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Mile 22

Herstellungsland:USA (2018)
Standard-Freigabe:FSK 16
Genre:Action, Thriller
Bewertung unserer Besucher:
Note: 6,85 (20 Stimmen) Details
inhalt:
Sie arbeiten außerhalb staatlicher Grenzen, in einer Welt ohne greifbare Gegner. Für die Regierung sind sie „Ghosts“ – unsichtbar erledigen sie alle Jobs, bei denen Diplomatie und militärische Lösungen versagen. Elite-Agent James Silva (Mark Wahlberg) wird in die Botschaft eines südostasiatischen Landes einberufen, um eine gefährlich hohe Menge an verschwundenem radioaktiven Material wiederzubeschaffen, das mehrere Großstädte weltweit auslöschen könnte. Als plötzlich der mysteriöse Spion Li Noor (Iko Uwais) James Silva und seiner Spezialeinheit einen Deal vorschlägt, beginnt ein nervenaufreibender Wettlauf gegen die Zeit. Denn es gibt eine Bedingung für den Geheimnisaustausch: Li Noor will schnellstmöglich außer Landes gebracht werden. Diese Mission entpuppt sich als hochgradig brisant und ruft zahlreiche Gegner auf den Plan, welche den Weg zum Flughafen zur heißen Kampfzone machen. Vor Silva und seinem Team liegen nur 22 Meilen…
eine kritik von kable tillman:

Mile 22… Atemlos durch den Tag

Mark Wahlberg, Lauren Cohan, Ronda Rousey, John Malkovich und Kampfsportikone Iko Uwais – das klingt doch mal nach einem Cast. Und Regie übernahm Peter Berg, der mit Marky Mark in der Hauptrolle bereits „Lone Survivor“, „Deepwater Horizon“ und „Boston“ in der jüngeren Vergangenheit inszeniert hatte, die allesamt bei Filmkritikern sowie Zuschauern zufriedenstellend wegkamen. Klingt gut, aber haltet euch fest, an den Kampfchoreografien durfte der indonesische Handkantenhaudegen Iko Uwais sogar mitfeilen. Ja, der Iko Uwais aus „The Raid“ und dessen Fortsetzung! Dann hätte bei „Mile 22“ doch eigentlich nichts schieflaufen können, oder?

Ich präsentiere euch meine ersten Gedanken beim Rollen des Abspanns von „Mile 22“, entschuldigt bitte die folgenden Kraftausdrücke:

Was für eine vollkommen vermurkste Hirnwichse war das denn?! 

Peter Bergs „Mile 22“ ist mit Verlaub einer der schlechtesten Actionfilme, der es in den letzten 10 Jahren unverständlicherweise in die weltweiten Lichtspielhäuser, anstatt direkt auf den Heimkino- oder Streaming-Markt, geschafft hat. Während die Story immerhin noch aus den Federn von Graham Roland („Jack Ryan“, „Fringe: Grenzfälle des FBI“) und Lea Carpenter stammen, zeichnet sich Letztere alleinig für das Screenplay verantwortlich, obwohl sie bis auf „Mile 22“ bis heute keine andere Drehbucharbeit in ihrer Vita vorzuweisen hat. Dass das Skript eines Writer-Grünschnabels für $50.000.000 umgesetzt wurde, ist vermutlich eines der wenigen bemerkenswerten Merkmale von „Mile 22“. Denn ansonsten bekommt der Zuschauende über immerhin kurze, wenn auch ebenso trost- wie atemlose, 95 Minuten absolut banale Grabbeltisch-Actionkost serviert, die ihm oder ihr noch während des Abspanns wieder hochkommen sollte. 

Fangen wir bei der, immerhin im Kern, interessanten Prämisse an. Overwatch ist ein Team aus Spezialagenten unter der Leitung von James Silva (Mark Wahlberg) im aktiven Einsatz, wobei ein gewisser Bishop (John Malkovich) aus einer geheimen, hochmodernen Zentrale heraus die Strippen zieht. Wenn die Optionen Diplomatie und Militär der US-Regierung versagen, kommt Overwatch zum Einsatz. So zumindest laut der Exposition und des Werbeplakates. Im fertigen Film wird das Versagen der ersten beiden Optionen beispielsweise aber gar nicht gezeigt und Overwatch wirkt eher wie eine Art Suicide Squad mit gesichtslosen Langweilern anstatt Harley Quinn, Deadshot und Captain Boomerang.

