SCHNITTBERICHTE | # | A | B | C | D | E | F | G | H | I | J | K | L | M | N | O | P | Q | R | S | T | U | V | W | X | Y | Z
Titel suchen:
Zombie Army 4 Dead War · Die Kultjagd · ab 38,99 € bei gameware Mortal Shell · Die letzten Überbleibsel der Menschheit · ab 34,99 € bei gameware

Ilsa - Die Hündinnen vom Liebeslager 7

(Originaltitel: Ilsa - She Wolf of the SS)
Herstellungsland:Kanada (1974)
Genre:Abenteuer, Erotik/Sex, Krieg, Splatter
Alternativtitel:Ilsa - A Guardiã Perversa da SS
Ilsa - De wolvin van de SS
Ilsa, die Hündinnen vom Liebeslager 7
Ilsa la belva delle SS
Ilsa la louve
Ilsa la louve des SS
Ilsa: She Wolf of the S.S.
Ilse - Hun-ulven fra SS
La Loba de las SS
Bewertung unserer Besucher:
Note: 6,56 (28 Stimmen) Details
inhalt:
Gnadenlos und unerbittlich - die blonde Ilsa gilt als ruchlose Meisterin des Schreckens. Egal ob als Kommandeurin eines deutschen Internierungslagers im 2. Weltkrieg, als Leiterin eines brutalen russischen Gulags oder als Chefin eines riesigen Harems, ihre Bösartigkeit weiß sie genauso einzusetzen wie ihre weiblichen Reize - und natürlich ihre zahlreichen Kenntnisse in den Bereichen Bestrafung, Folter und Willensbrechung. Ilsa duldet keine Widerworte - mit voller Härte und der Unterstützung ihrer nicht minder sadistischen Schergen entkommt niemand ihrer grausamen Herrschaft.

Dyanne Thorne gelang mit der Rolle des ILSA unter der Regie von Don Edmonds und Jean LaFleur eine Kultfigur des Bösen. Die teutonische Schönheit, die mit deutscher Gründlichkeit herrscht und waltet, ist bis heute ein Klassiker des Sexploitation-Grindhouse-Kinos.
eine kritik von dicker hund:

Die im Januar diesen Jahres leider verstorbene Dyanne Thorne hatte in den späten 1970ern die bizarre Ehre, die Hauptrolle in den berüchtigten "Ilsa"-Filmen einzunehmen, in welche sie eine  oberweite Körperlichkeit einbringen durfte wie eine weibliche Variante Arnold Schwarzeneggers. Das erste dieser Sexploitationbretter war Don Edmonds "Ilsa - Die Hündinnen vom Liebeslager 7", besser bekannt unter seinem Originaltitel "Ilsa - She Wolf of the SS". Diese kleine Schundperle des abgründig schlechten Geschmacks (7/10 Punkte) befindet sich auf dem Äquator des cineastischen Schmutzes inmitten von sleaziger Erotik, abartiger Menschenschinderei und naiv in die Pop-Kultur übertragenem Nazigedöns, startend mit der kreischenden Stimme Adolf Hitlers:

"Sieg Heil!"  (...) "Sieg Heil!" (...) "Sieg Heil!"

Im Gegenschnitt sehen wir die großen Hupen von "Fräulein Doktor", zunächst hüpfend beim Ritt auf einem Gefangenen, dann unter der Dusche und schließlich in die SS-Uniform gezwängt.  Als Aufseherin eines Konzentrationslagers ist sie für Mengele-würdige Experimente an Häftlingen verantwortlich. Beide Geschlechter sind unter denselben vertreten, haben sich allerdings unterschiedslos nackig in einer Reihe aufzustellen. In der Folge müssen sie allerlei pseudowissenschaftliche Grausamkeiten nebst einfach nur selbstzweckhaft erscheinenden Folterungen über sich ergehen lassen. Die Make-up-Abteilung hat da ganze Arbeit geleistet und Infektionsgeschwüre oder Verbrennungen entsetzlich realistisch aussehen lassen. Das in der weit zurückliegenden Dekade noch verbreitete Orange-stichige Kunstblut sieht da schon deutlich billiger aus. Angesichts der kranken Inhalte bleibt die Mischung indes überzeugend genug, um eine gewisse Schockwirkung zu hinterlassen (Horror 6/10).

Peitschen auf blanke Körper tun ihr übriges, um die drastische Gewalt (7/10) entlang diverser Erniedrigungen abzuhärten. Dazu ertönt ein Schlaginstrumenten-lastiger Instrumental-Score, der sich mit echter Propagandamusik aus dem Dritten Reich abwechselt, etwa dem Horst-Wessel-Lied. Die Akustik klingt mal trällernd-volkstümlich, mal wie ein unheiliger Marsch, jedenfalls völlig schizoid als Vertonung von Widerwärtigkeiten wie der Gruppenvergewaltigung an einer Delinquentin. Jene muss auch noch mit Sekt übergossen werden, damit sie ja nicht auf die Idee kommt, es sei nett gemeint, dass eine Frau und mehrere Männer aus den unteren Rängen des Faschistenpersonals sich an ihr vergehen. Zwischendurch steht den Herren- und Damenmenschen durchaus einmal der Sinn nach einvernehmlichem Sex (8/10), der bis zur Grenze der Softpornografie zeigefreudig bleibt. Statt dem Kamin knistert da schon einmal der Volksempfänger zu dem Gestöhne der blonden Majorin.

