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Cobra Kai

Herstellungsland:USA (2018)
Genre:Action, Drama, Martial Arts, Komödie,
Sportfilm
Alternativtitel:Cobra Kai: The Karate Kid Saga Continues
Bewertung unserer Besucher:
Note: 9,33 (15 Stimmen) Details

Inhaltsangabe:

34 Jahre sind vergangen, seit Johnny Lawrence (William Zabka) im Karateturnierfinale von All Valley gegen Daniel LaRusso (Ralph Macchio) verloren hat. Mittlerweile ist Johnny Geschieden und hat kaum noch Kontakt zu seinem jugendlichen Sohn. Mit Handwerks- und Hausmeistertätigkeiten schlägt er sich durchs Leben. Daniel dagegen wurde zum erfolgreichen Autohändler und Leiter mehrerer Filialen. In seinem Werbespots brüstet er sich heute noch mit seinem Karate-Image. Als Johnny mit ansieht, wie der junge Miguel (Xolo Maridueña) von seinem Mitschülern schikaniert und verprügelt wird, schreitet Johnny ein und wird von der Polizei verhaftet. Miguel ist beeindruckt von Johnny's Fähigkeiten und bittet ihn zu Unterrichten. Mit Miguel als ersten Schüler, macht er den "Cobra Kai" Dojo wieder 1 zu 1 neu auf. Als Daniel davon erfährt, versucht er alles um den Dojo wieder zu schließen. Zwischen Daniel und Johnny flammt die alte Rivialität neu auf. ()

Diese Kritik enthält Informationen über den späteren Handlungsverlauf der Geschichte.
eine kritik von kaiser soze:

„Erst Schlagen – Hart Schlagen – Keine Gnade“

Drei Kleinigkeiten vorab:
Ich verfasse hier zu jeder einzelnen Staffel einen eigenen Text mitsamt Zwischenfazit - daher ist das Review sehr lang; bitte nicht abschrecken lassen! Die Zitate sind teils nur sinngemäß und vor allem schaue ich normalerweise keine Serien. Immer dieses kaugummiartige in-die-Länge-ziehen und durch ein offenes Ende eine weitere Staffel mit immer konstruierter wirkenden Ideen schaffen, stößt mir einfach (zu) sauer auf. Zuletzt hatte mich die Dramaserie Tote Mädchen lügen nicht (seit 2017 - OT: 13 Reasons Why) mega angefixt (warum? Darum!), wobei ich auch hier nur die erste Staffel sehr gut fand, Staffel 2 war noch gut, weiter schaue ich nicht. 

Ich schaute mir vor einiger Zeit die Karate Kid-Neuverfilmung (2010) an, die ich lediglich als mittelmäßig bewerten würde und hatte mit dem Gedanken gespielt, mal wieder Karate Kid - Die nächste Generation (1994 - OT: The Next Karate Kid) zu sichten, da ich den Teil erstens am seltensten und zweitens gefühlt ewig nicht mehr geguckt habe, als ich auf die YouTube- / Netflixserie 

Cobra Kai

(2018) aufmerksam wurde.

Cobra Kai war in der Karate Kid-Trilogie (1984 bis 1989) das Dojo (der Kampfsportverein) der Bösen unter dem Trainer Kreese (Martin Kove). Entsprechend darf ich einbringen, dass ohne Nostalgiefaktor oder zumindest mal Bekanntheit der alten Filme diese Serie wohl weniger verständlich ist, alleine schon, was die diversen Rückblenden betrifft - „Hey Sensei, gibt es eine bestimmte Art, wie ich diese Fenster putzen soll?“ / „Nein, ist mir scheißegal.“. Die Geschichte mitunter aus Johnnys (damals, wie heute William Zabka) Sicht zu sehen, wirkt teils befremdlich.

Kreeses bester Schüler Johnny übernimmt in der Serie die Hauptrolle als ständig biertrinkender Mann, der keinen Kontakt mehr zu seiner Exfreundin sowie Sohn Robby (Tanner Buchanan) hat und einen neuen Dojo eröffnet, nachdem er dem Nachbarsjungen Miguel (Xolo Maridueña) helfen musste. Daniel LaRusso (ebenfalls wieder Ralph Macchio) ist das genaue Gegenteils von Johnny und lebt mit seiner Familie, der Ehefrau Amanda (Courtney Henggeler), den Kindern Samantha (Mary Mouser) & Anthony (Griffin Santopietro), etwas dekadent in einer Villa. Als sich die Schüler und Familien überschneiden, wirds kompliziert...

