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Ilsa - Die Tigerin

(Originaltitel: Ilsa, Tigress of Siberia)
Herstellungsland:Kanada (1977)
Standard-Freigabe:FSK 18
Genre:Abenteuer, Erotik/Sex, Splatter
Alternativtitel:Ilsa, La Tigresse de Siberie
Ilse Hun - Tigeren fra Sibirien
Bewertung unserer Besucher:
Note: 6,94 (16 Stimmen) Details
inhalt:
IN EINER WÜSTE AUS EIS UND SCHNEE REGIERT DAS GRAUEN...

Mit eiserner Hand regiert Ilsa ein weit von der Zivilisation abgelegenes Gulag-Gefangenenlager im stalinistischen Russland. Sie soll den Willen der politischen Gefangenen brechen und sie zu treuen Gefolgsleuten umerziehen.
Nebenbei vertreibt sie sich die Zeit mit ausufernden sexuellen Gelagen mit ihren Wächtern und viel Wodka. Jeglicher Versuch aus dem Lager zu flüchten, wird hingegen mit der sofortigen Exekution oder noch schlimmeren Foltermethoden bestraft. Als das Stalin-Regime sich jedoch dem Ende zuneigt, ist das Leben aller Gefangenen in Gefahr.

Auch im letzten Teil der Reihe um die gnadenlose und gleichzeitig verführerische Lagerchefin Ilsa gibt es neben dem schockierenden Szenario eine Menge Action, Spannung und nackte Haut. Ein Muss für Fans des Exploitation-Kinos!
eine kritik von dicker hund:

Für den letzten Teil der kanadischen Sexploitation-Trilogie "Ilsa - Die Tigerin" übernahm Jean LaFleur das Ruder, der immerhin mal als Editor für Cronenbergs "Rabid - Der brüllende Tod" an Bord war. Durch einen trommellastigen Score präsentiert er das Schneegestöber um einen stalinistischen Gulag im tiefsten Sibirien, in welchem Dyanne Thorne natürlich die Lagerleitung innehat. Angeredet wird sie hier mit "Comrad Colonel", während die beliebten Uniformen nunmehr mit roten Kommunistensternen, die Wände entsprechend mit dem Konterfei des schnurbärtigen Diktators der Sowjetunion geschmückt sind. Ilsa macht gleich klar Schiff, wer hier den Pelzmantel an hat, indem sie den frommen Wunsch des Mörders Mackie Messer aus Brechts Dreigroschenoper - "Man schlage ihnen ihre Fressen mit schweren Eisenhämmern ein!" - an einem Gefangenen visualisiert, der vergeblich zu fliehen versucht hat.

(herrisch) "Watch - and remember well."

Sie selbst ist dadurch natürlich keine Tigerin, wie der Titel auch im Original mit "Tigress of Siberia" nahelegt, hält sich einen solchen jedoch zu Terrorisierungszwecken in einem Zwinger. Einer von seinen Mahlzeiten an der Gattung Homo Sapiens kann der Zuschauer beiwohnen, wenn auch mit durchschaubarer Tricktechnik (Horror 5/10). Nach so einer Aktion bekommt die Aufseherin mit der riesigen Oberweite selbstredend gleich Lust auf einen flotten Dreier.

(stöhnend) "Gently, ..., gently, little brother."

Weitere Nebenrollen zeigen sich so wodkarollig, dass keine Sorgen um die Softpornoeinstufung des Ganzen aufzukommen brauchen (Sex 8/10). Wer nicht als Wachmann in der Sauna knattert, wird zum Hinrichtungsopfer. Besonders trashig ist dabei eine mit feiner Splattertechnik verfeinerte Szene geraten, in welcher Sport, Justiz und kleine Kettensägen miteinander vereint werden (Gewalt 7/10). Ein widerständiger Sohnemann eines Obrigkeitsfuzzis soll in einer solchen Umgebung "gebrochen" werden, wofür diverse Foltermittelchen zur Verfügung stehen. Nennt er den Innenminister nicht seinen Freund, gibt es einen Elektroschock. Später wird diese Behandlungsmethode ähnlich wie in "Clockwork Orange" oder den "Tributen von Panem" mit einer Video-Gehirnwäsche weitergeführt, die eher unfreiwillig komisch als schockierend geraten ist (Humor 4/10). Noch nie waren Salamander und Frauenbärte so furchteinflößend...

Bis es so weit ist, muss der enttäuschte Nerd jedoch erst einmal verkraften, dass das spektakuläre Niveau der exploitativen Dekadenz nach einer guten halben Stunde unwiederbringlich sein Ende findet. Dann weicht der Schauplatz zu Gunsten des Bordells "Aphrodite" in Montreal, wo sich die exilierte Ilsa nicht mehr ganz so offen mörderisch aufführen kann wie in der KZ-analogen Kommi-Hölle. Unter Rammelgesichtspunkten steppt der unrasierte 70er-Jahre-Bär indes ungehemmt weiter. Weniger interessant ist dabei der Agenten-Showdown mit dem voltunterlegten Lagerüberlebenden. Langatmig frickelt LaFleur dessen Weg zum Wiedersehen mit seiner ehemaligen Peinigerin zurecht. Schauspielerisch wird das gelassen bis gelangweilt hingenommen, vielleicht, weil vieles Blutige in den Offscreen verbannt ist. Im Finale werfen einige Schneetarn-Uzi-Schwinger-Ninjas noch ein par Granaten. Nun ja.

