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Deathcember - 24 Doors to Hell

(Originaltitel: Deathcember)
Herstellungsland:Deutschland (2019)
Standard-Freigabe:FSK keine Jugendfreigabe
Genre:Horror
Alternativtitel:Deathcember - 24 Doors to Hell
Bewertung unserer Besucher:
Note: 6,00 (8 Stimmen) Details
inhalt:
24 Tage - 24 Türen - 24 Todesfälle: DEATHCEMBER ist der ultimative Horror-Anthologie-Film für die Vorweihnachtszeit und zugleich der weltweit erste filmische Adventskalender. Hinter seinen Türchen lauern 24 grausige Visionen von prominenten Regisseuren aus der ganzen Welt, die die Zeit der Liebe in eine Zeit der Angst verwandeln - mit wunderbaren Geschenken aus Blut und Schrecken, die das Publikum auspacken darf.
eine kritik von cecil b:

Advent, Advent, ein Lichtlein brennt. 

Es ist bald so weit. Dann weihnachtet es sehr. Lichterketten werden an die Weihnachtsbäume gehängt, und Befürworter/innen des unüblichen Films greifen zu Tintenfass und Feder, um eifrig böse Filme zum Fest der Liebe zu besprechen. Es obliegt dem unschuldigen Rotkäppchen, sich vor einem Wolf zu schützen, den putzigen Kindchen, eine menschenfressende Hexe bei lebendigem Leibe zu verbrennen, und dem Horrorfilm, ein harmonisches Familienfest durch monströse Gestalten und Mörder fiktiv zu verunstalten. Die Infantilität erblüht kurzzeitig rebellisch mit Titeln wie etwa SILENT NIGHT, DEADLY NIGHT oder Episoden von dem Anthologiefilm SICK AND TWISTED - Revenge of the evil Shorts, und Großmütter backen Pfefferkuchen.

Solche evil Shorts, die sind für so einen üblicherweise wenig anspruchsvollen Spaß durchaus prädestiniert. Mit Kurzfilmen ist es meistens wie mit vielen Kurzgeschichten, die Kurzweil soll erbracht werden, komplexe Storys und ein langsamer Aufbau passen selten ins Konzept. So ist die Freiheit gegeben, abrupt und effekthascherisch vorzugehen, ohne sich lang und breit zu erklären. Es bleibt nicht aus, kleine Klassiker zu erwähnen, wie z.  B. CREEPSHOW, oder TALES FROM THE DARKSIDE: THE MOVIE, die mit ihren Gruselgeschichten gut wegkommen. Ob aus nostalgischen Gründen, oder einfach weil sie doch um Längen besser sind als der gleichgeartete DIE ZUNGE DES TODES. Die inszenatorische Finesse, wie sie Mario Bava in DIE DREI GESICHTER DER FURCHT präsentiert hat, oder der abstrakte Mindfuck der harten Gangart, des leider oft verkannten LITTLE DEATHS, sind Ausnahmeerscheinungen. Das Prinzip des Horror-Episodenfilms ist nicht wegzudenken, und es variiert international, auch durch das Zusammenwirken von Künstlern aus aller Herren Länder, beispielsweise mit THE ABC's OF DEATH oder den nigelnagelneuen DEATHCEMBER. Dessen famos kreativer Titel genauso anzuerkennen ist wie in Geisterbahnen in alle Ewigkeit musizierende Skelette. Und, 'taugt der was?'. Verwöhnt von der Tatsache, dass der wuchtige Horror, den TRICK ’R TREAT oder TALES OF HALLOWEEN bieten, gezeigt hat, dass das Vergnügen der blutrünstigen Episodenfilme mitsamt Ungeheuern und Spinnweben hochwertig mit der Zeit gehen kann, sollte der Zuschauer nicht grundsätzlich die Qualität dieser Filme als Standard erwarten. Sonst ist er in manchen Momenten enttäuscht, wenn DEATHSCEMBER seinen Abend füllen soll. Ein Weihnachtskalender ist ja auch nicht mit Trüffeln gefüllt, sondern nur mit kleinen süßen Häppchen, die nicht mal eine Nachspeise hergeben.

