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I Saw the Devil - Rache ist ein tiefer Abgrund

Originaltitel: Akmareul Boatda

Herstellungsland:Südkorea (2010)
Standard-Freigabe:juristisch geprüft
Genre:Drama, Krimi, Thriller
Alternativtitel:I Saw the Devil
Bewertung unserer Besucher:
Note: 8,87 (138 Stimmen) Details

Inhaltsangabe:

Kyung-chul (Choi Min-sik) ist ein gefährlicher Serienmörder, dem die Polizei schon lange auf den Fersen ist. Skrupellos und äußerst brutal vorgehend, vergreift er sich an jungen Frauen. An einem verschneiten Abend ermordet er Ju-yeon (Oh San-ha), die Tochter des Polizeichefs Jang (Jeon Gook-hwan), auf bestialische Weise. Ihr Verlobter – Geheimagent Soo-hyun (Lee Byung-hun) – schwört gnadenlose Rache. Er will Kyung-chul all die Schmerzen zufügen, die dieser seinen Opfern antut. Auch wenn er dazu selbst zum Monster werden muss. Er lässt sich für zwei Wochen beurlauben. Nicht, um das schreckliche Trauma zu verarbeiten, sondern um den psychopathischen Killer auf eigene Faust zu jagen. Ein erbarmungsloser Schlagabtausch beginnt, bei dem Soo-hyun seinen intelligenten Kontrahenten zu unterschätzen scheint... (Splendid)

Diese Kritik enthält Informationen über den späteren Handlungsverlauf der Geschichte.
eine kritik von jichi:

"I saw the Devil" ist ein südkoreanischer Thriller von Jee-Won Kim aus dem Jahr 2010.

Die größte Stärke von I saw the Devil ist, dass er es wirklich versteht mit den Emotionen und moralischen Einstellungen des Zuschauers zu spielen. Hierbei wird ähnlich wie bei "I spit on your Grave" vorgegangen. Es wird eine enorme Abneigung des Zuschauers gegen den Serienmörder aufgebaut. So tötet er die unschuldige, wehrlose Frau des Agenten, obwohl sie schwanger ist. Außerdem entführt er ein Schulmädchen und versucht es zu vergewaltigen. Doch gerade noch kann der Agent eingreifen und verhindert die Vergewaltigung. Hier war bei mir dann der Punkt erreicht, wo ich mir dachte, der Killer verdient die Rache des Agenten. Der Film erschafft ein Monster, dass der Zuschauer hasst und er wünscht, dass es bestraft wird. Doch hierbei muss der Agent selbst unmoralische Dinge tun, er geht über Leichen, foltert Unschuldige. Er wird zu dem, was er ( und der Zuschauer ) vernichten wollte. "Der Zweck heiligt die Mittel", ist ein bekanntes Sprichwort. Ist das hier auch so ? Der Mörder wird irgendwann durch den Agenten zur Strecke gebracht werden. Dann werden durch ihn keine Menschen mehr leiden. Aber war der Agent bis dato vielleicht sogar brutaler ? Das muss der Zuschauer selbst abwiegen und entscheiden. Heiligt der Zweck die Mittel ?


Das der Zuschauer in ein derartiges moralisches Dilemma kommt, dazu tragen unter anderem die wirklich grandiosen schauspielerischen Leistungen der Schauspieler bei, natürlich allen voran Byun Hun Lee ( Agent ) und Min Sik Choi, welcher auch in Oldboy mitspielte. Man hat fast das Gefühl, sie sind keine Schauspieler mehr, sondern leben ihre Rollen wirklich. Die Emotionen, der Verlust, der Zorn, der Schmerz des Agenten, alles wirkt echt. Man fühlt so unglaublich mit den Charakteren mit, man taucht richtig in den Film ein. Keine der 140 Minuten ist langweilig, und sie vergingen wie am Flug.


