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Shining in the Dark

Originaltitel: Stephen King: Shining in the Dark

Herstellungsland:Großbritannien (1999)
Genre:Dokumentation
Bewertung unserer Besucher:
Note: 8,00 (1 Stimme) Details
inhalt:
Der amerikanische Schriftsteller Stephen King hat über 50 Romane veröffentlicht, seine Bücher wurden über 400 Millionen Mal verkauft, in mehr als 50 Sprachen übersetzt, und 71 Mal verfilmt. Meistens handelt es sich dabei um Horrorfilme, denn King ist auf die Horrorliteratur spezialisiert. SHINING IN THE DARK beschäftigt sich mit seiner Biografie, und durch Interviews erfährt man viel über das Privatleben des Autors, und auch die Einflüsse, die ihn dazu brachten sich literarisch oft mit den Dingen zu beschäftigen die uns Angst machen.
eine kritik von cecil b:

 

Stephen King ist mehr als ein Schriftsteller, der 'süchtig' macht. Deswegen hat Doku- und TV- Serien- Regisseur sowie Schauspieler David Steward (Evolution Mensch - Wie wir wurden, was wir sind) für die englische öffentlich-rechtliche Rundfunkanstalt BBC eine Dokumentation gedreht, die für Interessenten interessant und für King- Fans ein Muss ist. Der TV-Sender ARTE strahlte SHINIG IN THE DARK in deutscher Sprache aus. Hier ein Einblick in die Doku, über den bescheidenden, humorvollen, intelligenten, friedlichen, Alkoholiker, ehemaligen Drogensüchtigen, Ehemann und Vater aus Maine. Die hat keine Stunde Spielzeit, und es gibt nur wenige Szenen aus Filmen zu sehen, aber King's Persönlichkeit wird durch Interviews, die in verschiedenen Räumen sowie in der Gegend, in der der Schriftsteller lebt, aufgenommen wurden, gekonnt porträtiert.

"Steve war wie ein übergroßes Lamm, brachte es dann aber wieder fertig dir bei einem Mittagessen etwas ins Ohr zu flüstern, was einem Monate lang nur mit eingeschalteten Licht schlafen ließ", sagt ein alter Bekannter des Protagonisten. King dazu, verschmitzt und begeistert: "Ich habe es am liebsten, wenn jemand am Ende das Buch zusammenklappt und sagt: 'ich lasse das Licht wohl besser an'." Was ist denn das für einer, der gerne schlaflose Nächte beschert, seine Literatur selbst einen "Big Mac mit Fritten und Cola für zwischendurch" nennt, der meistverfilmte Autor ist, und über dessen Werke Verleger Chuck Verrill sagt: "Die Bedeutung seiner Arbeit ist weitaus größer als ihr zugestanden wird."?

