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The Texas Chainsaw Massacre 2

Herstellungsland:USA (1986)
Standard-Freigabe:FSK keine Jugendfreigabe
Genre:Horror
Bewertung unserer Besucher:
Note: 7,89 (96 Stimmen) Details
inhalt:
14 Jahre nach dem ersten Teil sucht Lieutenant Enright die Täter, welche die Kinder seines Bruders bestialisch getötet haben. Stretch leitet einen kleinen Radiosender und bekommt einen komischen Anruf von zwei Jugendlichen. Später am Abend rufen die zwei wieder bei ihr in der Sendung an, doch dieses mal wird sie Zeuge eines Mordes. Die Jugendlichen werden in ihrem Auto von unbekannten mit einer Kettensäge getötet. Lieutenant Enright übernimmt den Fall und glaubt den Tätern endlich auf der Spur zu sein. Er schlägt Stretch vor, dass sie das Tonband im Radio spielen soll, um die Täter so aus ihrem Versteck zu locken. Leatherface und seine verrückte Familie lassen sich das nicht zweimal sagen...
eine kritik von chollo:

"The Texas Chainsaw Massacre Part 2" war der Anfang eines 3 Filme umfassenden Vertrags zwischen Regisseur Tobe Hopper und der berüchtigten Schmiede Cannon Films um Menahem Golan und Yoram Globus. Die beiden hatten es sich praktisch zum Ziel gemacht mit ihrer Produktionsfirma alte Stars oder Filmreihen zu reaktivieren bzw. zu begründen um mit ihnen Geld zu scheffeln. Gut natürlich für Regisseure wie Hooper deren Karrieren ins Stocken geraten waren und die mit dem zwar begrenzten Budget, fast vollkommene künstlerische Freiheit erhielten.

Diese Einleitung ist notwendig um zu verstehen, mit was wir es hier zu tun haben. Denn selbst auf erfahrene Kenner des Genres und des Erstling könnte dieses "Sequel" äußerst befremdlich wirken. Denn Tobe Hooper, ganz Künstler und Sturkopf, hatte nicht vor nur eine lasche Wiederholung seines Meisterwerks aus dem Jahre 1974 abzuliefern wie es sich seine Bosse bei Cannon erhofft hatten. Viele bezeichnen "The Texas Chainsaw Massacre Part 2" als eine bluttriefende schwarzhumorige Parodie auf den ersten Teil und ich denke das trifft den ( Sarg)Nagel auf den Kopf. 

Was sofort auffällt ist dass "Teil 2" einen völlig anderen Look als sein Original besitzt. Satte Farben, bunte Outfits und hippe Musik prägen Hoopers zweiten Ausflug nach Texas. Nichts mehr übrig von der schludrig schmutzigen Inszenierung die noch der erste Trip auszeichnete. Und darin liegt für mich schon sein erstes Problem. Mit diesem für die Achtziger Jahre sehr konservativen Stil beraubt er dem Film ein ordentliches Stück an Atmosphäre. Die für die Zeit sehr beliebig wirkenden Bilder fehlt die nötige Kraft, die Geschichte des Films zu transportieren. Selbst wenn man Hoopers Ziel einer Hommage mit deutlich komödiantischen Zügen Raum gibt wäre man mit einer weniger massentauglichen Optik eventuell besser gefahren. Vielleicht wäre gerade hier wieder etwas altbackenes, körniges oder verwackeltes Pflicht gewesen um ein wenig Kontrast einzubringen.

Was bei einem Quasi Remake so ziemlich immer auf der Strecke bleibt, ist die Geschichte. Teil 2 verfrachtet seine degenerierte Sippe in eine etwas urbanere Umgebung und ergänzt sie der Zeit entsprechend um ein paar Details. So tritt natürlich wieder Leatherface in Erscheinung, wirkt aber in den Achtzigern um ein Vielfaches ambivalenter und verrückter. Von der Bedrohlichkeit vergangener Tage ist nur noch wenig übriggeblieben. Eher haben wir es hier mit einem pathologischen Triebtäter zu tun, der versucht seiner eigenen Identität auf die Spur zu kommen. Jenes sorgt im späteren Verlauf für einige nette Szenen, man beachte die Maskerade im Mitteteil mit dem Verehrer der Hauptdarstellerin, schadet wie ich finde aber dem Film und der Figur Leatherface in der Gesamtheit.

Ein Pluspunkt wie ich finde stellt aber das Setdesign gegenüber Teil 1 dar. Ein unterirdisches Höhlensystem mit seiner skurril anmutenden Ausstattung fügt sich hervorragend in die dargereichten Geschehnisse ein. So abgedreht wie die Mitglieder der Familie Sawyer, präsentiert sich auch ihre Unterkunft. Zuweilen verliert man beinahe ähnlich wie die bemitleidenswerten Opfer den Überblick in dem Gewölbe. In jedem Fall ist es eine Fundgrube für detailverliebte Spürnasen mit Hang zur mehrmaligen Sichtung. 