Die genannten Extreme vermengen sich mit grotesken Schüben unfreiwilliger (?) Komik (Humor 4/10). "Besonders" ist schon der Umstand, dass der Amerikaner Wolfe (Gregory Knoph in der einzigen Rolle seines Lebens) sich ausgerechnet durch seine erhöhte Standfestigkeit auszeichnet und ihn das zu so einer Art widerständlicher Identifikationsfigur machen soll. Seine Selbstbeschreibung erinnert an den augenzwinkernden Tom Savini in "From Dusk Till Dawn":

"A sort of human machine."

Zugleich gibt das Personal des Konzentrationslagers genauso wie die textilienarmen Opfer im englischen Originalton eine Karikatur von einem Akzent von sich, der durch einige deutsche Vokabeln unterstrichen werden soll. Das hört sich durchgehend so an, als seien die Sprecher weder der einen, noch der anderen Sprache mächtig. Dadurch entsteht eine rekordverdächtig debile Aura, deren Klimax bei Richard Kennedy, zu dessen Referenzen die grottige Gurke "Invasion der Blutfarmer" gehört, gefunden werden kann:

"Weltmacht oder Niedergang!"

Als der "Herr General" haut er den Gipfel der "Wolfenstein"-würdigen Trash-Jingles heraus, die er mit einem ...

"Wunderbar!"

... herzigen Overacting umsetzt. Perplexes Staunen erzeugen derweil noch die eigenartigen Requisiten wie der Elektro-Dildo, während Papp-Schilder mit Frakturschriftzügen wie "Verwaltung" oder "Dewachtung Kaserne" (sic!) das offensive Gegenteil von Authentizität ausstrahlen.

Nach alledem ist "Ilsa - She Wolf of the SS" natürlich unter herkömmlichen Qualitäts- oder gar Niveaumerkmalen nicht ernsthaft diskutabel. In der Naziploitation-Nische ist ihm jedoch zuzugestehen, dass seine zügellose Freizügigkeit in der Mischung mit sujetgerecht heftiger Lager-Quälerei und unfassbar trashiger Umsetzung einschließlich eines Frontalangriffs auf jede political correctness ihresgleichen sucht. Die Indizierung ist da nur eine Randnotiz.

7/10
Weiter:
mehr reviews vom gleichen autor
Doom
dicker Hund
8/10
Inglorious
dicker Hund
4/10
Inglourious
dicker Hund
8/10
die neuesten reviews
Perfect
Kaiser Soze
8/10
Ohne
TheMovieStar
6/10
Star
sonyericssohn
6/10
Mystics
The Machinist
7/10
Percht
Ghostfacelooker

Kommentare

27.11.2020 12:28 Uhr - Kaiser Soze
1x
DB-Co-Admin
User-Level von Kaiser Soze 21
Erfahrungspunkte von Kaiser Soze 9.443
Dein Review ist selbstverständlich wie immer sehr gut geschrieben, bietet viele Infos zum Film, den Darstellen usw. und zeigt auch klar auf, was die Art von Exploitationsfilm zeigt.

Persönlich kann ich Deinen Ausführungen allerdings nicht zustimmen; das ist aber immer Geschmackssache, also zweitrangig. Ilsa ist für mein ein langweiliger Film, dessen gefühlt vier Minuten brutaler Szenen (ja, sind über den gesamten Film verteilt, ein paar mehr) nicht über den lahmen Rest hinwegtrösten. Exploitationsfilme sind aber generell nicht meins.

Die Eisblock-Schmelz-Szene, die Vorbild für Saw 4 gewesen sein dürfte, ist erwähnenswert :D

27.11.2020 13:35 Uhr - Mr.Tourette
1x
User-Level von Mr.Tourette 2
Erfahrungspunkte von Mr.Tourette 63
Wie immer gut gebellt, besonders fein herausgearbeitet ist diese krude Mischung dieses Streifens. Auf der einen Seite gibt es tatsächlich sehr bedrückende und verstörende Momente, auf der anderen Seite dermaßen übertriebenen Schwachsinn, dass der Film einen doch recht verwirrt zurücklässt. Auf jeden Fall ein filmisches Zeitdokument, das zeigt, dass solcher Edeltrash mit der Thematik, politischen Unkorrektheit und Wahnwitz tief in seiner Zeit verwurzelt ist und wahrscheinlich kein Comeback feiern wird.

