gleich ansehen werden, eine überdeutliche Warnung aus. Selbst steigende Vorfreude, aufkommende Neugier und daraus resultierend hohe Erwartungen, konnten schlussendlich nicht vorbereiten auf das, was in den kommenden 76 Minuten auf der Leinwand passieren würde...
 
Pesthauch Der Menschlichkeit entstand ein Jahr vor Das Verlangen Der Maria D. und ist der Gegenpart zu einem von Dora zum Drehzeitpunkt in einem Interview angekündigten Filmexperiment. Beide Filme, in jeweils nur wenigen Tagen mit praktisch keinem Budget und mit einer kleinen Besetzung gedreht, unterscheiden sich in einer Sache: Das Verlangen Der Maria D. spielt zum überwiegenden Teil in einem Haus, einer kontrollierbaren Umgebung wie Dora es nennt, während Pesthauch Der Menschlichkeit ausschließlich in der Natur gedreht wurde und Dora sich somit den gegebenen Umständen anpassen musste. Der Drehort von Pesthauch Der Menschlichkeit erinnert stark an Melancholie Der Engel, weswegen ich davon ausgehe, dass auch hier im süddeutschen Raum gedreht wurde, eventuell sogar an den gleichen Schauplätzen wenn mich mein Auge nicht ganz getäuscht hat.
 
Der Film läuft keine zwei Minuten und das erste Raunen geht durch das kleine Hinterzimmer des Kulturzentrums in Breda. Ein Mann schlägt in einer Nahaufnahme Grashüpfer auf einen Felsen, peitscht mit einem Stock eine Schlange tot, zerquetscht einen Frosch mit einem Stein und reibt diesen in den Boden, während mehrere Ferkel aufgespießt, vom Hinterteil durch den aufgerissenen Mund gepfählt, in der Umgebung drapiert zu sehen sind. In einer langen Einstellung, sehen wir einen kleinwüchsigen, körperlich wie auch geistig behinderten Mann auf die Kamera zuwanken. Hinter ihm eine Frau mit einer Art Weidenkoffer beziehungsweise Essenkorb in den Armen, begleitet von einem weiteren Mann in weißer Kleidung. Die drei Personen, deren direkter Bezug zueinander nie direkt geklärt wird, aber von denen ich in meiner Interpretation aufgrund der Kleidung und einer kurzen Dialogzeile zu Beginn davon ausgehe, dass es sich bei dem Mann um einen Pfleger, oder wie auch immer gearteten Betreuer für den Behinderten handelt, redet ständig auf die Frau ein, möglicherweise ebenfalls eine ebenfalls behinderte Person oder viel eher eine dem Mann in der Einrichtung unterstelle Mitarbeiterin, kommentiert das Geschehen oder gibt relativierende Ratschläge. Er ist der einzige, der im Film eine Sprechrolle hat; die Frau gibt keine Widerrede, muss sich ihm beugen und Verus gibt nur gutturale Laute von sich.
 
Gemeinsam ziehen sie durch die Natur, vorbei an unfassbar harmonischen und malerisch schön eingefangenen Aufnahmen, während Verus, der Behinderte mit dem Verstand eines Kleinkindes, die beiden durch sein Verhalten stört. So pinkelt er beispielsweise der Frau in den Rücken oder legt gewalttätiges Verhalten ihr gegenüber an den Tag, was direkt mit einem Faustschlag des Mannes in sein Gesicht und einem blutig ausgebrochenen Zahn quittiert wird, oder er später zwangsentkleidet wird und seine entblößten Genitalien gequetscht werden. Der Mann erklärt in seinen sehr patriarchalischen Art, dass Verus lediglich nachahmt was er sieht und per se nichts dafür kann - die Zwischenfälle scheinen für die drei geklärt zu sein. Nachdem Verus für einige Zeit wieder ruhiger wird und seine Lektion gelernt zu haben scheint, lässt die Frau seine Nähe zu. Als die drei Personen sich komplett nackt an einem Gewässer niederlassen, fängt er an sie zärtlich zu berühren. Nicht in einer sexuellen Art, sondern auf eine kindliche, kontaktbedürftige Weise. Mit einem weiteren Ausraster seinerseits ist diese Situation rasch beendet und die Frau stößt ihn von sich weg und Verus verfällt in eine Art Rausch, unterstützt von dem Mann, der nicht nur die Frau festhält, sondern auch das Verhalten des Kleinwüchsigen rechtfertigt und ihn als Opfer, die Frau als Schuldigen und Verständnislosen hinstellt. Möglicherweise bedingt dadurch, dass Verus sein Leben lang Qualen widerfahren sind und er Verhalten anderer Leute ihm gegenüber bloß imitiert.
 
Nun, was dann im Anschluss für den verbleibenden Großteil der Laufzeit passiert, ist ein Gewaltexzess mir bisher nicht bekannten Ausmaßes. Die Frau ist völlig dem Handeln des behinderten Verus ausgeliefert, der sie begrapscht und seine Finger in sämtliche Körperöffnungen drückt. Die Kamera, ganz typisch für den Regisseur Marian Dora, hält stets in voller Aufnahme drauf. Ein Wegblenden gibt es hier nicht und selbst die für Dora üblichen Zwischenschnitte auf die Umgebung, werden hier ausgetauscht durch Aufnahmen der gepfählten Schweine. Pesthauch Der Menschlichkeit ist hierbei der einzige Dora Film, der ab der ohnehin schon brutalen Hinführung nur noch Leid und Vernichtung zeigt. In keiner einzigen Aufnahme danach, wird irgendeine Art der Ablenkung geboten - die Gewalt regiert und eine Glorifikation derer, ist auf den ersten (!) Blick das einzige, was man daraus ziehen kann.
 
Beim Versuch von Verus, die gespreizte und weit aufgerissenen Vagina der Frau zu berühren und seine Finger regelrecht hineinzudrücken, findet er den falschen Eingang und bohrt in ihr Rektum. Er zieht einen mit Fäkalien überzogenen Finger heraus, riecht daran, schmiert ihn sich und der Frau über den Körper. Er zieht daraufhin Brocken ihres Darminhalts heraus, pult und bohrt so tief er nur kommen kann, ehe die Frau eine Ladung Durchfall seinerseits direkt ins Gesicht gesprüht bekommt. An der Stelle ist die Schwelle der erträglichen Gewalt schon dermaßen erreicht, dass man nicht glauben sollte, dass dies lediglich die erste, von schlussendlich drei Stationen an Folter sind, die jetzt noch folgen werden. Jedesmal an einem anderen Ort gedreht, erleidet die Frau ein immer härteres Schicksal. Tritte in die Geschlechtsorgane, Schläge mit stumpfen Gegenständen sowie ein Ertränken im Morast werden noch folgen. Und was uns im dritten Akt erwartet, ist endgültig der Grund, wieso jede Warnung vor diesem Film gerechtfertigt ist.
 