Stephen Edwin King wurde am 21. September 1947 in Portland, Maine geboren, und lebt in Bangor, im selben Bundesstaat. Bevor er in SHINING IN THE DARK seine Heimat vorstellt, äußern sich Schauspieler sowie Regisseure, die an Verfilmungen von einigen seiner Romane beteiligt waren, unter ihnen Kathy Bates (Misery), Tom Hanks (The Green Mile) und Regisseur Frank Darabont (The Woman in the Room, Der Nebel, Die Verurteilten), über den Autoren. Und dann begleitet die Kamera die zentrale Gestalt zu deren Geburtsort, in dem sie wie ein "übergroßes Lamm" umhergeht und mit einem 'so simpel sieht's aus Buddy'- Lächeln auf ein schlichtes Häuschen zeigt und sagt:" Da bin ich zur Schule gegangen." King sei dort gut zurechtgekommen. Was ja aber kein Wunder sei, da er in einer Klasse, die aus einem Stotterer, einem Jungen der schwer vom Begriff gewesen sei, und eben ihm, dem übergroßen Lamm, bestand, nicht allzu schlecht habe abschneiden können. Der Protagonist präsentiert die karge Gegend, in der er seine Kindheit in Armut verbracht hat, und spricht über die Einwohner. Man kann den Eindruck haben dass er diese schon immer mit den Augen eines Schriftstellers gesehen hat. Da bietet es sich an, dass auch der Zuschauer alltägliche Bilder von diesem Ort begleitet von düsterer Musik aus dem Synthesizer und mit einer Verzeichnung der Darstellung zu sehen bekommt, als ob dort überall das Böse lauern könnte. King wirkt wie ein netter Mann, der niemals zu durchschauen ist, und der schon als Kind erkannt hat: Menschen sind eine ganz schön verrückte Spezies. In seinem schlichten, teilweise schon als primitiv zu bezeichnenden Heimatort habe der Autor laut eigenen Angaben durchschaut, dass die Benachteiligung von Menschen die Wurzel des Bösen ist. "Das ist das Böse, über das du dein Leben lang schreiben wirst." In jungen Jahren habe sich King intensiv mit den Biografien von Mördern beschäftigt, mit der Vorstellung, dass er dadurch besser gefährliche Menschen erkennen könne. In der Highschool sei der Protagonist eine Art akzeptierter Freak mit Schlafzimmer-Latschen und einem Taschenbuch in der Gesäßtasche gewesen, keine schöne Zeit, sagt er. Während seines Englisch-Studiums lebte Stephen King zusammen mit seiner Freundin und mittlerweile schon lange Ehepartnerin Tabitha in einem Wohnwagen. Als der Autor sich dann sein Geld als Englischlehrer und durch die Arbeit in einer Wäscherei verdiente, schrieb er mehrere Kurzgeschichten und Romane, aber Verlage zeigten kein Interesse daran. Den Grundriss von seinem Roman CARRIE hatte er in den Mülleimer geschmissen. Tabitha hatte das Manuskript aber aus diesem gefischt, und sorgte dadurch im Endeffekt für einen schönen Batzen Geld sowie den Beginn einer unvergleichlichen Karriere. 

Was macht dieses Schriftgut denn so bemerkenswert? Darabont vergleicht King sogar mit Mark Twain und sagt dadurch implizit dass dessen Geschichten eine Reflexion eines großen Teils der amerikanischen Gesellschaft sind. Der Autor beschreibt die Wahrnehmung seiner Figuren so unmittelbar dass die meisten Bewohner der westlichen Welt innerhalb von Sekunden einen Zugang zur Dramaturgie haben. Langsam schleicht der Schrecken in den Alltag und die Normalität ein. Selbst das Grauen wird oft mit der Nüchternheit des alltäglichen Einerlei beschrieben, und kommt daher fast realistisch wirkend ganz nah an den Leser, um ihn vielleicht an den Füßen zu packen. Der Horror versteckt sich nicht in dunklen Schlössern und Wäldern, und er spiegelt nicht selten den realen Horror wider.

