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Johnny Flash

Herstellungsland:Deutschland (1986)
Genre:Biographie, Komödie, Trash
Bewertung unserer Besucher:
Note: 5,60 (5 Stimmen) Details
inhalt:
Der junge arbeitslose Elektriker Jürgen Potzkohten lebt noch bei seiner Mama. Jürgen ist ein leidenschaftlicher Musiker der versucht sich durch regelmäßiges Vorsingen als Musiker mit Erfolg zu etablieren. Klappt aber vorerst nicht. Durch Zufall bekommt dann aber eine Musikredakteurin von seinem Talent Wind und möchte dieses für ihre Zwecke nutzen. Auch die Firma Toi Toi Toi ist ganz Ohr. Die Musikredakteurin, Toi Toi Toi und die Mama buhlen nun um Jürgen alias Johnny Flash, das ist sein Künstlername.
eine kritik von cecil b:

 

Während WALK THE LINE, die Filmbiografie über den einzigartigen Johnny Cash, bejubelt wird, scheint vielen diese kleine Filmperle hier nicht bekannt zu sein. Dabei ist sie eine Anlehnung an die Biografie von Musiker, Schauspieler, Clown, Regisseur, Maler ezeterapp Helge Schneider, der hier den Protagonisten spielt. Dazu später mehr. 


Johnny Flash wurde von Werner Nekes († 2017) gedreht. Viele von Nekes Kunstprojekten - meist mit dem Schwerpunkt Ruhrpott -  wurden ausgezeichnet, für sein Lebenswerk erhielt er den Bambi. Nekes produzierte diesen Film auch, und schrieb das Drehbuch dazu. Helge hat schon in seinen jungen Jahren Stücke für diesen Herren komponiert. Die Kamera-Arbeit von Bernd Upnmoor (Die Bettwurst) und Serge Roman (Zu Hause-was ist das eigentlich?) legt im Auftrag von Nekes viel Wert darauf, das Geschehen gelegentlich durch simple inszenatorische Spielchen, wie Verkleinerungen und Vergrößerungen, Zeitraffer und Zoom, fast surreal darzustellen. Die Gesichter der Figuren wirken dadurch manchmal fratzenhaft, Helge wird so fast zur Comic-Figur. Fast, denn das Ganze stellt - wenn auch angestaubt - das pure Leben dar. Die Normalität ist in JOHNNY FLASH komisch, die einfachsten Dinge bekommen durch ein abstraktes Denken eine neuartige Perspektive. Die Schnitte könnten der Erstling eines Teenagers sein, die Beleuchtung ist auf das Nötigste beschränkt, die gewollte Unvollkommenheit ist eine Kunst für sich. Helge hat das in seinen späteren Filmen, bei denen er zum Teil auch die Regie führte, immer wieder bewiesen. 

Aus einem Interview, mit dem Film- und Theaterregisseur, Aktionskünstler und Autoren Christoph Schlingensief (R.I.P.),:  Helge über seinen ersten Spielfilm, TEXAS – Doc Snyder hält die Welt in Atem, : "Ich habe da eigentlich nur Bilder aneinander gereiht. Jetzt geht derjenige hin, der meint, er wär, ....er hätte auf der Filmhochschule alles gelernt, und sagt: 'Hör mal, Schneider, dein Film ist aber scheiße. Da sind ja furchtbare Schnitte drin. Was ist denn das, da ist ja gar kein Rhythmus drin.' Der Film hat nen Rhythmus , .... da muss man sich drauf einlassen." Schlingensief verlieh Helge in Sachen Film wohl die wichtigsten Impulse.