Die aufgespießten Ferkel waren ein Wink mit dem sprichwörtlichen Zaunpfahl auf das, was ihr am Ende widerfährt. In einer stark an Carcinoma erinnernden, alles übertreffenden, regelrecht orgastisch ausbrechenden Schlusssequenz, überlagert mit dröhnender, gewaltiger Filmmusik und einem völlig überfordernden, schneller werdenden Schnitt, wird der Frau minutenlang, auf einem an einem Flussufer liegenden, umgefallen Baumstamm, ein großer Ast durch den Körper gedrückt. Dazwischen finden sich stets begleitende Aufnahmen eines Ferkels, dem exakt das selbe widerfährt. Das penetrante Schreien des Ferkels ist auf akustischer Ebene der dominierende Faktor und verbindet sich auf so perverse Weise mit dem eingängigen, strikt in Dur geschriebenen Musikthema, welches sich in sämtlichen instrumentalen Variatonen durch den Film zieht und im Ohr hängen bleibt, dass beim Zuschauer die völlige Überforderung eintritt. Besagte Musik ist am ehesten damit zu beschreiben, als sei das ganze dargestelle Elend mit dem romantisch verträumten Refrain aus Kate Bushs Wuthering Heights vertont worden.
Der Frau, wie auch dem lebenden Tier, werden die Holzstücke unaushaltbar explizit und nicht endend wollen rektal durchgedrückt, man dreht, schlägt und bohrt die Äste mit aller Kraft - das dunkelrote, dickflüssige Blut vermischt sich mit dem Schlamm und Dreck wie Körpersäfte werden eins. Ihr wird ein Finger gebrochen, sie wird geschlagen und der Ast bricht mit Stücken ihres Darms aus dem Mund heraus. Die Pfählung wird rückgängig gemacht, die Äste herausgewunden und die austretenden Innereien der Frau werden rektal herausgezogen, ehe sie auf dem Holzstamm liegend, in einer an eine Beerdigung erinnernden Szene in den Fluss geworfen und weg getrieben wird.
 
So in der reinen Gewalt komprimiert, hat Dora noch nie gearbeitet. Das ganze wurde im dritten Tötungsakt dermaßen überfordernd, in seiner Explizität so einnehmend, dass bei mir der Bruch kam und sich mein Verstand beim Anschauen ausschaltete. Ich sah, was auf der Leinwand passiert, ein Abwenden des Blickes war nicht möglich, aber ich konnte es nicht mehr greifen. Vielleicht wollte ich es auch gar nicht mehr greifen. Mir fällt kein Film ein, der dermaßen den Weg jedweder, selbst dem Publikum solcher Filme bekannter Sehgewohnheiten verlässt und in diesem Maße über die Strenge schlägt. Der Gewalt in Pesthauch Der Menschlichkeit fehlt außerdem jedweder Beweggrund, denn selbst eine niedere Rechtfertigung, wie eine sexuelle Motivation der Täter, ist nicht auszumachen. Alles - und versteht mich an der Stelle bitte richtig - was irgendwie die Handlungen im Film in einem kranken Hirn hätten rechtfertigen können, fehlt hier. Die grundlosen, noch nicht einmal aus Lustgewinn stattfindenden Tötungen entstammeen alleine der bodenlosen, so noch nie auf Film gebannten Boshaftigkeit der Protagonisten. Ein Vergleich zu anderen Filmen erübrigt sich, denn so etwas gab es noch nicht. Selbst Melancholie Der Engel, Doras bisher intensivster und bester Film, kommt nur aufgrund der Dialoge und der Bildsprache an die Wirkung von Pesthauch heran, während letzterer alleine aus dem Akt des Tötens, Missbrauchens und Quälens seinen Effekt zieht. Es ist weiterhin auch nicht möglich, in Worten zu fassen was sich auf der Leinwand abgespielt hat, man muss es selbst erlebt haben. Und doch möchte ich unmöglich derjenige sein, der einer anderen Person diesen Film empfiehlt. Es hat schon gereicht, dass ich einen sehr guten Freund, der mit solchen Filmen so gar nichts zu tun hatte, mit zum BUT Filmfestival in die Premiere mit hineingezogen habe.
 
Hat man die notwendige Verarbeitung des Gesehenen hinter sich, gräbt sich sogar eine Aussage heraus ans Tageslicht. Wie richtig ich damit liege, werde ich wohl nie erfahren, da Dora sich sehr rar macht, was die Erklärung und Absichten seiner Werke betrifft. Ich möchte ebenfalls erneut betonen, dass ich diese Review nach meiner Erstsichtung schreibe und gerade bei diesem Film in zweiter Durchgang notwendig ist. Trotzdem helfen die wenigen, vom Mann gesprochenen Dialoge, sowie der Filmtitel, am ehesten, das Gesehene zu verstehen:
 
Durch die anfängliche Bestrafung des behinderten Verus konnte in der Handlung, trotz einiger weiterer Aussetzer und Vorkommnisse, eine den Verhältnissen und Umständen entsprechend kontrollierbare Beziehung zwischen den Dreien etabliert werden. Ab einem gewissen Punkt wendet der Mann sein Verhalten und das Verhältnis zueinander bricht. Sobald er aufhört, Verus zu bestrafen oder sein Fehlverhalten zu sühnen und ihn unter Rechtfertigungen seinerseits frei handeln lässt, beginnt sich die Gewaltspiral zu drehen. So sagt er der missbrauchten Frau beispielsweise, sie solle sich nicht so anstellen, Verus würde sich bald abreagieren. Er könne nichts dafür, sie solle es ertragen - er wird bestimmt bald aufhören. Oder er immitiere nur, was man ihm vorgemacht hat, es sei ihre Schuld. Diese regelrechte Apologetik und das Kleinreden des Geschehens sind das, was am Ende des wirkliche Chaos ausbrechen lässt. Für mich eine klare Metapher dafür, dass toleriert wird, was nicht toleriert werden darf. Eine Aussage, welche der teils umstrittene Publizist Henryck M. Broder auch schon auf mehreren Lesungen vertrat.
 
Dass mit dem Titel Pesthauch Der Menschlichkeit auch nicht das Menschsein, sondern viel eher die durch Kultur und Moral geprägte "Menschlichkeit" im Sinne einer humanitären Haltung gemeint ist, könnte dies unterstreichen. Denn hier geht es nicht um die angeborene, urtümliche Menschlichkeit - das Wesens des Menschen an sich. Hier geht es um die Menschlichkeit im Sinne der kulturell auferlegten Moral. Ob dies nun gesellschaftlich oder zeitpolitisch gemeint ist, wird jedem selber überlassen bleiben. Der auf Fleischverzehr verzichtende Dora, aus dessen Schaffen man eine pro Umwelt Haltung herauslesen kann, hat möglicherweise hier tatsächlich einen politischen Film hervorgezaubert. Und wenn ich an der Stelle schon im Fahrwasser der Spekulation treibe, spanne ich den Bogen noch etwas weiter:
 
Bezieht man diesen, selbst für seine Verhältnisse ungewöhnlich harten Film auf Dora selbst, ergibt sich ein interessantes Bild. Ist er als Marian Dora, der Kunstfigur, Verus und somit derjenige, der gebändigt werden muss? Treiben ihm wohlgesonnene Kritiker oder Fans, zu welchen auch ich mich zählen muss (stets positive Kritiken, sowie eine deutlich sichtbare Tätowierung eines Filmplakats von Dora auf meinem rechten Unterarm bezeugen dies) dazu, stets weiter zu gehen? Bin also ich der in weiß gekleidete Mann, der Doras "Taten" stets rechtfertigt, entschuldigt und ihn zu immer neuen Ausschweifungen antreibt? 
 
Was am Ende die Message Boards dominieren wird, ist wieder die Frage nach dem Tiersnuff. Ich möchte die Diskussion kein zweites Mal ausformulieren, aber auch in diesem Film gibt es einiges an toten Tieren zu sehen. Bisher waren, ein aufmerksames Auge vorausgesetzt, alle von Dora selbst begangenen "Tiertötungen" durch cleveren Schnitt inszenierbar gewesen. Will sagen, der tote Frosch mag in der Natur gefunden worden sein und Ferkel schreien direkt los, sobald man sie festhält. Man darf nicht immer einem cleveren Schnitt auf den Leim gehen und sich vom Medium Film täuschen lassen, besonders nicht, wenn man es mit einem so talentierten Regisseur wie Dora zu tun hat. Die Tierdiskussion bleibt auch abgesehen davon bigott, wenn man bedenkt, in welchem Kreisen Doras Filme geschaut werden. Schundige Deathmondos wie Faces Of Gore sind jedem Dora Fan mit Sicherheit ein Begriff und der aktuelle Untergrund reicht ein Mixtape mit Internet-Schockvideos nacheinander durch die Reihen. Aber eine betäubte Katze in Melancholie Der Engel ist für genau diese Leute dann der wahre Aufreger. Wieso ich noch nie einen Kommentar zu Doras Verwendung echter, medizinischer Aufnahmen von lebenenden wie auch toten Leuten gelesen habe, wundert mich dann schon selbst. Mir selbst ist es egal, aber ist eine gefilmte und verbreitete, echte Obduktion wie in Blue Snuff 2 oder Cadavericon nun weniger tragisch als der tote Grashüpfer am Anfang von Pesthauch Der Menschlichkeit?
 
