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Event Horizon - Am Rande des Universums

(Originaltitel: Event Horizon)
Herstellungsland:Großbritannien (1997)
Standard-Freigabe:FSK 16
Genre:Horror, Science-Fiction, Thriller
Bewertung unserer Besucher:
Note: 8,82 (120 Stimmen) Details
inhalt:
Wir schreiben das Jahr 2047. Einige Jahre zuvor verschwand das Forschungsraumschiff "Event Horizon" spurlos. Jetzt wurde ein Signal empfangen und die amerikanische Raumfahrtbehörde reagiert sofort. Ein kompromissloser Captain (Laurence Fishburne), seine Elite-Crew und der Konstrukteur des vermissten Raumschiffs (Sam Neill) werden auf die Suche nach der Quelle des Signals geschickt. Ihr Auftrag: den Mega-Raumkreuzer zu finden und zu bergen. Was sie finden, ist unvorstellbarer Terror. Was sie retten müssen, ist ihr Leben. Denn irgendjemand oder irgendetwas wartet nur darauf, sie in eine neue Dimension unvorstellbaren Schreckens zu stoßen.
Diese Kritik enthält Informationen über den späteren Handlungsverlauf der Geschichte.
eine kritik von cabal666:

Ganz eindeutig Paul W.S. Andersons bester Film.

Wir schreiben das Jahr 2047: das Bergungsraumschiff "Lewis & Clark" bricht zu einer geheimen Rettungsmission auf. Die Crew, bestehend aus Captain Miller (Laurence Fishburne), seiner Ersten Offizierin Lt. Stark (Joely Richardson), dem Piloten "Smitty" (Sean Pertwee), den Sanitätern Peters (Kathleen Quinlan) und D. J. (Jason Isaacs), dem Ingenieur Justin (Jack Noseworthy) und dem Techniker Cooper (Richard T. Jones), wird erst nach der Ankunft am Ziel und ihrem Erwachen aus dem Kälteschlaf vom begleitenden Wissenschaftler Dr. Weir (Sam Neill) über den Inhalt ihrer Mission informiert: sie sollen das sieben Jahre zuvor verschollene Raumschiff "Event Horizon" bergen, das plötzlich in der Nähe des Neptuns wieder auftauchte. Tatsächlich kann dieses ausfindig gemacht werden. Kurz nach Betreten des Schiffs häufen sich jedoch rätselhafte Vorkommnisse. Von der Crew der "Event Horizon" sind nur noch verstümmelte Leichen übrig geblieben. Und der von Dr. Weir entworfene neuartige Antrieb des Schiffs, der Reisen mit Überlichtgeschwindigkeit durch das Öffnen eines Wurmlochs ermöglicht, scheint ein gefährliches Eigenleben entwickelt zu haben. Bald werden die Crewmitglieder der "Lewis & Clark" von grauenhaften Visionen heimgesucht, die sie ihre schlimmsten Ängste und verdrängten Erinnerungen wieder und wieder durchleben lassen. Die ersten Todesopfer lassen nicht lange auf sich warten. Captain Miller versucht verzweifelt, bei Verstand zu bleiben und seine Crew zu retten. Jedoch stellt sich ihm der wahnsinnig gewordene Weir in den Weg, den Halluzinationen seiner Frau Claire (Holly Chant) zum Sklaven des lebendig gewordenen Schiffs gemacht haben...

"Event Horizon" ist, betreffend seiner Handlung, zwar nicht sonderlich originell, macht dies jedoch durch seine Inszenierung wieder wett. Anderson mischt hier Versatzstücke der verschiedensten bekannten Science-Fiction- und Horrorwerke zu einem stimmigen Ganzen.

Die Grundthematik der Manifestation von Schuldgefühlen geht auf Stanislaw Lems Roman "Solaris" zurück, die Handlung erinnert an die Spiele der "Doom"-Reihe, deren Studio auch für die Spezialeffekte im Film zuständig war. Im Film finden sich außerdem mal mehr, mal weniger offensichtliche Verweise auf Filme wie "Alien" (das Produktionsdesign ist deutlich an diesen angelehnt), "Der Exorzist", "Shining" und "Hellraiser". Drehbuchautor Philip Eisner (schrieb danach noch das Skript für "The Mutant Chronicles") nannte außerdem die Hintergrund-Lore des Tabletop-Rollenspiels Warhammer 40.000 als Inspiration, in dem ebenfalls Wurmlochreisen durch eine höllische Paralleldimension eine Rolle spielen. Diese wilde Mischung geht aber durchaus auf.

