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Reichsführer-SS

Herstellungsland:USA (2015)
Genre:Horror, Splatter, Mystery
Alternativtitel:Nazi - Hellfire
Bewertung unserer Besucher:
Note: 4,50 (2 Stimmen) Details
inhalt:
Heinrich Himmler war im dritten Reich der zweite Mann nach Adolf Hitler. Doch er erlangte seine Machtposition aufgrund einer Schwäche: Als er sich eine Exekution von russischen Gefangenen voller Abscheu nicht ansehen kann, stellt Hitler ihn auf eine harte Probe. Und dadurch erweckt er das Monster in Himmler, das während der NS-Zeit so grausam wütete wie kaum jemand sonst. Als er zum Ende des zweiten Weltkriegs im Jahre 1945 den Freitod wählt, landet er in der Hölle, in der bereits der Torwächter Erebus mit seinen Alptraum-Dämonen auf ihn wartet. Und was Himmler dann widerfährt, ist die Rache von Millionen Ermordeten, angeordnet vom Satan persönlich. Immer und immer wieder spürt Himmler unendliche Qualen, ohne Aussicht auf Erlösung.
eine kritik von hudeley:
Nazi Hellfire
 
"Der Film muss ja überkrass sein, wenn er nicht einmal deutsch synchronisiert wird und nur 400 Exemplare veröffentlicht werden, lol!" Ja, Gorebauern aller Länder vereinigt euch. In der mehr als inkongruenten Super Spooky Stories Reihe des Labels WMM, meist bestehend aus C-Ranzware und Überresten der Trash Collection, erscheint der US-amerikanische Low Budget Splatterfilm Reichsführer-SS. Die Hakenkreuze auf dem Frontcover wurden durch Plus-Symbole ersetzt, der Titel auf den noch reißerischeren Nazi Hellfire umgeschraubt. Gedreht im Jahre 2005 geistert dieser wirklich alles andere als bemerkenswerte Versuch eines Filmes über die Ladentheke der Import Läden; das frisch erschienene Mediabook gab mir dahingehend genug Anreiz, den Schnarcher erneut einer Prüfung zu unterziehen und die sabbernde Splatter-Käuferschaft 30 Euro für zwei DVDs zwischen zwei Pappdeckeln sparen zu lassen.
 
Regisseur David B. Stewart III schrieb sich die Schauspielrolle als Heinrich Himmler quasi auf den Leib. Seine Ähnlichkeit zu einem der führenden Verbrechern des Dritten Reiches sind nicht zu leugnen und obgleich er einige Jahre jünger aussieht als das reale Vorbild, hat er den tranigen Maulwurfsblick dessen absolut perfektioniert. So ist Himmler hier der Protagonist, der aufgrund seiner Taten in der Hölle gelandet ist und vor dem Dämon Erebos den Mord an einer nackten, im Konzentrationslager Dachau internierten Frau, rechtfertigen muss. Himmler ahnt zu diesem Zeitpunkt noch nicht, was für Qualen ihm für sein Verhalten bevorstehen...
 
Nun, grundlegend kontroverser Tobak. Aber wir kennen alle all jene - mal mehr, mal weniger - schundigen Nazisploitation Filme, deren bloße Aufzählung alleine hier schon den Rahmen sprengen würde. Trotzdem hat Reichsführer-SS wenig mit alten Filmkrachern wie beispielsweise Ilsa - She Wolf Of The SS, SS Experiment Love Camp, Gestapo's Last Orgy oder SS Camp 5 - Women's Hell gemein, weswegen ein solcher Vergleich nur Gerede um den heißen Brei wäre. Denn dazu ist der Softporno-Einschlag viel zu gering, ebenso wie die schmierige, sleazy Stimmung solcher Filme zu keiner Sekunde erreicht wird. Der hier besprochene Film, ist als Endprodukt eher ein Kind der modernen Nazifilme, irgendwo zwischen Outpost und Frankensteins Army. Nicht zwangsweise inhaltlich, aber aufgrund seiner leicht okulten, trashigen wie auch mehr auf Splatter setzenden Ausrichtung.
 
Man muss aber wirklich beinharter Fan amerikanischer Indie-Produktionen und äußerst leicht zu beeindrucken sein, um daran Spaß zu haben. Reichsführer-SS kann keine 5 Minuten das Interesse des Zuschauers halten, denn dazu bleibt er zu ereignislos. Und kaum hat man sich mit etwas Mühe in die Szenerie eingefunden, driftet dieses Machwerk ins Trashige ab. Leider Gottes nie so weit, als dass man drei Bier köpfen und sich der dumpf-blöden Sause hingeben möchte, sondern eher in dem Maße, als dass man lediglich der Szenerie entrissen wird und erstaunt feststellt: der Film nimmt sich verdammt ernst.
 