Es wird aber genau diese Diskussion sein, die das einzige sein wird, was als Rückmeldung zu diesem Film bei der breiten Masse hängen bleibt. Die Einbindung einer körperlich behinderten Hauptfigur als Täter wird ebenfalls negative Stimmen hervorrufen und denjenigen, der ernsthaft diese Meinung vertritt, als den wahren Intoleranten brandmarken. Ich selbst bin ich es auch leid, dass ein Film wie Melancholie Der Engel, der inhaltlich unfassbar viel zu bieten hat, immer auf die Szene mit der Katze reduziert wird, obwohl eine einfache Recherche und alleine ein aufmerksames Schauen des Filmes die Sache schon aufklärt. Doras Pesthauch Der Menschlichkeit erinnerte mich an Adam Masons Pig. Für sich genommen ein Faustschlag (im direkten Vergleich zu Doras Pesthauch ein laues Lüftchen) eines genervten Regisseuers, dem in Zeiten des Torture Porns stets vorgeworfen wurde, nicht brutal genug zu sein und dessen sehenswerte Filme deshalb verissen wurden. Ist dies auch hier der Fall? Ist Dora der Reduzierung seiner Filme auf die rein blutigen Schauwerte überdrüssig und wollte hier ein Werk der Rache an all jenen abliefern, die ihm immer die selben haltlosen Behauptungen unterstellen?
 
Was außerdem zu sagen bleibt, ist der unumgängliche Kommentar, dass Pesthauch Der Menschlichkeit erneut Doras Handschrift trägt. Die Kamera, das Arbeiten mit natürlichem Licht, die hypnotischen Einstellungen und all das handwerkliche Talent, was er seit seinen Anfängen an den Tag legt und stets zu übertreffen in der Lage ist, macht aus diesem Film etwas Besonderes. Die Verbindung des Leids und des Schmutzes, eingebettet in eine herrliche Kulisse, der Natur, der es völlig egal ist, ob gerade eine Frau am Flussufer aufgespießt wird, wird hier ebenso kontrastierend zelebriert wie in Melancholie Der Engel. Auch eine Verbindung zu Doras Kurzfilm Provokation ist überdeutlich auszumachen, was den Film perfekt in Doras Œuvre einbindet. Außerdem könnte es denkbar sein, dass Pesthauch Der Menschlichkeit die Geschichte des nie veröffentlichten Kurzfilmes für die Anthologie Grimms Kinder nacherzählt. Ausschnitte aus Grimms Kinder wurden in Doras Kurzfilm Morbid Montage zusammen mit Szenen aus Boogeyman: Reincarnation verwendet und zeigen eine grundlegend vergleichbare Handlung. Dies bleibt aber Spekulation.
 
Auch den Schauspielern Johnatan Maria von Gross als Verus, Jörg Wischnauski und Marietta Fiori (von welchen Letztere sich gerüchteweise in den Kreisen des Okkult-Porno-Filmers Marco Malattia und dessen Vans La Furka Laboratories Produktionsschmiede bewegt) muss jedes Lob zugesprochen werden. So einen Dreh muss man erstmal überstehen und aushalten können, ebenso wie man auch das Risiko trägt, dass einem ein solcher Beitrag zu einem Film das Leben gegebenenfalls sehr schwer machen kann. Hut ab vor so einer glaubhaften wie auch kräftezährenden und mutigen Darbietung; ein Opfer im Sinne der Kunst, welches ich absolut honorieren muss.
 
Und aller Brutalität zum Trotz, obgleich der Entdeckung des - und ich sage es im Brustton der Überzeugung - niederträchtigsten, gewalttätigsten Filmes, der mir je vors Auge gerutscht ist, darf man froh sein, dass Dora Filme veröffentlicht. Pesthauch Der Menschlichkeit verdient jede Warnung im Voraus, aber eben auch, dass man über das Geschehene und Gesehene nachdenkt und seine Schlüsse daraus zieht. Kalt lässt den Film niemanden - man muss nur danach bereit sein, sich Gedanken zu machen. Anschauen, ignorieren und sich aufregen, verbietet sich von vornherein, schließlich reden wir hier vom Film eines Regisseurs, dessen Lebenswerk bisher schon immer deutlich an der Grenze des filmisch Ertragbaren war und einjeder wissen sollte, was ihm hier beim Ansehen blüht. Man darf von der Wucht überrascht sein und kurz in Schockstarre verfallen, aber man darf sich letzten Endes nicht beschweren. Dass Dora filmisch immer einen draufsetzt und wirklich ein Filmer ohne Tabus ist, ist seit spätestens 10 Jahren nun wirklich kein Geheimnis mehr. Daher riskiere derjenige ein Blick, der meint es aushalten zu können, aber die Konsequenzen trägt einjeder für sich. Die Eindrücke kann man nicht zurückgeben und schuldig bleibt alleine der, der sich wissentlich oder aus rein unwissender Neugier so etwas anschaut. Wer den Film vor lauter Brutalitätsgier aufgrund meiner Kritik kauft, dem ist eh nicht zu helfen. Buyers beware!
 
Eine begleitende Doku von Rene Wiesner mit dem Titel Tribut Der Unmenschlichkeit wurde ebenfalls abgedreht.
 
10/10
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Kommentare

06.09.2020 19:24 Uhr - DriesVanHegen
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Ich hatte vor einer guten Stunde schon einen Kommentar verfasst, aber aufgrund Bambus-Internet und parallel laufendem Upload einer großen Datei, war dieser dann leider Schrott -.-
Ich versuche mal, das Gröbste wieder zusammenzukriegen.

Deine anfängliche Ausführung erübrigt meine Frage in deinem letzten Review: du warst beim BUT-Fest. Es muss schon noch einmal ein ganz anderer Eindruck vom Film entstehen, wenn man solche Werke auf großer Leinwand sieht, die ein Ausweichen oder Wegschauen quasi unmöglich machen und man von den Bildern förmlich erschlagen wird.

Aufgrund deiner ausführlichen Worte und meiner bisherigen Dora-Erfahrung zeichnet sich das erschreckend realistisch Bild der Gewaltakte vor meinem inneren Auge mehr als deutlich ab. Und an dieser Stelle drängt sich mir wieder eine Frage auf. Dora sagte einmal, sämtliche Körperflüssigkeiten, nahezu alles, was in seinen Filmen zu sehen ist, ist echte Abbildung. Wie weit treibt er seine Darsteller bei diesem Werk? Die Grenze zwischen echt und inszeniert ist in seinen Filmen mehr als fragil. Finden hier doch schon missbräuchliche Handlungen statt (die Frage lässt sich natürlich auch wunderbar auf die angesprochenen Tierszenen beziehen)? Ist überhaupt noch klassisches Schauspiel zu sehen? Oder doch schon eher äußerst spezielle Neigungen/Fetische?

Paradoxerweise bin ich trotzdem mehr als gespannt, auf seine neuesten Werke und stelle mir aber gleich die nächste Frage: wie sieht es hier wohl mit (baldigen) Heimkino-VÖ aus?

Da ich vor ein paar Stunden erst wieder die DVD zu CALVAIRE in den Händen hielt, erinnere ich mich mit Schrecken an die wehleidigen, ja panischen Schreie von Schweinen, die tatsächlich noch einmal eine ganz andere Art des akustischen Schreckens beisteuern...