Die prominenten Regisseure, die da in der Inhaltsangabe erwähnt werden, haben ein paar Häppchen geliefert. Diejenigen, die DEATHCEMBER ihr Regie- und Drehbuch- Debüt hinzugefügt haben, die wären z. B.  Juergen Kling mit CRAPPY CHRISTMAS: OPERATION CHRISTMAS CHILD und Annika Marx mit CHRISTMAS CORP. SE, würde ich aber nicht zu den Promis zählen. Die vielen Kurzfilmregisseure und weiteren eher weniger bekannten Inszenatoren auch nicht unbedingt. Anders sieht das z. B. mit LUCKY McKEE  aus, dessen Filme MAY und THE WOMAN ich liebe. Und siehe da, Pollyanna McIntosh, die Protagonistin aus THE WOMAN hat mit ihrer Episode GETTING AWAY FROM IT ALL eine ihrer ersten Regiearbeiten beigesteuert! RUGGERO DEODATO, der Regisseur eines der übelsten, härtesten, zweifelhaftesten und wirkungsvollsten Horrorfilme aller Zeiten, den man für gewöhnlich CANNIBAL HOLOCAUST nennt, ist auch mit von der Partie! Ein überraschendes Wiedersehen mit der Fertigkeit von JULIAN RICHARDS gibt es auch, das ist doch vielversprechend. Zumindest, wenn man seinen LAST HORROR MOVIE für ähnlich unterschätzt hält wie ich. Und, darf man den deutschen Drehbuchautor, Cutter, Zeichner und Regisseur ANDREAS MARSCHALL zu den Prominenten zählen? Sein Anthologiefilm TEARS OF KALI ist ansehenswert, und es gelang ihm gut, sich mit MASKS vor der Kunst des legendären Dario Argento (Profondo Rosso, Suspiria) zu verbeugen! Trent Haaga (Episode: Operation Dolph) muss ich auch noch erwähnen, hat er doch das Drehbuch zum großartigen CHEAP THRILLS geschrieben! Alle Regisseure und Regisseurinnen, die die Episoden in DEATHCEMBER gedreht haben, verfassten auch das Drehbuch ihrer Beiträge. Ich nehme mir heraus, nur wenig auf die weiteren kreativen Köpfe einzugehen, die bei diesen 24 Filmchen Plus 2 Hidden Episoden ihr Werk getan haben, überlasse weitere Infos großenteils der IMDB, die Link ist ja beim Titel vorhanden, und werde nun die Ergebnisse dieser Zusammenkunft der Kunstblut-Künstler besprechen. 

Der Rahmen, in dem die Episoden untergebracht sind, zeigt in der Vogelperspektive mit Schnee bedeckte Nadelwälder, und mit unterschiedlichen Perspektiven einen CGI-Friedhof, auf dessen Grabsteinen Infos präsentiert werden. Die Musik von Andrew Scott Bell (Rocket) erinnert an Danny Elfman (Edward Scissorhands), und wir finden uns in einem ebenfalls mit der Hilfe der Computergrafik erbauten, gemütlichen, riesigen, 'Wohnzimmer' wieder, zwischen Kamin, Sesseln, und seltsamen Dingen, wie z. B. Jason Vorhees Maske. Von da aus geht es zu den Episoden.

Die Optik von DEATHCEMBER ist meistens sehr modern, vieles wurde mit CGI angefertigt. Das ist nicht immer gut, weil manches aussieht wie gemalt, und nicht so, als dass man sich in Situationen hineinfühlen kann. Aber, die visuelle Wahrnehmung möchte gewiss nicht alles missen, von dem, was diese Effekte in DEATHCEMBER möglich machen. Selbstverständlich ist bei einigen Episoden Weihnachtsmusik zu hören, manchmal wird dazu gesungen. 

