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Der Söldner

(Originaltitel: The Soldier)
Herstellungsland:USA (1981)
Standard-Freigabe:SPIO/JK geprüft: strafrechtlich unbedenklich
Genre:Action, Thriller
Alternativtitel:Codename: Soldier
Bewertung unserer Besucher:
Note: 7,49 (24 Stimmen) Details
inhalt:
Als Terroristen getarnt haben sowjetische Agenten eine große Menge des gefährlichen Kernbrennstoffes Plutonium an sich gebracht. Sie drohen, damit die Hälfte des Welterdölvorrats in die Luft zu jagen, falls sich die Israelis nicht von der Westbank in Jordanien zurückziehen. Ohne Auftrag und ohne Rückendeckung durch seine Vorgesetzten plant der "Söldner" eine Aktion und versucht, einen atomaren Holocaust zu verhindern.
Diese Kritik enthält Informationen über den späteren Handlungsverlauf der Geschichte.
eine kritik von prince akim:

Der Regisseur James Glickenhaus, der früher bekannt für harte Actionfilme war, hat ja wirklich ein paar blutige Beiträge zur Filmgeschichte geliefert. Meine erste Bekanntschaft war "Der Söldner" von 1982 mit dem damaligen "AchWasSiehtDerGutAus"-Schauspieler Ken Wahl. 2 Jahre vorher, also 1980, lieferte J. Glickenhaus den für meine damaligen Verhältnisse besten Thriller, "Der Exterminator", ab, den ich aber erst 2 Jahre nach dem "Söldner" gesehen hatte. Es folgte 1985 "Der Protector" ( mit Jackie Chan ), den ich, obgleich meines "zarten" Teenageralters, damals sogar im Kino erleben durfte, obwohl der Film damals schon ab 18 freigegeben war. Warscheinlich hatte der Kartenverkäufer oder Kinobesitzer einen guten Tag  ... 1988 kam dann "Blue Jean Cop" , der die Gewaltspirale dann doch weit zurückdrehte, insgesamt aber auch ein eigentlich guter Actioner war und ist. Mit "McBain" im Jahr 1991 wurde es dann wieder ein wenig krasser und brutaler, während "In cold Blood", der 1993 veröffentlicht wurde und für meine damaligen Verhältnisse eher ruhig schien, jedoch die Story selber ( nach wahrer Begebenheit ) doch erschreckend war. Nach "In cold Blood" verabschiedete ich mich von James Glickenhaus und beachtete seine späteren Filme eigentlich nicht mehr.

Ein Zeitsprung zurück in meine Schulzeit : Es war in der Mitte der 80er Jahre, als ich das erste mal nichtsahnend über einen Film von James Glickenhaus stolperte. Ein Junge aus meiner Parallelklasse, der, wie es mir damals schien, wirklich sämtliche Horror-oder Gewaltfilme zu Hause hortete ( vermutlich eher sein Vater ... ), erwähnte beiläufig in der Pause, ob ich schon mal was vom "Söldner" gehört hätte. Überraschenderweise hatte ich davon schon etwas gehört, besser gesagt gelesen, weil in unserer Familie auch die "Bravo" verschlungen wurde. Und da konnte ich mich an ein Foto erinnern, wo man eine gewaltige Explosion im Schnee und einen "fliegenden" Skifahrer erkennen konnte. Es wurden ja damals jede Woche in der "Bravo" Kinotipps auf einer Doppelseite vorgestellt. Also antwortete ich natürlich "Ja, hab ich..." und ein paar Tage später wurde einem damaligen Kumpel, der den Vorteil hatte, daß ein Videorekorder im Wohnzimmer der Familie stand, dieser besagte "Söldner" auf einer VHS-Kopie ausgeliehen. Mit der Warnung an uns, daß der Film "echt hart" wäre. Mit Kopfschuss in Nahaufnahme und so ... Also nach Schulschluss ungeduldig zum Mittagessen zu meinem Kumpel mit nach Hause gegangen und gewartet, bis die Mutter endlich aus der Wohnung verschwunden war. Und dann legte er die Videokassette in den Rekorder ...

