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Hellbound - Hellraiser II

Herstellungsland:Großbritannien (1988)
Standard-Freigabe:FSK keine Jugendfreigabe
Genre:Horror, Splatter
Alternativtitel:Hellraiser II - Hellbound
Hellraiser 2
Bewertung unserer Besucher:
Note: 8,80 (217 Stimmen) Details

Inhaltsangabe:

Nach den grausamen Vorfällen im Haus ihrer Eltern kommt Kirsty, die einzige Überlebende, in ein Sanatorium. Der Arzt Channard zeigt großes Interesse an Kirstys Fall, aber nicht um ihr zu helfen, sondern um hinter das Geheimnis des Würfels und der Zenobiten zu gelangen. In einem blutigen Ritual lässt er Kirstys tote Mutter wieder auferstehen. (Kinowelt)

Diese Kritik enthält Informationen über den späteren Handlungsverlauf der Geschichte.
eine kritik von cabal666:

Was bisher geschah: Der selbst- und genusssüchtige Frank kaufte einen geheimnisvollen Zauberwürfel, der ihm angeblich das Tor zu einer Welt öffnen würde, in der er seine extremsten Begierden stillen konnte. Tatsächlich saugte ihn der Würfel jedoch in die Dimension der dämonischen Zenobiten, die Frank grausam folterten und schließlich in Stücke rissen. Als Jahre später Franks Bruder Larry gemeinsam mit seiner neuen Ehefrau Julia und seiner Tochter Kirsty Franks verlassenes Haus bezieht, wird Frank dabei versehentlich durch einen Blutstropfen wieder ins Leben zurückgeholt. Er entkommt aus der Welt der Zenobiten, jedoch ist sein Körper nur unvollständig zusammengesetzt. Er offenbart sich Julia, welche er vor ihrer Hochzeit verführte, und verlangt von ihr, ihm zu helfen, wieder zu einem normalen Menschen zu werden. Dafür benötigt er allerdings viel Blut. Julia lockt fremde Männer ins Haus, verführt sie und tötet sie anschließend, damit er sich dadurch regenerieren kann. Kirsty wird jedoch Zeugin davon, kann aber mit dem Zauberwürfel entkommen. Unabsichtlich ruft sie selbst die Zenobiten herbei, kann diesen allerdings einen Handel anbieten: sie liefert ihnen Frank aus und wird dafür selbst verschont. Als sie wieder nach Hause zurückkehrt, hat Frank aber ihren Vater getötet und sich dessen Haut übergezogen, um sie zu täuschen. Er tötet auch Julia, die schließlich ebenfalls von den Zenobiten gehäutet wird. Diese erscheinen, als er gerade im Begriff ist, Kirsty zu töten und reißen ihn erneut mit Ketten in Stücke. Kirsty kann im letzten Moment entkommen.

Nun ist die verstörte junge Frau in einem Sanatorium untergebracht, das von dem sinistren Dr. Channard geleitet wird. Dieser ist selbst vom Zauberwürfel und der Welt der Zenobiten fasziniert. Heimlich entwendet er die Matratze, auf der Julia starb und opfert einen seiner Patienten, um sie wieder ins Leben zurückzuholen. Sein Angestellter Kyle, der hellhörig geworden ist und eine Bindung zu Kirsty aufgebaut hat, folgt diesem mit ihr in sein Anwesen. Dort wollen Channard und die wiederhergestellte Julia die verschlossene Patientin Tiffany benutzen, um den Würfel zu öffnen und damit in die Welt der Zenobiten zu gelangen.

Soviel zur grundlegenden, etwas verworrenen, Handlung des zweiten "Hellraiser"-Films.

"Hellbound" zählt zur - garnicht mal so - raren Gattung der Fortsetzungen, die ihren Vorgänger übertreffen können. Man merkt deutlich, dass hier ein höheres Budget zur Verfügung stand, dieses wurde jedoch sehr gut genutzt.

Diesmal wird einem nämlich die Höllendimension der Zenobiten direkt gezeigt, was für zahlreiche surreale und verstörende Bilder sorgt. Clive Barker führte hier zwar nicht mehr selbst Regie, produzierte den zweiten "Hellraiser" aber und schrieb auch am Drehbuch mit; der Film trägt somit immer noch eindeutig seine Handschrift. Der neue Regisseur Tony Randel (er war zuvor u.a. für die Effekte bei John Carpenters "Die Klapperschlange" und teilweise auch die Postproduktion des ersten "Hellraiser" zuständig und drehte später u.a. "C2 - Killerinsekt") macht seine Arbeit hier jedenfalls mehr als ordentlich, bedenkt man, dass es sich auch hierbei um ein Debüt handelt. Die im Vorgänger schon vorhandene Bildgewalt wird hier locker übertroffen, vor allem in den Szenen mit dem "Gott" der Zenobiten, Leviathan, der in den Menschen ihre schlimmsten Erlebnisse an die Oberfläche holt. Die Matte-Paintings, in denen ein Überblick über die labyrinthische Höllenwelt mit dem darüber thronenden, geometrisch geformten "Gott", geboten wird, sind wirklich toll gemacht und erinnern stark an die Zeichnungen und Lithographien des surrealistischen Künstlers M.C. Escher.