Also, gehen wir aufs Ganze, und wählen: 

TOR 1                                                                       A DOOR TOO FAR

Ein gieriger, unartiger Bengel, kann einfach nicht genug kriegen, und wird dafür grausam bestraft. Eine schwarz humoristische Geschichte, die von Wilhelm Busch stammen könnte, oder Tim Burton. Die Kamera bewegt sich gekonnt mit der Hauptfigur und deren Blicken, und jeder inszenatorische sowie dramaturgische Aspekt ist gut abgestimmt. Ein netter blutleerer Anfang.

5 Punkte.  

TOR 2                                                                         ALL SALES FATAL

Gar nicht übel, wie eine Zimtzicke in einen Streit mit einem etwas femininen Verkäufer gerät, da diese Figuren blitzschnell als humorvoll bewusste Überzeichnung von neuen Rollenklischees ihren Zweck erfüllen. Der Horror ist auch brauchbar inszeniert, geschickte Schnitte kaschieren begrenzte Möglichkeiten, und das Overacting ist schon passend eingesetzt. Jedoch ist die Idee zu gewollt, und die Pointe zu platt. 

3 Punkte. 

ALL SALES FATAL hat eine Schwäche, die in DEATHCEMBER immer wieder auftaucht. Wie bei so manchen Sketchen, die man aus dem Fernsehen kennt, sind die Ideen recht gut, aber diese zum Teil gezwungene Pointe am Ende ist ab und zu wie ein Klotz am Bein. 

TOR 3                                                                                 AURORA

Was ist denn jetzt los? Eine nicht besonders optimistische Zukunftsversion. Um da den Zusammenhang zum Weihnachts-Thema zu sehen, muss man den unbedingt sehen wollen. Wen störts, wenn ein durch hervorragende Effekte lebendig gewordenes, futuristisches, Poster beeindruckt. Die elektronische Musik, die superben Licht - und Schattenspiele, die ansehnlichen Häuser, die in der Luft angebracht sind (ich verrate nicht, wie das geht), die toll agierende Protagonistin, die Szenenbilder in Innenräumen, alles ist ein Lichtblick. Der Horror ist so realistisch und in der Ge­samt­dar­stel­lung logisch, dass es einem kalt den Rücken runter laufen kann. Könnte ein Musikvideo von LORN sein. An dieser Episode stimmt einfach alles, Lazar Bodroza (A.I. Rising)! 

9 Punkte. 

TOR 4                                                                            X-MAS ON FIRE

Wie ist es zu diesem Kampf gekommen, dessen Resultat da am Anfang zu sehen ist? Das erfahren wir, indem die Geschichte rückwärts erzählt wird. Keine schlechte Ausgangsposition, die den Blick auf alles beeinflusst, und so der ersehnten Komik zugutekommt. Es geht um einen Haufen nicht schlecht gespielter Gangster, die nen Haufen Gangster-Sachen machen, und das, wie wir wissen, ohne Erfolg. Durch eine glatte Optik sieht das künstlich, aber schmuck gestylt, aus. Das Problem ist, dass etliche Film-Gangster zitiert werden, und das so unglaublich cool sein soll, dass es in etwa so hip rüberkommt, wie ein Teenager mit literweise Gel im Haar, einem Zahnstocher im Mundwinkel, einer schwarzen Sonnenbrille, einem Goldkettchen um den Hals, und dem Spruch: "Ich pinkel Eiswürfel." Anstatt mir diese Episode ein weiteres Mal anzusehen, trinke ich lieber Autofahrerpunsch mit Fäustlingen an den Greifern, und komme mir dabei cool vor. Gut gemacht, aber viiiiel zu gewollt. 

