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Ichi the Killer

(Originaltitel: Koroshiya 1)
Herstellungsland:Japan (2001)
Standard-Freigabe:FSK keine Jugendfreigabe
Genre:Splatter, Trash
Alternativtitel:Koroshiya ichi
Bewertung unserer Besucher:
Note: 7,83 (152 Stimmen) Details
inhalt:
Der Yakusa Boss Anjo ist zusammen mit einer Prostituierten und 100 Millionen Yen verschwunden. Kakihara macht sich zusammen mit dem Rest von Anjo's Truppe auf die Suche nach dem Chef. Ein säuberlich aufgeschlitzter Safe am Tatort führt sie auf die Spur von dem mysteriösen "Ichi". In einem Superheldenkostüm und mit Klingen versehenen Schuhen richtet Ichi unter den Triaden regelrechte Blutbäder an, die wiederum mit wachsender Begeisterung von Kakihara wahrgenommen werden. Der ist nämlich regelrecht fasziniert vom grenzenlosen Treiben des geheimnisvollen Killers. Bald kreuzen sich die Wege der beiden, doch es soll nicht alles so kommen, wie Kakihara sich das erhofft...
eine kritik von dicker hund:

Takashi Miike ("Audition") drehte 2001 den japanischen Gangster-Splatter "Ichi - The Killer", der nicht nur in der Bundesrepublik Deutschland ein weiterer Eintrag in den Beschlagnahme- und sonstigen Verbotslisten werden sollte. Hintergrund der Zensur-Reaktion waren die umfassenden Darstellungen von Gewalt (8/10), welche trotz der teilweise vorhandenen, unecht wirkenden CGI-Technik zu beeindrucken verstanden, und keinen Halt vor Frauen und Kindern machten. Im Gemisch mit grausamen Ritualen der Yakuza entstand daraus eine gehörige Portion Horror (6/10).

"Ich liebe Süßigkeiten sehr. Als Entschuldigung nehme ich mir diese Freude."

So spricht Kakihara (Tadanobu Asano), eine Art bunter Kanarienvogel unter den Gang-Psychopathen, der in dem verwirrten Amok-Mörder Ichi (Nao Ohmori) einen würdigen Gegner gefunden zu haben hofft. Doch bis die beiden zueinander finden, sollen zwei Stunden vergehen, in welchen manch ein zäher Dialog auf der Stelle tritt. Wir erfahren etwa, dass Ichi eine Erektion hat und daher Beruhigungsmittel nehmen soll. Ob das nun Sinn ergibt oder nicht, es bindet Minuten durch eine Eins-zu-eins-Konversation in einem schmucklosen Raum. Entschädigung liefern die Verbalverirrungen in den bemerkenswert sicken Äußerungen der ziemlich labilen Prostituierten, die immer wieder zu Wort kommen. Sex (4/10) mit ihnen findet vor allem dann onscreen statt, wenn es um Vergewaltigung geht, selbst dann wird allerdings recht rasch wieder abgeblendet. 

Länger zu sehen sind die kameratechnisch kompetent fotografierten Großstadtfassaden, in welchen sich Wohnräume, Bars und Bordelle befinden, die regelrecht vollgestopft sind mit schrillen Requisiten. Da hängen mitunter "Hellraiser"-würdige Ketten von der Decke, baumeln illustre Leuchtmittel hin und her oder sind die Wände sprichwörtlich bemalt mit dem Blut der seitens des Titelhelden gemeuchelten Ganoven, deren Körperteile über den Fluren verstreut sind. Das Grauen erhält kleinere Humor-Atempausen (2/10), indem zum Beispiel etliche Bettfedern durch einen Raum fliegen, in dem abgedrehte Junkies in "Fear and Loathing in Las Vegas"-Stimmung für kleinere Auflockerungen sorgen.

Die meisten Elemente wirken völlig überzogen, einschließlich des flippigen Scores, der mit dominanten Schlagzeugeinsätzen oder wummernden Bassgitarren mehr Tempo suggeriert als eigentlich vorhanden ist. Dazu passt das Overacting des psychisch angeknacksten Todbringers mit den wunderlichen Kufen an den Schuhen, das eine nüchterne Bewertung des Schauspiels fast unmöglich macht. Diese große Filmperle (8/10 Punkten) weiß wiederholt mit reißerischen Szenen auf sich aufmerksam zu machen, wobei sie etliche grelle Hingucker parat hat, die wahrscheinlich auf die Manga-Vorlage zurückzuführen sind. Kostüme und Ausrüstung gefallen dabei mit gesteigerter Kreativität, während kräftig-satte Bilder dem Auge mehr als genug zu tun geben. Ein flotterer Erzählstil hätte allerdings ebensowenig geschadet wie eine geerdetere Figurenzeichnung, die neben stoischem Psycho-Blick und Heulkrampfepilepsie einen definierten Raum für Identifikation ließe. So bleibt ein neongreller Metzel-Cartoon in beachtlicher Optik, was indes für sich genommen schon eine Menge wert ist.