King ist einer der Wenigen, die mit einfachster Sprache und Metaphorik meisterhaft schwierige Themen wie den sexuellen Missbrauch von Kindern (Der Bibliothekspolizist), die Akzeptanz des Todes (Friedhof der Kuscheltiere, Schlaflos) oder das Trauma einer Vergewaltigung (SARA) durch die Horrorliteratur angehen. Der Autor verfasste auch Dramen, die den Horror der häuslichen Gewalt (DOLORES, wurde mit Kathy Bates verfilmt), oder die Magie der Kindheit (Hearts in Atlantis, mit Anthony Hopkins, Stand by me mit Corey Feldmann und River Phoenix) thematisieren, und der Fantasie der Kinder viel Platz lassen. King hat die Fähigkeit die Welt mit den Augen eines Kindes zu sehen, wodurch die Gesamtheit seiner Figuren geheimnisvoll scheint, nur dass er diese auch mit dem Verstand eines älteren Mannes überdenken kann, der die Intelligenz dafür hat, sich ein wenig in Opfer und...auch Täter hineinzudenken. Seine Geschichten spielen fast immer in kleinen Städtchen die parabolisch Prinzipien der westlichen Gesellschaft und der allgemeinen psychologischen sowie philosophischen Empfindung ausdrücken. Wenn etwa in IN EINER KLEINEN STADT (mit Ed Harris und Max von Sydow verfilmt) blutig satirisiert wird, wie Menschen sich erhoffen durch Besitz die unerfüllten Sehnsüchte zu befriedigen. In CARRIE (mehrfach ausgezeichnet von Brian De Palma verfilmt) zerbricht eine Schülerin durch den religiösen Wahn ihrer Mutter und das Mobbing der Mitschüler/innen, und nutzt eine besondere Fähigkeit dafür, um sich blutig zu rächen. Die kritische Perspektive hat in THE STAND (von Mick Garris für das Fernsehen verfilmt) wohl ihren Höhepunkt. In diesem Roman stirbt ein Großteil der Menschheit an einer Seuche, und die unterschiedlichen Verhaltensweisen der Überlebenden zeigen, dass der Mensch seinen gefährlichen Egoismus in keinen Verhältnissen hinter sich lässt.

Auch wenn King sich nach der Veröffentlichung des Romans CARRIE ganz auf das Schreiben, seine Frau, und bald seine drei Kinder konzentrieren konnte, gab es ein nicht zu unterschätzendes Problem: Sein Konsum von Alkohol und Drogen. Davon erzählt der Autor wieder mit diesem Grinsen, was zu sagen scheint: ' Der Mensch ist eine komische Spezies '. Kings Verständnis für die Abgründe der menschlichen Seele hat viele Facetten. Ein Beispiel dafür ist sein Roman SHINING, in dem sich der Schriftsteller und Trinker Jack Torrance allein mit seiner Frau und seinem Sohn einen Winter über in ein einsam gelegenes Hotel einnistet, und dort endgültig die Kontrolle über seine inneren Dämonen verliert. King spricht darüber, dass er wisse wie gefährlich Trinker sein können, und dass alle Eltern dieser Welt ihren Kindern in manchen Momenten fast den Hals zudrehen könnten, wenn sie unter Stress stehen und die Bälger nerven. Aber der Autor besiegte seine Süchte, hat ein klassisches Familienleben, und spielt immer wieder mit seinen Nachbarn Baseball. Als Nachbar, und nicht als Schriftsteller. Er gehe Interviews eigentlich lieber aus dem Weg, da ihm der Star-Rummel nicht geheuer sei. Nicht ohne Grund, sagt der Protagonist, und erzählt davon, wie ein wahnsinniger 'Fan' in sein Haus eingedrungen war, und seine Frau bedroht hatte. Einige unangenehme Erlebnisse, die er aufgrund seiner Popularität mit ihm fremden Personen hatte, verarbeitete er in mehreren Romanen, Kurzgeschichten und Novellen. Den Auftakt dafür machte sein Roman SIE, der vielfach ausgezeichnet als MISERY verfilmt worden ist (der spannendste King- Roman, den ich je gelesenen habe). In der Realität geriet der Schriftsteller einmal in eine besonders ungewohnte Situation. In seinem Roman AMOK, welchen er unter dem Pseudonym Richard Bachmann veröffentlichte (weil er mal gucken wollte, ob er auch ohne seinen bekannten Namen Erfolg hat!), geht es um den Amoklauf eines Schülers. Als dann in der Realität ein Schüler einen Amoklauf machte, und das Buch in dessen Spind gefunden wurde, nahm King dieses vom amerikanischen Markt. Der Protagonist sagt, dass er nicht glaube, dass Marilyn Manson- und Metallica-Platten oder eben seine Bücher Menschen dazu bringen können, jemanden zu töten, aber dass Menschen die töten wollen etwas suchen, das ihnen dabei hilft, den Verlust der Hemmungen zu beschleunigen. Er meint, dass es nirgendwo auf der Welt so viele Waffen und Amokläufe gäbe wie in Amerika. 