06.09.2020 19:30 Uhr - prince akim
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Boah, echt harter Stoff, über den du da schreibst. Nimm es mir nicht übel, auch dieser Film wird definitiv nicht in unserem Wohnzimmer zu sehen sein, aber wie du die Filme beschreibst und die Hintergründe herauskitzelst, das ist wahrlich eine Wucht ! Da merkt man beim lesen, daß dich die Filme echt begeistern können ! Sowas geht bei mir eigentlich nur über die musikalische Schiene, daß man mich so "flashen" kann !

Habe mich heute mal ein wenig durch deine anderen Reviews durchgelesen ( alle habe ich nicht geschafft ... ), dein Stil erinnert mich an etwas, was ich momentan nicht greifen kann, wie wenn einem was " auf der Zunge liegt", man es aber nicht zu erläutern imstande ist. Und das ist jetzt positiv gemeint, es war echt interessant, über die Filme zu lesen ( von denen ich auch fast keinen kannte ... ) und sich wieder ein wenig Allgemeinbildung in Sachen Film anzueignen, was mir dann doch, wie ich zugeben muss, ein bißchen abhanden gekommen ist mit den Jahren.

Früher war ich mal ein Liebhaber ( Fan wäre übertrieben...) von den ganzen damaligen Horrofilmchen ( Fulci etc. ), aber seit ich vor ein paar Jahren dann hier bei SB auf "Martyrs" gestossen bin und den dann auch gesehen hatte, wusste ich : Diese "neue" Generation von so hartem Stoff, auch wenn teilweise ein intelektueller Hintergrund vorhanden ist, ist nichts mehr für mich. Wenn mich mein Kumpel auf dieses BUT - Filmfestival mitgenommen hätte, ich weiss nicht, ob ich das Gesehene so einfach verdaut hätte. Nehme mal an, mir wäre dann doch irgendwann übel geworden.
Ich bin mir zwar sicher, daß der hier beschriebene Film keinerlei Vergleich zu "Martyrs" ist, aber ich denke, daß du mich in der Hinsicht verstehst, daß diese Art Film meinen Geschmack nicht so trifft. Das hat jetzt aber nichts mit deinen Reviews zu tun, die werde ich auch in Zukunft lesen, weil sie wirklich sehr informativ und ausführlich geschrieben sind. Und bestimmt schaffe ich die, die ich heute nicht gelesen habe, auch noch !

Und wie du zu meinem Kommentar auf deine vorherige Review schon so schön bemerkt hast : Ich bin bereit, über den Tellerrand zu schauen. Oder besser gesagt, über den Tellerrand zu lesen. Zu schauen traue ich mich dann doch nicht ... ;-)

06.09.2020 20:38 Uhr - Fratze
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DB-Helfer
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Wow. oO

Wie fast immer, bin ich auch dieses Mal ziemlich geflasht von deiner Kritik. War ich übrigens auch von deinen Ausführungen zu "Maria D." (wollte eigentlich schon da kommentieren, spare ich mir aber jetzt), besonders diese ganze schon fast haarklein aufgedröselte Dora-Vita hat mich sehr beeindruckt. Interessant übrigens, dass du mit diesen quasi ungefilterten Impressionen von der Erstsichtung auf dem Festival jene Abhandlung über Doras Gesamtwerk im letzten Review komplett kontrastierst - ähnlich wie du es Dora bei "Maria D." und "Pesthauch" zuschreibst. Absicht? ;)

Ob ich mich mit Doras Werken irgendwann mal aus blanker morbider Neugier heraus umfassender beschäftigen werde, lasse ich hier mal offen. "Melancholie der Engel" hatte ich vor langer Zeit mal auszugsweise im Schnelldurchlauf bei einem Freund gesehen... hat mich tatsächlich nicht so sehr vom Hocker gehauen wie vielleicht erwartet, war aber vermutlich auch nicht die optimale Sichtungsweise 8P Bei deinen Ausführungen frag ich mich allerdings schon, ob ich das sehen will oder muss... mal ehrlich, für (fiktive) Gewaltexzesse sowie für Fäkal-Pornos gibt es doch andere Bezugsquellen, muss ich mir da so eine abgef***te Hybride aus beidem antun? Diese Frage meine ich vollkommen ernst, ich weiß es grad nicht. Natürlich muss ich gar nichts, aber vielleicht habe ich ja irgendwann das Verlangen, meine eigenen Grenzen neu auszuloten. Da scheinen mir Doras Filme recht brauchbar für...

Whatever, mal wieder ein Brett von einer Rezension, schwer beeindruckend, schwer verdaulich ^^
Fun Fact: Wenn hier sonst vor Filmen gewarnt wird, dann ja üblicherweise bei 3-bis-1-Punkte-Verrissen. Daher vielen Dank für diese mal etwas anders geartete Warnung.

06.09.2020 20:56 Uhr - tp_industries
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Puhhh.
Was ein Brocken.

Du hast aber auch eine geniale Art zu schreiben. Trotz das ich nur diese Zeilen las, wirkte es so als ob ich die Bilder selber sehe. Auch deine Art das ganze einzuordnen, zu differenzieren und zu reflektieren ist auf einen ganz eigenem Level. Fettes Lob!

Der Film selber wird aber nicht in meinem Player landen. Ich habe beim lesen schon körperliche Reaktionen wahrgenommen, ich will das durch eine Sichtung nicht weiter herausfordern. :)

Deine Review ist aber über jeden Zweifel erhaben!

06.09.2020 21:00 Uhr - TheShield2013
1x
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Da ist es , ich habe es gelesen , ich muss dir meinen Dank aussprechen, du schreibst wirklich genial.
Wie Dries oben schon schrieb hab ich ebenfalls das geschehene vor Augen und muss das jetzt erstmal sacken lassen.
Ich schau mir ja auch so ziemlich alles an , von dem August Underground filmen , Scapebook usw.
Aber ich weiss auch das Dora seine Filme eine ganz andere Nummer sind und deswegen kann ich mir einigermaßen vorstellen, wie man sich bei dem Film gefühlt hat , dein Kumpel tut mir ein wenig leid ;)

So , jetzt erstmal das gelesene verarbeiten.
Ps: wie steht es mit einer Veröffentlichung? Weisst du da was konkretes?

06.09.2020 23:13 Uhr - Ghostfacelooker
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Ich kann mich mit Erschaudern und einer gewissen ambivalenten Ehrfurcht vor deiner Schreibweise, nur meinen Mitkommentatoren anschließen. Die zweischneidige "Ehrfurcht" trägt die Frucht des Zweifels in sich, da ich nicht weiß, was ich allein beim ersten lesen dieser Review von dir halten soll, denn und das ist nicht böse, sondern vielmehr wie eine Frage zu verstehen, die man gleichzeitig auch Dora stellen könnte: Warum tut man sich selbst sowas an?
Du in visuell "ausgelieferter" Hinsicht. ER durch was auch immer ihn dazu antreiben mag.
Ich, weil ich es auch aus Neugierde, ob deiner Schreibweise selbst gelesen habe und mir dabei deine eigene Agonie zwischen DARF ich das GUT finden, FINDE ich es gut, und fühle ich mich gut obwohl es gut geschrieben ist, dies von mir preisgeben zu wollen, vorgestellt habe.
Wiedereinmal hast du einen Film nur durch Worte wiedergeben können und allein dafür reicht es erneut zu sagen, daß DEINE REVIEWs gerne lese, aber die Grenze dabei immer deutlicher und unüberschreitbarer wird.
Fehlt noch, daß du nicht der schwarzgekleidete Satanist oder zumindest Gothiktyp im wahren Leben bist, der mit in einen schwarzen langen Ledermantel schweigend durch die Straßen ( mit schwarzem Mundschutz oder den billigen vom Yummy Gewinnspiel, den ich dir schicken würde^^^^^^^^^) zieht und bei dessen Anblick, alle bis auf mir selbst die Seite wechseln, obwohl es mir wie von Geisterhand berührt einen Schauer über den Rücken laufen ließe, an dir vorbei zu gehen.