Die Besetzung ist einfach wunderbar. Andreas Kunze (R.I.P.), der noch in vielen weiteren Filmen mit Helge dessen Mutter darstellt, gibt hier sein Mutter-Debüt. Er glänzt auch als Herrenausstatter, Musikmanager, Musikladen-Besitzer usw., mit seinem ausgeprägten komödiantischen Talent, welches in erster Linie davon lebte, das Kuriosum ernsthaft darzustellen. Klar, wir haben gelernt, dass ein Akteur eher nicht gleich mehrere Rollen in einem Film spielen sollte. Mittelfinger hoch, vergesst, was ihr im Normalfall erwartet. Die Journalistin und Buchautorin Heike-Melba Fendel (Dienstreise - Was für eine Nacht) punktet als Redakteurin, die ihre geballte - auch körperliche -Präsenz sehr gezielt einzusetzen weiß. Alle Szenen wurden improvisiert gespielt, das Drehbuch ist lediglich eine Verknüpfung der Story. Das muss man erst einmal hinkriegen! Den Vergleich mit einem klassischen Schauspiel muss keiner der Darsteller standhalten. Auch Helge nicht. In diesem Film ist er ein dürrer, junger, naiver, unsicherer, aber auch zielstrebiger und wissbegieriger Mann, den viele Figuren für ihre Vorstellungen gebrauchen wollen. Aber der Fisch geht nicht so leicht ins Netz, denn er ist kaum zu fassen, und schwimmt mit seinem Eigensinn erfolgreich gegen den Strom. Helge spielt den Potzkothen toll. So motorisch geschickt wie ein Artist agiert der Protagonist bewusst ungelenk. Die Selbstironie von Helge, sowie der harmlos provozierende, humorvolle Blick, auf das seltsame Verhalten einiger Menschen, scheint ihm einfach im Blut zu liegen, ohne, dass er dies immer direkt mitteilen muss. 

                                                                       

                                                                                JOHNNY SCHNEIDER

Die Intentionen von Potzkothen und Helge sind nicht unähnlich, was man auch durch einen Vergleich von Helges biografischen Buch BONBON AUS WURST -  MEIN LEBEN (eine Nachbarin von Helge darüber: "Das ist doch alles erlogen." Bodo: "Es stimmt alles. Ich war dabei.") mit Nekes Story beweisen kann. Ich zitiere das erst genannte Buch: Über Ludwig van Beethoven: "...er war auch nur ein Mensch und war sicherlich auch nur wegen der Frauen Musiker geworden wie ich. ...Man singt doch nicht: 'Der Rasen ist grün und ich hole jetzt den Rasenmäher', oder ähnlich unbedeutendes, nein, man singt doch: `Nimm diesen Strauß, mein Schatz, und tu ihn in die Vase'."

Wer Helge kennt, kennt sein musikalisches, verschmustes Bonbon aus Wurst ("...das ihr Glück gebracht."). Wer aber mal sehen möchte, wie ein junger Helge die Wunderbarhaftigkeit der Weiblichkeit liebkost, kann sich diesem Fetischismus mit Nekes JOHNNY FLASH hingeben. Besonders junge Frauen sind Sängern wie Robbie Williams, Justin Timberlake, Marilyn Manson oder eben Jürgen Potzkohten gegenüber oft nicht abgeneigt. Musik und Frauen. Jürgen steht unter der Fuchtel der Mama, die ihn dort gerne haben möchte, und er rebelliert ein wenig. Da versteckt sich aber die Übermutter im Schrank, einem der Einfachheit halber entsprungenen Symbol für das Unterbewusstsein, um nicht die Kontrolle über den Sohn bei dessen sexuellen Aufblühen zu verlieren, welches er vor dem Schrank zelebriert. Mama verliert allerdings das Zepter, wenn die heiße Redakteurin bei einer Autopanne die Hilfe von Jürgen sucht, sich auch im Sinne von dem Star in spe erfolgreich sexualisiert, und gleichzeitig ein Klischee karikiert. Und Jürgen singt: "Liebe ist nicht peinlich, sei doch nicht so kleinlich." Die Groupies warten bald freudig auf ihn, und er kann ihre Namen kaum behalten: Sybille, Annegret, Motsi, Hedwig, Ling Ling, Bettina, Schnucki, Hannah...oder so ähnlich. Das ist natürlich Sexismus pur, weil Jürgen Potzkothen von den Frauen zu großen Teilen auf Sexualität reduziert wird, oder darauf, dass sie ihn nur für ihre Erfolge oder ihr Bedürfnis nach Macht gebrauchen wollen. Und natürlich ist das eine Persiflage, wenn man den Jürgen näher betrachtet. 

Aus dem Buch, über das Leben von sich selbst, von Helge: Über seine Auftritte in Japan: "...dass die Leute mich nur lieben, weil ich so gut aussehe, und das allein will ich nicht. Man soll auch meine Musik verstehen....Nur super aussehen, das kann schließlich jeder....So wird aus Frankensteins Braut Lollobrigida. ...Doch die meisten Frauen meinen, mit Lippen wie in Pfannkuchen eingerollte Würstchen käme man nicht mehr so an in der Straßenbahn. Sie irren sich. Die öffentlichen Verkehrsmittel nehmen alle mit." Huch, ich schweife eventuell ab.

