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Daddy's Girl

Herstellungsland:USA (2018)
Standard-Freigabe:FSK keine Jugendfreigabe
Genre:Horror, Krimi, Thriller
Alternativtitel:Suicide Solution
Bewertung unserer Besucher:
Note: 6,33 (3 Stimmen) Details
inhalt:
Seit dem Suizid ihrer Mutter wächst Zoe bei ihrem Stiefvater auf. Eine normale Vater-Tochter-Beziehung ist das jedoch nicht, denn Daddy hat 'seine Kleine' viel zu lieb. Doch das ist nur die Spitze des Grauens: In ihrem abgeschiedenen Haus hat der frühere Abu-Ghraib-Wärter John eine eigene Folterkammer eingerichtet, die mit allen möglichen unappetitlichen Werkzeugen ausgestattet ist. Wasser tropft, die Fliesen sind blutverschmiert und an einer der Wände hängt eine Collage aus Polaroidfotos von jungen Frauen - das Heim eines gestörten Serienmörders! Eines Tages ergibt sich für Zoe jedoch die Chance, den Fängen ihres mörderischen Stiefvaters zu entkommen. Aber ist sie überhaupt bereit, sich gegen ihn aufzulehnen oder bleibt sie ihrem Daddy treu ergeben?
Diese Kritik enthält Informationen über den späteren Handlungsverlauf der Geschichte.
eine kritik von sonyericssohn:

Als sie noch sehr klein war beging Zoes Mutter Selbstmord. Sie wuchs bei ihrem Stiefvater Joe auf und wohnt seit dem auch bei ihm. Der Kriegsveteran hält sich finanziell mit seiner Autowerkstatt über Wasser, frönt aber einem grausamen Hobby. Zusammen mit Zoe zieht er durch Bars, becircen einsame Frauen und verschleppen sie nach Hause. Dort werden sie von John gedemütigt und grausam gefoltert...bis zum Tode. Zoe nimmt diese Tatsache wortlos hin. Doch eines Tages heftet sich die Polizei an deren Fersen…

DADDYS GIRL

Die Filme des Labels -Pierro le Fou- tummeln sich ja ganz gerne mal in den Abgründen der menschlichen Seele. Oder einfach in purem Terror. Regisseur Julian Richards (Skin Collector, Darklands) mixte in vorliegenden Fall düsterste Abgründe mit einer großen Portion Drama zusammen. Leider hinterließ der Mixer ein paar Bröckchen ! 

Die hübsche Jemma Dallender (u.a. I spit...2, Contract to kill) übernahm die Rolle der Halbwaisen Zoe. Kein Mädel wie man es gewohnt ist. Ihr Leben verläuft sozusagen nach Drehbuch, sie hat keine Freunde und auch keine Hobbys. Zoe hat einfach zu gehorchen und das zu tun was der Vater vorgibt…

...denn John (Costas Mandylor; Delta of Venus, SAW) hat alles im Griff. Der ehemalige Soldat hat in Afghanistan und anderen Kriegen gelernt was es heißt Schmerzen zu fühlen und zuzufügen. Das alles hat Spuren hinterlassen. Und das nicht nur körperlich…

"Willkommen in der Hölle !"

Die etwas schmale Einleitung rührt wieder einmal daher, daß sich Story und Bierdeckel aufs neue getroffen haben. Die beiden kennen sich mittlerweile ganz gut. In diesem Fall zimmerte man aus Thriller und Drama aber einen ziemlich dreckigen, düsteren und psychisch harten Bastard zusammen. Im ersten Moment als ich von dem Film erfuhr und die Inhaltsangabe überflog dachte ich unwillkürlich an das Drama um Natascha Kampusch...man erinnere sich. Doch ich lag sowas von daneben ! 

Im Intro, in dem Zoe einen Monolog hält, erfährt man schon mal im Ansatz was sie antreibt, was sie vom Leben erwartet. Und das ist wahrlich nicht viel. Sie ist eine Marionette aus Fleisch und Blut, ihrem Stiefvater hörig und nicht fähig sich zu wehren. Man könnte auf den Gedanken kommen daß sie dieses Leben tatsächlich liebt… Insbesondere daß Zoe auch mal herhalten muss wenn Papi mal wieder Körpersäfte austauschen möchte. Als braves Töchterchen hält man still und beschwert sich nicht. Ob sie mir leid tat ? Jaein. Interessante Antwort ? Wohl kaum, aber wenn Daddy zu Hochform aufläuft möchte niemand widersprechen. Mandylor scheint sich in der Rolle des Unsympathen doch recht wohlzufühlen. Er besitzt diese enorme physische Präsenz, diesen leicht irren Gesichtsausdruck der ihn quasi für solch eine Rolle prädestiniert. Die Liebe eines Vaters zu seiner Tochter stellt sich wohl jeder andere vor. Ja, Zoe tat mir doch leid. Mitgehangen, mitgefangen. Zoe wird ob sie will oder nicht zur Mittäterin wenn die Nachtclubs durchforstet werden und sie sogar sagen darf was ihr gefällt. Die Frage wer denn nun geistig in die Grätsche geht stellt sich des öfteren, für wen macht John eigentlich wirklich das was er tut ? Für sich oder…?

