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Das Grauen aus der Tiefe

(Originaltitel: Humanoids from the Deep)
Herstellungsland:USA (1980)
Standard-Freigabe:FSK 16
Genre:Horror
Alternativtitel:Monster
Monster (Humanoids from the Deep)
Bewertung unserer Besucher:
Note: 6,60 (15 Stimmen) Details
inhalt:
Ein Konzern will in der kleinen kalifornischen Fischerstadt Noyo eine Konservenfabrik errichten. Für die meisten Einheimischen, u.a. Jim und seine Familie sowie Hank bedeutet die Fabrik sichere Arbeitsplätze und ertragreichere Fänge. Für andere, wie dem indianisch abstammenden Johnny, jedoch auch die Zerstörung natürlicher sowie eigener Lebensräume. Doch die Stadt hat schon bald schwerwiegendere Probleme. Nachdem mysteriöse Kreaturen auftauchen und zuerst Haustiere töten und später auch Menschen anfallen bzw. vergewaltigen, muss sich Jim zusammen mit Johnny und der Wissenschaftlerin Susan, welche im weiteren Verlauf gesteht, dass die Kreaturen aufgrund einer verpfuschten Genmanipulation des Konzerns entstanden sind, den Biestern in einer finalen Schlacht stellen.
eine kritik von chollo:

Zu Beginn der Achtziger Jahre war die Karriere des einstigen Serienstars Doug McClure ("Die Leute von der Shiloh Ranch") bereits gelaufen. Seine jüngsten Outputs "Caprona 1+2"; "Der sechste Kontinent", allesamt unter der Regie von Kevin Connor (" Motel Hell"), kann man getrost dem Trash Segment zuordnen auch wenn sie einem gewissen Charme nicht entbehren. Ein Kassenmagnet sieht wahrlich anders aus und so kam es, das sich der gute Doug dann auch im US- amerikanischen Raum im B- Film Bereich rund um Roger Corman einfand.

 "Humanoids from the Deep" oder "Das Grauen aus der Tiefe" heißt die Errungenschaft die größtenteils unter der Regie von Barbara Peeters entstand. Gerüchten zufolge soll Corman als Geldgeber noch ein paar explizite Szenen im Softcore Bereich nachgefordert haben bei denen ein zweiter Regisseur für Nachdrehs engagiert werden musste, da sich die ursprüngliche weigerte. Wieviel von diesem Zusatzmaterial es schlussendlich in den fertigen Film schaffte ist bis heute aber umstritten. Dem fertigen Produkt hätte wohl auch dass nicht das Genick gebrochen. Aber nicht weil wir es hier mit herausragender Filmkunst zu tun haben, sondern weil "Humanoids" genau weiß was er ist, Trash der allerersten Güte.

Was erstmal für positives Erstaunen sorgt, ist das äußerst gut gewählte und ansprechende Setting. Das Hafenstädtchen versprüht einen gemütlichen Charme, aber nicht ohne auch für etwas Unbehagen aufgrund der vermeintlichen Abgelegenheit zu sorgen. Die Örtlichkeit ist oftmals Dreh und Angelpunkt und nicht selten für den Erfolg oder Mißerfolg einer B- Produktion verantwortlich. Dahingehend gibt es nichts zu beanstanden und es lässt den Film in einem besseren Licht erscheinen als Vergleichsproduktionen. Nicht umsonst bediente sich selbst das 16 Jahre später entstandene Remake an dem Ursprungsmaterial und recycelte etliche Szenen, vor allem von der finalen Rummelszene.

Die Masken bzw. Spezialeffekte sind dann aber wieder eine andere Angelegenheit. Obwohl der zukünftige Mastermind Rob Bottin ( "The Thing"; "The Howling") seine Finger im Spiel hatte und sogar selbst in das Kostüm einer Kreatur schlüpfte, sind deren Erscheinungsbilder maximal als dürftig zu bezeichnen. Vor allem die unproportional langen Arme der "Humanoids" wirken fast schon lächerlich und verschenken einiges an Potenzial an die unfreiwillige Komik. Die Biester dann auch noch zu Beginn bei Tageslicht und in einer lahmen Schießerei erstmalig in voller Pracht zu präsentieren darf auch als Griff ins Klo bezeichnet werden. Etwas mehr Zwielicht oder ein anderer Kamerawinkel hätten da bestimmt Wunder bewirkt. Zu Gute halten muss man aber auf der anderen Seite die Inszenierung in den letzten 10 Minuten. Obwohl nur etwa 2-3 Vollkostüme zur Verfügung standen, sieht die Invasion der Fischmenschen am Ende nach deutlich mehr aus.