Das soll nicht sein. Mein stelle sich nur vor, jemand möchte eine Filmkritik oder so etwas lesen, und dann muss er ganz viele Sätze über sich ergehen lassen, die nix mit dem Film zu tun haben. Ein Unding. So etwas. So wie der Künstlername Bono. Mal ehrlich. Es ist doch so, es gibt nix nervigeres, im Fall der Fälle, wenn genau das geschieht. Wenn das noch Hand in Hand mit ellenlangen Wiederholungen geht, und genauso langen Sätzen, die gar nicht wichtig sind, und gerade deswegen nicht lang sein sollten, und dann vielleicht noch unnötig kompliziert, dann, muss ich ganz klar sagen, bzw. schreiben, weil sie, sehr geehrter Leser, gerade nicht hören können, was ich sage, oder ob ich überhaupt etwas sage, ich könnte ja sogar stumm sein, bin ich ungehalten. Am liebsten möchte ich den Autoren von so einem Text würgen, um ihn darauf aufmerksam zu machen, dass solche Passagen eine Zumutung sind, ja, sie eigentlich verboten werden müssten. Was sind das eigentlich für Menschen, die vielleicht sogar einen ganzen Absatz schreiben, der in einem kurzen Satz zusammengefasst werden könnte. Und den die vielleicht sogar in ihrem Text zuvor selbst geschrieben haben? Da kann man nix machen. Deswegen schreibe ich wieder etwas über den Film.

Die Klischees, das, vom arbeitslosen Elektriker zum Millionär, und von der Küchenpsychologie hinter den Figuren, sie entlarven doch im Grunde die Komik des durchschnittlichen abendländischen Vor­stel­lungs­ver­mö­gens, und halten einem verklemmten Spießertum den Spiegel vor. Beim Kaffeekränzchen wird eigentlich der Erfolg des Sohnes gefeiert, nicht sein einzigartiges Talent.

Es ist einfach ergreifend, wie die Leute und die Musikindustrie mit den Gefühlen von Helge, Äh,  Johnny, äh, Jürgen, ihr wisst schon, spielen. Ja, und Helge hatte es auch nicht immer leicht. War Klassenbester, bis er in die Pubertät kam. Dann verschmähte er die Schule, flog mit fuffzehn Jahren von dieser,  ging schon am Mittag in die Disko (so etwas war damals manchmal möglich), brach alle Lehren ab, und malochte in verschiedenen Berufen. Als er auf dem Bau gearbeitet hatte, trug er zwei Zöpfe, die an den Seiten seines Kopfes wuchsen, weshalb er Susi genannt wurde. Das machte dem Helge Spaß. Zu provozieren. Dann spielte er in Hotels am Klavier, und verdingte sich auch anderweitig ein bisschen durch seine Mucke. So spielte er zusammen mit Bands wie Charly Weiss oder Peter Burschs Bröselmaschine. Tatsächlich hat mir Bursch beigebracht wie man eine Gitarre bedient. Vergebens, das Mikrofon zog mich magisch von der Gitarre zu sich heran. Helge hatte somit ebenso eine unsichere finanzielle Grundlage, aber ein Leben mit vielen Türen, die geöffnet werden können, wie Jürgen Potzkothen. Nachdem Helge damit begonnen, seinen Humor mit der Musik zu verbinden, und dann mit Künstlern wie Schlingensief (Mit Helge: Menu Total, Review vorhanden) zusammengearbeitet hatte, wurde er u. a. durch bekannte TV-Shows als z. B. singende Herrentorte berühmt. Er erfand solche Bezeichnungen, damit er irgendwie für die Masse kategorisiert werden konnte. Der Hit Katzeklo erstürmte die Charts. Auch als Schriftsteller, Regisseur für den Film und das Theater, Maler, und so, hatte er Erfolg. Aber hin und wieder nahm er ein wenig Abstand von seiner humoristisch geprägten Kunst, und besann sich ganz seiner Leidenschaft, dem Jazz. Helge spielte schon mit echten Jazz-Größen, wie Pete York (Ex-Mitglied der Spencer Davis Group), auch bekannt aus Helges Film JAZZCLUB - Der frühe Vogel fängt den Wurm, und Jimmy Woode († 2005) , der ebenfalls in JAZZCLUB mitspiele: "Jazz, Jazz, Jazz." Kann ja auch sehr viele verschiedene Instrumente begnadet spielen, der Helge. Der Musik sollte nicht die Show gestohlen werden. Da wird man bestimmt noch einiges hören. Ich finde es auch gut, dass der Helge in einem Song singt, dass man während der Corona-Zeit wenigstens immer im Schach gewinnen kann. Weil man vielleicht gegen sich selbst spielen muss, aus Sicherheitsgründen. 