4 Punkte. 

TOR 5                                                                             VILLANCICOS

Alles dreht sich um eine Szene, in der eine Familie in einer dramatischen Situation ist, und wie diese damit umgeht. Auch, wenn das mal wieder künstlich aussieht, sind die farbliche Gestaltung, das Licht und das Szenenbild optimal.  Beeindruckend ist eine Kamerafahrt, die offensichtlich ohne einen Schnitt eine Meisterleistung erbringt. Und dass da ein Schmierentheater gespielt wird, das ist schon richtig so, passt zum schwarzen Humor. Musik, Timing, Perspektiven, alles gut, und die Ausgangssituation ist gar nicht schlecht, aber die Idee braucht sich schnell auf, und ein weiteres Mal verhaut die Pointe vieles. 

4 Punkte. 

TOR 6                                                                           JOY TO THE GIRLS

In einem großen Raum trifft ein nervöser Mann zur Weihnachtszeit auf drei schöne Frauen im mittleren Alter, die ihn elegant umgarnen. Elegant sind auch der Anzug und die Kleider, Frisuren, Inneneinrichtung, Farben mit Gold-Tönen, Inszenierung, spanische Musik, Bewegungen der Akteure und sogar das Grauen. Und das Ende ist Gott (? ;) ) sei Dank nicht schlecht! 

6 Punkte. 

TOR 7                                                              THE HUNCHBACK OF BURG HAYN

Eine Stummfilm-Variante, mit einer Maskerade, die BAD TASTE ist, einer passenden Kostümierung, gut ausgewählten Schauplätzen, einer durchaus akzeptablen schauspielerischen Komik, einem guten Zusammenspiel der vielen Akteure und der Musik dazu, einwandfreien Kameraeinstellungen und Perspektiven, sowie oft brauchbaren Schnitten, und einem Ende, das tragbar ist. Nur die Effekte sind mies. 

Ganz nett. 5 Punkte. 

TOR 8                                                                         FAMILY MATTERS

Der reinste Horror. Ein junger Mann stellt sich in der Weihnachtszeit den Eltern seiner Angebeteten vor, die fühlen ihm auf den Zahn. Ob er der Familientradition gerecht werden kann? Die farblich kalt beleuchteten Bilder, die musikalische und perspektivische Auswahl, die gute Besetzung, und das solide Schauspiel sowie die Schnitte, ergeben zusammen eine angenehm düstere Atmosphäre. Der Horror ist ganz einfach durchdacht, und die Effekte schwächeln dann, wenn sie nicht aus Gummi sind, aber, alles in allem ist das eine Episode, die zu gefallen weiß. 

6 Punkte. 

TOR 9                                             CRAPPY CHRISTMAS: OPERATION CHRISTMAS CHILD

Wenn man Knetmännchen im Stile von Wallace und Gromit sieht, und eine Geigenmusik, die zu diesem Stil passt, hört, kann man ja nur irritiert sein, von dem, was da auf einen zukommt. Eines der härtesten Themen, an die man sich wagen kann, inklusive einer unmissverständlichen Kritik. Die besagte Vorgehensweise, und die extreme Dramatik, die machen einen gut überlegten, wirksamen, Kontrast aus. Die einfallslose Pointe ist hinzunehmen. Tolles Debüt. 

 8 Punkte. 

TOR 10                                                               FIVE DEATHS IN BLOOD RED

Ein Familientreffen wird in jedem Moment ausgewogen arrangiert dargestellt, die Dialoge schütten genügend Öl ins Feuer, und die böse Figur wird wirklich toll mit ihrer Gestalt in Szene gesetzt. 

Wie dann alles erklärt wird ist annehmbar.

Durchschnitt. 5 Punkte. 

TOR 11                                                                            KILL SANTA

Der Anfang ist schlichtweg großartig, und eine erstaunliche Einleitung für die darauffolgenden Dialoge, die Bände sprechen, das Kopfkino entfachen, und die schönen weiblichen Figuren verletzlich machen. Was dann passiert, ist eine logische Konsequenz, die in ihrer Ausführung leider nur schwach umgesetzt wird. Sehr schlechte Effekte. Verdammt, was hätte das werden können. 

