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Das Syndikat des Grauens

Originaltitel: Luca il contrabbandiere

Herstellungsland:Italien (1980)
Standard-Freigabe:FSK 18
Genre:Action, Splatter, Thriller
Alternativtitel:Contraband
Kokain - Der Weg zum Jenseits
Lucas El Contrabandista
Naples Connection, The
Smuggler, The
Bewertung unserer Besucher:
Note: 7,37 (41 Stimmen) Details

Inhaltsangabe:

Luca Ajello (Fabio Testi) ist mit seiner Frau nach Neapel gezogen, nachdem er seinen Job in Mailand verloren hat. Dort arbeitet er zusammen mit seinem Bruder Michele (Enrico Maisto) als Zigarettenschmuggler. Doch eines Tages wird Michele erschossen und Luca macht sich daran, den Mörder im Sumpf der neapolitanischen Mafia zu finden. Dabei stößt er auf einen neuen Gegner, außerhalb der Camorra. ()

eine kritik von chollo:

Im Jahre 1980 befand sich der mittlerweile zum Kultregisseur avancierte Lucio Fulci vor dem Höhepunkt seiner Schaffensphase. Nachdem er mit "Woodoo- Die Schreckensinsel der Zombies" einen im Fahrwasser von "Dawn of the Dead" sehr erfolgreichen Genrefilm vorgelegt hatte, konnte er auch mit den nachfolgenden Werken "Das Syndikat des Grauens"; Ein Zombie hing am Glockenseil" sowie den 1981 erschienenen Titeln "Über dem Jenseits" und "Das Haus an der Friedhofsmauer" überzeugen. Mit überzeugen meine ich wohlweislich aber den finanziellen Aspekt und Liebhaber die dieser Kostform nicht abgeneigt waren, über die Kritiker damals und heute die nach wie vor Zweifel an den Qualitäten des Römers hatten, legen wir mal den Mantel des Schweigens.

So wie jeder andere zumindest talentierte, nennen wir es mal abwertend Genre-Regisseur, trieb sich der gute Fulci aber in verschiedenen Kategorien rum. Neben seinem Horrorgenre war er nämlich auch im Abenteuer ("Jack London: Wolfsblut");  Western ( "Silbersattel") und Slasherbereich (" Der New York Ripper") tätig. Sein hier vorliegendes Werk kann man dann getrost dem Thriller im speziellen vielleicht dem Gangster oder Mafiafilm zuordnen.

Im Zentrum der Geschichte steht Fabio Testi ("Zorros Rache") der als Drohenschmuggler und Camorra Mitglied seinen höchst fragwürdigen Geschäften nachgeht. Als plötzlich ein im Verborgenen operierendes Syndikat auftaucht und mit brutalen Mitteln versucht die Macht in Roms Unterwelt zu übernehmen, ist auch Luca davon betroffen was in schlussendlich dazu bewegt einen blutigen Rachefeldzug zu unternehmen. 

Die Geschichte in und um das Milieu ist eigentlich 08/15 und hätte auch höchstwahrscheinlich bei diversen Drehbuchschreiber Wettbewerben keinen Innovationspreis gewonnen. Was Fulcis Streifen so nachhaltig und ein Fankreisen bis heute populär und beliebt macht, ist die allseits bekannte Schwäche des "Godfather of Gore". Statt sich mit den handelsüblichen Schießereien und schmierigen Geschäften zufriedenzugeben, strotzt sein  Beitrag vor Sadismen und Abscheulichkeiten. Duelle der Pistoleros enden da nicht selten in einem Blutbad bei dem der Rote Lebenssaft so freudig wie bei einem gut bestückten Slasher durch die Gegend spritzt. Nicht nur dass, auch "Höhepunkte" wie die Folter einer Frau mittels Schweißbrenner, ein saftiger Kehlenschnitt oder die quasi Enthauptung mittels Schusswaffe lässt sich Fulci nicht nehmen um dem Publikum das zu geben, wonach es vermeintlich verlangt bzw. was es verdient. Spätestens mit diesem Werk hatte sich der Italiener seinen Spitznamen redlich verdient, was er dann auch mit seinen Nachfolgewerken weiter bekräftigen sollte.

Dabei brauch "Das Syndikat des Grauens" solche Szenen gar nicht oder muss sie so exzessiv auswalzen. Mit den dosierten Hintergrundinformationen rund um Luca und seinen Bruder Michele, sowie der wiederkehrenden und teils nachvollziehbaren Handlungen der Protagonisten aus dem zwielichtigen Bereich, ist ein Mindestmaß an Sympathiepunkten schon vergeben und man fiebert auch ohne diese überbordenden Gewaltmomente mit dem Hauptdarsteller und seiner "Familie" mit. Die Vendetta wird keinesfalls teilnahmslos verfolgt, wie es zum Teil auch heute noch bei neuerlichen Produktionen der Fall ist. Doch Fulci wollte wohl auf Nummer sicher gehen und verpasste seinem Thriller noch ein drittes Standbein.

Leider krankt auch das "Syndikat des Grauen", neben den für manchen zu monierenden Ekeleffekten, an den meiner Meinung nach üblichen Lucio Fulci Kinderkrankheiten. Mit dem Gedudel von Fulcis Stamm-Musikant Fabio Frizzi bin ich nie wirklich warm geworden und auch hier stört mich sein Geplänkel deutlich und gibt meines Erachtens so mancher Szene nicht den Background den sie benötigt. Im schlimmsten Fall wirken einige Einstellungen durch die Untermalung gar unfreiwillig komisch. Zudem ist wie schon bei "Der New York Ripper" das Pacing des Films nicht immer ganz so vorteilhaft. Wilden Schießereien folgt des öfteren eine belanglose Dialogszene, die dann auch noch mit hölzerner Dramaturgie unterfüttert wird. Es stimmt, Lucio Fulci war ein Großer des italienischen Horrorkinos. Stimmen tut aber ebenfalls dass sein Inszenierungsstil mitunter eklatante Schwächen aufweist, die mit fortschreitenden Alter und in der späten Schaffensphase des Regisseurs immer deutlicher zu Tage traten. Was auch erklärt warum er nie die Virtuosität und Fingerfertigkeit seines Landsmannes Dario Argento ( "Profondo Rosso"; "Suspiria"; "Tenebrae") erreichte,der das Handwerk blind beherrschte.