 

JOHNNY FLASH ist ungestümer als die späteren Filme mit diesem komischen, aber auch seltsamen Ausnahmekünstler in der Hauptrolle. Wegen den Sex-Szenen, zum Beispiel. Schlingensief hat ein Cameo als durchgedrehter Rockstar. Aber Helge spielt diesen Cameo. Wer Helge mag, muss diesen Film sehen. So etwas Komisches sieht man selten. Die autobiografischen Anteile machen Spaß, finde ich. Hab den Helge damals für ich glaube 12 Mark das erste Mal begutachtet. War mit einem Affenzahn zum Veranstaltungsort, außerdem war ich ziemlich flott dort hingefahren. Helge kam mit nem Moped auffe Bühne. Und hat dort Tee getrunken. Und gesungen. Und er sagte auch einiges, was lustig war. Circa 300 Damen und Herren dürften das gewesen sein, die dort vor der Bühne standen. Bei späteren Auftritten musste man da ne Null dransetzen, bei dem Publikum. Ungefähr. Live ist geil. Aus dem Buch, aus dem ich ja schon zitiert habe: "  Wenn heute etwas live sein soll, ist es immer ein paar Sekunden zeitversetzt, damit man das Wort 'Pillemann' oder 'Fotze' noch schnell wegschneiden kann, falls mal ein Star ausflippt. " Deswegen habe ich auch diese Review auf Schnittberichte veröffentlicht, um darauf aufmerksam zu machen. Ich weiß nicht was ich von Helge halten soll. Ist irgendwie bescheuert. Und irgendwie genial. Und garantiert ein Unikat. Johnny Flash ist übrigens nicht mit Johnny Flash zu verwechseln. Der macht nämlich Techno. 

 

 

 

Extragimmick: Johnny Flash singt in 00 SCHNEIDER – Jagd auf Nihil Baxter, den Helge zusammen mit Schlingensief gedreht hat, ein Lied für Lieutenant Körschgen, als dieser im Krankenhaus liegt. Körschgen wurde von dem Laiendarsteller Helmut Körschgen gespielt, den Helge während der Dreharbeiten zu TEXAS aufgegabelt hatte. Zu der Zeit war Körschgen eigentlich Parkplatzwächter, in TEXAS spielte er dann mit. Als Körschgen 00 Schneider unterstützte, hatte er einen Schlaganfall, am 18. August 2002 verstarb er. Den dargestellten Aufenthalt im Krankenhaus:  „Solange man lebt, soll man rauchen“,  sehe ich heute mit anderen Augen. Dein Spiel ist für die Ewigkeit, Körschgen.  Danke, für deine Improvisationen: „In der Fantasie geht alles“ (Texas). 

 

7/10
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Kommentare

21.10.2020 13:22 Uhr - tp_industries
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Hut ab vor dieser Monsterkritik, welche gleichzeitig eine liebevolle Retrospektive von Helge Schneider ist. Auch ich sehe ihn als einen der größten deutschen Künstler an ( es ist bemerkenswert wie vielseitig der Mann ist) und schätze seine Arbeiten. Mein Lieblingsfilm mit/von ihm ist "Texas".

Super gemacht mein Guter! :)

21.10.2020 19:57 Uhr - cecil b
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Danke dir! :)

Es würde mich nicht wundern, wenn du für diese lange Review der einzige Kommentator bleiben wirst. ;)

Helge ist sehr speziell, und meine Wertung ist natürlich auch schon 'provokant'. ;)

Kurz, nachdem ich die Review veröffentlicht hatte, kam eine Wertung mit einem Punkt hinzu. ;)

So soll es sein.

So, genug gezwinkert.


21.10.2020 21:41 Uhr - TheMovieStar
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@ Ceicl: Kann mich TP nur anschließen, ein Bombenreview, auch wenn ich Helge Schneiderso gut wie nichts abgewinnen kann, habe ich deine Ausführungen trotzdem gern gelesen...

22.10.2020 00:13 Uhr - Virginia Woolf
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Was für ein wunderbares und herrlich komisches Review. Hab sehr lachen müssen (dürfen). Danke dafür! Ich verehre den Helge auch sehr. Liebe seine Filme, Fernsehauftritte (er wertet auch jedes irgendwie drittklassiges Format auf) und seine Liveshows. Großartiger Musiker. Klasse Typ. Top Entertainer.