6 Punkte. Wegen der ersten Hälfte, die von mir 9 Punkte bekommt. 

TOR 12                                                                            BAD SANTA

JULIAN RICHARDS, es hat mich nicht gewundert, dass du mit links durch ein dargestelltes Gespräch einer Familie Brisanz entwickeln kannst, und dass dein Szenenverlauf mit jeder Perspektive ein Kunstgriff ist. Und dann saß ich da bei einer Szene mit großen Augen, und dachte mir: Wie, der Film ist nicht beschlagnahmt worden? Aber, diese (vermeintlich) lahme Auflösung danach. Ich fühlte mich verarscht. Den psychologischen Horror, der da von einem Trauma ausgeht, den habe ich erst richtig realisiert, als ich etwas über deine Episode schrieb. Das, was du da gedreht hast, so etwas hat vermutlich noch keiner vor dir gemacht. Danke, für diese wertvolle, feinsinnige Kritik.

7 Punkte.  

TOR 13                                                                        SANTA IS COMING

Der Papa sammelt Merchandising von Horrorfilmen und trinkt gerne. Die Tochter sammelt Puppen und spielt gerne. Sie wünscht sich, dass alle das machen, was sie will, sie zu ihren Marionetten werden. Papa kann schlecht nein sagen. Ob das gut geht? Eine rhetorische Frage. Es soll ja nicht gut gehen. Melancholische Geigen und platte Dialoge sind jetzt kein Fest für die Ohren, die soliden Perspektiven und die handwerklich durchgehend gute Arbeit sowie der gezeigte Horror nichts besonderes. 

Nicht schlecht, aber auch nicht gut. 4,5 Punkte. 

TOR 14                                                                     A CHRISTMAS MIRACLE

Die Dramatik ist inhaltlich für jeden nachvollziehbar, die Darstellerinnen (u. a. Barbara Crampton: Re-Animator!) machen nichts falsch. Es dürften Cello und Kontrabass sein, die da mit ganz tiefen Tönen Seelenpein verlauten lassen. Graublaue Farben begleiten die Bilder wie ein schwacher Nebel atmosphärisch. Der Friedhof ist das Ziel, das Ende ist befriedigend, eine stimmige Gothik-Horror-Episode.

6 Punkte. 

TOR 15                                                            CASETTA SPERDUTA IN CAMPAGNA

Hey, DEODATO, ist dir nichts Besseres eingefallen, als eine Episode im Stil einer austauschbaren amerikanischen TV-Serie zu drehen, mit einem Schauspiel, welches auch auf diesem Niveau ist, und deiner vorhersehbaren Story, die von einem 15-Jährigen stammen könnte? 

3 Punkte. 

TOR 16                                                                        MILK AND COOKIES

Bruder und Schwester streiten sich, der circa. 8-jährige Sohnemann des Bruders leidet darunter. Der Vater geht nicht gut mit ihm um, dessen Schwester schon. Wie kann das nur weitergehen? Immerhin werden die Wünsche des Kindes überraschenderweise erfüllt. Was nicht alle gut finden. Triste Dunkelheit dominiert das Bild. Inszenatorisch und schauspielerisch ist diese Episode in allen Belangen ohne große Makel, aber sie ist auch ohne Belang. 

4 Punkte. 

TOR 17                                                                                     PIG

ANDREAS MARSCHALL enttäuscht nicht. Der Horror wird in eine Disko verlegt! Die Neonlichter, die dort die Tanzfläche bestrahlen, stehen dem Horrortrip-Lichtspiel sehr gut. Sie sind so wirkungsvoll wie der EBM-Sound, und die Fähigkeit dafür, Gesichter und Masken auffallend in Szene zu setzten. Die Dramatik lässt die meisten Episoden im Vergleich alt aussehen, was auch daran liegt, dass die Schauspieler wirklich gut spielen, sowie dass die Story und das Drehbuch tadellos sind. Das Ende ist in drei Teile eingeteilt. 1. Teil: geht so. 2. Teil: gut! 3. Teil: geil! 

Ich vermute, dass es sich auch um eine weitere gelungene Hommage an einen großartigen Regisseur handelt. Ich verrate nichts. 

