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Silent Hill 2

(Originaltitel: サイレントヒル2)
Herstellungsland:Japan (2001)
Standard-Freigabe:USK 18
Alternativtitel:Silent Hill 2: Inner Fears
Silent Hill 2: Director's Cut
Silent Hill 2: Restless Dreams
Silent Hill 2: Saigo no Uta
サイレントヒル2 最期の詩
Bewertung unserer Besucher:
Note: 9,59 (17 Stimmen) Details
inhalt:
James Sunderland verfällt nach dem Tod seiner Frau in tiefe Depressionen und gerade als es mit ihm wieder bergauf zu gehen scheint bekommt er einen Brief von seiner toten Ehefrau. Darin steht das er nach Silent Hill kommen soll, wo sie bereits auf ihn wartet. Dort angekommen findet er zunächst eine verlassene Stadt vor. Doch im Nebel der die Stadt umgibt lauern groteske Monster auf arglose Opfer. Schon bald findet er aber auch eine Gruppe von Menschen die seine tote Frau anscheinend gut kennen. James versucht nun das Mysterium um Silent Hill und seine Frau zu lüften... und dabei am Leben und bei Verstand zu bleiben...
Diese Kritik enthält Informationen über den späteren Handlungsverlauf der Geschichte.
eine kritik von tp_industries:

Vorab möchte ich sagen, dass "Silent Hill2" seine Faszination aus dem Handlungsverlauf und dem finalen Twist zieht. Deswegen werde ich das Ende nicht spoilern, und den Handlungsverlauf ( mit den diversen Nebenhandlungen ) nur anreissen. So bleibt für Euch die Möglichkeit ( falls Ihr den Titel noch nicht gedaddelt habt ), das Spiel im vollen Umfang zu genießen.

 

"in my restless Dreams, i see that Town, Silent Hill ..."

Dieser Satz leitet "Silent Hill 2" ein. Und dieser Satz sorgt, auch heute noch, für eine wohlige Gänsehaut bei mir. Auch heutzutage verbinden manche Leute das Thema Videospiele immernoch mit hyperaktiven, blauen Igeln, welche wie angestochen von links nach rechts rennen. Oder mit italienischen Klempnern ( mit Vorliebe für halluzinogene Pilze), welche hüpfender Weise eine Prinzessin retten müssen. Quasi Geschicklichkeitsspiele ohne inhaltlichen Wert. Aber bereits Mitte der 90er haben Titel wie "Tomb Raider" und "Resident Evil" gezeigt, dass Videospiele durchaus in der Lage sind, Geschichten zu erzählen. Zugegeben waren die Handlungen besagter Titel arg trashig, der Grundstein war allerdings gelegt. Ende der 90er machten es Titel wie "Metal Gear Solid" und "Silent Hill 1" besser und boten eine spannende Story. Dann kam, im Jahre 2001, "Silent Hill 2" um die Ecke und fegte ( zumindest für mich ) alles Bisherige weg. Warum genau, erkläre ich später, aber zunächst ...

...erstmal zur Technik und zum spielerischen Aspekt. Technisch war das Spiel im Erscheinungsjahr zwar gut, aber nicht überragend. Und aus heutiger Sicht ist es natürlich ziemlich veraltet. Gespeichert werden kann nur an festgelegten Speicherpunkten. Durch Silent Hill kann man sich zwar frei bewegen, aber nur bei festen Kameraeinstellungen welche nur minimal nachjustiert werden können. Die Steuerung ( vor allem im Kampf ) ist sehr behäbig, und war damals schon nicht das Gelbe vom Ei. Außerdem werden häufiger Texturen nachgeladen und es kommt vereinzelt zu Slow Downs. Eine permanent eingeblendete Karte gibt es nicht, sondern man muss sich jedesmal durch das Menü fummeln um sie zu öffnen. Dasselbe gilt auch für alle anderen Gegenstände. Ein Schnellwahlmenü gibt es nicht. Das macht die ganze Geschichte für jüngere Generationen natürlich abschreckend und wenn ich objektiv bewerten müsste, würde ich aus diesen Gründen auch nur 7 Punkte geben. Dafür bedeutet mir aber der Titel einfach zu viel. Denn Abseits der Technik haben wir es hier mit einem Meilenstein der Videospielgeschichte zu tun!