22.10.2020 04:08 Uhr - Dissection78
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Chapeau, cecil!

"Johnny Flash" ist ein richtig guter Spaghettiwestern. Du hast die ganze Chose wirklich formidabel eingefangen. Da hast Du Dich aber mal auf den Honseboden, ja, den guten, alten Honseboden gesetzt und eine prächtige Fleißarbeit abgeliefert. Die Helga Schneider liebe ich sowieso. Was sagt es uns?

Zu den Wahrheiten, die für jedes lebendige Wesen gelten, gehört die Aussage: Die Welt ist meine Vorstellung. Denn alles, was wir von der Welt und den in ihr vorkommenden Objekten wissen, wissen wir über den Umweg unserer Sinne. Wir können niemals sagen: "Die Steine sind grau", sondern lediglich: "Meine Augen melden mir, dass diese Steine grau erscheinen." Unsere Sinne sind die Hilfsmittel, mit denen wir Eindrücke wahrnehmen, aber sie sind auch die Hindernisse, die sich der direkten, ungehinderten Wahrnehmung in den Weg stellen. Deswegen können wir die Welt niemals so erkennen, wie sie wirklich ist. Die ganze Welt um uns herum ist eine Vorstellung, die wir mit unseren Sinnen und unserem Verstand formen. Außerdem mag ich Wurstbonbons. Reis im Katzeklo ist nicht gut, und es gibt Marihuana, Baby. "Die Wand" und "Homevideo" finde ich ebenfalls supupi bis klasse. Friede und Anarchie!

Ich denke, wir verstehen uns ;)

22.10.2020 11:02 Uhr - prince akim
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Bei Helge S. sind wir definitiv auf einer anderen Wellenlänge. Ich glaube, bei ihm gibt es kein Mittelding, entweder man mag ihn oder eben nicht ! Ich gehöre zu letzteren ...
Deinen besprochenen Film kenne ich nicht, mir hatte damals "Texas" ( von meiner damaligen Clique zum Kinogang "gezwungen".... 😉 ) schon gelangt. War der erste und letzte Kinobesuch, den ich bei der Hälfte des Films abgebrochen hatte ! Ich kann mit Helge Schneider einfach nichts anfangen, im Gegensatz zu deiner wirklich wieder tollen Review. Das hast du einfach drauf !

22.10.2020 11:12 Uhr - Man Behind The Sun
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Sehr gute und vor allem sehr ausführliche Kritik!

Ich kann mich noch erinnern, dass mein Deutschlehrer - den ich sehr geschätzt habe - Helge Schneider für einen der besten deutschen Künstler gehalten hat. Ich habe das nie verstanden und verstehe es bis heute nicht. Bitte nicht böse auffassen, aber... ich werde mit seiner "Nonsene"-Komik (die wahrscheinlich gar keine ist) einfach nicht warm - damals, wie auch noch heute.

Dass er musikalisch einiges drauf hat, ist natürlich unbestritten. Dass seine Comedy, ähnlich wie bei Otto, in der heutigen Zeit einfach nicht funktioniert, zeigt sich auch daran, dass er schon seit Jahren, wenn nicht gar Jahrzehnten irgendetwas auf die Beine gestellt hat.

Ich sehe das wie mit Otto Waalkes. Als Kind habe ich ihn vergöttert, heute frage ich mich, was ich an diesem Mann jemals gut gefunden habe. Vielleicht ist ein wenig so wie bei Helge, auch, wenn man die beiden stiltechnisch gesehen nicht wirklich vergleichen kann.

Vielleicht kann mir jemand erklären, was an seinem Werk so besonders ist, vielleicht verstehe ich ihn auch einfach nicht. Für mich jedenfalls ist Helge Schneider damals wie heute kein lustiger, kritischer oder gar im Ansatz guter Komiker, sondern, mal ganz böse ausgedrückt, Trash auf niedrigstem Niveau.

22.10.2020 12:43 Uhr - tp_industries
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@man behind the sun

Meiner Meinung nach ist Helge Schneider die Verkörperung der Anarchie. Er macht was ihm gefällt. Es ist ihm egal ob es für andere Sinn ergibt, ob Leute darüber lachen können oder Kunst darin sehen. Er zieht sein Ding durch. Wie du schon bemerkt hast, hat er dazu noch ein unglaubliches musikalisches Talent. Und das er auch Sachen mit Substanz zaubern kann, hat er z.B. mit dem Film "Jazzclub" bewiesen. Besitzt zwar auch den typischen "Helgehumor", hat aber auch eine traurige, sogar melancholische Note. Für mich ist Helge ein großer deutscher Künstler. Ich verstehe aber natürlich auch die Leute, die mit seinen Werken nix anfangen können.