8 Punkte.  

TOR 18                                                                   THEY ONCE HAD HORSES

LUCKY McKEE führte die Regie. Ein Schwarz-Weiß-Western. Zwei mit Gewehren und Knarren bewaffnete Freunde sitzen in der Nacht an einem Lagerfeuer. Etwas hat sie verletzt. Sie wissen nicht, was es ist, hören es aber immer wieder. Beide haben so ihre The­o­rien und versuchen die Situation mit Humor zu nehmen. McKee spielt mit den Erwartungen der Zuschauer. Auf Kosten von diesen. Der Titel ist aber verdammt gut. 

5 Punkte. 

TOR 19                                                                        DECEMBER THE 19th

Auf den ersten Blick wird diesmal was Farben und Beleuchtung angeht ein eher dezenter Stil bevorzugt, wobei einige Szenen an ein Musikvideo erinnern. Zwei junge Frauen lernen sich auf einer Party kennen, und sie interessieren sich füreinander. Eine Runde auf Schlittschuhen in der Nacht beginnt für sie romantisch und endet blutig. Was zurückhaltend anfing, entwickelt sich zu albernen Splatter. Aber eine gewisse prickelnde Erotik kann ich der Episode nicht absprechen. Und die Effekte sind nicht schlecht. Auch, wenn das Blut viel mehr spritzen müsste, anatomisch gesehen. 

3,5 Punkte. 

TOR 20                                                                GETTING AWAY FROM IT ALL

Die Heldin aus THE WOMAN schlägt als Regisseurin zu. Der Protagonist gibt einen Weihnachts-Hasser, der sich einsam in sein Heim zurückzieht, gut. Es sieht gemütlich aus, die Flammen im Kamin scheinen auf die Wände aus Holz. Wenn da nur nicht diese aufdringlichen Weihnachts -Fanatiker und -Fanatikerinnen mit ihrer bunten Kleidung und ihrem strahlend weißen Grinsen wären. Gut inszenierter und gespielter Splatter mit galligen Humor. So dreist minimalistisch, dass es schon wieder Spaß macht. 

5 Punkte. 

TOR 21                                                                           FAMILY FEAST

Die Weihnachtsfeier einer Großfamilie ist für die schüchterne Rosy eine Qual. Die anderen Mitglieder werden mit einem perfekten Kostümdesign und ihren Dialogen so gut in Szene gesetzt und gespielt, dass man nachvollziehen kann, dass Rosy (wird auch gut gespielt) sich nicht wohlfühlt. Wie sie ihre Umgebung dann wahrnimmt, das ist auch treffsicher inszeniert, und nicht schlecht getrickst. Alles wird immer schlimmer, bis das Blut spritzt. 

Vorhersehbar, aber gut gemacht. 6 Punkte. 

TOR 22                                                                       BEFORE SUNDOWN

Drei gut dargestellte Geschwister im Teenageralter führen auf und nach einer Weihnachtsfeier authentische Gespräche. Die Ideen von Glaube und Aberglaube werden diskutiert. Sind diese Anschauungen nur Illusionen? Die Kids hoffen das. Oder? Ihre nächtliche Fahrt auf Fahrrädern, durch die leeren Straßen eines kleinen Örtchens, sieht realitätsnah aus, ihre Begegnung mit dem Grauen ist gut geschnitten und auch die Auswahl der Perspektiven enttäuscht nicht.

Interessant, unterhaltsam, und ein schönes Ende. 6 Punkte. 

TOR 23                                                                               CRACKER

Eine vierköpfige Familie hat eine bedrohliche Weihnachtsfeier. Der Zuschauer meint bestimmt schnell zu wissen, warum das so ist. Es werden allerdings falsche Fährten gelegt, und es ist vorerst unmöglich zu wissen, warum die Familie in dieser Situation ist. Die überschminkten Figuren und die quietschbunten Farben geben das Gefühl eine Comic-Satire zu sehen. Passt wie die Faust aufs Auge (positiv) und ist auch entsprechend gespielt.