Gut, mittlerweile sind dann doch ein paar Jahre ins Land gezogen und die Filme sind heute einfach anders geworden. Die einen finden es positiv, die anderen beschweren sich, daß die neuen Filme einfach nicht mehr den "Flair" der alten haben. Vor ein paar Tagen habe ich mir mal wieder "Der Söldner" ( mittlerweile besitze ich den Film in der "Special Edition" auf DVD ) angeschaut und muss zugeben, daß ich gleich nach der erneuten Sichtung diese Seite hier aufgerufen habe und meine Bewertung von 8 auf 5 Zähler korrigiert habe. Meiner Meinung nach ist der Film, der früher in den Kinos bestimmt einer Sensation gleich kam, schlecht gealtert. Den gleichen Effekt hatte ich aber auch bei James Glickenhaus´"Exterminator", der mich damals in den 80ern so geflasht hatte, mittlerweile aber nur noch als Nostalgieperle im Filmregal angesehen wird. Eigentlich schade, obgleich hierbei wirklich noch "Der Exterminator" gegenüber dem "Söldner" für mich der bessere Film ist. Aber widmen wir uns jetzt einfach mal dem "Söldner" ...

Schon die Einstiegsmusik von "Tangerine Dream" war wohl zur damaligen Zeit der Hammer, mir gefällt sie auch heutzutage noch sehr gut ( vermutlich, weil ich ein Faible für elektronische Musik habe ... ), so richtig schön monoton, elektronisch, kalt und steril, wie der Film eigentlich auch. Passend zur damaligen Zeit des "Kalten Krieges" zwischen den 2 Weltmächten, den USA und der Sowjetunion. Wenn es Glickenhaus geschafft hätte,  diese sterile Kälte den ganzen Film über zu halten, dann wäre es meiner Ansicht nach ein wirklich erstklassiger, zeitloser Actionkracher geworden, den man sich auch in der heutigen Zeit gerne mal an einem schönen Filmeabend anschauen würde. Aber so ist es halt leider nicht gekommen.

Der Film lässt sich keine Zeit für einen langsamen Einstieg, es geht gleich von Null auf Hundert. Eine Frau, die man anfangs für eine Passantin hält, wird rücksichtslos mit ihrem Kinderwagen sehr blutig überfahren, das Ganze sieht man aus der Sicht des Fahrers. Dann geht´s gleich mit ein paar Maschinengewehrsalven und blutigen Körpertreffern weiter. Das war natürlich in den frühen 80ern der ultimative Wahnsinn, in so kurzer Zeit so ein Actionfeuerwerk zu erleben. Vermutlich war man im Kino noch damit beschäftigt, sich ein Eis zu kaufen und hatte dann schon die fast besten Szenen des Films verpasst ....

Ein reiner Witz ist natürlich, daß sowohl auf dem damaligen Kinoplakat , der VHS wie auch auf den DVD- Veröffentlichungen der Name "Klaus Kinski" gleich neben dem Hauptdarsteller Ken Wahl erwähnt wird. Für Kinski-Fans damals wohl eine reine Enttäuschung, da ihr Idol schätzungsweise 1 1/2 Minuten zu sehen ist und gefühlte zwei Sätze spricht. Aber Kinski war halt damals ein Kassenmagnet und so wollte man wohl ein bißchen Werbung  mit großen Namen machen. Die weiter oben beschriebene Anfangssequenz und die kurze Kinski-Szene mit der explodierenden Seilbahn sind dann leider auch schon die 2 besten Szenen des ganzen Films, inclusive natürlich der rasanten Skiabfahrt mit reichlich "BamBam". Die von meinem Schulkameraden erwähnte Kopfschußszene war damals für uns zwei Tennie-Jungs zwar schon ein wenig verstörend, im Großen und Ganzen aber eher was für " unter ferner liefen..." . Und natürlich hier auch die Tatsache, daß der ganze Aufstand eh nur ein Fake sein sollte, was man 20 Sekunden später im Film dann eben auch mitbekommt. Noch zu erwähnen wäre der Raub des Plutoniums auf einer einsamen amerikanischen Landstraße, auch sehr detailreich und blutig. Für Actionfans, die, wie ich damals, auf Einschusslöcher und umherfliegende Leichen stehen oder standen, sind das dann auch schon die Szenen, die man gesehen haben muss. Leider muss ich sagen, daß dann aus dem ganzen Film eine eher actionlastigere "Tatort"-Folge wird .... Als der Söldner, dessen richtigen Namen man nie zu hören bekommt, dann nämlich vor der deutschen Polizei in Berlin in die israelische Botschaft flüchtet, war der Film für mich gelaufen. Danach ist es mit Schiessereien und ähnlichem nämlich vorbei. Natürlich darf eine obligatorische Bett-Szene nicht fehlen, die, wie es halt bei so Filmen ist und war, sehr erotisch daherkommt ... Ungefähr so mit Sexappeal vollgestopft, wie wenn ich eine Woche lang morgens um 4:15 Uhr zur Frühschicht aufstehen muss ! Okay, wie gesagt, ist ja bei vielen Filmen so, das darf man halt nicht überbewerten.