07.09.2020 00:02 Uhr - Dissection78
1x
DB-Co-Admin
User-Level von Dissection78 15
Erfahrungspunkte von Dissection78 3.904
Wieder mal super und angenehm erschlagend geschrieben, hudeley! Auf das Werk bin ich gespannt. Doras bisherige Arbeiten finde ich gestalterisch auf hohem Niveau, besonders für die Budgets, die ihm zur Verfügung stehen. Tabubrechenden Regisseuren bzw. Meta-Filmkünstlern wie James O. Incandenza, Hans Backovic, Wilson Wyler Concannon und Max Castle bin ich schließlich auch nie abgeneigt, ha! :)

07.09.2020 06:47 Uhr - Cinema(rkus)
1x
User-Level von Cinema(rkus) 1
Erfahrungspunkte von Cinema(rkus) 28
hudeley, bist Du schon mal positiv auf den Marian-Dora-Virus getestet worden ? schmunzel..schmunzel.
Mann, da nimmst Du einen Kumpel - wahrscheinlich Luis-De-Funes-Komödien-Fan ?? - auf das Film-Festival und gibst Dir tatsächlich den nächsten (goldenen??) Schuss ? Könntest nur noch toppen, wenn Du das nächste mal Deine Freundin mitnimmst und mit ihr den "Pesthauch" einatmest.

Wahnsinn; Deine Schreibe liest sich ungelogen, als würdest Du "Marian-Dora-Kunde" an einer renommierten Universität lehren. Unglaublich, welche Aspekte Du an seinen Werken herausarbeitest und uns mitteilst.
Der Filminhalt ? Oh Mann, da mach` ich (wahrscheinlich) doch einen großen Bogen um das Werk. Ich bleibe dabei; er scheint für mich diesbezüglich einfach kein Maß mehr zu finden, er übersteuert etwas. Wo möchte er mit diesen Darstellungen noch hin ? Wo ist das Ende des Horizonts erreicht ?
Aber, he, er kann nicht jeden Geschmack treffen, möchte er wohl auch nicht. Und das ist irgendwie dann auch wieder gut so. Er hat seine Filmnische gefunden und Film-Kumpanen, die auf diese Art der Gewalt-Darstellung nicht allergisch reagieren, sind durch seine Filme offensichtlich geflasht und geplättet und fasziniert. Warum also die Moral- oder Ethik-Keule schwingen, nur weil es mir persönlich nicht gefällt ?

Moment, sorry, eine Sache wäre da evtl. noch.
Er könnte sich doch mal ganz offen dazu äußern, wie es sich nun mit dem Tier-Snuff in seinen Filmen verhält. Wenn ich bisher alles richtig verstanden habe, dann sind es Mutmaßungen in die eine, wie in die andere Richtung. Sind es Tricks ? Sind es geschickte Schnitte/Montagen ? Da hätte ich von ihm gern mal ein ehrliches Statement. Sollte er echten Tier-Snuff praktizieren, dann sollte er auch dazu stehen. Viele seiner Fans würden seine Filme dann sicherlich auch noch anschauen, einige würden vielleicht von weiteren Filmen abspringen.
Was ich davon halte ? Oh Mann, das wäre jetzt eine endlose Einlassung von mir. Was Tierwohl insgesamt angeht, da herrscht bei uns Menschen eine unglaubliche Doppelmoral. Insgesamt machen wir uns viel zu wenige Gedanken, wo das Stück Fleisch auf unserem Teller herkommt. Vielleicht quälen wir (bewusst ? unbewusst ?) viel mehr Tiere auf das abscheulichste, wie wir uns überhaupt vorstellen können. Wie viel Leid geschieht diesbezüglich auf der gesamten Welt ? Nur, klar, eine Kamera ist da selten eingeschaltet und hält drauf.
Tier-Snuff real oder getrickst ? Ich würde hier in diesen Dora-Filmen aber einfach mal ein ausführliches Statement von ihm hören wollen, damit die Spekulationen einfach mal aufhören.

Was den oben erwähnten Einwand, hinsichtlich der Darsteller, angeht. Na ja, ehrlich ? Wenn ich für einen Dora-Film zusage/unterschreibe, dann weiß ich doch, was auf mich zukommt, oder ? Es wird ja ein Story-Gerüst, ein Drehbuch geben, in das ich einen Blick werfen sollte. Und wenn dann alle abnicken, alle sich darauf einlassen, dann ist es auch für mich o.K....Meine Meinung ist immer: Wenn sich 2 gleichgesinnte Erwachsene zu etwas treffen, bei dem BEIDE freiwillig mitmachen, zu nichts gezwungen werden, dann ist das deren Sache. Mir muss das nicht gefallen, ich selbst muss das auch nie praktizieren. Ich darf nur nebenbei mal erwähnen, dass so mancher gutverdienende Konzern-Chef ab und zu mal gern bei einer Domina vorbeischaut, um sich diversen (Natur-)Sekt und Kaviar-Spielchen hinzugeben.

So, hudeley, insgesamt wird dieser Film wohl nichts für mich sein. Auch wenn ich ein offenes Dackel-Mädel bin, halte ich mich doch von manchen Sachen fern. Wie geschrieben, das mit den Darstellern geht für mich in Ordnung, die Tier-Szenen müssten einfach mal von ihm ehrlich und offen erläutert werden.

Dein Review war aber wieder oberste Premium-Klasse. Ich glaube, dass auch diese Qualität Deiner Sätze manchen von uns fasziniert, da sie auf klasse (krasse) Weise Dinge beschreiben, die wir dann aber wieder gern ablehnen würden bzw. erst gar nicht lesen möchten. Ich finde es wirklich faszinierend. Du hast da einen Dir ganz eigenen Stil entwickelt und perfektioniert.
In dem Sinne, weiter so.......und bis zum nächsten mal.....irgendwann, in dieser Ecke der abstrusen Filmwelt.

Gruß C.M.

P.S. Was mich mal interessieren würde, hudeley. Nehmen wir an, Herr Dora würde Dir mal eine Rolle in so einen Film anbieten; würdest Du annehmen ?

07.09.2020 08:12 Uhr - Lukas
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Je mehr reviews ich hier lese, desto mehr erhärtet sich der Verdacht: Hudeley ist Marian Dora! :-DDD

07.09.2020 11:13 Uhr - Arelinchen
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Wow, vor dieser Schreibkunst kann ich nur meinen Hut ziehen.... Respekt! Mehr Vorfreude auf diese beiden Werke als es deine Texte schaffen zu erzeugen wäre schlicht nicht möglich! Einer hoffentlich baldigen Veröffentlichung fürs Heimkino fiebere ich nur so entgegen!
War doch MdE der erste Dora-Film in dessen Genuss ich kam und der mich in einer nie wieder dagewesenen Art und Weise umgehauen hat und das auch nach jeder weiteren Sichtung tat und tut. Was der gute Herr Dora auf die Menscheit loslässt ist einfach für mich unbeschreiblich. Das Thema Tiersnuff hat mich selbst durchaus schon beschäftigt, da wäre ich über irgendwelche Infos dankbar. Mit dem Schwein in MdE habe ich erst nach einer Weile meinen persönlichen Frieden finden können, auch würden mich echte Szenen sicher nicht vom Kauf der beiden neuen Werke abhalten. Einem Tier im Sinne der Kunst, an der sich weltweit tausende erfreuen werden, fachgerecht das Leben zu nehmen, finde ich nicht unbedingt weniger verwerflich, als es für ein paar Schnitzel Einzelner zu tun. Selbstverständlich würde es mich aber erleichtert aufatmen lassen, zu wissen, dass Dora hier schlicht überzeugend in die Trickkiste greift....

