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Blutgericht in Texas

(Originaltitel: The Texas Chain Saw Massacre)
Herstellungsland:USA (1974)
Standard-Freigabe:FSK keine Jugendfreigabe
Genre:Horror
Alternativtitel:Bestie mit der Ledermaske, Die
Devil of Punishment, The
Headcheese
Kettensägen Massaker
Leatherface
Stalking Leatherface
Texas Chainsaw Massacre, The
Texas Kettensägen-Massaker, Das
TCM
Bewertung unserer Besucher:
Note: 8,13 (188 Stimmen) Details
inhalt:
Es beginnt wie ein idyllischer Sommerausflug. Die vier gutgelaunten jungen Menschen in ihrem Auto ahnen noch nicht , daß dieser freundliche Tag zum entsetzlichsten und letzten ihres Lebens wird. Als ihnen das Benzin ausgeht- ganz in der Nähe eines alten Schlachthofes- nimmt ihr grauenvolles Schicksal seinen Lauf ...
eine kritik von chollo:

Jeder Regisseur hat, wenn sich das Glück auf seiner Seite befindet, ein Titel mit dem sein Name auch über das eigene Ableben hinaus assoziiert wird. Bei George A. Romero ist das freilich "Die Nacht der lebenden Toten". John Carpenter wird wohl auf ewig mit seinem "Halloween" in Verbindung stehen. Und Craven wird mit "A Nightmare on Elm Street" unvergessen bleiben. "The Texas Chain Saw Massacre" schmückt den Namen Tobe Hooper. Und jenes nicht nur seit der Gute von uns gegangen ist, sondern so ziemlich von Beginn an seiner Karriere die mit erwähnten Werk so richtig in Fahrt kam. Leider war dies aber auch ein zweischneidiges Schwert für Tobe Hooper, da seine Nachfolgewerke stets an diesem gemessen wurden und er nie wieder die Qualität dieses Klassikers erreichen konnte.

Was die Sogwirkung von seinem Backwood Horror vor allem ausmacht ist seine dreckige, auf 16mm Filmmaterial gedrehte Bildgebung. Schon das Intro auf dem Friedhof mit den abfotografierten geschändeten Leichenteilen während aus dem Off der Nachrichtenfunk zu vernehmen ist, lässt erahnen in welchen Zug man hier eingestiegen ist. Zwar gönnt uns der Filmemacher mit der Einführung unserer Protagonisten etwas unbeschwerte Leichtigkeit, doch ist die mit dem Erscheinen des Anhalters gleich wieder verflogen. Ähnlich wie die jungen Leute mit Eintreffen ins Hinterland, schwingt beim Zuschauer kontinuierlich eine gewisse Unruhe mit, die sich dann mit Erscheinen des bekanntesten Mitglieds der degenerierten Sippe explosionsartig entlädt. Bis das passiert haben es Hopper und Beteiligte aber schon durch ihren visuellen Stil  geschafft dem Zuschauer glaubhaft zu vermitteln, sich nicht im titelgebenden Bundesstaat, sondern im Vorhof zur Hölle zu befinden.

Low Budget ist hier das Stichwort mit Verweis auf die beinahe erdrückende Atmosphäre. Auf grobkörnigen Material wird die Szenerie hier hastig und chaotisch eingefangen womit man fast den Eindruck gewinnt, es gäbe noch einen weiteren Hauptdarsteller(in) der die Grausamkeiten aus der hinteren Reihe eingefangen hat. Dieser halbdokumentarische Einschlag ist es dann auch der in Verbindung mit diesen auf optischer wie auch psychisch-moralischer Ebene völlig verwahrlosten Individuen den Schrecken dieses Klassikers ausmacht. Man spürt sofort dass an diesem trostlosen Ort mit  seinen inhuman und auf sadistische Art agierenden Bewohnern für diese naiven und unbescholtenen Teenager ein Albtraum zur Realität wird.

Dabei hat "The Texas Chain Saw Massacre" was reine Gewaltmomente angeht gar nicht viel zu bieten. Der lächerlichen Zensurgeschichte zum trotz versteht sich Hooper eher daran den Horror und das Grauen in bester Hitchcock Manier eher in den Köpfen der Zuschauer entstehen zu lassen, denn literweise Blut zu vergießen. Anno 1974, also vor gut 46 Jahren,dem Publikum dann noch eine dermaßen gestörte Persönlichkeit wie Leatherface zu präsentieren muss wie ein Kinnhaken auf den zarten Unterkiefer gewirkt haben. Selbst heute schafft es diese Figur bei Genrefans neben anderen hochrangigen Vertretern dieser Zunft wie Myers, Voorhees und Co. Unregelmäßigkeiten im Herzschlag auszulösen. Zu bizarr und unwirklich/bedrohlich wirkt sein kindliches Gemüt in diesem monströsen Körper, der Kettensäge-schwingend mit den Gesichtern seiner Opfer durch die Büsche stampft. Ein fleischgewordener Albtraum sozusagen, der seine nicht minder gestörten Familienmitglieder noch einmal in den Schatten stellt. Hooper weiß genau wie seine Kreatur wirkt und stellt sie dann auch wohlweislich, ob aktiv oder passiv, in den Mittelpunkt der Geschehnisse. Er dominiert so ziemlich jede Szene bei der er in Erscheinung tritt und jenes trug nicht unerheblich zur Legendenbildung bei.

