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Kadaver

Herstellungsland:Norwegen (2020)
Genre:Horror, Drama, Mystery
Alternativtitel:Cadaver
Bewertung unserer Besucher:
Note: 5,50 (2 Stimmen) Details
inhalt:
Während einer apokalyptischen Hungersnot besuchen die Menschen in Scharen ein seltsames Theaterstück in einem Hotel. Leider nimmt das vergnügte Spektakel kein Happy End.
eine kritik von ghostfacelooker:

Der vielsagende Titel dieses norwegischen Werks, lässt sich in vielfacher Hinsicht und ebensolch mannigfaltige Bedeutungen auslegen, denn einerseits, zeigt er den verwesenden Kadaver der Menschlichkeit, die nach einer Katastrophe zu überleben versucht und dabei ihre eigenen Grenzen der Moral und Sinnhaftigkeit nach selbiger Fasson neu zu zeichnen sucht.

Andererseits lässt er sich wörtlich wie ein sichtbar roter Faden durch die Handlung erkennend bis zum Kern der Geschehnisse ziehen, während man die Protagonisten fast achtlos zwischen Leichen durch die Straßen wandern sieht.

Die mir schauspielerisch unbekannte Familie rund um Leonora (Gitte Witt), ihrem Mann Jacob (Thomas Gullestad) und Töchterlein Alice (Tuva Olivia Remman), sind die Hauptfiguren dieser Geschichte, welche sich zeitweise so scheint es, an eine psychedelisch wirkende Version von Alice im Wunderland, in Teilen hedonistischem Voyeurismus an Eyes Wild Shut, sowie in seiner illusionistischen Inszenierung an The Game erinnert.

Doch dies würde dem Film von Jarand Breian Herdal, welcher schon 2013 in Everywhen mit unterschiedlichen Realitätsebenen experimentierte, zu sehr schmeicheln, denn Spannung oder gar Sympathie zu den Figuren kommt selten und genauso rar dosiert auf, wie die Gewalt, die man dem Zuschauer in dem labyrinthartigem Hotel bieten kann.

Auch vom trügerischen Setting des Hotels, respektive dessen Erscheinungsbildes, sollte man sich nicht einlullen lassen, welches für einen Sekundenbruchteil an das Overlook Hotel aus Shining erinnern mag und so auch wie der Trailer des Films selbst, hervorgehende Horror oder Psychothriller Momente suggeriert, denn selbige findet man als Genrefan ebensowenig.

Mathias, alias Thorbjørn Harr, den man aus Vikings, Die Stockhol Story oder Die Geiselnahme kennen könnte, ist der mysteriös wirkende Hoteldirektor, der sein Reich als letzte verbliebene Bühne menschlicher Emotion zu nutzen sucht, um seinen Gästen in dieser dystopischen Welt für einen Abend lang die Magie des Schauspiels und Theaters, näher zu bringen. Dabei setzt er auf die Kraft der Illusion und der Gabe der eigenen Phantasie die Teilnehmer nicht wissen zu lassen was Inszenierung und wirkliche Realität ist. Zur Unterscheidung bietet er seinem interaktiv agierendem Publikum, durch Masken, welche sie von den Protagonisten unterscheiden soll.

Seine Möglichkeit, der Figur einen schillernd interessant und tiefgründig erscheinenden Charakter zukommen lassen zu wollen, wirkt durch seine unterkühlt und fast leblose Darbietung selbst wie ein wandelnder Kadaver und limitiert jenes Facettenreichtum die diese Figur als mysteriöser „Strippenzieher“ hätte einnehmen können. 

Aber auch die weiter handelnden Figuren Leonora, die sich ebenso an ihre Hoffnung auf Normalität in diesen aussichtslosen Zeiten zu klammern sucht, wie sie später an ihrer eigenen Wahrnehmung und Realitätsempfindung zweifelt, vermag es ebenso wenig wie ihr Mann, auch nur eine im Entfernten geartete Bindung zum Zuschauer zu erzeugen. 

So folgt man ihr überwiegend widerwillig durch die Räumlichkeiten nicht nur auf der Suche nach ihrem Verstand, sondern auch dem Glauben, dieser Film könnte, ähnlich seinem komplexen Gebäude, noch ungeahnte Höhen entwickeln.

Diese gänzliche Bläße des Casts auch nur annähernd Wohlwollen in den Augen des Zuschauers erzeugen zu können trägt zur weiterführenden Aussage meinerseits bei, daß diesem Film trotz seines in sich interessantem Potenzial die Vorhersehbarkeit dessen allein schon durch die falsche Titelwahl bis hin zur überwiegend langweilenden Inszenierung genommen wurde.

Jede auch nur angedeutete Filmreferenz ist ansehnlicher, als diese visuelle Vergeudung an Lebens und Filmzeit.  