Der Film wird vor allem von seinen großartigen Darstellern getragen. Laurence Fishburne, der sich mit dieser Rolle für "Matrix" empfahl, als gewissenhafter Raumschiffcaptain und Sam Neill als besessener Wissenschaftler erbringen hier Leistungen, die zu den besten ihrer Karrieren gezählt werden können. Besonders Neill, der am Ende so richtig aufdreht und absoluten Wahnsinn zum Ausdruck bringt, ist toll. In solchen Rollen ist er ohnehin am besten, was er auch zwei Jahre zuvor in John Carpenters "Die Mächte Des Wahnsinns" unter Beweis stellte.

Weitere gute Darsteller sind u.a. noch "Lucius Malfoy" Jason Isaacs als besonnener Doktor, Joely Richardson (die ich zuvor nur aus ihrer Rolle als Anita in der Realverfilmung von Disney's "101 Dalmatiner" kannte, welche ich als Kind wohl etwas zu häufig gesehen habe), Sean Pertwee (den Anderson in "Star Force Soldier" erneut besetzte und der Horror- und Actionfans auch durch seine Rollen in "Equilibrium", "Dog Soldiers" und "Doomsday" bekannt sein dürfte) als hitzköpfiger Pilot und Kathleen Quinlan (u.a. "American Graffiti", "The Doors", "Apollo 13") als psychisch instabile Sanitäterin mit Mutterkomplex. Alle sind hier definitiv nur zu loben.

"Event Horizon" überzeugt durch seine von Beginn an extrem düstere und bedrückende Atmosphäre. Die Ausleuchtung der fantastisch gestalteten Sets und die wohldosierten Schockeffekte verfehlen ihre Wirkung nicht. Zugegeben, zu letzteren zählen auch ein paar nervige Jumpscares. Glücklicherweise geht Anderson mit selbigen aber sparsam um. Der Score vom verstorbenen Meister Michael Kamen (u.a. "Highlander", "X-Men"), der hier mit dem Techno-Duo Orbital zusammenarbeitete, sorgt für die passende, unheilvolle Untermalung.

Interessant wird der Film auch durch seine religiöse Metaphorik (so geht z.B. der Grundriss des titelgebenden verlassenen Raumschiffs auf den der Notre Dame zurück) und die originelle Auslegung des Konzepts der Hölle. Diese wird hier als eine fremde Dimension dargestellt, welche der menschliche Verstand garnicht erfassen kann, in der Schmerz und Lust untrennbar miteinander verbunden sind und in der Menschen ihre schlimmsten Erinnerungen wieder und wieder durchleben. Damit ähnelt "Event Horizon" stark den "Hellraiser"-Filmen. Ja, im Grunde ist das hier der Film, der "Hellraiser"-Bloodline, der Vertreter der Reihe, der tatsächlich - zumindest teiweilse - im Weltraum spielte, hätte sein sollen. Zumal man hier einen "Pinhead" gewissermaßen auch geboten bekommt. Sam Neill ähnelt mit seinem Narben-Make-Up am Ende nämlich - wohl mit Absicht -stark dieser berühmten Horrorikone.

"Event Horizon" ist vor allem in optischer Hinsicht beeindruckend. Das Innere des titelgebenden Raumschiffs hätte auch von H.R. Giger designt worden sein können und die heftigen Splattereffekte, die in den Höllenszenen zum Einsatz kommen, wecken Erinnerungen an die ersten beiden "Hellraiser"-Filme. Für eine FSK 16 ist das schon ziemlich drastisch. Und das, obwohl der Film im Vorhinein stark geschnitten wurde und ein Großteil des damaligen Materials nach wie vor als verschollen gilt. Zwischenzeitlich tauchte ein Teil davon zwar - in einer transsilvanischen Salzmine (!) - wieder auf und ist im Bonusmaterial der Special-Edition-DVD und der Blu-Ray enthalten, allerdings handelt es sich dabei zumeist nur um Wiederholungen und geringfügig alternative Versionen bereits bekannter Szenen sowie eher unnötige Handlungserweiterungen. Ich jedenfalls finde, dass der Film auch in seiner Kinofassung ziemlich brutal und in sich stimmig ist und im Grunde gar keiner zusätzlichen Härten bedarf.