Darüber hinaus ist der in der Eröffnungssequenz dargestellte Einsatz von Overwatch, ohne zu spoilern, kein lupenreiner Erfolg, sondern zeigt bereits eine Reihe der Probleme auf, die Overwatch auch in den kommenden 90 Minuten verfolgen werden. Die dramaturgische Fallhöhe ist dementsprechend tief. Wenn das Team bereits am Anfang des Films nicht funktioniert, wie sollte es dann später bei einem wesentlich schwierigeren Auftrag funktionieren? Außerdem demonstriert bereits diese Eröffnungssequenz das hektische Editing der Actionszenen. Wirre, wahnsinnig schnelle Schnitte zwischen Protagonisten und Kampfszenen sowie Schusswechseln hin und her lassen jegliche Übersicht sowie Dramaturgie vermissen und ersticken jeden Anflug von Spannung im Keim. Dieses traurige, längst vergessen geglaubte Bild, welches an vergleichbare Filmverbrechen wie „Colombiana“ oder „96 Hours - Taken 3“ von Big-Budget-Schundregisseur Olivier Megaton erinnert, gehört auf die Müllhalde der Filmhistorie und nicht in einen Actionfilm von 2018. John Wick und dessen Fortsetzungen haben vorgemacht, wie man auch im Hollywood von heute mit einem geringeren Budget großartige Actionszenen inszenieren kann, die atemlos im positiven Sinne sind und sich nicht wie ein Marathon anfühlen.

An die actionreiche Eröffnungssequenz schließen sich die Opening Credits an, welche uns in 2 Minuten per Expositions-Montage reichlich Infos über den Hauptcharakter James Silva ins Gesicht wirft, ohne davon wirklich etwas zu zeigen. Er war schon immer sehr schlau bla bla hoher IQ bla bla arroganter, hyperaktiver Soziopath, der sich ständig ein Gummiband gegen das Handgelenk schnalzt. Anschließend folgt ein Zeitsprung von 6 Monaten und die eigentliche Handlung von „Mile 22“ beginnt. Aus weiteren Expositionsdialogen zwischen James Silva und seinem Team, die alles nur erzählen, aber nichts zeigen, erfahren die Zuschauer, dass hochgefährliches Caesium verschwunden ist und nur der zwielichtige Informant und Doppelagent Li Noor (hier kommt Iko Uwais ins Spiel) weiß, wo es versteckt wurde. Diese Informationen teilt er mit der US-Regierung, sollten sie ihn sicher aus dem fiktiven Südostasiatischen Land, in welchem die Handlung von „Mile 22“ spielt, schaffen. Alice (Lauren Cohan), Teil von James Silvas Team, vertraut Li Noor, es wird jedoch nie erklärt warum. Ist sie denn wirklich so naiv einem Doppelagenten zu vertrauen, den sie kaum kennt, oder verbindet die beiden eine persönliche Vergangenheit? Die Zuschauer erfahren davon nichts. Grobschlächtig werden 30 Minuten lang in unspektakulärer „Tell, don’t show“-Manier Informationen abgehandelt. Caesium, Informant, Doppelagent, Alice hat private Probleme, Silva ist ein selbstgerechter Gockel und John Malkovich nur des Gehaltschecks wegen im Film. Und jeder Charakter im Film, wirklich jeder, quasselt seine klischeegetränkten Brechdurchfall-Dialoge so schnell herunter, als wolle er 5 schwachsinnige Sätze in einem unterbringen, während deren Darsteller eine mimisch so limitiertes, gelangweiltes Schauspiel bieten, als ob Peter Berg ihnen zugerufen hätte „Schau mal so, als ob dir der Film hier und die Zuschauer am Arsch vorbeigehen würden“.

Danach folgen 50 Minuten stakkatoartig zusammengeschnittene Actiongülle, ehe die letzte 5 Minuten mit wilden Wendungen nur so um sich werfen, welche den Zuschauern womöglich ein „Wow, das war verdammt clever!“ abluchsen sollen. Tun sie aber nicht, denn dafür ist der gesamte Schundstreifen viel zu vorhersehbar. Und ganz egal ob gewisse Härten „Mile 22“ an den oberen Rand der FSK-16 Freigabe hieven oder Iko Uwais Kampfchoreografien gut ausgesehen hätten, wären sie nicht durch den Schnittwolf gedreht worden: Das Drehbuch ist und bleibt eine absolute Katastrophe. Furchtbare Dialoge, keine Charakterentwicklung, keine Spannungspausen und grotesk an den Haaren herbeigezogene Wendungen, um der ganzen Chose erfolglos eine intelligente Pointe zu verleihen. Jemand hätte Peter Berg am Set sagen sollen, dass er nicht Christopher Nolan ist. Und damit endet „Mile 22“ als ein belangloses, uninspiriertes, seelenloses und viel zu schnell erzähltes 08/15-Actionmachwerk in der cineastischen Restmülltonne. Durchatmen nicht erlaubt.

Qualitätswertung: 2 von 10 Punkten
Unterhaltungswertung: 4 von 10 Punkten
Gesamtwertung: 3 von 10 Punkten

Peter Berg, eins wird dir jeder richtige Regisseur sagen: Ob du jede halbe oder Viertelsekunde cutten lässt - verkackt ist verkackt.

Bis zum nächsten Review!