Rein spielerisch erinnert das Ganze an "Resident Evil". Man sammelt Waffen und Heilgegenstände, um gegen diverse Monster bestehen zu können. Anders als bei der Horrorkonkurrenz, stehen die Kämpfe aber nicht im Fokus. Dafür spricht auch, das man die Kämpfe vor dem Spielstart komplett ausschalten kann. Wie bei "Resident Evil", werden zwischendurch auch fleißig Rätsel gelöst. Und auch hier gibt es Unterschiede zu Capcoms Horrorreihe. Während bei dieser die Rätsel nur der Auflockerung dienten und keine großen Probleme waren, hat man es bei "Silent Hill 2" mit einigen cleveren Kopfnüssen zu tun ( Schwierigkeit ist einstellbar ). Spielerisch entspricht also alles dem damaligen Standard. Warum soll "Silent Hill 2" also so ein Meilenstein sein? Um das zu erklären, will ich mit der Handlung beginnen!

Das Zitat am Anfang dieser Review, sind die ersten Zeilen die Hauptcharakter James aus einem Brief liest, welcher von seiner Frau Mary stammt. In diesem Brief bittet sie ihn, nach Silent Hill zurück zu kommen. Zu ihr zurück zu kommen. Der Clou an der Sache ist, das Mary schon vor einiger Zeit an einer Krankheit gestorben ist. Wer hat also diesen Brief geschrieben? Und was will diese Person von James? Oder lebt Mary vielleicht doch noch? Fragen die sowohl James als auch der Spieler beantwortet haben wollen. Dazu sei gesagt, das James kein Actionheld ist. Er ist kein Detektiv, kein Berufssoldat oder Ähnliches. Ein Mensch wie Du und Ich. Er zweifelt an dem Inhalt des Briefes. Er ist verwirrt und gleichzeitig neugierig. James umgibt eine konstant traurige Aura, wegen des Verlustes seiner Frau. Diese Tatsachen, lassen den Spieler quasi zu James werden. Und dadurch das man ihn direkt steuert, wird eine größere Empathie zum Hauptprotagonisten aufgebaut, als es ein Film je hinbekommen würde. Das Ziel ist also geklärt. Und jetzt macht man sich auf den Weg...

...nach einem fast endlosen Weg durch dichten Nebel, erreicht man den Friedhof von Silent Hill. Dort trifft man auf den ersten Nebencharakter Angela. Eine junge Frau, welche zum Teil wirr vor sich hinbrabbelt. Man findet aber heraus das sie in Silent Hill auch jemanden sucht. Auf sie trifft man immer wieder, und es offenbart sich nach und nach ihre extrem tragische Geschichte. Selbiges gilt für Eddie. Ein Nebencharakter den man etwas später trifft. Er ist ein junger, etwas übergewichtiger Mann, welcher durch seine kindliche Art und einem eben solchen Kleidungsstil auffällt. Seine Geschichte ist in seiner harten Konsequenz auch schwer zu schlucken. Allgemein werden in "Silent Hill 2" unangenehme Themen wie Missbrauch, Vernachlässigung seitens der Eltern und Mobbing angesprochen. Es gibt auch einen menschlichen Zwischengegner den man besiegen muss. Und auch hier macht man es James und dem Spieler so schwer wie möglich. Nicht aufgrund des Schwierigkeitsgrades, sondern weil man die Geschichte dieser Person kennt. Es macht keinen Spaß diesen Gegner zu besiegen. Man hat auch nicht das Gefühl irgendetwas erreicht zu haben. Man ist danach einfach nur fertig, ertappt sich aber dabei, diese Sachen auszublenden. Man will ja das Geheimnis um Mary lösen. Eine unangenehme Achterbahnfahrt die sich permanent im Kopf abspielt. Und so funktioniert auch der Horror in diesem Spiel. Jumpscares gibt es nur selten, was aber psychisch mit dem Spieler gemacht wird ist so genial wie schockierend.