- STAFFEL 1 -

Was soll ich sagen... am ersten Abend schauten wir sieben Folgen, ggn. 01:30 Uhr war Schicht und ja, ich musste am nächsten Tag arbeiten. Die Serie hat mich wirklich direkt gepackt, sei es von der Handlung, dem Drehbuch, der Inszenierung oder auch der Darsteller(-leistung) an sich. Am Folgetag wurde Staffel 1 zu Ende geguckt. Mir war bewusst, dass es eine zweite Staffel gibt, auf ein offenes Ende hatte ich mich entsprechend bereits eingestellt.

Die Geschichte wechselt immer hin und her zwischen Johnny, der in bester Gran Torino-Manier (2008) - „Hey, ich bin Miguel. Meine Familie und ich sind gerade in 109 eingezogen.“ / „Großartig, noch mehr Einwanderer.“ - Gott sei Dank politisch unkorrekt auf Genderquatsch und Mimimigehabe einen Dreck gibt. Wer diesen Humor nicht mag, hm... schwierig ;-D Dabei aber mit Miguel nicht nur einen Schüler, sondern auch einen Kumpel findet und Daniel bzw. Sam und deren Leben. In Staffel 1 ist die Schule und (Cyber-)Mobbing ein wesentlicher Bestandteil, was mitunter auch als Motivation zum Kampfsport genutzt wird - Stichwort: Feindbild. Es ist gut, auch mal solche Themen zu zeigen und gleich einen Ausweg zu bieten^^ bzw. ernsthaft, regt es natürlich zum Nachdenken an.

 „Oh, das ist der Typ, den Du in den Arsch getreten hast.“
„(…) habe ich ihm ins Gesicht getreten.“

Ich könnte jetzt hier schreiben, der spielt toll, die überzeugt super (...), aber fasen wir es einfach zusammen: Alle Darsteller sind top! Johnny und Sam sind sicherlich genauso hervorzuheben, wie die coole Oma, aber alle passen in Ihre Rollen, keiner wird übermäßig / unrealistisch perfekt dargestellt, keiner ist nur böse oder nur gut, es ist einfach eine runde, überzeugende Sache. Dies liegt auch am gelungenen Drehbuch, das es tatsächlich schafft in der ersten Staffel frei von Längen oder "musste son Quatsch nu wirklich gezeigt werden?"-Szenen zu sein, was für mich echt nicht viele Serien schaffen.

Genretechnisch bewegen wir uns in einer funktionierenden Mixtur aus Kampfsport, Komödie (humorabhängig) und Drama. Neben den Darstellern, der Handlung / Kampfszenen (alles jugendtauglich) und den amüsanten Sprüchen (nicht immer jugendtauglich) glänzt Cobra Kai vor allem durch seine Inszenierung mitsamt einem genialen u.a. 80er-Jahre-Soundtrack und Einbettung diverser, detailverliebter Kleinigkeiten und Verbindungen zu den Filmen (nicht nur durch Rückblenden). 

„(…) wenn du nicht aggressiv bist, bist du eine Muschi und du willst keine Muschi sein, Du willst Eier haben!“
„Glauben Sie nicht, dass das sexistisch ist?! (…) Meine Vertrauenslehrerin sagt, dass bestimmte Worte die sexistische Weltanschauung aufrechterhalten können…“
„Ruhe! Von jetzt an wirst du nicht mehr auf deinen Vertrauenslehrerin hören; Du wirst auf mich hören!“

Bei Cobra Kai handelt es sich praktisch um eine Neuverfilmung des ersten Karate Kid-Films im Serienformat, beginnend mit dem Zuzug, alleinerziehende Mutter, Ärger in der Schule, Liebe, Kampf & Turnier am Ende. Dabei wurde aber die wohl größte Ungereimtheit des Erstlings verbessert, denn aus zwei Monaten Training (im Film) wurden viele Monate, sodass es auch realistischer wirkt, dass der Protagonist so gut kämpfen kann. Durch die Aufteilung der Gegner in der Schule zum einen und den zwei Kampfsportlern zum anderen gibt es mehr Kämpfe und Möglichkeiten.