07.09.2020 15:03 Uhr - doktoroetker
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Bei Dora habe ich mit jedem Film mehr den Eindruck, dass er nur noch seine Fetische abfrühstückt. Kamera wie immer sehr ordentlich, interessante Locations, inhaltlich redundant und viel Pipikacka. Ich fand beide belanglos, aber das kann man auch anders sehen. Moralisch so verwerflich wie nie zuvor.

07.09.2020 15:40 Uhr - The Machinist
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Aaaaahhhh! Du Kranker!

Diese Betitelung bezieht sich rein auf den Umfang und Informationsgehalt den du für deine beiden letzten Review-Monster zusammen getragen hast. Echt bemerkenswert wie viel Leidenschaft du da reingesteckt hast. Auch literarisch wieder auf allerhöchstem Niveau, einige Zeilen konnte ich beinahe schon schmecken. :)

Von Marian Dora kenne ich selbst jeweils alle Langfilme bis ''Carcinoma'', dass er mittlerweile zwei neue im Kasten hat wusste ich z.B. garnicht. Kann jetzt zwar nicht unbedingt behaupten, dass mir diese wirklich ''gefallen'' haben, wobei man das hier im klassischen Sinne wohl auch nur schwer von sich behaupten kann. Ist aber auf alle Fälle ein Mann mit großem ästhetischen Gespür und einer ganz eigenen Vorstellung von unabdingbarem Stilwillen, auch wenn der gelegentlich in sehr vielen Körperausscheidungen ertränkt wird. Selbst in der Underground-Szene ist der Kerl wahrscheinlich ein ''Enfant terrible''. Ein Phänomen. Ein Künstler der statt dem Pinsel einen Dampfhammer schwingt. Zu behaupten sein Werk hätte auf mich keinen bleibenden Eindruck hinterlassen wäre jedenfalls gelogen.

Auf ''Profane Exhibit'' bin ich ebenfalls sehr gespannt... allerdings eher wegen Yoshihiro Nishimura. ;-)
Also hudeley, nochmal: Klasse Vorstellungen und bitte mehr davon. Wobei dir nach den zwei Texten auch erstmal eine Pause gegönnt sei.

MfG

Der einzig wahre Batman und auch stolzer Besitzer eines ''Melancholie der Engel''-Extended-Mediabooks, das garnicht mal so viel gekostet hat...

09.09.2020 15:36 Uhr - Man Behind The Sun
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Zunächst zum Formalen: Deine Review ist klasse geschrieben und liest sich wunderbar flüssig; man kann nicht aufhören, den Text bis zum Schluss zu lesen.

Eine Frage drängt sich mir immer wieder auf, wenn ich eine Review von dir zu einem Film von Dora lese:

Ich muss zugeben, dass ich lediglich "Melancholie der Engel" gesehen habe, und nach etwa 2/3 des Films abgeschaltet habe. Deswegen entschuldige, wenn ich vielleicht etwas "unwissend" daherkomme.

Als erstes: Der Film war gut gedreht, aber ich VERMUTE(!), dass das nahezu jeder von uns mit dem passenden Equipment und den entsprechenden redudanten Kenntnissen auch hinbekommen würde, zumal nach meiner Erinnerung nicht oder so gut wie gar keine Dialoge vorhanden sind.

Als zweites frage ich mich, wenn du wie hier beschreibst, dass Tiere (real?) getötet und gefoltert werden, was der Sinn dahinter ist. Ich weiß, dass es Fetische gibt, die genau dieses "Zertreten" von Tieren im Fokus haben. Man braucht es nur mal zu googeln, es ist wirklich.. sagen wir mal so... ein ausgefallener Fetisch.

Nun könnte man sagen: Jedem das, was ihm gefällt, solange es keinem anderen schadet. In diesem Fall schadet es aber Tieren. Wo ist da die grenze zu ziehen, wenn man schon kleinste Lebenwesen mit erotiersierender, gar lust-behafteter töten muss und dies auch noch filmt?

Die letzte Frage stellt sich mir, wenn ich lese, dass teilweise Stöcke in den After von Menschen (und tieren) eingeführt werden: Meine Frage an dich: Weißt du, ob das gestellt oder "real" ist, wie bspw. die Filme von Lucifer...(?), Vomiting Dolls etc. oder dort tricktechnisch groß aufgefahren wurde? Falls ja, Hut ab, wenn nicht: Was ist der Sinn dahinter? Ich gehe mal von letzterem aus,wenn du insofern schreibst, dass nahezu ohne Budget gedreht wurde?

Kannst mir auch gerne eine PN schreiben, ich finde das Ganze sehr interessant, aber auch - als "normaler" Mensch ohne Fetisch - etwas grenzwertig, wenn nicht sogar grenzüberschreitend.

09.09.2020 16:15 Uhr - TheMovieStar
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09.09.2020 15:36 Uhr schrieb Man Behind The Sun
Zunächst zum Formalen: Deine Review ist klasse geschrieben und liest sich wunderbar flüssig; man kann nicht aufhören, den Text bis zum Schluss zu lesen.

Als zweites frage ich mich, wenn du wie hier beschreibst, dass Tiere (real?) getötet und gefoltert werden, was der Sinn dahinter ist. Ich weiß, dass es Fetische gibt, die genau dieses "Zertreten" von Tieren im Fokus haben. Man braucht es nur mal zu googeln, es ist wirklich.. sagen wir mal so... ein ausgefallener Fetisch.

Nun könnte man sagen: Jedem das, was ihm gefällt, solange es keinem anderen schadet. In diesem Fall schadet es aber Tieren. Wo ist da die grenze zu ziehen, wenn man schon kleinste Lebenwesen mit erotiersierender, gar lust-behafteter töten muss und dies auch noch filmt?

ich finde das Ganze sehr interessant, aber auch - als "normaler" Mensch ohne Fetisch - etwas grenzwertig, wenn nicht sogar grenzüberschreitend.


So sehe ich das auch. Das Review ist super geschrieben und vermittelt einen prima Eindruck von dem, was der Autor gesehen hat, daher Kompliment an hudeley!

Über die Inhalte kann man auch geteilter Meinung sein, Geschmäcker sind verschieden, keine Frage und jeder soll sich anschauen was immer er will, auch wenn es noch so absonderlich ist.

Wo aber die Grenzen definitiv überschritten sind, ist wenn für solche Aufnahmen Lebewesen real gequält bzw. zu Tode kommen, DAS GEHT GAR NICHT!!!

Und Aussagen wie diese hier:

07.09.2020 11:13 Uhr schrieb Arelinchen
...Einem Tier im Sinne der Kunst, an der sich weltweit tausende erfreuen werden, fachgerecht das Leben zu nehmen, finde ich nicht unbedingt weniger verwerflich, als es für ein paar Schnitzel Einzelner zu tun.


sind in keinster Weise tolerierbar, da kann man nur noch den Kopf schütteln, der Verfasser dieses Kommentars sollte sich was schämen....

09.09.2020 23:12 Uhr - hudeley
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@ An Alle:
Vielen vielen Dank für Euer unfassbares Feedback zu meinem Kritik zu den neuen Dora Filmen! Meine ausgewählten Filme sind allesamt Nischenware - umso mehr begeistert bin ich stets von Euren positiven und (man kann es nicht genug sagen) trotz der Thematik immer differenzierten und fairen Kommentaren. Hatte hier schon einige tolle Diskussionen über extreme Filme und diese waren immer höflich und sachlich. Wirklich eine Seltenheit!