Obwohl die Opfer laut Zoe nicht vermisst werden ist die Polizei dennoch mit der Aufklärung der Fälle behaftet. Deputy Scott Walker (Jesse Moss) nimmt die Fährte auf und kommt dem Täter ein wenig zu nah. Und genau hier hat der Film leider das größte Problem. Die Beweise fallen dem Cop aus heiterem Himmel vor die Füße. Große Nachforschungen sind Fehlanzeige und das professionelle Verhalten eines Polizisten sucht man vergeblich. Alles wirkt so dermaßen verkonstruiert daß man sich fragt wo die bisherige Wucht des Films abgeblieben ist. 

In Sachen optischer Härte dreht das blutige Rad ein wenig gemächlicher als in den üblichen Folterfilmchen (was der Streifen auch gar ned sein will). Denn großartig blutig wird's zu keiner Zeit. Außer einer hakelig inszenierten Amputation, Einschüssen und Kehlenschnitte gibt's kaum grobe Szenen...auch wenn manches mich doch schlucken ließ. Vielmehr verlässt sich das zu Sehende auf jenes was der Zuschauer in seinem Kopf stattfinden lässt. Und da geschieht so einiges ! Kameramann Dimitrije Jokovic wendet immer wieder fast angeekelt die Linse ab als können er selbst nicht hinsehen was John veranstaltet. 

"Du hast zwei Möglichkeiten…"

Warum allerdings Richards so ein Finale ersann und es nicht einfach bei dem belassen hat was sich aus dem ganzen ergab, mag sich mir einfach nicht erschließen. Diese Art Stockholm- Syndrom für Anfänger (sorry für die flapsige Bezeichnung) funktioniert in meinen Augen einfach ned. 

Am Ende bleibt ein interessanter, dreckiger und boshafter Streifen der auf eine grausige Weise zu unterhalten weiß aber gerade im Finale die Zügel aus der Hand gibt. Ich hoffe nur daß es bei diesem Ende bleibt, denn ein zweiter Teil wäre echt unnötig ! 7,5 Punkte.

 

ses

8/10
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Kommentare

07.09.2020 14:33 Uhr - tp_industries
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Super geschriebene Kritik, welche definitiv Appetit macht!

Inhaltlich klingt das ganze so wie die reale Geschichte des Serienmörders David Parker Ray. Wenn es so ist, macht es das natürlich noch interressanter für mich.

Danke für's vorstellen! :)

07.09.2020 14:41 Uhr - sonyericssohn
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Danke dir !
Nähere Hintergrundinfos zu evtl. realen Bezügen hab ich mir nicht angeeignet. Ich lass den Film mal für sich selbst stehen ;-)

07.09.2020 17:02 Uhr - Cinema(rkus)
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Ahhhhhhhh, Sony, kommst wie gerufen.
Nach den 2 Marian Dora-Filmen, die von hudeley vorgestellt wurden, hier wieder ein Film (mehr) nach meinem Geschmack, da hinsichtlich der Brutalitäten anscheinend nicht sooooo übersteuert. Gefällt mir persönlich besser.
Vom Inhalt erinnert mich der Film ein wenig an "Chained", den die Tochter von David Lynch vor einigen Jahren gedreht hat.

Deine Vorstellung ist gewohnt souverän, einfach "sony-like", toll zu lesen. Bei Dir gefällt mir das sehr breite Repertoire, aus dem Du die Filme vorstellst. Irgendwie ist fast jedes Genre mal dabei.
Mich hast Du jedenfalls neugierig auf den Film gemacht. Da er zurzeit bei Sky zum leihen steht, werde ich einen Blick riskieren.
Jedenfalls bist Du auch ein Reviewer, bei dem ich immer wieder mal gerne vorbeischaue. Und Dein Geschmack - siehe vor allem THE HUNT - deckt sich dann oftmals auch sehr mit meinem.
Grüße nach WHITE/BLUE Bavaria........C.M.

07.09.2020 17:48 Uhr - sonyericssohn
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DB-Co-Admin
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Vielen Dank Cine ! ;-)
Ich fühl mich eigentlich in jedem Genre wohl....außer bei Komödien muss ich passen. Die meisten besitzen leider diesen Holzhammerhumor. Fehlt nur noch der Lacher aus dem Off... Das mit Mario Barth damals verbuche ich unter Ausreißer :-D
Lieber Action, Horror, SciFi, Thriller und wenn's sein muss Splatter... Aber weit ab von Kollege Hudeleys Gusto.

07.09.2020 19:19 Uhr - prince akim
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Servus beinand ! Da geht es mir beim durchlesen wie schon zuvor "cinema(rkus)": Nach den zwei Dora-Reviews scheint es hier ja ein wenig "normaler" zuzugehen ... Dennoch auch nicht so mein Metier.
Zur Review selber : Wie immer von dir sehr elegant vorgestellt, lese deine Zeilen auch immer sehr gerne. Und wenn man das Rädchen der Zeit ein paar Jahre zurückdrehen könnte, dann wäre dieser Film bestimmt in meinem Player gelandet, Muss aber hier dann mal zugeben, daß meine "wilden" Jahre doch vorbei sind und ich mich lieber sanft berieseln lasse. Sanft jetzt nicht im Sinne von Rosamunde Pilcher & Co. , aber ich glaube, du weisst schon, was ich da meine ! ;-)

07.09.2020 19:56 Uhr - sonyericssohn
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Merci Prince !
Also so wild is der hier ned. Aber...ich versteh dich :-D

17.09.2020 01:58 Uhr - Kable Tillman
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Oft sind es genau die Dinge, die man nicht zu Sehen bekommt, die einen verstört zurücklassen. Kopfkino zu erzeugen ist eine unterschätzte Form der Geschichtenerzählung. Großes Kino ist auch dein Review hier. Weiter so!

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