@cecil b
Jetzt haben ja doch schon einige kommentiert! ;)

22.10.2020 20:46 Uhr - sonyericssohn
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Ne... Nenene... Beim Schneider bin ich raus. Zumindest bei seinen Filmen und der Komödie. Einfach nicht mein Fall. Allerdings denke ich daß in diesem äußerlichen Chaoten ein kleines Genie schlummert.

22.10.2020 20:58 Uhr - cecil b
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Was? Dieser Wahnsinn, den ich so auch versucht habe als genau das darzustellen, der bekommt, trotz seiner bewussten Längen, so eine Aufmerksamkeit?

Ich fühle mich nach wie vor sehr wohl auf dieser Seite. :) FrOI für zehn.

Es ist schon bewundernswert, so etwas zu lesen, und zu kommentieren, wenn man mit Helge nix anfangen kann (was ich ernsthaft gut nachvollziehen kann). ! Hut ab, ne tolle Einstellung!

Die, die Anarchie erkennen können oder bzw. möchten, in dieser Form, die, ja, also, mit denen sympathisiere ich auch. :) Und wie erfreulich es doch ist, wenn ich jemanden zum lachen bringen konnte.

Da Dissection78 die erste Person auf dieser Seite war, mit der ich mich über Filme ausgetaucht habe, wird wohl jeder verstehen, dass ich da noch etwas zu schreibe. Die Insider in deinem Kommentar, und die Aussagen, die auf einer besonderen Ebene so gut funktionieren: Glaub mir, ich hab bis über beide Ohren gegrinst, als ich das lesen konnte.

Und ist die Welt nicht winzig? Es ist wirklich so, dass mir Bursch, mit dem Helge auf Tour war, auf einem Festival beibrachte, wie man eine Gitarre bedient! Ich wusste nicht, wen ich da vor mir habe.

Ach ja, und hier noch ein heißer Tipp: Sucht euch den dicksten Wagen aus, den ihr euch ausleihen könnt, die dicksten Boxen, die dort hinein passen, kurbelt die Fenster runter, dreht die Boxen bis zum Anschlag auf, und lasst diese beiden kurzen Lieder in Endlosschleife laufen: https://www.youtube.com/watch?v=oioVr7QIeZw

Dann laufen euch alle erstaunt hinterher! ;)

Hilft auch gegen Weltschmerz und ähnliches, weil dann alles irgendwie relativiert wird.

Man Behind The Sun: Jeder Jeck lacht anders. Ich kann auch nicht mit allem etwas anfangen, was der Helge so gemacht hat, und ich kann jeden verstehen, der in dem nur dümmlichen Trash sieht.

Ich denke, es ist dieses kuriose Denken, das sich an praktisch keine Regeln hält, was einfach komisch ist. Film: 00 Schneider Jagd auf Nihil Baxter: Auf einem Zirkus-Gelände hält sich einer eine künstliche Schlange um den Hals, und tut halbherzig so, als ob diese ihn erwürgen würde. Wäre die Schlange echt, wäre es genauso bescheuert. Das ist wohl im Grunde der Witz. Nihil Baxter: "Zwei Männer allein, da ist nicht gut Fotzen lecken." Sehr weise.

In Praxis Doktor Hasenbein ist ein Tunnel an die Wand gemalt. Tatsächlich ist da ein Tunnel zu sehen. ;)

In dem Buch Bonbon aus Wurst Mein Leben, wird Helge, als er nach Haue kommt, von seinem Hund gebissen, weil dieser ihn zu spät erkannt hat. Er gibt dem Hund dann eine Fleischwurst, um diesen zu beruhigen. Das ist nicht normal. ;)

Die Interviews mit dem Kulturterroristen Schlingensief zeigen Helge ohne Clownerie. Unbedingt sehenswert. In Schlingensiefs Filmen spielt Helge u. a. Hitler und wird vergewaltigt.

Harald Schmidt hat Helge wohl von allen am meisten interviewt. Die beiden haben es drauf, können aber auch sehr albern sein. Helge hat übrigens nen IQ von 149. Auch, wenn das doch relativ ist.


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