Eine vortreffliche Story. 8 Punkte. 

TOR 24                                                                        OPERATION DOLPH

Ein Weihnachtsmann taucht wutentbrannt auf einem Anwesen irgendwo in einer abgelegenen Gegend auf, und macht einen Haufen White Trash platt. Der Wüterich soll vermutlich Walter aus The Big Lebowski huldigen, ein großer Spaß. Ich musste mehrmals hinschauen, um mich davon zu überzeugen, dass ich das doch wissen müsste, wenn John Goodman da mitspielen würde. Der Protagonist rennt von einem Zimmer in das nächste, jedes beißt durch eine jeweils andere aufdringliche (Weihnachtsschmuck-) Farbe mit jeglichem Sinn für Ästhetik, die Kamera kann immer gut folgen. Und der Abschaum, der dem aggressiven Weihnachtsmann begegnet, ist herrlich stumpf. Schöner Trash, schön gespielt. Hirn aus, einfach zulassen.

5 Punkte.  

                                                               IM ABSPANN VERSTECKEN SICH 2 EPISODEN. 

 

EPISODE: 25                                                              CHRISTMAS CORP. SE

In einer Firma wird Weihnachten gefeiert. Die Machtgier und das egoistische Verhalten von ein paar Figuren haben unangenehme Züge. Darauf liegt kein Segen. Ja, die Macht - und Geldgier sowie der Leistungsdruck sind echt erschreckend, und die werden mit einem Seitenhieb auf die japanische Arbeitswelt parabolisch zum Fluch. Die unterkühlten Figuren und die sterilen Bürogebäude mit ihren kalten Lichtern sind wahrlich gruselig. Nicht schlecht, mit etwas bissigen Humor. 

5 Punkte. 

EPISODE Nr. 26                                        THEY USED TO LAUGH AND CALL HIM NAMES

Ein bewaffneter Mann mittleren Alters ist mit seinem circa. 11-jährigen Sohn zusammen in und auf verschneiten Wäldern und Wiesen unterwegs, um diesem das Jagen beizubringen. Zu Hause wartet die blonde Hausfrau und Mutter mit einem Dauergrinsen auf die Beiden, als im Radio davon berichtet wird, dass ein folgenschwerer Unfall geschehen ist. Kann der auch Folgen für die Familie haben?

Mit wenig Geld, etwas komödiantischen Talent, und just for fun, kann ein jeder mit den billigsten Effekten eine Trash-Splatter-Komödie drehen. Die veröffentlicht man dann auf you tube, oder, mit etwas Glück, kriegt so ein Film auch einen Platz auf einer Blu-ray. Dann aber bitte nur im Abspann.

3 Punkte. 

 

 

                                                                                                FAZIT 

Es ist nur schwer möglich, einen Film im Ganzen zu 'bewerten', der aus 26 Episoden besteht, die aus meiner Sicht zwischen 3 und 9 Punkte verdient haben. Einige sind nur mittelmäßig, qualitativ unterdurchschnittlich oder richtig schlecht. Aber da gibt es auch Episoden, welche ich richtig gut finde, und die ich gerne im Regal stehen habe, um sie irgendwann wieder anzuschauen. So ein Projekt sollte meiner Meinung nach immer gewürdigt werden, und ich versuche mich da in der Mitte zu finden, und vergebe wie bei THE ABC's OF DEATH 6 Punkte. Es wäre doch schade, wenn ein paar wirklich tolle Episoden untergehen würden, nur weil sie Rohrkrepierer als Anhängsel haben. 

 

6/10
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Kommentare

29.11.2020 21:18 Uhr - dicker Hund
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Tolle Fleißarbeit! "The ABCs of Death" fand ich ziemlich cool; dieser Adventskalendar scheint auch etwas zu haben, obwohl die Beiträge der namhaften Regisseure offenbar nicht gerade die Vorzeigeleistungen geworden sind.