Hochachtungsvoll euer Kable Tillman

3/10
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Kommentare

18.09.2020 04:56 Uhr - Kaiser Soze
1x
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Mark Wahlberg hat wirklich in guten (Action-)Filmen, wie Scooter und The Italian Job, mitgespielt und gehört oftmals zu den Darstellern, bei denen klar ist, dass es sich nicht um einen bierernsten Film handeln wird. Seine Beiträge a la Pain & Gain oder eben der hier besprochene Mile 22 fallen da(-gegen) weit ab. Entsprechend stimme ich Deinen Ausführungen soweit zu, leider kein guter Film. Dein Review ist hingegen, wie gewohnt, sehr gelungen!

18.09.2020 07:51 Uhr - dicker Hund
2x
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Schön, mal wieder verkabelt zu werden.

🙂

Der Film hat bisher wohl nur einen Kritiker hier überzeugt. Mich reizt er nicht wirklich, da reichen mir Beiträge wie der von Dir erwähnte "John Wick".

18.09.2020 08:01 Uhr - sonyericssohn
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Ich war ziemlich enttäuscht von diesem Werk. Holzhammeraction schön und gut, aber hier fehlte mir persönlich so etwas wie.... Gefühl ? Ist das das richtige Wort ? Des weiteren störte mich diese dokuartige Darstellung des Ganzen. Wertungstechnisch halt ich mich raus.

Sauber gemacht Kable !!!

18.09.2020 09:30 Uhr - beebop251
3x
Gut geschriebene und begründete Kritik, auch wenn ich es komplett anders sehe. Mir gefiel der Film sehr gut. Spannend, rasant und kurzweilig. Wahlberg hatte genug Charisma, um mit ihm mitzufiebern, auch wenn er und der Rest nicht wirklich sympathisch waren. Die Action fand ich kackig inszeniert mit ansprechendem Härtegrad und Uwais durfte durchaus zeigen, was er kann. Kein Vergleich z. Bsp. zu Expendables 2, wo Adkins völlig verschänkt wurde. Die Story war recht straight erzählt und der Schlusstwist hat zumindest mich doch überrascht. Fand das Ende sehr gelungen. Ich fand den Film wirklich besser als John Wick 2 und 3, denn dort hat die Action auf Dauer nur noch gelangweilt, auch weil sie durchgehend wie einstudiert wirkte. Da fand ich die Gefechte in Mile 22 homogener und realistischer inszeniert.

18.09.2020 11:39 Uhr - UncleBens
1x
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Gute Rezi! Der Film hängt schon ewig in meiner Prime-Liste und hab stets geliebäugelt, dann aber über YouTuber Mal gesehen, wie die Kampfsequenzen realisiert wurden und ich hab um ehrlich zu sein die Lust verloren, weil ich Wackelkameras und schnelle Schnitte in Actionfilmen inzwischen ablehne. Schlimmstes Beispiel an der Stelle ist ja "Taken 3". Dementsprechend: Besten Dank für diese Warnung. Ich hab dann doch besseres zu tun xD

18.09.2020 16:24 Uhr - Kable Tillman
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Vielen Dank euch allen für euer Feedback!

@Kaiser Soze:
"Shooter" und "The Italian Job" spielen in einer ganz anderen Liga als "Mile 22", da hast du recht!

@sony
Ich verstehe dich. Diese Befragungsfetzen von Silva, die immer wieder unmotiviert hineingeschnitten wurden, waren furchtbar nervig. Alles nur, um den doch recht simplen Plot komplexer erscheinen zu lassen. Verwirrungstaktik für Anfänger.

@UncleBens:
Ich habe ja eine Vorliebe für Trash und trauere den 95 Minuten deshalb nicht hinterher. Das $50.000.000 anstatt für einen richtig geilen Actionkracher mit Iko Uwais für diese Luftnummer ausgegeben wurden, ärgert mich hingegen schon. "Mile 22" und "Taken 3" würde ich auf die gleiche Stufe stellen.

@beebop251
Vielleicht bin ich dieser Art von Editing mittlerweile einfach überdrüssig, aber für mich sind "John Wick 2" und dessen Fortsetzung auch aus anderen Gründen meilenweit besser als "Mile 22".

20.09.2020 10:08 Uhr - Ghostfacelooker
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Also ich bleibe da lieber bei meiner Sichtweise des Review, was natürlich daran liegen mag, daß ich solchen Filmen mit dem passenden Cast auch mehr zugetan sein mag, aber trotzdem wie immer gut geschrieben.
...einfach nur zu schreiben schön dich wieder mal zu lesen, war mir zu langweilig^^^^^^^^^^

04.10.2020 21:04 Uhr - Chris Payne
Echt geiles Review!
Ich liebe es auch mich auszukotzen wenn mir was absolut nicht gefällt!
Obwohl ich den zwar nichts besonders (und wirklich schrecklich hektisch geschnitten finde) ab so schlimm nun auch wieder nicht...

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