Festzustellen ist aber auch das Kameramann Daniel Pearl ( "Captivity") hier mit einigen äußerst kreativen Blickwinkeln glänzen kann und bestimmte Momente allein durch seine Bildgebung befeuert und ihnen ihren Schrecken verleiht. Schön zu sehen etwa bei Tisch mit den Kannibalen und der Totalen von Marilyn Burns Augapfel. Auch die Kamerafahrt unterhalb der Schaukel als sich Teri McMinn als Pam auf das Haus der Sippe zu bewegt ist dermaßen zeitlos und schön inszeniert, das man sie ohne weiteres in einen aktuellen Output mit einflechten könnte. 

Passend zu diesen Bildern fügt sich die marginale musikalische Untermalung in diesen Albtraum ein. Von Musik kann man hier eigentlich gar nicht sprechen, eher von Geräuschen die passend zu den Geschehnissen auf der Leinwand bzw. Mattscheibe mit eingestreut werden. Exzellent wirken diese im Zusammenspiel mit den Bildern und lassen die Ereignisse noch surrealer, fast schon wie ein Fiebertraum erscheinen.

Auch schauspielerisch gibt es eigentlich nichts zu meckern obwohl man sagen muss dass der pseudo-dokumentarische  Stil dieses Werks den mitunter offensichtlich unerfahrenen Akteuren schon etwas zugute kommt. Gerade durch diverse Patzer die in einem durchgetakteten Beitrag heutiger Tage fatal wären, wirkt ihr handeln noch authentischer und nachvollziehbarer als störend ins Gewicht zu fallen. Marilyn Burns ("Eaten Alive") als (Ur-) Scream Queen darf nach ihrer Tortur als erstes Final Girl in die Horror Geschichte eingehen und ich muss sagen, man nimmt ihr das Grauen ab. Vor allem die Dinner Szene meistert sie bravourös obwohl sie mir bei erstmaliger Betrachtung beinahe zu hysterisch erschien. Bei wiederholter Sichtung entpuppt sich die Einstellung und ihr Verhalten  als nicht nur angemessen, sondern regelrecht hypnotisierend.

Leider auch störend wie in vielen anderen Kritiken bereits erwähnt, wirkt auf mich die Personalie Paul Partain als Franklyn Hardesty. Abgesehen von seinem Habitus und der Frage der Sinnhaftigkeit seiner Existenz, ist es vor allem die miserable deutsche Synchronisation die diesem Charakter den Rest geben. Nervtötend ist wohl die treffendste Bezeichnung, und ich hätte gut und gerne auf ihn verzichten können.

Auf der anderen Seite gibt Gunnar Hansen das "Kind" im Monstrum äußerst überzeugend. Man verspürt in einigen Momenten fast so etwas wie Mittleid, was im Hinblick auf die Gestalt die er darstellt für sich genommen schon eine Glanzleistung ist. Edwin Neal als selbstzerstörerischer Anhalter und Jim Siedow als Drayton Sawyer und vermeintliches Oberhaupt der Familie erfüllen ihren Soll auch zur vollsten Zufriedenheit und fügen sich prima in dieses Schauerstück ein. 

Tobe Hoopers ist mit "The Texas Chain Saw Massacre" ein Höhepunkt und Meilenstein im Horror Genre geglückt. Zugleich hat dieser in jungen Jahren sein Meisterstück abgeliefert dessen Kraft er mit späteren ambitionierten ("Lifeforce"; "Invasion vom Mars") oder zumindest ansehnlichen ("Brennen muss Salem") Werken nicht mehr erreichen sollte. Ein Film und ein Verbrechen das wahrlich in die amerikanische (Film)Geschichte eingeht, wie es im Intro vom Remake so schön heißt.