Der Abschluss der Trilogie legt also vielversprechend los, verliert sich im Anschluss aber leider in missglückter Innovation. Das Wechselspiel von Koitus und peinlichen Befragungen beherrscht der Cast, ist jedoch mit der von LaFleur angedachten Vertiefung des bereits in der Haremsepisode etablierten James-Bond-für-Arme-Ansatzes hoffnungslos überfordert. Schon wenn ein Statist mit einer Schlinge erwürgt wird, kämpft er erkennbar gegen einen Lachkrampf an. Ein psychologisches Duell mit einer traumaverantwortlichen Nemesis kann vor dem Hintergrund solcher Leistungshorizonte nur als einfältige Fußnote vor sich hin scheitern. Der schlüpfrig-geschmacklose Unterhaltungswert der Marke "so bad it's good" bleibt dennoch weitgehend erhalten, auch wenn "Ilsa - Die Tigerin" eine Stufe weniger spektakulär als ihre Vorgängerinnen aus dem III. Reich und dem Harem des Ölscheichs geraten ist (6/10 Punkten). Für eine Indizierung hat auch dies noch locker gelangt.

6/10
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Kommentare

01.12.2020 13:56 Uhr - Mr.Tourette
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Versierte Headhunter müssten mit dem Lebenslauf von Ilsa ihre Freude haben: Politisch flexible Führungspersönlichkeit, die ihre Mitarbeiter und Untergebenen durch steile Hierachien zu motivieren weiß. Auslanderfahrungen, Reisebereitschaft und kulturelle Diversität sind selbstverständlich. Ihre Arbeit ist Beruf und Berufung. :D

01.12.2020 16:07 Uhr - Punisher77
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Ich schreib´ hier mal über deine "Ilsa"-Reviewtrilogie insgesamt. Ich besitze ein Steelbook kt allen drei Teilen, die ich exakt jeweils einmal gesehen habe, und das in erster Linie aus Neugier auf diese "verruchte" Filmtrilogie. Bis heute weiß ich nicht so recht, was ich von den "Ilsa"-Filmen (insbesondere vom ersten) halten soll...

Deine Reviews sind dagegen mal wieder sehr eloquent, unterhaltsam und vermitteln gute Eindrücke. Sehr gut gemacht!

01.12.2020 16:32 Uhr - dicker Hund
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Besten Dank!

@Tourette
Feines Marketing! Aber wo Licht in Ilsas Personalakte ist, da ist auch Schatten. Gegen Ende dieser Woche werde ich darauf näher eingehen.
:-)

@Punisher
Ich gestehe, mir den guilty pleasure schon mindestens dreimal gegeben zu haben. Aber selbst Autoren der grenzwertigen Fachliteratur winken bei dieser speziellen Trilogie ab. Daher wundert mich nicht, dass Du kein Rewatch mehr wolltest...


01.12.2020 18:05 Uhr - Phyliinx
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Ich bin ja immer wieder verwundert, was für Filme man durch diese Seite findet...

01.12.2020 20:52 Uhr - Fratze
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01.12.2020 18:05 Uhr schrieb Phyliinx
Ich bin ja immer wieder verwundert, was für Filme man durch diese Seite findet...


Haha, die Ilsa ist da doch noch harmlos ^^ Wirf mal einen Blick in die Kritiken von Kollege hudeley, da wird einem manchmal anders ;D

@Hund:
Habe mir die Trilogie kürzlich mal bei BeyondMedia zum Nice Price bestellt. Deine Kritiken decken sich aus der Erinnerung heraus so ziemlich mit meinen Eindrücken. Solide Sexploitationer, wobei der erste Teil schon mit am "besten" war... aber halt auch schon irgendwie 3x derselbe Film mit lediglich verschiedenen Settings. Demgegenüber hast du hier 3x überzeugend abgeliefert, und das ganz ohne bloße Selbstkopie ^^

03.12.2020 11:52 Uhr - prince akim
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So, jetzt habe ich die ganzen "Ilsa"-Reviews von dir durch. Irgendwie bin ich da schon neugierig geworden, ich mag so alte Filme einfach. Diese 70er Filme haben einfach einen ganz besonderen Flair. Ich denke da jetzt nicht an "Ilsa", sondern 70er-Jahre-Filme allgemein. Gleichzeitig aber bin ich mir sicher, daß die dann ( da meine ich jetzt definitiv "Ilsa" ) nach einmaligem Genuss ( habe ich wirklich Genuss geschrieben ?? 😁 ) in den Weiten des Filmschranks verschwinden würden. Also, ich glaube mal, daß ich mich einfach freue, diese drei echt spitzen Reviews gelesen zu haben...und belasse es dann auch dabei !

04.12.2020 19:12 Uhr - Horschgast
1x
Was für ein Zufall, hab vor einer Woche auch alle drei Ilsa-Teile gesichtet.
Ich muss sagen mich hat nach den etwas "harmloseren" zweiten Teil dieser hier wieder mehr unterhalten.
Einen etwas zynischen Humor sollte man für die dick bebrüstete Dyanne (ilsa) jedoch mitbringen sonst zünden solche Flachsgranten wie die Grippe Behandlung an einem Häftling oder diverse verbale Entgleisungen wohl kaum. Nach dem ersten Teil ist dieser jedoch, trotz Storyschlaglöchern, bei mir hoch im Kurs.
8 von 10 Punkten, berauscht betrachtet

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