Johnny und Miguel wohnen in Wohnanlagen, die Daniels früherem Zuhause ähneln und Johnny rettet Miguell vor einer Gruppe Angreifern, was der Anstoß eines Trainings wird, das erst einmal einer Ausnutzung einer billigen Arbeitskraft gleicht. (Marvel-)Filme, wie Deadpool (2016) und Spider-Man (2002), werden genauso erwähnt, wie Rocky III - Das Auge des Tigers (1982 - OT: Rocky III) und das altbekannte Halloweenkostüm der Karate Kid-Filme darf genauso wenig fehlen, wie das Kampfsportturnier am Ende, dass den Höhepunkt der Kampfszenen (neben den Kämpfen vor allem in der Schule und vor den Wohnungen) zu bieten hat.

 „Ändere diesen Klingelton. Hol ein paar Guns N 'Roses oder so.“
„Was ist Guns N 'Roses?“
„Ich werde so tun, als hätte ich das nicht gehört.“

Übrigens schaut Johnny in der ersten Folge den Film Der Stählerne Adler (1986 - OT: Iron Eagle - hiesige Nebenrolle: Rob Garriso aus den Karate Kid-Filmen!), dessen Dialog bewirkt, dass er sich ändert - ein Stilmittel (das Worte & Denken viel bewirken können), das sich durch die gesamte Serie durchziehen wird. Das passt stilistisch dazu, dass der Yogakurs die Kobra als Figur durchführt (schreibt man das so? Also diese Position / Stellung wird jedenfalls eingenommen^^).

Daniel bereitet Bananarama-Pfannkuchen zu, wobei das Lied Cruel Summer der Bananaramas zum Soundtrack des Originals gehört. Die Idee Mr. Miyagi in Rückblenden vorkommen zu lassen, Daniel ihn aber auch am Grab besuchen zu lassen, erinnert mich übrigens an Rocky Balboa (2006). Nebenbei war Ralph Macchio bei Karate Kid bereits 22 jahre alt, spielte aber einen 17jährigen - so, wie nun Mary Mouser in diesem Film, wobei Ihre Filmmutter Courtney Henggeler lediglich 14 Jahre älter ist.

Fazit:
Zur ersten Staffel - (1. Wertung):
Man muss definitiv beachten, dass ich die Karate Kid-Filme früher gerne mochte und diese Fortsetzung auch einen gewissen Nostalgiebonus erhält. So oder so konnte mich die erste Staffel aber dermaßen anfixen, mit Ihrem teils bösen Sprüchen und Humor, den alten Darstellern in Ihren vorigen Rollen, dem gelungenen Übertrag von früher (selber Schüler) auf heute (als Eltern bzw. Erwachsene) und der Thematik Karate.

9,5 bis 10 von 10 Punkten

 

- STAFFEL 2 -

„Zwei Kobras im Dschungel: Eine tötet den stärksten Löwen, die andere einen verkrüppelten Affen.
Welche Kobra willst Du sein?...“

Ich 'musste' nach der Sichtung der zweiten Staffel tatsächlich warten, bis ich die dritte Staffel geschaut habe, da Staffel 2 mit dermaßen krassen Änderungen sowie einem extremen Cliffhanger / offenem Ende 'endete', dass ich die Staffeln 2 & 3 als Einheit ansehe.

Nach der genialen ersten Staffel, die quasi ohne Längen auskam, schaltet man einen Gang runter und lässt sich Zeit für Charakterentwicklungen und Handlung, bringt dabei aber immer eine gehörige Portion Action / Kämpfe sowie Humor mit ein; auch wenn besonders letzter im Vergleich zur ersten Staffel nachlässt.