Auch die Kameraarbeit ist spitze. Es gibt schöne, jedoch auch grauenvolle Aufnahmen. Jede Kameraperspektive kommt einmal zum Einsatz. Am bekanntesten dürfte die Taxiszene sein, in der der Serienmörder zwei andere Kriminelle tötet, und die Kamera sozusagen einmal um das Auto herumfährt. Auch am Ende trägt die Kamera entscheidend zur gelungenen Atmosphäre bei. Auf das Ende möchte ich später aber noch genauer eingehen.


Der Film hat öfters aber auch eines satirischen, schwarzhumorigen Unterton, der dem Zuschauer suggerieren soll, wie ironisch die gesamte Situation an sich ist. Als Beispiel möchte ich hier anführen, dass der Serienkiller öfters andere Personen als Psychopathen beschimpft, deren Handlungen aber oft den seinen ähnlich sind. Auch halten sich der Agent und der Killer im Laufe des Films sich gegenseitig für das kranke Monster. Satire pur.
Die Gewalt wirkt immer perfekt dosiert, nie übertrieben wie in vielen anderen asiatischen Genrevertretern. Sie wird emotionalisiert. Sie dient dazu, bestimmte Reaktionen beim Zuschauer auszulösen, um die Gefühle der Personen auf den Zuschauer zu übertragen. So wird es noch leichter gemacht, sich in die Handlung und die Personen hineinzuversetzten.


Nun möchte ich noch auf das Ende des Films eingehen, welches dem Ganzen inzenatorisch die Krone aufsetzt. Achtung Spoiler !
Der Agent baut eine Falle, die den Killer enthaupten wird, sobald jemand die Türe öffnet. Die Familie des Killers sucht ihn und öffnet die Tür. So rollt ihnen der Kopf ihres Sohnes entgegen. Sie schreien auf und brechen in Tränen aus. Jedoch ging so der Film los. Der Kopf der Frau des Agenten wurde aus einem Fluss gefischt, was bei ihm dieselbe Reaktion auslöst. Nach der Enthauptung des Killers geht der Agent dann die Straße entlang, während er gequält weint. Ich war wirklich gerührt und musste schlucken. Der Film hält einem hier einen Spiegel entgegen. Hier schau, soweit haben die Rachegefühle des Agenten ( und die des Zuschauers ) alles getrieben. Eine Familie hat ihren einzigen Sohn verloren. Und den Verlust des Agenten hat es nicht wieder wettgemacht, die Rache hat alles nur noch viel schlimmer gemacht. Der Zweck heiligt die Mittel eben nicht immer.

10/10
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Kommentare

08.11.2020 13:08 Uhr - McGuinness
1x
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Kurz und knapp begründest du deine Sichtweise und legst verständlich nahe, weshalb der Film dich so sehr berührt.

Deiner Frage, ob der Zweck letzten Endes die Mittel heiligt, kann ich nur durch ein aussagekräftiges JA antworten, denn einerseits ist " Rache ein tiefer Abgrund " wie der Zusatz es bereits treffend beschreibt, andererseits steht dem Geschädigten das Recht auf Vergeltung und der damit erhoffte Frieden bzw. Genugtuung zu, denn was den Agenten ganz klar von dem Killer unterscheidet ist, dass der Killer schon immer, zwar nicht von Geburt an, aber schon seit langer Zeit, böse ist und aus einer sadistischen Gesinnung tötet, der Agent durch den erlittenen Verlust aber erst zu dem wird, was er eigentlich vorgibt zu bekämpfen.
Gerechtfertigt ist sein Handeln in meinen Augen aber auf jeden Fall, da er sich im Grunde genommen nur all des Abschaums der Gesellschaft zu entledigen versucht und man sich als Zuschauer unweigerlich die Frage stellt, ob man selbst nicht genauso handeln würde ?!

Alles in allem ein hervorragender, wirklich intensiver Film, mit tollen Darstellern und einer unnachgiebigen, angemessenen Härte.
Gut nachvollziehbar, was den Reiz an diesem Werk für dich so ausmacht 😉

08.11.2020 13:13 Uhr - tp_industries
1x
DB-Co-Admin
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Deine Kritik gibt einen wirklich guten Eindruck vom Film und ist wortgewandt geschrieben. Für eine 2. Kritik ist das wirklich gut, weiter so!