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Kommentare

22.10.2020 17:11 Uhr - dicker Hund
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Hartes Urteil über einen Film, dessen Eckdaten eigentlich interessant für mich wären. Auch wenn unsere Geschmäcker oft genug weit auseinander liegen, hört sich das hier wirklich ernüchternd an. Schön zu lesen übrigens!

22.10.2020 18:13 Uhr - Ghostfacelooker
1x
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22.10.2020 17:11 Uhr schrieb dicker HundHartes Urteil über einen Film, dessen Eckdaten eigentlich interessant für mich wären. Auch wenn unsere Geschmäcker oft genug weit auseinander liegen, hört sich das hier wirklich ernüchternd an. Schön zu lesen übrigens!


Danke dir alter Bluthund und naja vielleicht reizt dich ja der vermeintliche Titel ob seiner Bedeutung. Ja unsere Geschmäcker unterscheiden sich extrem, da ich zum Beispiel den ersten und dritten Human Centepide bei weiten anders bewertet hätte^^^^^^^^. Solltest du diesen Film gesehen haben, könntest du ja gern auch nochmals einen Kommentar hier lassen, vor allem weil diese ebenso spärlich sind wie unser gemeinsames Empfinden eines Filmes

23.10.2020 00:44 Uhr - The Machinist
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Habe ihn mir auch direkt angeguckt, und was soll ich sagen: Ich muss dir leider in allen Kritikpunkten zustimmen.
Und um die kratergroßen Logiklücken zu übersehen muss man wirklich schon beide Augen zudrücken.
Für die schicke Stilistik und die immerhin ambitionierte Idee gibt es von mir 3 Punkte.

Aber tolle Kritik.

23.10.2020 11:23 Uhr - McGuinness
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Dabei sah der vom Trailer her gar nicht mal verkehrt aus, doch wenn Sympathien für die Protagonisten ausbleiben, sowie kaum nennenswerte Gewaltspitzen vorkommen, dann verlasse ich mich auf dein gewohnt qualifiziertes Urteil und nehme hier gern Abstand... Danke für die Vorstellung und Warnung zugleich 😉

23.10.2020 11:59 Uhr - Ghostfacelooker
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23.10.2020 11:23 Uhr schrieb McGuinness
Dabei sah der vom Trailer her gar nicht mal verkehrt aus, doch wenn Sympathien für die Protagonisten ausbleiben, sowie kaum nennenswerte Gewaltspitzen vorkommen, dann verlasse ich mich auf dein gewohnt qualifiziertes Urteil und nehme hier gern Abstand... Danke für die Vorstellung und Warnung zugleich 😉


Den kann man sich einmal und vielleicht gerade um Mein angeblich qualifizierendes Urteil zu widerlegen (oder schlimmenstenfalls ob der Zeitvergeudung fluchend zu bestätigen) anschauen, besonders bei regnerischen Tagen und um den Nachgeschmack des neuen Borat Films loszuwerden^^^^^^

23.10.2020 21:08 Uhr - g-hot77
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Danke für die ungewohnt kurze aber gut geschriebene Warnung. Die Lebenszeit, die du ob der anderen vergeudeten, noch in dieses Review investiert hast, war auf jeden Fall nicht vergeudet ;-)

Borat 2 ist nich so dolle, sagst du?

23.10.2020 21:21 Uhr - Ghostfacelooker
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23.10.2020 21:08 Uhr schrieb g-hot77Danke für die ungewohnt kurze aber gut geschriebene Warnung. Die Lebenszeit, die du ob der anderen vergeudeten, noch in dieses Review investiert hast, war auf jeden Fall nicht vergeudet ;-)

Borat 2 ist nich so dolle, sagst du?

Fand den ersten Teil schon sehr "dünn". Dieser ist ein wenig besser, besonders weil Trump indirekt eine mitkriegt, aber eben typischer Borat Humor. Einer jener Filme die ich ansah um "mitreden" zu können

26.10.2020 11:10 Uhr - Man Behind The Sun
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Bin auch maßlos enttäuscht. Vor allem weil der Ablauf dermaßen unglaubwürdig und das Kind mal wieder sooo nervig ist.

Typischer Fall von "Netflix-Film". Leider.

26.10.2020 12:32 Uhr - Ghostfacelooker
User-Level von Ghostfacelooker 18
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26.10.2020 11:10 Uhr schrieb Man Behind The SunBin auch maßlos enttäuscht. Vor allem weil der Ablauf dermaßen unglaubwürdig und das Kind mal wieder sooo nervig ist.

Typischer Fall von "Netflix-Film". Leider.


Netflix hat durchaus tolle Eigenproduktionen. Einige davon gibts auch als Reviews von mir, und im Vergleich zu Hollywood deren "ich mach mal aus allem eine Serie-Methode" durchaus erfrischend kreativ. Das Ding ist einfach, daß man sie suchen muss und das es dann kein haptisches Medium davon gibt oder zumindest meistens nicht

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