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Starman

Herstellungsland:USA (1984)
Standard-Freigabe:FSK 12
Genre:Drama, Liebe/Romantik, Science-Fiction
Alternativtitel:John Carpenter's Starman
Starman. El hombre de las estrellas
Bewertung unserer Besucher:
Note: 7,36 (11 Stimmen) Details
inhalt:
Die Raumkapsel "Voyager 2" schwebt schon seit 1977 im Weltall herum. Sie soll andere Lebensformen anderer Planeten auf die Erde einladen. Dann landet die erste außerirdische Gattung auf der Erde und zwar mitten im Wohnzimmer der Witwe Jenny Hayden. Das fremde Wesen nimmt dabei die Gestalt ihres verstorbenen Mannes an und fordert Jenny auf, sie nach Arizona zu bringen, wo der E.T. in drei Tagen von seinen Artgenossen abgeholt werden soll. Doch die beiden, die eine Romanze entwickeln,werden fortan von der Air Force quer durch Amerika gejagt.
Diese Kritik enthält Informationen über den späteren Handlungsverlauf der Geschichte.
eine kritik von velvetk:

Der im besten Sinne charmante, romantische und märchenhafte Starman beschwört auch fast vierzig Jahre nach Erscheinen dieses sichere, stimmige und unnachahmliche Gefühl herauf, dass man hier etwas sieht, was in keinem Augenblick aus einem vielfach durchgekauten CGI-Baukastenset kommt. Schon die ersten, noch leicht verunsichernd unwohlsamen Minuten machen klar, wer hier auf dem Regiestuhl saß und Carpenter verpasste es trotz absoluter Familientauglichkeit nicht, einige markante audiovisuelle Ecken und Kanten in dem Film zu hinterlassen. Für ein paar Momente ist nicht ganz klar, in welche Richtung der Film schwenken mag - und das ist in aktuell formelhaften und faden Zeiten Lohn genug.

Nachdem die Menschheit im Jahr 1977 eine Raumsonde ins All schickte, dauert es nur wenige Jahre - was zugegeben nicht plausibel ist, aber auch nicht stört -, bis eine freundlich gesinnte Antwort kommt. Und diese aus menschlicher Sicht skeptisch beäugte Antwort landet punktgenau im Wohnzimmer von Jenny (die wunderbare Karen Allen), die vor kurzem ihren Ehemann (Jeff Bridges) bei einem Unfall verloren hat. Das Wesen von einem anderen Stern nimmt die Gestalt von Scott, also dem dahin geschiedenen Mann von Jenny, an und die zwei Seelen brechen hastig und mit zunächst argen Verständigungsschwierigkeiten in das für beide Ungewisse auf. Und wie der Mensch so ist, gibt er erst den Finger, also diese einladend golden strahlende Raumsonde, um dann unter fadenscheiniger Angst den ganzen Arm zu greifen. Auf den Fersen von Jenny und dem Sternenmann sind Ermittler vom Militär, die nicht genau wissen, womit sie es tun haben und umgekehrt.

Starman ist einer von Carpenters wenigen, doch eher untypischen Filmen und doch klar ein Werk des einst so großen Regiemeisters. Hört man selbst mit einem Ohr hin, erkennt man unweigerlich Melodien und Fragmente, Gebilde und Linien in der Filmmusik - und das, obwohl der Score gar nicht von Carpenter selbst stammt. Auch die hervorragenden Bildkompositionen, mit ihren sphärischen Totalen und den lang ausgekosteten Einstellungen aus allen Entfernungen, erinnern immer wieder wehmütig daran, welch unerreichte Klasse Carpenter einem jeden Film unter seiner Hand einhauchen konnte. Kurzum: Starman sieht und klingt auch noch heute wunderbar und vor allem die plastischen Effekte zu Beginn, als sich das Wesen aus den unendlichen Weiten von klein auf in Jeff Bridges verwandelt, sind schön unbehaglich und besser getrickst, als es je ein Computer hinbekommen könnte. Diese visuellen Tupfer bleiben durchweg spektakuläre Spitzen, denn Starman ist letztlich doch vielmehr eine ruhige, auch aufarbeitende wie sensible Romanze und ein herrlich luftiges Roadmovie, gut pointierter Culture Clash und eine am Rande simple Ode an die Vernunft und greifbare Nächstenliebe. Das klingt ein bisschen kitschig und vielleicht auch ein wenig einfältig und das ist es wohl letztlich auch, doch in den überraschend feinfühligen, nach vorne schauenden wie humorvollen Händen Carpenters, nimmt das Süße und Glänzende nie überhand, wirkt niemals bemüht oder gar wie fauler Zauber, auch weil immer ein seidiges Tuch der Trauer zwischen beiden Protagonisten weht. Karen Allen spielt die trauernde Witwe, die plötzlich wieder mit dem kompletten Konterfrei ihres verstorbenen Mannes konfrontiert wird, schlicht phänomenal - allein ihre großen Augen, hach! Starman mag etwas zu lang geraten sein, doch es ist eine wahre Freude, ihr im Clinch mit der Wahrnehmung und dem nachvollziehbaren Gefühlschaos zuzusehen. In einer Welt, in der ich auf Oscars und Preise etwas geben würde, wäre es sogar schade, dass sie nicht für diesen Preis nominiert wurde. Jeff Bridges, der allerdings für diese immer wertloser werdende Nominierungsscharade bedacht worden ist, gibt einen zunächst sympathisch grinsenden und witzig ungelenken Erdneuling und wandelt sich dann auf unterhaltsame Weise - hier empfiehlt sich der atmosphärische Originalton, der sich nie gekünstelt anfühlt.