Man trifft außerdem noch auf Maria, welche Mary zum verwechseln ähnlich sieht, und auf das kleine Mädchen Laura. Diese Charaktere sind Schlüsselfiguren, und dienen der Aufklärung rund um die Hauptgeschichte von James und Mary. Diese folgt in einem Hotel und macht den Spieler endgültig fertig. Was einem hier serviert wird, stellt in der Videospielgeschichte bis dato alles in den Schatten. Der Abspann beginnt und man schaut, innerlich leer, auf den Bildschirm. Innerlich leer aber nur deswegen, weil ( zumindest bei mir ) der Kopf auf Durchzug schaltet. Eigentlich schießen viele Emotionen durch den Kopf. Man möchte Weinen und Schreien, kann es aber nicht. Ich weiß noch wie ich nach meinem ersten Spieldurchgang an mein Fenster ging und in den Nachthimmel schaute. Fast eine Stunde lang. Ich dachte über das Spiel nach. Es ließ mich nicht mehr los. Dann ging ich erschöpft ins Bett. Mittlerweile habe ich es um die 6-7 Mal durchgedaddelt, und es hat nix von seiner Faszination verloren. Selbst nach mehrmaligem Durchspielen, entdeckt man immer noch verstreute Hinweise, die alles noch klarer machen oder an denen man mindestens heruminterpretieren kann. Je nach Spielweise sind übrigens mehrere Endsequenzen möglich. Ein richtiges Happy End ist aber nicht dabei.

Nach erneutem Spieldurchgang erkennt man auch diverse Metaphern, welche erst sichtbar sind, nachdem man die Hauptstory durch hat. Zwischengegner wie Pyramid Head oder auch die Standardgegner ( welche aus der Feder von Clive Barker kommen könnten ) stehen plötzlich in einem anderen Licht da. Auch bestimmte Inventargegenstände und diverse Sachen die man in der schaurig schönen Spielewelt findet, stehen in einem anderen Kontext. Mehrfaches Durchspielen lohnt sich also ( ein Durchgang dauert in etwa um die 10 Stunden ).

Aber wer sind die kreativen Köpfe hinter diesem Projekt? Der Autor und Designer hört auf den Namen Hiroyuki Owaku. Er hat diese bitterböse und zugleich tief traurige und melancholische Geschichte geschrieben. Masashi Tsuboyama hat dieses Meisterwerk entwickelt. Und jetzt kommen wir zur Sahnehaube. Der Musik ( Oh Gott, diese Musik )! Komponist Akira Yamaoka hat hier etwas für die Ewigkeit geschaffen. Hört euch bei Interesse die Titel "Promise (Reprise)", "Love Psalm" oder "Theme of Laura" auf einer bekannten Videoplattform an. Das gibt einen perfekten musikalischen Eindruck auf die Stimmung des Spiels. Sie ist wohl dosiert über das ganze Spiel verteilt, und rundet es perfekt ab.

Vielleicht konnte ich mit meinem Review erklären, warum ich trotz der klar vorhandenen technischen Schwächen, die volle Punktzahl gebe. Manchmal ist Technik eben nicht alles. "Deadly Premonition" ist zum Beispiel auch so ein Titel, welcher technisch eine Vollkatastrophe ist, inhaltlich aber ordentlich rockt. Und solche Titel sind der Beweis dafür, dass Videospiele eben nicht nur Sonic, Mario oder Pac-Man sind, sondern auch künstlerisch wertvoll und zutiefst berührend sein können. Im Falle von "Silent Hill 2" können sie sogar einen Sog auslösen, den selbst Filme oder Serien bei mir noch nicht erreicht haben.