Dadurch kommen wir zu einer von Kings interessantesten Aussagen: "Amerika ist eine Kultur der Gewalt. Ich bin der Letzte, der sagen würde, dass er kein Teil dieser Gesellschaft ist (lächelnd), ich bin auch nur ein Kind meiner Kultur." Hier schließt sich der Kreis, den Darabont mit seiner Aussage über Kings Reflexion der amerikanischen Gesellschaft geöffnet hat.

Eine sehenswerte Doku, die stark auf die Persönlichkeit von Stephen King eingeht, und darauf, welchen Einfluss diese auf dessen Kunst hat. 

 

8/10
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Kommentare

18.11.2020 23:53 Uhr - TheRealAsh
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Ein Lobgesang auf den "King" of Horror, danke hierfür, ich bin auch großer Verehrer.

Gibt es die Doku noch bei Arte?

19.11.2020 00:05 Uhr - cecil b
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Gerne. :)

Auf Englisch auf You tube. Vielleicht auch auf Deutsch. Hatte die damals aufgenommen.

Die Tage veröffentliche ich aber eine weitere Besprechung einer Doku über King, die auf ARTE auch aktuell noch zu sehen ist, da sie erst kürzlich gesendet wurde. Und damit der Anlass für die Wiederaufbereitung der SHINING IN THE DARK-Review von 2013 war. Sind vielleicht 5 Sätze der ursprünglichen Fassung geblieben. ;)

Die weitere Doku schließt an SITD an, wiederholt wenig, und ist brandaktuell. Und spitze. Hat meine Liebe zu Kings Literatur wieder aufleben lassen.

19.11.2020 15:02 Uhr - Necron
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Einiges was du in deiner "Kingmäßigen" Review schreibst kommt mir ebenfalls sehr bekannt vor, wahrscheinlich habe ich diese Doku oder eine sehr Ähnliche auch auf youtube einmal gesehen.

Gerade Kings Statement zu der Kultur Gewalt in Amerika. Ein Klassiker ;)

King war ein Held meiner Kindheit, wo ich seine Romane verschlungen habe, sehr zum Bedauern meiner Eltern. Kind ließt, gut, aber warum muss es der Meister des Horrors sein?

Gerne mehr von solchen respektvollen Verneigungen, über den weltberühmtesten Autor aus einem kleinen Ort, der der Gesellschaft nur zu gerne leicht schelmhaft den Spiegel vorhält ;)

19.11.2020 19:46 Uhr - cecil b
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Danke für deinen erfreulichen Kommentar, dem man entnehmen kann, dass dein Blick auf King, die Aussagen der Doku, und damit die meiner Review, aufmerksam war. :)

Vielleicht haue ich direkt morgen die Besprechung der weiteren ARTE-Doku raus, die mir noch besser gefällt. Wobei beide Dokus nacheinander den perfekten Eindruck geben können. Ein klitzekleiner Spoiler: In der nächsten Review bekommt einen Einblick in Kings Ansicht auf die politische Lage Amerikas, wie sie noch vor kurzem war. Und der von dir erwähnte Spiegel wird mit Bravour ausgesprochen!

19.11.2020 20:06 Uhr - Ghostfacelooker
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Hail to the King^^^^^^^^ûnd grüße an den Autor oder am besten Beide^^^^^^^^

19.11.2020 21:39 Uhr - cecil b
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Danke für deinen Kommentar, den man ja tatsächlich auf mehreren Ebenen verstehen kann. :)

Bei Gelegenheit werde ich die besagte weitere Ebene begehen, und dem King einen Gruß von dir geben. Versprochen. ;)

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