@DriesVanHegen
Ja, Dora verzichtet weitestgehend auf Effekte. Körperflüssigkeiten jedweder Couleur sind echt, kleinere Gewalttätigkeiten wie Schläge, Schnitte, etc. meist ebenfalls. Fetisch ist dies in dem Fall für mich nicht, eher die absolute Konsequenz in Sachen filmischer Gewalt. Genug blutige Folterstreifen enthalten weder Nacktheit, noch echten Sex oder Körperflüssigkeiten. Abgesehen davon, ob man dies nun sehen will oder nicht, bleibt Dora hier einer der Wenigen, die den Weg der Zeigefreude bis zum bitteren Ende gehen. Das macht auch seine Darstellungen des Sterbens stets so realitätsnah, wenn beispielsweise dem halbtoten, bewusstlosen Leichnam wie in Cannibal noch der Schließmuskel versagt. Dora Ausflüge in diese - sprichwörtlichen - Gewässer, sind weniger Fetisch, als strikt realistisch und von einer Faszination für den (menschlichen) Körper geprägt. Und ich drücke es mal so aus: Fäkalien widern mich auch an. Aber wieso echauffieren sich so Viele über eine Aufnahme dessen? Folterszenen sind in Ordnung - eine Darmentleerung sprengt aber die Grenzen zur Erträglichkeit? Aufgrund dieser "Doppelmoral" arbeitet Dora meiner Meinung nach mit solchen Szenen.

Seine Schauspieler sind oftmals Amateure oder er rekrutiert Kleindarsteller, teils auch aus Theatern. Die sind einfach hemmungslos in ihrer Darstellung, einen Fetisch unterstelle ich diesen Personen nicht.

Die Heimkino VÖ wird ebenfalls kommen.

@prince akim
Die Horrorfilme haben sich definitiv gewandelt, da bedarf es Deinerseits auch keinerlei Rechtfertigung, wenn Dir diese zu sehr über die Strenge schlagen. Wie gesagt kam ich kurz vor dem Aufkommen der Torture Porns zum Horrorfilm und kann daher nicht nachempfinden, wie sich die "neuen" Horrorfilme für jemanden wie Dich anfühlen, der eher in den 80ern zuhause war. Jedoch - und das kann ich sagen - ist die Brutalität in den 2000ern rapide angestiegen. Im Untergrund, wie auch im mittleren/ hohen Budget Bereich.
Martyrs ist ein großartiger wie auch harter Film. Im direkten Vergleich mit den Dora Werken natürlich weniger nischenhaft und zerstörerisch, aber es ist ebenfalls kein fairer Vergleich. Martyrs geht ebenfalls an die Grenzen, bewegt sich aber in einem anderen Feld als der hier besprochene Film.

@Fratze
Haha, gut erkannt. Die Kritiken waren in der Tat absichtlich verschieden aufgebaut.
Bzgl. Deiner Frage, verweise ich auf meine Antwort an DriesVanHegen. Klar, Fetischware bekommt man auch an anderer Stelle, aber Doras Filme enthalten auf den ersten Blick vielleicht Elemente aus der Hardcore-Porno-Fetisch-Ekel-Ecke, haben aber eine völlig andere Absicht. Seine Filme mit wirklichem Fetischkram in Verbindung zu bringen, ist wie einen Splatterfilm mit Sado-Maso Filmchen aus der Sexvideothek zu vergleichen. Die Elemente (=Gewalt) mögen die gleichen sein - das Endprodukt aber nicht.

@TheShield2013
Die Filme werden veröffentlicht werden - soviel in aller Kürze dazu.

09.09.2020 23:37 Uhr - hudeley
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@Ghostfacelooker
Nun, meine Bandshirt und lange Haare Phase liegt seit einigen Jahren hinter mir ;) Wenn man meinen großflächigen Tattoo-Motiven keine Beachtung schenkt, sehe ich wohl eher wie einer aus, der zum Stammpublikum einer Shisha-Bar in einer Großstadt gehört. Einige hier wissen wie ich aussehe, die können das besser beurteilen, aber ich denke, mit Horrorfilmen und Grindcore bringt man mich nicht wirklich in Verbindung, wenn man mir begegnet. Einen kalten Schauer bekommst Du nicht ;)

Wieso ich mir solche Filme antue ist schnell erklärt: Ich führe ein komplett geregeltes Leben mit allen Vorzügen die einem ein solches bietet. Ich vertrage solche Filme rückstandslos und habe ein großes Interesse für mich darin entdeckt. Ich lasse mich gerne schockieren und meine Schmerzgrenze ist dahingehend unfassbar hoch; selbst Pesthauch, obwohl sicherlich das Härteste was mir bisher untergekommen ist, hat mir kein Stop-Schild vor die Nase gehalten... da geht noch einiges mehr bis ich wirklich die weiße Fahne schwenken muss.
Mein Horrorkonsum fing klassisch mit Haunted Hill, Es & Shyamalan Filmen an. Ich bekam als Kind eine brutale Angst und blieb deswegen beim Horrorfilm, weil ich darin meinen Kick fand. Nur wird man eben irgendwann erwachsen, Kornkreise und Aliens jagen einem keine Angst mehr ein und der Adrenalinstoß, den man damals bei Signs-Zeichen bekommen hat, weicht der Suche nach dem härtesten Film. Wenn mir nicht irgendwann in den frühen 2000ern eine Ausgabe von X-Rated in die Hand gefallen wäre und ich nicht erfahren hätte, dass es verbotene und brutale Filme gibt, hätte ich das DVD Sammeln nie begonnen. Und besonders im harten Filmsektor (Amateursplatter wie Deathmondos) steht das Sammeln bei mir über dem Filmgenuss. Traces Of Death & Konsorten machen keinen Spaß beim Anschauen... die DVD nach wochen/monate/jahrelanger Suche endlich ins Regal zu stellen jedoch schon...

Wieso Dora so etwas filmt? Weil er an die Grenzen will und den Leuten eins vor den Latz klatschen möchte. Ein Film mit Kollateralschaden eben. Und definitiv keine Unterhaltung in irgendeiner Weise, sondern gewalttätige Kunst in voller Konsequenz. Wer dabei bleibt, schön. Wer es nicht aushält, muss eben gehen.

@Cinema(rkus)
... da hast Du vieles Richtiges und Versöhnliches gesagt mein Lieber! Leute sind schnell darin, Dinge, die ihnen missfallen, zu ahnden. Und sei es nur in Form von Kommentaren.
Die Tiersache bleibt ein Rätsel, ich persönlich konnte meinen Frieden damit finden. Im Zweifel für den Angeklagten eben.
Die Schauspieler machen dies freiwillig, auch da bin ich komplett bei Dir. Und Dora? Nun, man kann es nicht jedem recht machen. Wer aber selbst Fans des sogenannten "harten Untergrundes" so spielend leicht aus der Fassung bringt, macht am Ende Vieles richtig, entlarvt und lehrt Demut.

Mein Kumpel hat es gut verkraftet, aber das war mir auch im Voraus klar. Dazu ist er zu sehr interessiert an Kunst und zu rational, als dass ihn sowas ernsthaft (trotz mangelnder, vorausgehender Referenzwerke aus dem Extrembereich) mitnimmt. Ich hätte auch nicht jeden da mit hingeschleift :D

Würde ich bei einem Dorafilm mitmachen? Nun, eine große Klappe hinter dem Bildschirm kann man leicht haben. Ich würde in der Realität unüberlegt, reflexartig zusagen, am Drehort schnell meine Grenzen finden aber zu sehr zu meinem Wort stehen, als etwas nicht zu tun. Von dem her: Ja, was soll schon passieren.