 

10/10
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Kommentare

01.12.2020 03:45 Uhr - Dissection78
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Alles drin, alles dran. Ich kann nicht mehr tun, außer Dir zuzustimmen. Das ist einer meiner Lieblingshorrorfilme. Marilyn Burns spielt beeindruckend, Score und Kameraarbeit brennen sich in ihrer genialen Rohheit ein, das gesamte Setting ist unangenehm, bedrückend. 10 von 10 Kettensägentänzen gibt's meinerseits :)

Hm, was mir jedoch gerade noch in den Sinn kommt, und das hat mit Deiner Rezi an sich nichts zu tun, außer dass das Wörtchen 'hysterisch' mich zum Nachdenken anregte: Das mit der Hysterie und dem 'Overacting' ist so eine Sache. Ich habe oft das Gefühl, ein Charakter muss seine Emotionen für das Publikum immer kontrolliert abgeben, sonst wird er/sie des Overactings bezichtigt. Sehr oft wird in der Tat gerade Realismus als Overacting gesehen, der Naturalismus des Method Actings (die Illusion der Realität) hingegen wird als 'echter' empfunden, dabei ist gerade das Method Acting optimiert und abgeschliffen. Eigentlich würde sich kaum jemand in Wirklichkeit so verhalten wie Schauspieler/Method Actors in Filmen. Wenn man so will, ist Overacting also eher im Realismus verhaftet. Doch das ist natürlich relativ und kommt auch immer auf die Situation an. Troma- und Asylum-Darsteller sowie Nicolas Cage overacten beispielsweise meist unrealistisch ;D

01.12.2020 07:42 Uhr - sonyericssohn
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Ein mörderisch guter Film ! Weiß auch heute noch zu schockieren und das (wenn man dies bedenkt) mit einem minimalen Aufwand !
Super Arbeit Chollo !

01.12.2020 09:58 Uhr - Draven273
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Tolle Review zu einem Klassiker. Schöne und wie finde passende Worte hast Du zu diesem Klassiker gefunden. Wirklich toll. Bei TCM 1 habe ich selber jedoch das Problem, dass ich den viel zu spät gesehen habe und mir der zu viele Hype den Film etwas kaputt gemacht hat. Als ich den damals gesehen habe, dachte ich danach, Aha....das ist jetzt also der Film von dem die alle so einen Aufstand machen??? Sehe ich inzwischen natürlich anders, der ist gut gereift, kommt bei mir aber trotzdem mit 2-3 Pünktchen weniger weg, wobei ich einfach nicht nachvollziehen kann wieso, da ein Großteil wie dieses dreckige Design oder die von Dir beschriebene Kameraarbeit wirklich toll sind. Jedoch immer noch ein guter Film und eine wirklich tolle Arbeit von Dir dazu.

01.12.2020 16:25 Uhr - Punisher77
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Bravo, ich ziehe den Hut vor dieser meisterhaften Kritik, auch wenn ich eher `ne 9/10 verteilen würde. Aber trotzdem - die Kritik ist über alle Maßen gelungen und behandelt alle wichtigen Aspekte des Films.

01.12.2020 19:43 Uhr - Intofilms
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Zweifellos einer der wichtigsten Horror-Meilensteine. Auch heute noch verblüffend effektiv. Horrorfilme mit begrenztem Budget finde ich ja generell besonders reizvoll. Hervorragende Arbeit, CHOLLO - vielen, vielen Dank! ;)

01.12.2020 21:09 Uhr - Chímaira
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Chapeau für diese gelungene Kritik. Die Höchstwertung kann ich in dieser Form voll unterschreiben. Meine Erstsichtung werde ich nie vergessen. Ein Wort, um das damals Gesehene zusammenzufassen: Terror. Einer der atmosphärisch dichtesten Horrorfilme, die ich je gesehen habe!

03.12.2020 19:32 Uhr - prince akim
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Ich schliesse mich dann mal dem Lob meiner Vorkommentierer an, wirklich eine saubere Sache, deine Review. Was hatten wir damals in den wilden 80ern von diesem Film alles gehört. Ein Vater von einem meiner Kumpels hatte ihn sogar zu Hause als VHS stehen ( als "Kettensägen- Massaker" ), liess ihn uns jedoch niemals anschauen und besagter Kumpel traute sich auch nicht, ihn ohne Erlaubnis aus dem Regal zu nehmen ( ich glaube, wir waren 15, aber vor dem Daddy hätte ich auch Respekt gehabt ... 😟 ). Als dann Turbine endlich den Film veröffentlichte, da war ich wohl beim ersten Schwung Besteller dabei...Und das jahrelange Warten hat sich definitiv gelohnt, das "Kettensägen-Massaker" ist und bleibt bei mir so gut wie unerreicht ! Und das will bei mir schon was heissen !

06.12.2020 11:09 Uhr - CHOLLO
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Ich danke euch für die netten Kommentare:)

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