Was die Darsteller angeht hat Part 2 im Gegensatz zu Part 1 eine ordentliche Schippe draufgepackt. Diese trägt vor allem einen Namen: Dennis Hopper. Ob ihn die reine Lust am Projekt gepackt hat, er das Geld brauchte oder wieder auf einer Hollywood-internen schwarzen Liste stand, man weiß es einfach nicht. In jedem Fall passt sich auch sein exaltiertes Verhalten dem Gesamtbild an. Sein Charakter hätte auch auf der anderen Seite, will meinen auch auf der der Sawyers, einen sicheren Platz gefunden. Manchmal wirkt sein Auftreten bisweilen unfreiwillig komisch, obwohl man sich bei der Chose nie ganz sicher ist ob es dann doch nicht freiwillig war. Eine wahre Type mit Kultpotenzial und mittlerweile in Fankreisen ähnlich populär wie sein Kollege Leatherface spielt Bill Moseley als Chop Top. Schon wie er sich mit seinem Haken zu Beginn der Show kontinuierlich die Kopfhaut von der Birne kratzt um sie genüsslich zu verspeisen ist einfach nur zum Schießen. Schade dass er in den kommenden Sequels und Prequels einfach wieder vergessen wurde. Auch Siedow als Papa der Sippe ist wieder mit von der Party. Obwohl auch seine Figur einen Wechsel hin zur Comedy gemacht hat, finde ich ihn ähnlich überzeugend wie sein Ego aus Teil 1. Wird wohl am Schauspieler liegen.  Die Hauptdarstellerin Caroline Williams als Stretch hingegen bleibt meines Erachtens den ganzen Film über ungewöhnlich blass. Da hätte ich mir einen anderen Sympathieträger gewünscht.

Einen Zahn zugelegt haben die Verantwortlichen aber vor allem in Sachen Gewalt. Das Grauen nur im Kopf entstehen zu lassen war gestern. Heute wird gesägt was das Zeug hält. Der Einstieg als einem der beiden Rowdys die Birne mit der Kettensäge gespalten wird macht klar, hier geht es deutlich zeigefreudiger zu Werke. Die bereits oben erwähnte Szene mit dem Gesichtsverlust des heimlichen Verehrers unserer Hauptdarstellerin, kann bei Zartbesaiteten zudem richtig verstörend wirken. Im Jahre 2016 schaffte man es dann nach 30 Jahren die Beschlagnahme, wie auch die Indizierung aufheben zu lassen. Mittlerweile trägt er wie sein Vorgänger das Rote Siegel der FSK. Eine Entscheidung die man in beiden Fällen so stehen lassen kann würde ich sagen, wenn man schon mit einer Zensur leben muss.

"The Texas Chainsaw Massacre Part 2" kommt meiner Meinung nach mitnichten an die Qualität von Teil 1 bzw. dem Original heran. Hoopers Absichten in allen Ehren aber ich persönlich hätte mir lieber eine erneute, eher ernsthaftere Herangehensweise an die Thematik gewünscht. Nichts desto trotz muss man Teil 2 auch einen gewissen Charme unterstellen und darf ihm seine Daseinsberechtigung keinesfalls absprechen, wie manch selbst erklärter Kenner das vielleicht tut.

7/10
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Kommentare

03.12.2020 19:44 Uhr - sonyericssohn
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Savini war ja damals richtig sauer weil er so viele Effekte vorbereitet hatte und nur sehr wenige davon zu Einsatz kamen. Trotzdem reicht das was zu sehen ist wirklich !
Gelungene Kritik mit deren Wertung ich gleich gehe. A bisserl zu viel Gefrickel aussenrum.

03.12.2020 22:15 Uhr - Punisher77
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Wie für Deine Kritik zum Original gilt auch hier - großartige Review-Arbeit!

Ich hab dem Film damals `ne 8/10 gegeben, heute wäre ich auch mit sieben Punkten dabei; Deine Kritikpunkte sind im Grunde (mittlerweile) auch meine.

04.12.2020 12:26 Uhr - Draven273
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Wieder eine gelungene Review zu einem "Klassiker". Der gefiel mir ja damals besser als Teil 1, einfach aus dem Grund weil da mehr abgeht. Das Blatt hat sich über die Jahre aber gewendet. Der büßt leider einiges ein, vor allem fehlt dem wirklich die Ernsthaftigkeit. Macht für zwischendurch aber immer mal wieder Spaß. Ich denke mit den 7 Pünktchen gehe ich mit.

06.12.2020 11:07 Uhr - CHOLLO
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Und wieder...Vielen lieben Dank für die Kommentare

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