Und auch an Atmosphäre hat der Film noch gewonnen. Als Beispiel sei da mal nur eine Szene genannt, in der Kirsty eine blutige "Nachricht" aus der Hölle bekommt. Oder die Erweckung Julias, welche extrem blutig geriet. Ja, in Sachen Brutalität übertrifft der zweite "Hellraiser" seinen ohnehin schon nicht zimperlichen Vorgänger und bietet noch unappetitlichere Splatter-Ausbrüche.

Schauspielerisch bekommt man hier ebenfalls so einiges geboten. Neben Sean Chapman als Frank, Clare Higgins als Julia, Doug Bradley als Pinhead, der Anführer der Zenobiten, Simon Bamford und Nicholas Vince als "Butterball"- und "Chatterer"-Zenobiten sowie Ashley Laurence als Kirsty, die ihre Rollen aus dem ersten Film wieder aufnehmen, kam mit Kenneth Cranham (war später u.a. in "Hot Fuzz, "Layer Cake" und "Maleficent" zu sehen), ein begnadeter Charakterdarsteller hinzu, der als sadistischer Psychiater mindestens ebenso charismatisch wie Bradley in seiner Paraderolle wirkt. Im Verlauf des Films verwandelt er sich außerdem selbst noch in einen, besonders originell gestalteten, Zenobiten und kann sich dann so richtig hemmungslos als Fiesling und Berserker austoben.

Doug Bradley wiederum hat hier zudem wesentlich mehr Screentime bekommen und wirkt noch weitaus ehrfurchtgebietender. In einigen wenigen Szenen, darunter eine Rückblende zu Beginn, die Pinheads Herkunft erklärt, sieht man ihn außerdem erstmals ohne sein Nagel-Makeup. Und auch ungeschminkt verbreitet er definitiv eine Menge Charisma. Die damals noch sehr junge Imogen Boorman, von der danach leider nicht mehr viel kam und die in jüngerer Vergangenheit nur dadurch von sich reden machte, dass sie straffällig wurde, spielt das fast stumme, anscheinend geistig verwirrte Mädchen Tiffany und ist toll in der Rolle. Optisch ähnelt sie - zumindest für mich - ein wenig Jennifer Lawrence.

Außerdem sieht man noch William Hope (er verkörperte den überforderten Armee-Einsatzleiter aus "Aliens") als jungen Arzt Kyle, der Kirsty zeitweise beisteht. Dazu wurde hier die Darstellerin der Zenobitin aus dem Vorgänger ausgetauscht. Grace Kirby - Clive Barkers Cousine - war im ersten Teil zwar auch nicht schlecht, ihre Nachfolgerin Barbie Wilde wirkt allerdings weitaus charismatischer. Wilde begann ihre Karriere übrigens als Gründerin und Mitglied der Tanz- und Pantomimengruppe SHOCK, arbeitete als Host für Film- und Musikshows im Fernsehen und verfasste später selbst Romane und Kurzgeschichten, von denen einige auch im "Hellraiser"-Universum spielen.

Andrew Robinson, der Darsteller des Larry aus dem ersten Teil, ist schließlich nur noch in Archivmaterial zu sehen, darunter einer nicht verwendeten Szene aus dem Vorgänger, die die Hochzeit von Larry und Julia zeigt.

Die Geschichte in "Hellbound" ist epischer, bewegt sich in größeren Bahnen und geht näher auf die Vergangenheit sowohl Franks und Kirstys als auch - und vor allem - der Zenobiten ein. In dem Zusammenhang wurde schon mehrfach kritisiert, das selbige hier doch auf ziemlich banale Weise entzaubert werden. Mir persönlich sagte die betreffende Enthüllung jedoch zu, zumal sie ohnehin schon zu erahnen war.

Der Film an sich wirkt dabei, wie auch schon der erste, in seiner Handlung und Charakterkonstellation teils märchenhaft: Ein junges Mädchen muss sich gegenüber bösartigen Familienmitgliedern und feindseligen Gestalten behaupten, wodurch sie aber auch an Erfahrung gewinnt und letztlich triumphiert. Die Figur Julia nimmt darauf an einer Stelle auch direkt Bezug. Im O-Ton sagt sie nämlich bei ihrer Wiederbegegnung mit Kirsty, dass sie nun nicht mehr die "Böse Stiefmutter", sondern die "Böse Königin" wäre. Insgesamt geht "Hellbound" jedenfalls tatsächlich mehr in die Richtung Fantasy denn Horror.

Wobei die Bildgewalt und Atmosphäre allerdings auch dazu zu dienen scheint, die wirklich eklatanten Schreibschwächen im Drehbuch zu übertünchen, denn dieses wirkt, das muss ehrlicherweise gesagt werden, ziemlich unausgegoren. Die Handlung ist richtiggehend konfus und wirklich extrem unlogisch.