(...) Bei Cobra Kai geht es darum, knallhart zu sein. Und der Härteste von allen ist der, der seinen Gegner besiegt, wenn er am stärksten ist. Nicht, wenn er Dir den Rücken kehrt. Nicht, wenn er verletzt ist.“

Im Prinzip sehen wir den Aufbau der beiden Karate-Dojos, dem Cobra Kai & des Miyagi-Do, bei dem sich neben Robby und Sam vor allem ehemalige Cobra Kai-Schüler anschließen. Sie Aggression der verfeindeten Dojos nehmen derweil zu und arten mehr und mehr in Kämpfe aus – endend mit einem Grande Finale, wie es sich gehört. Bis dahin werden aber 9 Episoden vergehen, denn Staffel 2 hat, wie schon Staffel 1, zehn Folgen.

Neben den bereits bekannten Darstellern, die sich selbst treu bleiben, kommen vor allem der alte Sensei John Kreese (Martin Kove), Tory (Peyton List) & Dimitri (Gianni Decenzo) & Robby dazu bzw. erhalten größere Rollen. Während ich die ersten beiden, vor allem Tory, sehr passend finde und Sie sogar mit zur besten Rolle der Serie zähle, fallen die beiden „Guten“ deutlich ab, da nervig (Dimitri) bzw. zu schmierig-glatt (Robby). Wobei eigentlich vor allem solche Personen, wie Raymond (Paul Hauser) überflüssig sind. Das Problem einer Serie... man hat halt (zu viel) Zeit.

„Genderwas? Ist das ein Telefonstreich?“

Aber egal, wen man heranzieht, alle bietet eine (sehr) gute Darstellerleistung ab, harmonieren miteinander oder eben halt genau nicht^^ und es wirkt alles soweit realistisch und nicht allzu stark konstruiert. U. a. aufgrund des besagten, langsameren Vorgehens schleichen sich zwar ein paar Längen ein und teils iset ein wenig kitschigen, es ist aber alles im Rahmen. Die Handlung entfernt sich derweil von der Schule zu den Dojos & Zuhause. 

Insgesamt ist das alles aber immer noch sehr gut inszeniert, bietet Spitzenmusikeinlagen, Kämpfe und die Hautdarsteller – Johnny & Miguel auf der einen Seite mit Kreese, Tory & Hawk bzw. Daniel, Sam, Robby und Co auf der anderen Seite sowie die alten und neuen Damen an deren Seiten – spielen einfach super zusammen. Es wirkt bloß so, als will das Ganze auf etwas anderes hinaus und man wartet halt, bis sich eben dies zeigt.

„Ich war auch mal ein Cobra Kai.“

Während Staffel 1 eine Neuauflage des ersten Karate Kid-Films (1984) war, geht Staffel 2 eigene Wege, wobei Karate Kid 3 - Die letzte Entscheidung (1989) etwa mehr fokussiert wird. Es gibt aber selbstverständlich weiterhin Rückblenden auf Geschehnisse der Originalfilme (1984 - 1989) und weitere Charaktere kehren zurück – wie etwa Johnnys alte Gang, die einen Born to be Wild-Ausflug (2007) macht, wobei Rob Garrison (1960 bis 2019) im wahren Leben verstarb, dem hier gedenkt wird, und Ali Mills (Elisabeth Shue - deren erste Rolle in Karate Kid war!)) taucht virtuell auf.

Die letzten beiden Folgen sind dann der absolute Hammer! Nicht nur, dass die Schüler beider Dojos auf einer Feier aufeinandertreffen, witzige Szenen gelungen integriert werden und Kämpfe, wie auch Spannung deutlich gesteigert werden – die FSK 16-Freigabe der Folge resultiert aber ehern aus dem Alkoholkonsum -, quasi die komplette letzte Folge ist ein einziger Kampf. Dieser Turnierersatz ist einfach dermaßen gelungen in Szene gesetzt, dass es einen förmlich umhaut – ich würde sagen, das ist es, worauf die Staffel hinauswollte / ausgerichtet war. Der Endkampf erinnert ein wenig an Die Outsider - Rebellen ohne Grund (1983), das auch anderweitig zu sehen ist und in dem  Ralph Macchio mitspielte. Wobei der Schlagring mit den Zacken fast schon zu Der Mann mit der Todeskralle (1973) passt.

Sam LaRusso, ich weiß, was Du getan hast & jetzt wirst Du dafür bezahlen... Ich komm jetzt & hol Dich, Bitch!“

Leider folgt ein Ende, das nicht nur die kompletten Geschehnisse förmlich über den Haufen wirft und wie ein Schlag in die Magengrube wirkt, sondern auch solch ein offenes Ende (Cliffhanger) darstellt, dass ich die Staffeln 2 & 3 ehern als eine Staffel (mit 20 Episoden) ansehe, denn als zwei abgeschlossene Einzelstaffeln, wie Staffel 1 war.