29.11.2020 22:27 Uhr - cecil b
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Danke für das Lob. :)

DEATHCEMBER ist quasi The ABCs of Death, die Christmas-Edition.

Aber die sollte man sich echt nur Häppchenweise geben.

Ja, du hast recht, die Stars haben nicht die besten Episoden gedreht. Überraschenderweise fand ich die von Deodato am schlechtesten! :(

Wobei, wenn man Marschall zu den Promis zählt: Sein Film ist äußerst sehenswert!

Ausgerechnet ein Debüt finde ich mit am besten! Bei CRAPPY CHRISTMAS: OPERATION CHRISTMAS CHILD blieb mir die Spucke weg!

AURORA ist der Hammer, wär bestimmt auch was für TheUn4given.

Ich finde es toll, dass durch solche Episodenfilme auch unbekannte Leute Chancen bekommen. Wer nicht wagt, der nicht gewinnt. Natürlich kommt auch Mist dabei raus. Aber die erwähnten Episoden gehören zu den besten Kurzfilmen, die ich je gesehen habe.

Aber TRICK ’R TREAT oder TALES OF HALLOWEEN haben natürlich eine durchgängige Qualität, die eine ansonsten unerreichte Messlatte ist.

30.11.2020 15:34 Uhr - The Machinist
1x
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Hatte mich schon die ganze Zeit gefragt was das ist.
Da ich sowieso was für Horror-Anthologien übrig habe, werde ich mir den mal besorgen, die Bezeichnung ''ABC's of Death''-Christmas-Edition bestärkt mich darin nochmals. Also Danke für die Bekanntmachung.




11.12.2020 21:36 Uhr - Man Behind The Sun
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Wow, klasse Arbeit!

Ich habe mir die Anthologie auch angetan und würde sagen, dass Sie mit sehr viel Augenzukneifen ein nettes Pendent zu ABCs of Death darstellt.

Mein Lieblings-Clip ist CRAPPY CHRISTMAS: OPERATION CHRISTMAS CHILD... da wird man doch sehr an ABCs of Death erinnert.

Ist doch eine ganz nette Anthologie geworden, zumal die Produktion aus Deutschland (?) stammt. Das wäre vor 10 Jahren noch nicht drin gewesen.

12.12.2020 00:25 Uhr - cecil b
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The Maschinist: Gerne. :)

Thanx, Man Behind The Sun! :)

Der Vergleich zu THE ABC's OF DEATH passt mMn daher, da ähnlich viele kurze Filme aus aller Herren Länder zusammengestellt worden sind, mit sehr unterschiedlichen Vorgehensweisen. Ja, wurde von Deutschen produziert, welche von der Deadline haben da ihre Finger mit im Spiel, daher die Angabe als Herstellungsland. Bei der IMDB wird Canada angegeben. Vermute, dass (mindestens) in beiden Ländern gedreht wurde. Das Ergebnis ist ja aber wesentlich. ;)

Meine Favoriten habe ich ja beschrieben, und CRAPPY CHRISTMAS: OPERATION CHRISTMAS CHILD ist definitiv dabei. Selten hat mich ein Kurzfilm so aus den Latschen gekippt.

Finde ich gut, dass du die Idee nicht gespoilert hast! Für mich ist es bei Kurzfilmen immer wichtig, so wenig wie möglich zu verraten, da man diesen sonst schnell seiner Wirkung entledigt.

Gerade bei CCOCC und den großartigen PIG halte ich es für wichtig, nur anzudeuten, und nicht mal die Thematik anzusprechen. Es sei denn, man spoilert mit Angabe, für welche, die den Film bereits gesehen haben. Dann hätte ich doppelt so viele Zeilen schreiben können, was doch dann niemand mehr lesen will. ;)

Fandst du auch, dass der Killer-Weihnachtsmann in Operation Dolph wie Walter aus The Big Lebowski rüberkommt?

https://www.youtube.com/watch?v=lQjpNtI4FFY ;) Liebe die Operation Dolph auch irgrndwie.

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