Ich zähle hier mal die gravierendsten Logiklücken und offenen Fragen auf:

Zunächst wäre die Szene zu nennen, in der Julia von Dr. Channard ein gutes Dutzend entführte Frauen vorgesetzt bekommt, an denen sie sich laben und ihren Körper wiederherstellen kann. Erstens stellt sich die Frage, wo der die denn alle in so kurzer Zeit herbekommen haben soll, noch dazu offensichtlich unbemerkt. Warum sind das außerdem so viele? Frank brauchte doch wesentlich weniger tote Männer, um seinen Körper zu regenerieren. Außerdem schien Julia sogar schon nach ihrem ersten Opfer in der Erweckungsszene weitestgehend wiederhergestellt zu sein, denn das einzige, was ihr da noch fehlte, war ihre Haut (was, verglichen mit Frank, wieder keinen Sinn ergibt). Warum kann sie Frank in der Welt der Zenobiten töten? Und wie hat dieser Kirsty seine Botschaft übermitteln können?

Außerdem erfährt man nicht, was es denn eigentlich mit der Pyramidenform des Würfels auf sich hat und warum Pinhead selbigen so verwandeln kann. Warum hat er das nicht schon im ersten Teil getan? Und warum wird dem Channard-Zenobiten gleich der Kopf abgerissen, als er sich der Anziehungskraft des Würfels widersetzt? Er befindet sich doch immer noch in der Höllendimension! Und vor allem: wie in aller Welt will Kirsty es im Showdown in so kurzer Zeit geschafft haben, aus ihren Klamotten und in Julias Haut zu schlüpfen? Die sie dazu erst mal in den labyrinthischen Gängen hat finden müssen!

Was den Plot betrifft, stimmt hier wirklich so einiges nicht. Man wird am Ende mit haufenweise unbeantworteten Fragen zurück gelassen, für die man auch im weiteren Verlauf der Reihe keine Auflösung erhält. "Hellbound" ist so leider ziemlich undurchdacht.

An der deutschen Synchro stört außerdem, dass bei der Übersetzung öfters nachlässig gearbeitet wurde. So geht beispielsweise verloren, dass Julia an einer Stelle zu Dr. Channard dieselben Worte wie Pinhead zu Kirsty am Ende des ersten Films benutzt:

"I have such sights to show you."

Und auch diesmal wurden nicht alle Stellen synchronisiert, wenn auch diesmal glücklicherweise nicht in so großem Ausmaß. Der O-Ton ist somit erneut der deutschen Sprachfassung vorzuziehen, trotz nach wie vor großartiger Sprecher (hinzugekommen sind hier beispielsweise Wolfgang Condrus und Udo Schenk, auch wenn deren Sprechparts nicht allzu groß sind). Wobei zumindest in der Turbine-Neuauflage der Trilogie-Box das Manko der fehlenden Synchronstellen wie beim ersten Teil behoben wurde.

Aber: Atmosphäre, Atmosphäre und nochmals Atmosphäre! Die beeindruckenden Bilder der Höllenwelt und die schrägen, geradezu grotesken Visionen der menschlichen Charaktere in diesen entschädigen mit den herausragenden Schauspielleistungen und den drastischen Splatter-Effekten für vieles. Auch der gegenüber dem Vorgänger wesentlich bombastischere Score (übrigens mit deutschem Beitrag, denn der Chor und das Orchester stammen aus München), erneut von Christopher Young komponiert, sorgt wieder für viel Gänsehaut. Mit dem Chorgesang wirkt die Musik hier noch sakraler als im ersten Teil. Und teilweise wird auch Zirkusmusik mit einbezogen, denn Tiffanys Höllenvision (die wohl unheimlichste und verstörendste von allen) hat einen albtraumhaften Zirkus mit Auftritten mehrerer Horrorclowns zu bieten. Richtiges Alptraummaterial!

"Hellbound" ist insgesamt eine in so gut wie allen Belangen konsequente Fortsetzung: aufwändiger, brutaler, surrealer und fieser. Gelegentlich wird der Film zwar auch recht cheesy - Tiffanys erstes Wort im Film: "Scheiße"! - und er hat gewaltige erzählerische Ungereimtheiten, aber er ist bildgewaltig und, wie erwähnt, wahnsinnig atmosphärisch. Mit diesem Film ist Pinhead endgültig zur Horrorikone geworden.

Und da "Hellbound" seit 2014 wie sein Vorgänger nicht mehr indiziert ist, kann heute jeder volljährige Horrorfan ohne Probleme in den Genuss dieser atemberaubenden Höllenreise kommen. Aber eben auch erst ab 18 Jahren. Denn anders als beim ersten Teil, der eine ziemlich großzügig bemessene ab-16-Freigabe erhielt, blieb es hier verständlicherweise beim roten Flatschen.

9/10
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Kommentare

16.10.2020 06:46 Uhr - dicker Hund
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Auch hier trifft die Kritik den Nagel auf den Kopf, wertungsmäßig sind wir gleichauf. Ich habe nicht alle der von Dir genannten offenen Fragen als Mangel empfunden. Die Hölle muss sich mir nicht im Detail erklären. Ist aber meines Erachtens legitim, die wenig geschmeidig erzählte Geschichte als Mangel zu deklarieren.

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