Nachdem man im Laufe der zweiten Staffel von dem derben, politisch inkorrekten Humor - liebe ich! - wegging, verlässt man ausgerechnet beim Endkampf noch die zuvor geltende Konsequenz. Gewann den ersten Endkampf noch der Schüler des 'Bösen' mussten hier die 'Guten' durchweg als Sieger hervorgehen - damit meine ich nun nicht Miguel, sondern ehern bei Hawk & Tory; schade.
 

Fazit:
Zur zweiten Staffel - (2. Wertung):

Die zweite Staffel kann leider nicht mit der sehr guten, ersten Staffel mithalten und führt mitunter genau das, was ich an der ersten Staffel am liebsten mochte, nämlich den Humor, nicht (ebenbürtig) fort. Dafür hat die zweite Staffel eigene Stärken und schafft es nicht bloß, dass sich die Charaktere, Beziehungen und Antipathien sehr gut entwickeln, sondern überzeugt auch durch Kämpfe und eigene Ideen. Dabei gibt es erneut zig verweise, vor allem auf die Karate Kid-Filme und insgesamt ist Staffel 2 gut:

08 von 10 Punkten 

 

- STAFFEL 3 -

Cobra Kai, Staffel 3, wieder 10 neue Episoden - was bekommen wir geboten? Nun zuerst einmal wird einige Folgen lang das... sagen wir mal eigenwillige Ende, dieser Bruch mit der bisher Geschehenen ausgebügelt. Einen Cliffhanger zu schaffen, damit Fans auch bei einer neuen Staffel mit an Bord sind, ist ja das eine, aber das hier grenzt eher an ein 'in die Länge ziehen'. Für mich ist dies serientypisch. Genau deshalb schaue ich quasi nie Serien.

Anfangs kommen die lieb gewonnenen Jungstars - Miguel, Sam, Tory - kaum vor, leider. Einige ‚unnötige‘ Charaktere (der zweiten Staffel) kommen nicht mehr vor: Aisha wurde auf eine Privatschule in einer anderen Stadt gesteckt, für Raymond war auch kein Platz mehr, wobei nicht einmal erläutert wird, warum genau und Moon (Hannah Kepple) & Yasmine (Annalisa Cochrane) haben Gastauftritte bis Minirollen.

Das klingt verzweifelt – das wäre so, als würden Sie alle Ihre Fotos liken…“

Ganz ehrlich, die erste Hälfte der dritten Staffel ist ja ganz ok, es gibt ein paar Kämpfe, Johnny & Daniel bekommen wieder etwas mehr Zeit, aber nichts dolles - Amanda kann hier dafür Stärken zeigen und die Rückblenden auf Keeves Vergangenheit sind informativ - wenigstens erfährt man, woher sein Faible für Kobras stammt. Ab der zweiten Hälfte findet die Serie aber wieder zur alten Qualität zurück.

Umso unerfreulicher ist es dann, wenn zusätzlich diverse (Kampf-)Szenen nicht gezeigt werden, ggnf,. aus Zeitgründen? Den Kampf von Kreese gegen die beiden Cousins von Armand (Ken Davitian) hätte ich etwa sehr gerne gesehen. „Du kannst einen Krieg nicht mit Diplomatie beenden“ passt als Zusammenfassung dieser Szene irgendwie auch nur teilweise^^

KURZER, ABER HARTER SPOILER IM FOLGESATZ:

*

*

*

Robby mag ich immer noch nicht – was nun, da er zu den Bösen gehört, aber natürlich vorteilhaft zu sehen ist.

*

*

*

SPOILERENDE

Der Feind meines Feindes ist mein Freund.“

Ab etwa Folge 6 (von 10) kommt auch der Humor der ersten Staffel wieder etwas zurück. Johnnys & Miguels Zusammenspiel ist einfach herrlich und Sam charmant, wie eh und je. Leider hat Tory weniger Spielzeit, kann sich neben Hawk aber klar als Cobra Kai-Hauptkämpferin behaupten.