Eigentlich eine gute Idee hatte Glickenhaus, als er in einer Szene, in der der "Söldner" gerade an einem Schießstand Schießübungen absolviert, auf einen Gegner schießt, der vor einem Kino steht und man im Hintergrund auf den Programmtafeln "The Exterminator" lesen kann. Eigenwerbung im eigenen Film, das ist doch auch mal nicht schlecht.

Was ich jedoch bis heute nicht verstehe, das ist das Finale dieses lange ( in Deutschland )  indizierten Films. Ein kurzer Smalltalk, Atombombe hin oder weg, ein kurzer Satz ins Autotelefon - Das war´s ! Atomsprengkopf wird eingefahren, alle sind glücklich und grinsen um die Wette. Okay, ich wäre  vermutlich auch happy, wenn ich gerade die Welt vor einem Atomkrieg bewahrt hätte, aber das ist ja ein anderes Ding. Mir fehlt hier einfach die Schlussabrechnung, also die logische Weiterführung des packenden Filmeinstiegs. Da wäre es  meiner Ansicht nach besser gewesen, wenn am Anfang des Films nicht so viel Action auf einmal auf die Zuschauer eingeschlagen wäre, sondern wohl dosiert bis zum Finale. Aber letztendlich ist der "Mauer-Auto-Sprung" dann wohl das finale Actionsegment. Für mich einfach enttäuschend. Und eben dieser vielgelobte Stunt, als mit einem deutschen Sportwagen über die Berliner Mauer geflogen wird, war für mich damals schon "nicht der Rede wert". Wer fliegende Autos oder Stunts damit sehen wollte, der musste sich halt einfach "Auf dem Highway ist die Hölle los" anschauen und hatte wenigstens viel zu lachen.

Letztendlich hat mir die Neubetrachtung des von mir über die ganzen Jahre so verehrten Films eines bewiesen : Man kann die Zeit einfach nicht zurückdrehen, Filme werden heute von einem selber anders wahrgenommen als früher. Ich bin schon oft enttäuscht worden, wenn ich mir wieder eine Perle aus meiner Vergangenheit zugelegt  oder angeschaut habe. Natürlich gibt es auch bei mir Ausnahmen, ich stehe halt einfach auf 70er/80er - Filme. "Der Söldner" zählt aber nicht zu diesen Ausnahmen, den hatte ich einfach ganz anders in Erinnerung. Wie ich schon erwähnt habe, anfangs wahrlich ein "Action-Brett", danach aber eher unterer Durchschnitt. Und wenn eben diese erste Hälfte nicht gewesen wäre, dann hätte der Film bei mir echt nur 2-3 Punkte bekommen.

 

5/10
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Kommentare

10.09.2020 18:23 Uhr - dicker Hund
1x
User-Level von dicker Hund 15
Erfahrungspunkte von dicker Hund 3.782
Lebhafte, angenehm persönlich gehaltene Vorstellung.

Den "Söldner" kann ich mir wohl sparen, nachdem mich schon der "Exterminator" nicht gerade vom Hocker gehauen hat.

11.09.2020 09:45 Uhr - prince akim
1x
User-Level von prince akim 2
Erfahrungspunkte von prince akim 35
@dicker Hund :
Danke dir ! Und obwohl man "Exterminator" und "Söldner" nicht vergleichen kann : Spar´ihn dir, geh in der Zeit lieber mit deinem Hund "Gassi" ( solltest du einen haben ) .... 😉

11.09.2020 09:57 Uhr - tp_industries
1x
User-Level von tp_industries 1
Erfahrungspunkte von tp_industries 14
Die Review vereint eine kompetente, sachliche Darlegung, mit einer Jugend Retrospektive. Extrem cool geschrieben, Klasse!
Bei mir wird es zwar zur keiner Sichtung des Streifens kommen, aber deine Kritik habe ich sehr gern gelesen! :)

11.09.2020 19:02 Uhr - prince akim
1x
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@tp_industries :
Danke für´s positive Feedback, freut mich !
Verpasst nichts, wenn du den links liegen lässt. War wohl auch das letzte Mal, daß ich mir den angeschaut habe.

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