@Arelinchen
Mutiges Statement, bei welchem ich trotz allem erstmal schlucken musste. Einfach, weil es ein nachvollziehbares Argument ist, dessen Plausibilität man sich bloß noch eingestehen möchte. Und mit dieser Meinung stehst Du sicherlich nicht alleine da.
Wäre die Tierfolter bestätigt, würde ich mir einen solchen Film ansehen? Gute Frage ... wahrscheinlich ja. Hätte ich ein mieses Gefühl dabei und eine moralische Mitschuld? Jap. Könnte ich durch das nicht Ansehen zukünftiges Leid verhindern? Reine Utopie.
Das Fleischkonsum Argument bleibt bei naher Betrachtung in dem Zusammenhang stets ein Totschlagargument und hat mit dem jeweils anderen nichts zu tun. Und doch kann keine Tiersnuff Diskussion geführt werden, ohne ernsthaft ethik-philosophisch auf den Umgang des Menschen mit Tieren im Allgemeinen eingegangen werden. Daher sprengt diese oft jedwede Art der Filmdiskussion und einzig die beiden Parteien "Ich kanns nicht sehen und schaue es mir nicht an!" oder "Ich finde es zwar nicht gut, kann es aber ignorieren!" bleiben übrig. Gehöre ich, auch in Bezug auf alte Kannibalenschinken, zu letzterer Kategorie? Ja. Weiß ich, dass meine Position trotzdem falsch ist? Ja, auch das.

10.09.2020 00:01 Uhr - hudeley
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@doktoroetker
Klarer Standpunkt, wenngleich auch nicht meiner, aber trotzdem plausibel. Geschmäcker und Ansichten bleiben verschieden und das muss unterm Strich auch so sein.

@Man Behind The Sun
Da muss ich Dir ein entschiedenes "nein" entgegenbringen ;) Ich habe genug Vergleichsfilme ähnlicher Preisklasse gesehen um sagen zu können, dass selbst gleiches Equipment und gleiche Drehorte keinen Dora Film entstehen lassen. Seine Art der - ich nenne es der Kürze zuliebe einfach - Kameraführung mit allem was dazu gehört, ist einzigartig. Zumindest dahingehend, dass ich bei ihm, selbst in der belanglosesten Naturaufnahme, seinen Stil erkennen kann. Die Verbindung mit Licht/ Schatten, dem Einbinden der Musik und der Art, wie er im Grunde wunderschöne Bilder im dunkelsten Schmutz kreieren kann, ist einzigartig.
Ob es dann gefällt, ist Geschmackssache. MDE nach 2/3 auszuschalten, ist natürlich auch kein Verbrechen und steht jedem frei, darüber gibt es keine Diskussion. Denn man darf Filme einfach auch mal aus tiefstem Herzen kacke finden.

Was Dora ausmacht, ist weiterhin, dass seine Filme als ultra brutal angesehen werden, er jedoch kein Splatterfilmer ist. Und dies ist wichtig, wenn man bedenkt, wie wenig wirklich Graphisches er dem Zuschauer zeigt und trotzdem ein Ergebnis erzielt. Selbst Buttgereit, der nun wirklich nicht den Ruf eines nutzlosen Gewaltfilmers genießt, ist näher am klassischen, überzeichneten Splatterfilm dran, als Dora. Und obgleich Dora unfassbar brutale Akte auf Film bannt, sind diese in ihrer Häufung teils bei weitem nur ein Bruchteil von dem, was selbst Hollywood Filme auftischen. MDE zum Beispiel ist für Viele mit das Extremste, was es da draußen gibt. Und enthält nahezu (!) keine nennenswerten Gewaltszenen in dem Sinne, dass Blut durch die Gegend suppt.
Und diese Fähigkeit allein, nötigt mir jeden Respekt ab.

Nun, ich habe in meiner Kritik eben NICHT geschrieben, dass Dora ein echtes Tier getötet hat. Ich habe lediglich die Möglichkeit offen gelassen, dass es hätte sein können. Es gilt die Unschuldsvermutung und ich bin nicht die Staatsanwaltschaft. Gibt es echte Tierkadaver in seinen Filmen zu sehen? Ja. Heißt dies zwangsweise, dass er diese auch getötet hat? Nein.
Will sagen: Klar wird ein augenscheinlich echter Frosch in Pesthauch zerschlagen. Aber ich finde keinen Hinweis darauf, dass dieser auch gelebt hat. Der Körper war echt, aber kann genauso gut gefunden worden sein. Ich möchte auch niemanden in Schutz nehmen oder sonst etwas, ich stelle nur die für mich plausibelste Möglichkeit dar. Dora schneidet unfassbar manipulative Filme, ist bekennender Vegetarier und hat in vielen Kurzfilmen deutliche Statements gegen Fleischverzehr und Tiertötungen abgebildet. Sein Standpunkt ist klar ersichtlich... entweder ich nehme jetzt an, dass er seine Prinzipien für seine Filme bricht, oder ich gestehe mir ein, von seinen Fähigkeiten als Regisseur gettäuscht worden zu sein. Andere Optionen gibt es nicht und wir werden ebenfalls nicht den Tag erleben, an welchem er sich erklärt. Wer seine Filme im Zweifel (berechtigterweise) nicht sehen möchte, hat mein vollstes Verständnis.
Dass solche Szenen dem Lustgewinn dienen, ist in meinen Augen eine Unterstellung.

Die Vomit Gore Filme hatten Splattereffekte und waren in der Gewalt, sehen wir von Schlägen und dem üblichen BDSM Kram ab, nicht echt. Die Kotzerei jedoch war es.
Bei Dora verhält es sich ähnlich. Weder die Sexszenen, noch alles was mit Körperflüssigkeiten zu tun hat oder kleinere, vertretbare Verletzungen, sind gestellt. Da die Schauspieler vorher das Drehbuch kennen, ist dies auch in meinen Augen nicht verwerflich.

10.09.2020 15:19 Uhr - Man Behind The Sun
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Erfahrungspunkte von Man Behind The Sun 290
Danke für deine ausführliche Erklärung/Antwort!

Wie du siehst, bin ich halt doch nur jemand, der wahrscheinlich zu oberflächlich und keine wirkliche Ahnung von der Materie hat, zumindest, was Doras Filme angeht. Ich glaube ich sollte mir mal die Mühe machen und mir ein oder zwei Filme wirklich von vorne bis hinten durchgucken. Ich bin da meist etwas ungedldig und wenn man nicht "bekommt", was man "erwartet", wechsele ich einfach mal den Film. Ist blöd von mir, aber im Heimkino nehm ich mir dieses Privileg manchmal heraus ;)

Wenn du sagst, dass hier alle sehr aufgeschlossen gegenüber diesen Filmen sind, liegt wohl daran, dass (fast) jeder gemerkt hat, dass seine eigene Meinung nicht das Ende der Fahnenstange ist und andere Meinungen toleriert und akzeptiert werden. Das ist leider im Internet Mangelware geworden bzw. ist es schon immer gewesen.

Das ist wie damals in der Schule: Wenn du eine bestimmte Musikrichtung nicht mochtest, war alles andere Scheiße und du hast dich gefragt, wie man nur was anderes hören kann als Hip-Hop, Techno, etc.

Nochmal zu meiner Unterstellung: Du hast vollkommen recht, das ist eine reine Vermutung von mir. Ich bin mal zufällig (ja, wirklich!) in solche Foren geraten, in denen sich die Teilnehmer Seiten-lang über ihre Fantasien ausgetauscht haben. Einer z.B. fand es erregend, wenn Frauen mit Stöckelschuhen langsam eine Maus zertreten oder durch massenhaft Insekten läuft, wobei sich derjenige dann an dem "Knack"-Geräusch der Insekten "aufgegeilt" hat.

Eine andere Teilnehmerin fand es erregend, Mäuse langsam zu zertreten und dies dann zu filmen.

Wie gesagt: Jeder, wie er es mag, aber diesen "Fetisch" finde ich schon arg an der Grenze zu dem, was man noch tolerieren sollte.

Jedenfalls kurz und knapp: Mir kam diese Assoziation, als ich deine Review gelesen habe. Deswegen entschuldige, wenn es in deinen Augen wie eine Unterstellung ausgesehen hat, das war nicht meine Absicht.

Gerne mehr von deinen Reviews!

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