 

In diesem Sinne,

                              bleibt videospielbegeistert!

10/10
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Kommentare

30.10.2020 22:27 Uhr - Man Behind The Sun
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Erfahrungspunkte von Man Behind The Sun 340
Super, endlich mal wieder eine Spiele-Kritik! Und dann zufälligerweise auch noch Silent Hill 2.
Ich hatte noch bis vorgestern den 3. Teil zu Ende gespielt, nachdem ich ihn damals, nach dem 2. Teil, angeschafft und nie wirklich warm damit geworden bin. Umso länger man den 3. Teil spielt, umso besser wird er.

SH2 habe ich heute in der HD-Version in der PS3 und bin immer noch begeistert, wie gut dieses Spiel auch heute noch ist.

Ich werde diese oder nächste Woche, sofern ich dazu komme, auch mal wieder eine Spiele-Kritik verfassen. Die kommen hier leider etwas zu kurz; klar, in erster Linie werden hier Filme besprochen, aber der Anteil der Videospiele ist doch etwas arg gering geraten.

Danke für die schöne Kritik zu diesem genialen Horror-Spiel!

31.10.2020 11:37 Uhr - McGuinness
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Erfahrungspunkte von McGuinness 323
Habe nur den 1. Teil damals für die PS1 gespielt und der gefiel mir außerordentlich gut 👍🏻
Dein Review ist toll geschrieben und hat mein Interesse geweckt 😃

31.10.2020 13:22 Uhr - tp_industries
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Erfahrungspunkte von tp_industries 54
@man behind the sun
Danke für dein Feedback. Ja Silent Hill 3 ist auch ein klasse Spiel. Es hatte nur den Nachteil, dass es nach Silent Hill 2 erschien. Diese Qualität konnte man, meiner Meinung nach, bis heute nicht toppen. Trotzdem bleibt der Dritte ein gutes Spiel. Ich konnte selbst dem Vierten etwas abgewinnen. Mit Homecoming und Downpour ging es dann allerdings Bergab. Lag aber auch am Wechsel des Produktionsteams. Die haben einfach nicht die Grundessenz von Silent Hill getroffen. Homecoming war am Ende tatsächlich auch nicht mehr als ein fragwürdiger Folterporno.

Auf deine nächste Gamekritik bin ich auf jeden Fall gespannt. Und jeder kann natürlich schreiben über was er will. Umso besser das es auch Leute wie dich und mich gibt ( und noch ein paar andere ), die auch mal über Videospiele schreiben. :)

@McGuinness
Das freut mich das ich dein Interesse geweckt habe! Teil 1 war ein klasse Spiel. Teil 2 setzt aber nochmal ordentlich einen drauf und ist für mich bis heute der Horrorkönig im Videospielsektor! Also wenn du die Möglichkeit hast, unbedingt zocken!!! ;)

31.10.2020 22:23 Uhr - dicker Hund
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Technisch fand ich "Silent Hill 2", als die PS2 noch aktuell war, richtig gut. Aber das Entscheidende war - wie Du zu Recht beschreibst - die Stimmung. Ein regelrecht zermürbend-deprimierender Sog, dem man sich kaum entziehen kann. Eine hohe Wertung wäre vermutlich heute auch bei mir noch drin.

01.11.2020 13:45 Uhr - prince akim
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Erfahrungspunkte von prince akim 42
Also,"tp" , das Schreiben hast du einfach drauf, daran gibt es nichts zu rütteln 😉
Nur mit den Spielen habe ich es leider so gar nicht und deshalb kann ich da auch gar nicht mitreden ...
Die PS3, die bei uns im Wohnzimmer steht, wird eigentlich nur zum Filme anschauen gebraucht, mit Ausnahme von "Fight Night Champion", dem einzigen Spiel, was hin & wieder mal darin landet ( aber auch nur im "Schnellkampf-Modus" ). Hin & wieder sind in meinem Fall dann so 2 mal pro Jahr 😉

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