Die Darsteller, allen voran Fabio Testi und Marcel Bozzuffi (" The French Connection") als sein Gegenspieler, machen ihre Sache wie bereits erwähnt ordentlich. Mann nimmt Ihnen ihr Spiel ab und das jeweilige Schicksal wird interessiert beäugt. Auch Fulci selbst ließ es sich abermals nicht nehmen in einer Nebenrolle aufzutreten. Dort macht er wie ich finde im Gegensatz zur selbstbeschafften  Hauptrolle ("A Cat in the Brain"), auch immer eine gute Figur. Mal abgesehen davon, wer könnte wohl einen Kommentar zur italienischen Mafia besser abgeben als die Italiener selbst.

Insgesamt zählt "Das Syndikat des Grauens" oder im Original "Luca il contrabbandiere" zu Lucio Fulcis besseren Werken und fügt sich auch folgerichtig in die korrekte zeitliche Hochphase des Regisseurs ein. Wenn man über die Mängel hinwegsieht, ein eingefleischter Fulci Fan ist oder einfach mal Lust auf einen Kriminalfilm der härteren Gangart Lust hat, ist man hier mit Sicherheit an der richtigen Adresse. Alle anderen seien gewarnt, dass dieses Produkt mit seinen Schwerpunkten und der typischen (italo) B- Note vielleicht eine etwas befremdliche; schockierende aber auch antiquierte Wirkung haben könnte.

7/10
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Kommentare

12.11.2020 01:57 Uhr - McGuinness
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Ordentlich und vor allem fair verfasst, CHOLLO 👍🏻

Gerade die von dir überbordenden Gewaltmomente machen für mich den Reiz dieses wirklich harten Mafia - Thrillers aus und die Szene mit dem Bunsenbrenner finde ich auch heute noch ziemlich krass... Typisch Fulci halt 😊

Ein Werk, welches nicht frei von Schwächen ist, durch seine passend ausufernden Brutalitäten mich aber immer noch zu begeistern weiß und dem ich in der Gesamtwertung sogar noch 1 saftigen Treffer mehr als Du spendieren würde 😁

Alles in allem eine wirklich gut verfasste und schön zu lesende Review von dir 😉

12.11.2020 02:39 Uhr - Dissection78
DB-Co-Admin
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Ha! Unglaublich! Den habe ich in der Tat zufälligerweise vor ein paar Tagen erneut gesehen, einfach weil ich Bock drauf hatte. War ich nach der letzten Sichtung vor etwa zehn Jahren nicht so gänzlich von der Qualität dieses Streifens überzeugt, muss ich jetzt konstatieren, dass er mir heuer doch wieder recht gut gefiel.

Deine Kritikpunkte kann ich neben den Pluspunkten teilen. Das Pacing ist wirklich nicht optimal; der Score ist zumindest hier nicht sonderlich einprägsam (allerdings bin ich mit den Filmmusiken von Fabio Frizzi für andere Fulcis wie "Die sieben schwarzen Noten", "Woodoo - Die Schreckensinsel der Zombies", "Ein Zombie hing am Glockenseil" oder "Über dem Jenseits" ganz hervorragend warm geworden und finde sie sogar richtiggehend grandios!); mir persönlich sind die Szenen zwischen Luca und seiner Ehefrau teils viel zu melodramatisch.
Die sadistischen Goreeinlagen mögen in dieser Explizitheit vielleicht nicht unbedingt nötig gewesen sein, doch unterstreichen sie den typischerweise zynischen Charakter der Gangster. Dazu machen die Darsteller ihre Sache ordentlich, und die ganze Chose ist solide inszeniert und gefilmt.

Ergo: Mein Fazit entspricht in etwa Deinem. Ein knüppelharter, partiell durchaus spannender Gangsterthriller, den ich mir in Zukunft vielleicht doch noch öfter antun werde. Ich vergebe 7 extremst saftige Bauchschüsse. Lecker...

Außerdem muss ich ein wenig reflektieren: Ich hatte einst in Reviews zu den Zombieklassikern Fulcis behauptet, der gute Lucio sei ein eher mittelmäßiger Regisseur gewesen. Nachdem ich in letzter Zeit neben "Das Syndikat des Grauens" auch "A Lizard in a Woman's Skin", "Don't Torture a Duckling" und vor allem "Die sieben schwarzen Noten" (einer der besten Gialli überhaupt) wiedergesehen habe, finde ich ihn für europäische Exploitation- bzw. Low-Budget-Verhältnisse absolut überdurchschnittlich. Seine Italowestern sind gleichfalls nicht zu verachten. Vielleicht hatte er manchmal einfach keine sonderliche Lust auf vollendete Sorgfalt in einigen seiner Auftragswerke. Er war ja zwischen 1948 und seinem Tod '96 in allen möglichen Funktionen und Genres beim Film vielbeschäftigt. Lucio konnte schon, wenn er denn wollte und inspiriert war :)

12.11.2020 08:31 Uhr - sonyericssohn
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Den muss ich noch !

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