Ich habe bei Starman viel gelacht, nach und nach mitgefiebert, in Herzenswärme immer wieder geschmunzelt und auch ein klein wenig gestaunt, wie allseits bejahend dieser Film doch ist, ohne dass es sich falsch anfühlt. Damit blicken Carpenter und seine Autoren zwar nicht rundum, doch immerhin in die richtige Himmelsrichtung. Vor allem die romantische Komponente, bei der man schon ein Auge zukneifen muss, gefällt mir wider Erwarten, durch diese beiden tollen Darbietungen hindurch, sogar am besten. Das, und die sanft menschelnde und seicht eingeflochtene Moralandacht anbei, machen Starman zu einem sehenswerten und wenig zerstörerischen Film von John Carpenter, der eben auch anders konnte, ohne sich zu verleugnen. Hier gibt es nur ein Fazit: Starman ist schön.

7/10
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Kommentare

17.10.2020 00:20 Uhr - TheRealAsh
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Da hast mir aber richtig Lust gemacht, ich glaub den leg ich demnächst ein:-)

17.10.2020 05:49 Uhr - VelvetK
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Erfahrungspunkte von VelvetK 386
Genau das dachte ich zuletzt auch, als ich mir ein paar Carpenter-Filme aus der zweiten Reihe vornehmen wollte. Und siehe da, die sind fast alle erste Klasse. Jagd auf einen Unsichtbaren hat gestern auch überzeugt.

17.10.2020 10:59 Uhr - TheRealAsh
User-Level von TheRealAsh 10
Erfahrungspunkte von TheRealAsh 1.350
Ich hab meine alte DVD auch vor einiger Zeit mit dem Mediabook zum Unsichtbaren upgedatet, aber noch nicht angeschaut. Hoffentlich ist die Qualität gut, hast du das auch?

PS: im übrigen war "Jagd auf einen Unsichtbaren" einer der ersten Romane, die ich unbedingt lesen wollte, weil ich so gespannt auf den Film war. Da gibts ne krasse Zugsexszene drin, die es leider nicht in den Film geschafft hat, hatte mich schon so auf Daryl Hannah in meiner aufkeimenden Sexualität gefreut;-)

17.10.2020 13:04 Uhr - VelvetK
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Nein, das MB habe ich nicht. Meine Sammlung platzt so schon aus allen Nähten, da überlege ich mir derlei platzräuberische Anschaffungen immer sehr genau. Doch in HD habe ich den Film auf Amazon gesehen, weiß aber nicht ob das das gleiche Master wie bei der HD-Scheibe ist.

Ui, da gibt's nen Roman dazu. Das wusste ich nicht. Tja, für Daryl Hannahs Reize war ich damals noch viel zu jung, aber sie hat schon etwas sehr eigenwilliges.

17.10.2020 19:26 Uhr - Pratt
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Nettes Review, von dem was du schreibst, hätte ich eine höhere Bewertung erwartet... ;-)
Klasse Film mit tollen Hauptdarstellern, von mir aus der Erinnerung 9/10.

17.10.2020 20:46 Uhr - CHOLLO
1x
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Schönes Ding VelvetK

Obwohl ich mich als ausgesprochenen Fanboy von Carpenter bezeichnen würde, habe ich diesen hier noxh nie gesehen. Wohl weil mich die für diesen Regisseur eher ungewohnte Thematik abgeschreckt hat. Wahrscheinlich ein Fehler und etwas zu oberflächlich betrachtet von mir.
Muss definitiv mal nachgeholt werden bei der allgemein eher positiven Resonanz.

18.10.2020 09:21 Uhr - Intofilms
‚Charmant, romantisch, märchenhaft‘ trifft es genau. Überaus schöne Review, sehr gut! Wenn ich meine schon etwas ältere Blu-ray finde (ich weiß leider überhaupt nicht, wo die stehen könnte), werde ich heute Abend eine Neusichtung vornehmen. Ich bin gerade in der richtigen Stimmung. 😉
(Würde dir bestimmt auch gefallen, CHOLLO!)

18.10.2020 19:49 Uhr - cecil b
DB-Co-Admin
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Sehr schön geschrieben. Ja, den ich habe ich viel zu lange nicht gesehen. Ich hoffe, dass es nie ein CGI-Remake geben wird. ;)

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