27.11.2020 14:39 Uhr - Lukas
1x
Sehr unterhaltsame Kritik, ich geh dann mal die Kaserne dewachten... :-D

27.11.2020 17:06 Uhr - McGuinness
1x
User-Level von McGuinness 5
Erfahrungspunkte von McGuinness 414
Ich hatte mal ein Steelbook mit allen 3 Teilen... Einmal angeschaut und das war's !
Spannungsarm und abgesehen von ein paar nackten Tatsachen und der ein oder anderen bizzaren Szene, auch recht langatmig... Dennoch ansehnlich vorgestellt 😉

27.11.2020 17:39 Uhr - sonyericssohn
1x
Moderator
User-Level von sonyericssohn 20
Erfahrungspunkte von sonyericssohn 8.510
Is jetzt gar nicht mein Fall. Weiß nicht warum, aber das spricht mich einfach nicht an.
Trotzdem wieder eine mehr als gute Vorstellung !

27.11.2020 21:36 Uhr - dicker Hund
3x
User-Level von dicker Hund 15
Erfahrungspunkte von dicker Hund 4.011
Guten Abend miteinander!

@Kaiser
Sexploiter muss man nicht mögen. Skeptiker dürften bei diesem Subgenre gar in der Mehrheit sein. Die Kommentare zum Eisblock habe ich wörtlich zitiert.
;-)

@Tourette
Schön kompakte Perspektive!

@Lukas
Sag aber vorher noch in Verwaltung den Bescheid, Achtung!

@Guinness
Für Temporekordjäger wie Dich ist Ilsa nichts, das kann ich mir vorstellen...

@sony
Vielleicht findest Du ja andere Fragen interessant als jene, ob der Kommandant nur auf diese eine spezielle Art Befriedigung finden kann, bei der selbst Ilsa das Gesicht verzieht.
:-)

28.11.2020 08:07 Uhr - sonyericssohn
1x
Moderator
User-Level von sonyericssohn 20
Erfahrungspunkte von sonyericssohn 8.510
Jetzt hab ich Angst 😅

29.11.2020 02:44 Uhr - Dissection78
1x
DB-Co-Admin
User-Level von Dissection78 15
Erfahrungspunkte von Dissection78 3.904
Feine Besprechung dieser sensiblen Charakterstudie einer NS-Verbrecherin, dicker Hund.

Ich 'mag' das Machwerk irgendwie. Natürlich ist es kein wirklich guter Film, doch die Chuzpe der Macher beeindruckt, und die niedersten Instinkte meines inneren, sauerkrautfressenden Schweinehundes werden gewaltig angesprochen. Außerdem finde ich "Ilsa - She Wolf of the SS" tatsächlich besser, auch handwerklich, als die Fortsetzungen und Epigonen, von (süd)europäischen Naziploitation-Vertretern ganz zu schweigen. Die bringe ich sowohl inhaltlich als auch titeltechnisch immer wieder durcheinander ("SS Hell Camp", "Gestapo's Last Orgy", "SS Experiment Camp", "Red Nights of the Gestapo", "Deported Women of the SS Special Section", "Hitler's Lust Train", "KZ9 - SS Extermination Camp", "Helga, She Wolf of Stilberg", "Liebes-Lager", "SS Girls", "Nazi Love Island", "Elsa: Fräulein SS", "Nazi Love Camp 27", "SS Camp 5: Women’s Hell" etc.pp.). Wer soll da noch durchblicken? Geschmacklos-schundige Provokation schön und gut, Austauschbarkeit ist allerdings verdammt langweilig. Bei "Ilsa" ist es dennoch etwas anders: Alleine Dyanne Thorne ist in vorliegendem Fall gewiss ein Alleinstellungsmerkmal :)

Hm, im Übrigen würde ich gerne trotzdem mal "Werewolf Women of the SS" als abendfüllenden Spielfilm sehen...

29.11.2020 08:04 Uhr - dicker Hund
1x
User-Level von dicker Hund 15
Erfahrungspunkte von dicker Hund 4.011
Danke für diesen mal wieder schön ausführlichen Kommentar, Dissection. Als alteuropäischen Naziploiter hatte ich für ein Review hier einmal "Folterzug der geschändeten Frauen" im Player. Mit stolzen vier Punkten habe ich ihn für mich in die Liga eines "Porno Holocaust" gestellt. "Ilsa" erweist sich da um Klassen besser.

Und die Fake-Trailer aus "Grindhouse" hätte ich eigentlich alle gerne wie "Machete" behandelt. Eine Frage der Zeit?

29.11.2020 11:55 Uhr - Ashy Slashy OT
1x
Wirklich sehr schön geschrieben. Der Arnold Schwarzenegger Vergleich hat mir sehr gefallen! 😂😂😂
Ich habe die Trilogie im Regal stehen. Bin aber nie über den ersten Teil hinaus gekommen. Hab mir irgendwie mehr von versprochen, fand es dann aber doch leider eher schwach. Teile 2 und 3 hab ich erst gar nicht mehr angeschaut. Mach ich ja vielleicht noch irgendwann. Mal gucken. Über eine 3/10 komme ich nicht.

kommentar schreiben

Um Kommentare auf Schnittberichte.com veröffentlichen zu können, müssen Sie sich bei uns registrieren.

Registrieren (wenn Sie noch keinen Account hier haben)
Login (wenn Sie bereits einen Account haben)