Das Wiedersehen bzw. der Kampf von Brucks (Bo Mitchell) gegen Hawk dürfte dann zu den härtesten Szenen der Serie zählen und das dumme Gesicht von Kyler (Joe Seo) danach dafür wunderbar - (un)schön konsequent inszeniert^^ ich bin auch gespannt, ob die Folge mit dem Armbrechen eine FSK 12-Freigabe bekommen wird.

Die Kämpfe und die Gewalt sind in der zweiten Staffelhälfte wirklich gut, auch wenn es am Ende eine zwar vorhersehbare, aber kitschige 'Wendung' gibt. Insgesamt hat Cobra Kai etwas von seiner Kompromisslosigkeit und vor allem dem bösen Humor eingebüßt.

„Bevor Du zu mir kamst, warst Du weicher als ein Babyarsch!“

Dafür werden hier umso mehr gelungene Verweise auf andere Filme untergebracht und es gibt einen regelrechten Trip zurück. Tango & Cash (1989) wird genauso zitiert, wie die erstaunlich aktive Amanda den 'bösen' Kreese als Rambo (1982) bezeichnet; wir erinnern uns, dass Martin Kove in Rambo: 2. Teil - Der Auftrag (1985) mitspielte.

Karate Kid (1984) bekommt natürlich weiterhin Anspielungen, wie „wir leben doch nicht im Jahr 1984“, Ali Mills kehrt nun tatsächlich für eine Folge (#9) zurück u.v.m. Daneben ist vor allem Karate Kid 2 - Entscheidung in Okinawa (1986) deutlich vertreten. So reist Daniel nicht nur nach Okinawa, sondern es wird auch ein Wiedersehen mit den alt bekannten Personen spendiert: Kumiko (Tamlyn Tomita), Chozen (Yuji Okumoto) und sogar die einst junge Yukie (das Kind, das vom Sturm gerettet werden musste) kommen vor - reiner Fanservice, aber nett gemacht. Hier lernt selbst Daniel wieder mal was Neues (lähmende Druckpunkte).
 

Fazit:
Zur dritten Staffel - (3. Wertung):

Davon abgesehen, dass die Staffel 2 & 3 eigentlich eine lange Staffel sind und selbst diese hier streng genommen bloß die Vorbereitung auf Staffel 4 - somit quasi unnötig - stellt, ist die erste Hälfte nur bedingt gut, die zweite Hälfte dann wieder (ganz) gut, wenn auch etwas klischeebeladen und vorhersehbar. 

Es kommt zu einer Neuverteilung von Gut & Böse. Da Staffel 1 praktisch eine Neuverfilmung des ersten Karate Kids im Serienformat mit fiesen, glücklicherweise politisch nicht korrekten Witzen sowie Sprüchen war, darf man nun gespannt sein, wie Staffel 4 als weitere Wiederauflage (?!) werden wird und wer beim Turnier gegen wen antreten muss und vor allem mit welchen Ergebnissen. 

Dank der starken, zweiten Hälfte und den tollen Darstellern:

07 von 10 Punkten

 

- STAFFEL 4 -

Cobra Kai ging Ende 2021 in die vierte Runde, die in gewohnter Manier 341 Minuten / 5:41 Stunden dauern sollte. Besetzung, Rivalitäten und Co. dürften mittlerweile bekannt sein; der Zusammenschluss von Eagle Fang und Miyagi Do mitsamt neuer Feindestruppe reiht sich ein und somit werden die Kampfstile (mitsamt Charakteristika) kombiniert bzw. vermischt. 

Der Humor der ersten Staffel ist größtenteils flöten gegangen. Die Darsteller auf allen Seiten dafür etablierte Sympathieträger, die die Fehden und zwischenmenschlichen Probleme gepaart mit Trainingseinheiten und Kämpfen gekonnt präsentieren. Wenn sich diese gegenseitig anheizen - Daniel und Johnny Wortgefechte liefern oder Tory und Robby mit Schlägen und Tritten - ist es einfach unterhaltsam, denn / und harmonisch. Selbst letzterer, den ich bislang nicht mochte, kann in seinem neuen Part überzeugen; gleiches gilt für Anthony (Griffin Santopietro), der sichtlich kein kleines Kind mehr ist. Erweiterungen der Teams und die Rückkehr weiterer alter Bekannter versüßen das Ganze. Alle werden irgendwie eingebunden und man merkt, hier wird noch viel passieren.