8/10
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Kommentare

29.10.2020 11:09 Uhr - Chímaira
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Feine Kritik! Du hast sie in der Kürze wirklich sehr gut auf den Punkt gebracht. Ein neongreller Metzel-Cartoon? Passender kann man es nicht beschreiben ;)

29.10.2020 14:06 Uhr - The Machinist
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Jup, da kann ich nur zustimmen, wobei ich ihn noch deutlich humorvoller finde und Miike hier mMn auch in Richtung Satire geht, wie ich auch in meiner eigenen Kritik hierzu geschrieben hatte. Ansonsten ist ''Ichi'' noch nicht unbedingt einer meiner Favourites des Regisseurs, aber doch ein sehr guter.

Wertungstechnisch sind wir gleichauf, was auch in Anbetracht dessen, dass ich Hideo Yamamotos Vorlage kenne, wirklich für den Film spricht.

29.10.2020 15:42 Uhr - Cabal666
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Ich schließe mich dem Lob an und bedanke mich sehr für diese flott zu lesende Kritik mit einfallsreichen Beschreibungen und deinem typischen trockenen Humor.
Ich würde "Ichi" dieselbe Wertung geben, da ich ihn bisher aber auch nur zweimal gesehen habe (einmal mit der grottigen deutschen Synchro und einmal im O-Ton) klettert er bei mir vielleicht noch etwas weiter rauf. Von Miikes riesiger Filmographie kenne ich bisher nur drei seiner bekanntesten Werke (also "Audition", "Dead Or Alive" und eben "Ichi"), will mir aber auf jeden Fall noch mehr geben, schon allein wegen seiner ungeheuren Vielseitigkeit. Gibt's einen Tipp von euch, was als nächstes empfehlenswert wäre?

29.10.2020 16:11 Uhr - Chímaira
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29.10.2020 15:42 Uhr schrieb Cabal666
Gibt's einen Tipp von euch, was als nächstes empfehlenswert wäre?

Ich fand "Crows Zero" und die Fortsetzung von ihm sehr unterhaltsam. Schaue die beiden immer wieder gerne OmU. "The Call" ist zwischendurch auch nicht verkehrt :)

29.10.2020 16:17 Uhr - The Machinist
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@Cabal:

Also diese, welche du gesehen hast zeigen Miike ja von seiner exzessiven Seite. Unter diesem Aspekt wären vorrangig empfehlenswert: ''13 Assassins'', ''Izo'', ''Blade of the Immortal'', ''Lesson of the Evil'', ''Sukiyaki Western Django''

Ähnlich wie ''Dead or Alive'' sind ''Graveyard of Honor'', ''City of Lost Souls'', ''Fudoh: The Next Generation'' oder ''Deadly Outlaw Rekka'', ansonsten noch die Fortsetzungen zu ''DOA'', wobei ich den Zweiten für genauso gut und den Dritten deutlich schwächer als den Erstling halte.

Miike mal ganz ohne Blutbäder gäbe es dann in Form von...
''Big Bang Love, Juvenile A'', ''The Happiness of the Katakuris'', ''Ace Attorney'', ''The Bird People in China''

Ansonsten fallen mir noch spontan ''For Love's Sake'', ''Yakuza Apocalypse'', ''Agitator'', ''Visitor Q'' und sein ''Hara-Kiri''-Remake ein, die auch allesamt Klasse sind.


29.10.2020 16:20 Uhr - The Machinist
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Und ja stimmt, wie Chimaira sagt, ''Crows Zero'' ist ebenfalls Spitze, genau wie dessen Fortsetzung. Gibt auch einen 3. Teil, aber der ist nicht von Mike.
''The Call'' halte ich hingegen für ziemlich lame. Das ist aber wie immer Ansichtssache.

29.10.2020 20:56 Uhr - Cabal666
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Ah, mir fällt gerade ein, dass ich den zweiten "Crows Zero" tatsächlich schon mal im Fernsehen gesehen habe. Fand ich nicht übel, wenn auch etwas zu sehr in die Länge gezogen. Die finale Klopperei hatte es dafür aber echt in sich.
Vielen Dank auf jeden Fall für eure Tipps, Chímaira und Machinist! :)

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