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A Beautiful Day

(Originaltitel: You Were Never Really Here)
Herstellungsland:Großbritannien, Frankreich, USA (2017)
Standard-Freigabe:FSK 16
Genre:Drama, Thriller, Mystery
Bewertung unserer Besucher:
Note: 8,64 (14 Stimmen) Details
inhalt:
Ein junges Mädchen wird vermisst. Joe (Joaquin Phoenix), ein brutaler und vom eigenen Leben sowohl gequälter als auch gezeichneter Auftragskiller, startet eine Rettungsmission. Im Sumpf aus Korruption, Macht und Vergeltung entfesselt er einen Sturm der Gewalt. Vielleicht gibt es nach all dem Blutvergießen am Ende auch für Joe ein Erwachen aus seinem gelebten Albtraum…
eine kritik von ghostfacelooker:

Die Einführung der Figur aus dem Roman von Jonathan Ames, wirkt visuell so verzerrt und emotional unverständlich, wie die Szenerien, die ihn den ganzen Film über näher beleuchten sollen und eine ambivalente Ebene erzeugen, als würde man einer bekannten Melodie lauschen, die aber eine gänzlich andere, und bis dahin ungehörte Version ist und einem doch auf der Zunge liegt.

Phoenix´s Performance selbst ist es, gepaart mit der Kernaussage der Geschichte, die diese Assoziation durch sein Verhalten selbst zu erzeugen vermag. Ständig fragt man sich, woher kenne ich diesen Sound und so erging es mir bei der Definition dieser Figur.

Einerseits fragst du dich minutenlang, ob dieser bärbeißig grimmiger Charakter sympathisch wird nur um ihn in gewissen Momenten in denen sein leidender Gesichtsausdruck, dich genau dies vermuten lassen will, nur um ihm dann Minuten später wieder distanziert, ja sogar teilweise gleichgültig und kalt, seinen Handlungen gleich, zu ignorieren.

Dieser Film erinnerte mich in seiner Grundstimmung voll düsterer Undurchsichtigkeit und dem stetig flauen Gefühl im Magen, sich mit dem Protagonisten respektive durch Joaquin Phoenix, an das erste Mal als ich 8mm mit Nicolas Cage sah.

Joe, so der Name, ist ein von innerlicher Agonie zerfressen und gequälter Charakter, dessen Hintergrund in ebenso zerfetzt wirkenden Bruchstücken als Erinnerungsfäden in der Story aufblitzen und eingeflochten sind wie Blitzeinschläge, denen jedoch kein Donnergrollen vorausgeht und so unvermutet die zeitweise auch im ersten und oberflächlich betrachteten Verständnis die sehr undurchsichtig wirkende Handlung stören.

Aber all das dürfte absichtlich, der Adaption des Romans geschuldet sein, die Lynne Ramsay dem Zuschauer serviert und auf dessen Tiefe ich hier gern auf die Reviews der geschätzten Kollegen Nasum und TheRealAsh verweisen will, die darauf deutlicher eingehen.

Ich möchte hier vielmehr die Gefühlsebene zeichnen, die dieser Film besonders bei der Erstsichtung zu erzeugen im Stande ist, denn vieles von der Charakterzeichnung von Joe als auch die Gewaltdarstellung bleiben bewusst angedeutet oder in ihrem Entstehen unsichtbar, sodaß nur das schockierend und oftmals fragwürdige Resultat visualisiert wird und es einem selbst überlassen bleibt die Hintergründe oder den Ablauf dessen mental rekonstruieren zu müssen.

Ebenso die damalig vierzehnjährige Darstellerin Ekaterina Samsonov, unterstreicht das Surreale, da ihre scheinbar unschuldige Performance ähnlich einem sauberen Teddybär im Schlamm, brillant deplatziert wirkt und dies gerade das bewundernswerte darin ist.

Ab und an wird der Tathergang als Konsequenz der Handlung klar, oftmals jedoch minutenlang einfach „in den Raum“ und somit ins eigene Gehirn „geworfen“, sodaß nicht selten ein „Was zum Geier- oder auch WTF Moment entsteht“ und das nicht, weil man der Handlung nicht folgen können würde, sondern einfach nur vom Gesehenen überrascht wird.

Dazu kommt eine fast trotzig aufmüpfig wirkende musikalische Untermalung, die in ihrer surrealen Heiterkeit, oder den darin vorkommenden Texten einen schadenfreudig, verspottenden Unterton besitzt der zu sagen scheint; daß sie selbst nichts dafür kann, wenn man gerade irritiert ist.

Trotzdem besitzt der Film einen roten Faden, der zwischen posttraumatischen Belastungsstörung, schwerem Kindheitstrauma, Mißbrauch und subtiler Pädophilie, sowie bewusst suizidaler Hypoxie durchschimmert und sich am Ende genau wieder scheinbar irreführende Titel A Beautiful Day zeigt.