Überdurchschnittlich aber nicht inflationär verstreut dürfen sich die Gore-/ Splattereffekte präsentieren. Dieser Ruf eilte der Cormen Produktion fast schon voraus und dürfte nicht unbedeutend für seinen jetzigen Status in der Fan Community sein. Doch Vorsicht, wer jetzt ein Blut und Gekröse Gewitter im Achtziger Jahre Gewand erwartet wird bitter enttäuscht. Fraglos dürfen ein paar derbe Effekte bestaunt werden, die das Herz eines manchen Liebhabers höher schlagen lassen, doch eine Granate in Grausamkeit bleibt dem Zuschauer erspart bzw. vorenthalten. Die 18er Freigabe lässt sich mit der 16er Freigabe heutiger Tage anstandslos in Einklang bringen.

Schauspielerisch gibt es nicht viel zu vermelden. Doug McClure spielt eben Doug McClure, der beinharte Mann mit dem Herz am rechten Fleck. Seine Besetzung kann fast schon als Minuspunkt betrachtet werden. Nicht weil ich den Mann so ungern sehe, sondern weil seine Teilhabe und Auftreten in jedem Moment suggerieren, das hier zum Ende alles wieder in Ordnung kommt. Vic Morrow, der 2 Jahre später tragisch bei einem Comeback-Versuch in John Landis "Twillight Zone" während der Dreharbeiten tödlich verunglückte, spielt hier eine seiner letzten Rollen.

Erwähnenswert ist vielleicht noch die Musik von James Horner ( "Avatar"; "Apollo 13" ; "Braveheart"), welcher ebenfalls unter unglücklichen Umständen 2015 bei einem Flugzeugabsturz ums Leben kam. Obwohl noch in einem frühen Stadium seiner Laufbahn, wirken seine schrägen Synthie Kompositionen schön schauerlich und atmosphärisch. Dieser Aspekt steht "Humanoids from the Deep" ebenfalls sehr gut zu Gesicht und  wertet die Low Budget Produktion in vielen Szenen hörbar auf.

"Humanoids from the Deep" ist eine Roger Corman-, Achtziger Jahre-, Low Budget- Produktion wie sie im Buche steht. Durch die Beteiligung einiger hochtalentierter Individuen (Bottin, Horner) und dem Mitwirken solider B-Film Akteure (McClure, Morrow) sowie seinem Hang zu blutigeren Einlagen haben wir es hier aber mit einer sehr unterhaltsamen und kurzweiligen Monster Show zu tun. Das 1996 entstandene Remake unter dem gleichen Namen kann man sich aber getrost schenken. Trotz des Altersunterschieds wirkt dieses wie ein unfertiger und minderwertiger Nachklapp.

6/10
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Kommentare

18.10.2020 19:34 Uhr - cecil b
2x
DB-Co-Admin
User-Level von cecil b 18
Erfahrungspunkte von cecil b 6.168
Ein schönes Review zu einem 'schönen' Film für die besondere Unterhaltung! Interessante Hintergründe sind auch dabei!

"Doug McClure spielt eben Doug McClure, der beinharte Mann mit dem Herz am rechten Fleck."

So sieht es aus. :)

18.10.2020 22:25 Uhr - Intofilms
1x
Grandios „Grauen“-hafter B-Movie-Spaß, der für mich einfach mit dazugehört. Ich hatte schon so viel Spaß mit diesem Film und stimme dir in allen Punkten zu. Gute Arbeit, CHOLLO! 😉
(Eines der besten Cover!)

18.10.2020 22:26 Uhr - Kaiser Soze
DB-Co-Admin
User-Level von Kaiser Soze 20
Erfahrungspunkte von Kaiser Soze 8.223
Schließe mich an, ein angenehm zu lesendes Review mit vielen Infos - nicht nur zum Film, auch zu den Beteiligten und Co. Ich selber, kennen weder diesen Film, noch sein Original, aber dies wird wohl auch so bleiben^^ Trotzdem oder gerade deshalb, gut verfasst!

19.10.2020 02:38 Uhr - Dissection78
DB-Co-Admin
User-Level von Dissection78 15
Erfahrungspunkte von Dissection78 3.904
Habe mir eben nach Ende meiner Spätschicht diesen - ich würde schon sagen - wunderbaren Low-Budget-Streifen aufgrund Deiner Kritik erneut angetan (kurz genug dafür isser ja) und bleibe bei meinem 2013er Fazit: "Das Grauen aus der Tiefe" ist routinierter, spaßiger und unterhaltsamer Monstertrash, der an alte 50er-Jahre-Horrorfilme von Jack Arnold ("Der Schrecken vom Amazonas") und Roger Corman ("Attack of the Crab Monsters") erinnert, selbst wenn er in Sachen Sex und Gewalt klarerweise um einiges freizügiger ist. 7 Punkte. Guter Film, tolles Review, CHOLLO! :)

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