Natürlich ist der Mord an der KZ-Insassin nicht harmlos, aber dies ist eher der geschichtlichen Einbindung ins Dritte Reich geschuldet, als der tatsächlichen Darstellung. Losgelöst von dieser historischen Vorlage, ist Reichsführer-SS im Gewaltbereich nicht der Rede wert. Dies mag hart klingen, bleibt aber eine faire Aussage, denn dieser Film nimmt, außer seiner rein formellen, als Aufreißer angedachten Anlehnung an die Zeit der Judenverfolgung, keinen Anspruch für sich wahr, dem Ganzen gerecht zu werden. Es ist ein Aufhänger, ein Verkaufsargument, um einen gewalttätigen Film zu drehen. Und genau daran, muss sich dieses Machwerk messen lassen. Daran scheitert er allemal, denn selbst im Bereich des roten Lebenssaftes, bleibt er nicht der Rede wert. Wer den Trailer kennt, hat sämtliche blutigen Sequenzen gesehen. Alles Andere dazwischen ist ein steter Redefluss zwischen Himmler und dem Dämon, oder Himmler und einem anderen Nazischergen - ohne die Geschichte voranzutreiben, auf ein Finale hinzuarbeiten oder wenigstens im Bereich der zwanghaft moral-ignorierenden Zeigefreudigkeit loszupoltern. 
 
Ich verkneife mir an der Stelle Kommentare über Anschlussfehler, offensichtlich nachbearbeitete Nachtaufnahmen die augenscheinlich am Tag stattfanden, hölzernem Schauspiel und Dergleichen. Einfach aus dem Grund, weil all jene Dinge spätestens dann gesagt wurden, als ich von einem "Independent Film" gesprochen habe. Wer sich darunter nichts vorstellen kann, lässt umso dringender die Hände von diesem Film, auch wenn er im Vergleich zu seiner Konkurrenz den ein oder anderen, im Verhältnis zu seinem Budget stehend passablen Computereffekt oder eine grundlegend wertige Nachbearbeitung auf Seiten des Colourgradings aufzuweisen hat. 
 
Der italienischen Gewaltschmiede Necrostorm hätte eine Verfilmung dieses Materials sicher besser ins Portfolio gepasst und war auch das, was ich mir anfangs unter Reichsführer-SS erhoffte. Wäre dieser im Hotel Inferno Universum angesetzt gewesen, könnte man von einem ordentlichen Ergebnis sprechen. Trashig sind Necrostorms Filme allemal - hundsbrutal, blutig bis an die Grenze des filmisch Machbaren und auf merkwürdige Art kurzweilig, wie auch intensiv stimmungsvoll, sind sie jedoch ebenso. In so einer Aufmachung, wäre dieser Film der Rede (und dem Mediabook Release) wert gewesen. Tatsächlich bleibt er stark hinter jeder noch so kleinsten Erwartung zurück und hält nicht einmal das Versprechen an Härte, wie man es aus einigen Ankündigungen herauslesen konnte.
 
Reichsführer-SS ist geschwätzig, eine ganz merkwürdige Chimäre aus bierernster Inszenierung und in die Hose gehendem, möglicherweise versehentlich eingebautem Trash-Blödsinn und wird am Ende keiner der beiden Seiten gerecht. Wer sich beim Lesen der Inhaltsangabe eine Foltershow, ähnlich eines Mixes aus Hellraiser und No Reason vorgestellt hat, erlebt einzig und allein ein Ärgernis an Langeweile. Wie Gewaltexzesse mit Nazi Thematik aus dem aktuellen Indiesektor aussehen können, zeigen beispielsweise Honky Holocaust oder Fantacide mit wirklich erwähnenswert blutigem und unsagbar hartem Ergebnis. Am Besten legt man sich aber tatsächlich Hotel Inferno 2 in den Player, blättert in Clive Barkers Das Tor Zur Hölle und schaut das letzte Drittel von Hostel 2 oder gleich A Fucking Cruel Nightmare... da habt ihr euren Reichsführer-SS Ersatz, wie er hätte aussehen können. 
 
2.5/10
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Kommentare

16.09.2020 03:06 Uhr - Kaiser Soze
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Sehr ausführliches und gelungenes Review, das wohl x mal besser ist als die der Rotz von Film; da passt dessen Schrottvö ja bestens ins Bild. Falls Du also wirklich 30 Euro dafür ausgegeben hast, mein Beileid an dieser Stelle ^^

16.09.2020 13:52 Uhr - Kable Tillman
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Klasse verfasstes Review zu einem absolut unattraktivem Film für mich. Nazi-Zombie-Trash ist für mich mittlerweile eines der langweiligsten Subgenres der Horrorfilms geworden, gleich neben Hai-Trash und Found-Footage. Jeder Film die gleiche Hirngülle.

16.09.2020 20:43 Uhr - DriesVanHegen
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Da fand ich den Trailer schon ungeheuer schlecht und ließ mich erahnen, dass er sein Setting wohl nur nutzt, um auf Teufel komm raus möglichst "böse" zu wirken.
Schien ich mit meiner Vermutung der heißen Luft ja richtig zu liegen.

18.09.2020 12:25 Uhr - cecil b
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Superreview! Mal wieder.

Ich hole deine zu den neuen Dora nach!!! 10 Punkte jeweils, man, bin ich komisch gespannt. ;)

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