„Mach langsam, uns verklagt noch einer.“
„Ach, wofür denn verklagen?!“

Nach den ersten beiden Folgen war ich bereits begeisterter als bei Staffel 3. Er wirkt alles rund und die Zeichen stehen auf Wettkampf(-vorbereitung). Dass dabei die Trainingsstile vermischt werden und jeder in die Kampfkünste des anderen eingeweiht wird, lässt zudem die Spannung oder sagen wir besser Erwartungshaltungen steigen. Es ist halt mal was anderes / neues. 

Auf der einen Seite merke ich als Filmfan und "Serienhasser" zwar durchgängig, dass man bei dieser Serie schlicht mehr Zeit hat als in einem Film und daher auch "unnötiges" gezeigt werden kann, auf der anderen Seite ist es hier aber so charmant dargeboten, wenn nach dem Motto Der Feind meines Feindes ist mein Freund ein neuer Pakt geschlossen wird, das keine Langeweile aufkommt. Die Geschichte wird merklich vorangetrieben. Ab Episode vier wird das Tempo runter geschaltet. Die Kämpfe und Trainingseinheiten werden aber weiterhin massig geboten.

„Um den Feind zu besiegen, gilt es sein Wesen zu begreifen.“

Dennoch (dadurch?) bleibt ein gewisser "Ermüdungsprozess nicht aus. Das xte Mal zweifelt wer oder wechselt den Kader, die immer gleichen Rivalitäten, nur unter anderem Banner, werden ausgetragen und Intrigen gesellen sich dazu. Das Turnier als Grande Finale war in Staffel 1 auch noch frischer und die Endkämpfe in der Schule (Staffel 2) bzw. Zuhause (Staffel 3) noch cooler als nun hier in Staffel 4. Der Ausgang mit den Cliffhängern ist dann etwas ärgerlich, aber macht andererseits gelungen neugierig. Zwei weitere Staffeln sollen schließlich noch folgen, S5 bereits Ende Dezember 2022.

Als Fan der Karate Kid-Filme (1984 bis 1994) kommt man Dank wiederkehrender Mimen und Rückblenden ohnehin auf seine Kosten. Apropos Rückblenden und Anleihen: Diese gibt es direkt auf Karate Kid 3 - Die letzte Entscheidung (1989), aber auch ein Balboa Park, passend zu Vergleichen mit Rocky III - Das Auge des Tigers (1982), dürfte Fans ein Begriff sein. Bloodsport - Eine wahre Geschichte (1988) wird u.a. im Autokino gesichtet und Cynthia Rothrock als Vorbild benannt.

„Wir klären das auf der Matte...“

 

Fazit:
Zur vierten Staffel - (4. Wertung):
Nach einem sehr gelungenen Einstieg wird ruhiger, aber Dank der Darsteller und Kämpfe bleibt es gut. Das Gefühl nur noch Altbekanntes präsentiert zu bekommen, mindert die Freude ein bisschen, aber insgesamt bist Staffel 4 auf einem hohen Niveau und unterhaltsam. Ich bin auf die Folgestaffeln gespannt! Mindestens

08 von 10 Punkten


Was soll ich nun nach vier Staffeln vorerst abschließend schreiben? Geniale erste Staffel und danach bleibt es gut. Ich bin gespannt, wie (und wann) es zu Ende geführt werden wird. Cobra Kai, Staffel 1 ist eine als gelungene "Neuverfilmung" von Karate Kid und die Folgestaffeln ein netter Zusatz (oder auch mehr). Es zieht sich für meinen Geschmack zu sehr, aber mal schauen.

10/10
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Kommentare

10.09.2020 16:04 Uhr - Dr. Caligari
1x
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Tolle Besprechung einer tollen Serie. Bin jenseits der 40 Lenzen und natürlich genießt "Cobra Kai" dadurch bei mir auch einen gewissen Nostalgiebonus. Allerdings ist die Serie auch ohne diesen Bonus grandios. Mir gefällt einfach die Geschichte der zwei ewigen Kontrahenten und wie unterschiedlich eine Lebenskarriere verlaufen kann. Beide werden weder in schwarz/weiss oder gut/böse kategoristert. Mit beiden kann man richtig "mitfühlen". Das hatte ich so bei einer Serie lange nicht mehr. Von mir ganz sichere 10 von 10 Bonsais!