Dazwischen liegt ein Genre Mix aus Arthouse, Thriller, Drama und einem Actionanteil, welcher einzig durch seinen Hauptdarsteller ausgelöst, inszeniert und beendet wird und meiner Meinung nach eine Quintessenz schauspielerischem Leistungsanspruch ist, aber dennoch genau wie 8mm nicht zum oft wiederholten Ansehen geeignet ist, oder besser gesagt in jene Kategorie des Films für mich gehört, bei dem viel Zeit vergehen und man in der „richtigen Stimmung“ sein muß, um ihn sich erneut zu Gemüt zu führen.

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Kommentare

18.10.2020 13:40 Uhr - tp_industries
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Ohja, da hast du eine schwierige Perle rezensiert.

Als ich den Film das erste Mal sah, war ich platt. Er ist wirklich anstrengend. Aber eben auch irgendwie genial. Er hallte bei mir lange nach, und je länger ich drüber nachdachte, desto besser fand ich ihn. Der Trailer suggeriert sowas wie "The Equalizer", was aber absolut nicht passt. Auch die Assoziation mit "Taxi Driver", welche auf dem Cover zu finden ist, passt nur bedingt. Wie du schon geschrieben hast, ist das hier eine harte, schwer zu entziffernde Charakterstudie eines traumatisierten Menschen (von Joaquin Phoenix genial verkörpert).

Super geschriebene Kritik, ghost!

18.10.2020 14:11 Uhr - Ghostfacelooker
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18.10.2020 13:40 Uhr schrieb tp_industriesOhja, da hast du eine schwierige Perle rezensiert.

Als ich den Film das erste Mal sah, war ich platt. Er ist wirklich anstrengend. Aber eben auch irgendwie genial. Er hallte bei mir lange nach, und je länger ich drüber nachdachte, desto besser fand ich ihn. Der Trailer suggeriert sowas wie "The Equalizer", was aber absolut nicht passt. Auch die Assoziation mit "Taxi Driver", welche auf dem Cover zu finden ist, passt nur bedingt. Wie du schon geschrieben hast, ist das hier eine harte, schwer zu entziffernde Charakterstudie eines traumatisierten Menschen (von Joaquin Phoenix genial verkörpert).

Super geschriebene Kritik, ghost!


Liest man gern. Danke

18.10.2020 19:39 Uhr - cecil b
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"Liest man gern. Danke." Schreibe ich auch im Bezug auf deine Review!

18.10.2020 20:27 Uhr - Ghostfacelooker
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18.10.2020 19:39 Uhr schrieb cecil b"Liest man gern. Danke." Schreibe ich auch im Bezug auf deine Review!


Somit dank auch dir mein Lieber, natürlich den von der herzlichen Art^^^^

18.10.2020 20:31 Uhr - The Machinist
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Hui, einer meiner Lieblingsfilme 2018. Hat mich in seiner erzählerischen Entschleunigung und den gestylten Bildern auch direkt an die Filme von Jim Jarmusch erinnert, was einer der Gründe sein könnte warum ich ihn so mag. :)
Bezüglich deiner Aussage man müsse dafür in der richtigen Gemütsstimmung sein muss ich allerdings auch zustimmen. Ist bestimmt kein Film den ich mir 24/7 aus Lust und Laune ansehen könnte.

Wie immer auf den Punkt und nachvollziehbar verfasst.

18.10.2020 20:42 Uhr - Ghostfacelooker
1x
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18.10.2020 20:31 Uhr schrieb The MachinistHui, einer meiner Lieblingsfilme 2018. Hat mich in seiner erzählerischen Entschleunigung und den gestylten Bildern auch direkt an die Filme von Jim Jarmusch erinnert, was einer der Gründe sein könnte warum ich ihn so mag. :)
Bezüglich deiner Aussage man müsse dafür in der richtigen Gemütsstimmung sein muss ich allerdings auch zustimmen. Ist bestimmt kein Film den ich mir 24/7 aus Lust und Laune ansehen könnte.

Wie immer auf den Punkt und nachvollziehbar verfasst.


Danke und Gott sei Dank erinnerte er mich mehr an 8mm als an Jarmusch^^^^^^^^^^

18.10.2020 20:48 Uhr - The Machinist
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''8mm''? Den könnte Jarmusch gerne mal neuverfilmen... ;-)

18.10.2020 21:00 Uhr - Ghostfacelooker
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18.10.2020 20:48 Uhr schrieb The Machinist''8mm''? Den könnte Jarmusch gerne mal neuverfilmen... ;-)


Herrje, deine Träume möchte ich nicht im Farbfilm sehen^^^^^^^^^^^^

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