Der Vergleich mit I spit on your Grave hinkt, meiner Meinung nach, aber etwas. Das Rachethema ist ähnlich, aber I saw the Devil ist in der emotionalen Ebene tiefsinniger und intensiver. Auf mindestens 9 Punkte kommt der bei mir auch.

08.11.2020 13:29 Uhr - Intofilms
1x
Sehr gut, Jichi! „ISTD“ ist zweifellos sehenswert, in meinen Augen jedoch keine 10. Reine Ansichtssache, wie gesagt. 😉

08.11.2020 19:19 Uhr - The Machinist
1x
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Bei mir bekanntermaßen ja auch ein 10/10-Film :)

Von Kim Jee-won habe ich neulich im Urlaub auch erst wieder Filme geguckt: ''A Bittersweet Life'', ''The Good, The Bad, The Weird'' und ''A Tale of two Sisters'' um genau zu sein. Ja, der gute Mann hat schon eine Hammer-Filmografie vorzuweisen, nur zuletzt bei seiner Adaption von ''Jin-Roh'' schwächelte er etwas, den finde ich dennoch sehr viel besser als er von vielen schlechtgemacht wurde.

Habe ich gerne gelesen. Weiter so.

08.11.2020 19:43 Uhr - Draven273
1x
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Das darf ich eigentlich niemanden erzählen, den hab ich mir damals eigentlich sofort gekauft und da schmorrte der gute 2 Jahre in meinem Regal. Ja ich weiß, völlige Ratlosigkeit macht sich breit. Geht mir im nachhinein genau so. Toller Streifen, bei einer 10 bin ich jetzt nicht, dass ist aber völlig unwichtig. Und Lee Byung-Hun ist hier echt stark. Sowieso ein toller Schauspieler. Deine Review hat mir sehr gut gefallen, las sich schnell, angenehm und schön informativ. Vielen Dank.

08.11.2020 19:50 Uhr - Jichi
2x
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Danke an euch alle für das viele Lob !

08.11.2020 22:11 Uhr - Lukas
08.11.2020 13:08 Uhr schrieb McGuinness
Kurz und knapp begründest du deine Sichtweise und legst verständlich nahe, weshalb der Film dich so sehr berührt.

Deiner Frage, ob der Zweck letzten Endes die Mittel heiligt, kann ich nur durch ein aussagekräftiges JA antworten, denn einerseits ist " Rache ein tiefer Abgrund " wie der Zusatz es bereits treffend beschreibt, andererseits steht dem Geschädigten das Recht auf Vergeltung und der damit erhoffte Frieden bzw. Genugtuung zu, denn was den Agenten ganz klar von dem Killer unterscheidet ist, dass der Killer schon immer, zwar nicht von Geburt an, aber schon seit langer Zeit, böse ist und aus einer sadistischen Gesinnung tötet, der Agent durch den erlittenen Verlust aber erst zu dem wird, was er eigentlich vorgibt zu bekämpfen.
Gerechtfertigt ist sein Handeln in meinen Augen aber auf jeden Fall, da er sich im Grunde genommen nur all des Abschaums der Gesellschaft zu entledigen versucht und man sich als Zuschauer unweigerlich die Frage stellt, ob man selbst nicht genauso handeln würde ?!

Alles in allem ein hervorragender, wirklich intensiver Film, mit tollen Darstellern und einer unnachgiebigen, angemessenen Härte.
Gut nachvollziehbar, was den Reiz an diesem Werk für dich so ausmacht 😉

Ich hoffe, deine Ausführungen beziehen sich nur auf den Film und nicht auf das wirkliche Leben...

Ansonsten sehr gelungenes Review zu einem hochklassigen Film, auch wenn ich die 10 für etwas hochgegriffen halte und eher bei 8 oder 8,5 wäre. :)

09.11.2020 01:43 Uhr - McGuinness
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@Lukas

Selbstverständlich nur auf den Film 😅 obwohl die Gründe für die Handlungen des Agenten auch im realen Leben für mich durchaus nachvollziehbar sind, aber dies ist am Ende wohl immer noch Sache der Gesetzeshüter 😉

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