11.09.2020 15:53 Uhr - Ghostfacelooker
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Wie kommt mir das alles sehr bekannt vor^^^^^^^^^^^. Good Job

11.09.2020 18:37 Uhr - TheRealAsh
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Gut gemacht, Kaiser, ich schreib am Ende auch noch was, wie schon erwähnt, auch hier nochmal: ich bin massiv begeistert von dieser herzhaften Unterhaltungskanone mit Gefühl und Verstand, schon lange nicht mehr so gebingt, vor allem Zabka ist einfach die Wucht (mein großes Vorbild;-)

12.09.2020 19:06 Uhr - Kaiser Soze
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Vielen Dank fürs freundliche Feedback - definitiv eine gelungene Serie, in der die alte Gesichte gut fortgeführt und in die aktuelle Zeit versetzt wird!

13.09.2020 01:38 Uhr - FordFairlane
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Super Kritik die ersten beiden Staffeln habe ich vor einem Jahr gesehen und finde sie richtig toll. Jetzt habe ich sie nochmal in Deutsch gesehen und ich finde die Synchro teiöweise echt ordentlich, da man Sprecher wie Nitschke für John Kreese zurückgeholt hat.

Nur leider habe ich eine ganz schlechte Nachricht für einige. Wie Nameless schon bekannt gegeben wird die 1. und 2. Staffel jeweils in einem Mediabook veröffentlicht in deutsch. Jetzt denkt ihr, das ist doch keine schlechte Nachricht. Nur leider schon, da man eine Zweitsynchro hat anfertigen lassen, mit vollkommen anderen Sprechern und neuen unbekannten Sprechern die in der Branche sehe unbekannt sind.

Infos findet ihr auf der Synchronkartei:

Netflix Synchro:
https://www.synchronkartei.de/serie/48318


DVD-Synchro
https://www.synchronkartei.de/serie/48359

05.01.2021 14:04 Uhr - FordFairlane
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Danke für deine Nachricht und deine lesenswerte Kritik. Ich hatte die 3. Staffel auch schon am 01.01.2020 gesehen und würde diese Staffel ebenfalls mit 7 bis 8 von 10 benoten. Die Serie kommt in der ersten hälfte schwer aus dem Quark und bereitet eigentlich nur auf die 4. Staffel vor.

Achtung Spoiler zu Karate Kid 3 und Cobra Kai Season 4. (Nicht weiterlesen, wer keine Spoiler wissen möchte)

Fans der Originalteile 1-3 werden auch mit dem berühmten Anruf von John Kreese etwas anfangen können. Wie wir in Karate Kid 3 erfahren haben, war er und Terry Silver zusammen in Vietnam. Er hat ihm damals sen Arsch gerechnet. Daher freue ich mich auf die Rückkehr von Thomas Ian Griffith. Der einzige aus der Reihe welcher seit 40 Jahren Kampfsport betreibt. Die 4. Staffel wird bestimmt richtig toll werden.

Hier ein Video zur DVD und Netflix-Synchro

https://m.youtube.com/watch?v=otqN3pWtJXE&t=5s

07.01.2021 00:38 Uhr - TheRealAsh
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Hey Cobra Kai-Ser, danke fürs Updaten deiner Review, wäre schön, wenn die es auch auf die Startseite geschafft hätte. Sehe es auch so, Staffel 3 hat mich nach wie vor gut unterhalten, aber ich bezweifle momentan, wohin das alles noch führen wird. Gut - SPOILER: gemeinsam werden unsere beiden Helden das Ding schon schaukeln aber irgendwann ist dann halt auch gut - und Robby? der wird sicher auch wieder belehrt.SPOILERENDE - :-)

07.01.2021 01:01 Uhr - Kaiser Soze
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Nabend und vielen Dank Euch beiden!
Ich bin wirklich gespannt, wie Staffel 4 werden wird. Jedenfalls wird dann das Review erneut erweitert werden :-)

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