Sicher ist hier nicht alles perfekt. Die Computereffekte sind, vor allem aus heutiger Sicht, geradezu lachhaft schlecht und waren das vermutlich schon damals. Auch sind die Dialoge nicht gerade einfallsreich.

Insgesamt ist das hier aber ein äußerst gut gelungener, extrem atmosphärischer Science-Fiction-Horrorfilm mit beeindruckenden Bildern und tollen Schauspielern. Heutzutage nimmt er sich wie ein Fremdkörper im Werk seines Regisseurs aus, der ja ansonsten für sinnbefreite Actionspektakel bekannt ist. Nicht, dass ich mich deswgen beschweren würde - ich oute mich hier mal als Fan von Andersons "Alien Vs. Predator" und der "Resident Evil"-Reihe. Aber "Event Horizon" ist in Sachen Horror, Schauspielleistungen und Subtext wesentlich eindrucksvoller aufgestellt.

Der Film floppte zwar an den Kinokassen, entwickelte sich auf Video und DVD jedoch rasch zum Kultfilm und hatte eine nicht zu unterschätzende Nachwirkung, hauptsächlich im Computer- und Rollenspielbereich. So übernahmen die Spiele der "Mass Effect"-Reihe mehrere Handlungselemente hinsichtlich der Hintergrundwelt und die "Dead Space"-Reihe ist, was Handlung, Setting und die Horroratmosphäre angeht, überdeutlich inspiriert. Auch scheinen einige Designer von Warhammer 40.000 umgekehrt ebenfalls Anleihen aus dem Film zu nehmen (vor allem bei Fraktionen wie den Chaos Space Marines).

Nebenbei bemerkt bekommt man hier auch schon 17 Jahre vor "Interstellar" eine leicht verständliche Erklärung des Konzepts von Wurmlöchern geboten. Man könnte sogar fast meinen, da hat Nolan ein bisschen von dem Film hier geklaut. ;-)

8/10
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Kommentare

18.10.2020 16:58 Uhr - Cabal666
1x
User-Level von Cabal666 8
Erfahrungspunkte von Cabal666 806
Ich habe hier mal zwischen meiner laufenden Review-Reihe zu den "Hellraiser"-Filmen einen kleinen Exkurs eingeschoben. Denn "Event Horizon" ist diesen Filmen recht ähnlich, da auch deutlich von ihnen inspiriert, und bietet sich besonders im Vergleich zum vierten Teil an, der ja eine ähnliche Ausgangssituation hatte, allerdings als Science-Fiction-Horrorfilm scheiterte. Meine Kritik zu diesem kommt heute auch noch.

18.10.2020 18:23 Uhr - dicker Hund
2x
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Erfahrungspunkte von dicker Hund 3.859
Tolles Review mit inspirierenden Querverweisen auf das "Hellraiser"-Franchise und die Gamer-Sparte. Für mich ist das Andersons einziger rundum gelungener Film. "Resident Evil" und "Alien versus Predator" sind mir dagegen bei der Erstsichtung dermaßen sauer aufgestoßen, dass es zu keiner Zweitsichtung mehr gekommen ist.

18.10.2020 19:16 Uhr - cecil b
1x
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"Ganz eindeutig Paul W.S. Andersons bester Film." Auf jeden Fall!

Eine tolle Besprechung! Und ich halte den Vergleich mit dem Hellraiser-Thema auch für sinnvoll.

"Event Horizon" ist vor allem in optischer Hinsicht beeindruckend. Das Innere des titelgebenden Raumschiffs hätte auch von H.R. Giger designt worden sein können und die heftigen Splattereffekte, die in den Höllenszenen zum Einsatz kommen, wecken Erinnerungen an die ersten beiden "Hellraiser"-Filme."

Sehe ich ähnlich. Und wie du schon schriebst, Giger-Alien, ja, da werden Erinnerungen geweckt, im positiven Sinne. Wenn das fehlende Material doch mal zu sehen wäre......seufz.

"

19.10.2020 10:29 Uhr - ulver
1x
Eine stark geschriebene Kritik. Selten hat mich ein Film so geängstigt und zeitgleich meine Fantasie beflügelt wie Event Horizon.

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