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Don’t F**k with Cats: Die Jagd nach einem Internet-Killer

Originaltitel: Don't F**k with Cats: Hunting an Internet Killer

Herstellungsland:Großbritannien, USA (2019)
Genre:Dokumentation, Krimi, Mystery
Bewertung unserer Besucher:
Note: 8,00 (3 Stimmen) Details

Inhaltsangabe:

Ein Unbekannter hat Videos im Internet veröffentlich, in denen er zwei Kätzchen tötet. Internetbenutzer weltweit sind entsetzt und versuchen, den Killer ausfindig zu machen. Angespornt durch diese Aufmerksamkeit stellt dieser immer verstörendere Videos ein, die schließlich sogar einen Mord zeigen. (Netflix)

Diese Kritik enthält Informationen über den späteren Handlungsverlauf der Geschichte.
eine kritik von fratze:

Ende 2019 stolperte ich durch die Nachrichten-App auf meinem Telefon über einen News-Feed: "Verstörende Dokumentation bei Netflix". Aus dem kurzen Artikel ergab sich, dass es um einen Tierquäler ging, der auf grausame Weise junge Kätzchen getötet und davon Videos ins Netz gestellt hatte. Interessant waren dabei die angeführten Online-Reaktionen einiger Zuschauer: "Musste abschalten", "Mir wurde schlecht", "Hatte damit nicht gerechnet" und noch viele weitere, die einen ähnlichen Ton anschlugen. Grund genug für mich, die Doku auf Netflix zu suchen und mir selbst ein Bild zu machen, was es damit auf sich hatte. Titel des ganzen war "Don't F**k With Cats". Was mich jedoch zusätzlich aufmerken ließ, war der Untertitel "Hunting an Internet-Killer". Augenbraue hoch: "Internet-Killer"? Das konnte sich doch nicht allein auf tote Kätzchen beziehen, oder? Also sah ich mir die Doku an, und erst im fortgeschrittenen Verlauf der Sichtung sollte ich erkennen, dass es sich bei dem Täter um Luka Rocco Magnotta handelte.

Ich weiß noch gut, wie ich anno 2012 über den Fall in der Presse und im Netz las, dass ein junger Mann in Kanada einen anderen jungen Mann getötet und davon ein Video ins Netz geladen hatte und nunmehr auf der Flucht war. Einer meiner ersten Gedanken war: Snuff ist schlussendlich real geworden, musste ja irgendwann so kommen; gefolgt von meinem zweiten Gedanken: Wie blöd muss einer eigentlich sein, einen Mord zu filmen und dann auch noch einen Clip davon ins Netz zu stellen? Ist doch eigentlich klar, dass er früher oder später erwischt wird. Als ich dann etwas später mitbekam, dass man den Täter in einem Internet-Café in Berlin-Neukölln verhaftet hatte, wurde mir ob dieser weitläufigen und daher scheinbar sehr ausgeklügelten Flucht klar, dass mehr dahinter stecken musste als bloße Idiotie. Also versuchte ich mehr über den Täter Luka Magnotta herauszufinden, was aber nach einigen Erkenntnissen über seine Arbeit als Escort-Boy und seine Verehrung der Figur Patrick Bateman aus dem Roman/Film "American Psycho" im Sande verlief, weshalb ich irgendwann dachte: Okay, bloß ein weiterer durchgeknallter Spinner. Dass ich dieses Urteil etwas vorschnell gefasst hatte, wurde mir erst bei Sichtung der besagten Netflix-Doku bewusst.

True-Crime-Geschichten üben seit geraumer Zeit eine gewisse, sicherlich auch morbide Faszination auf mich aus, die vermutlich ausgelöst wurde von der Background-Geschichte des Films "Das Schweigen der Lämmer" sowie einer Episode der RTL-II-Doku-Serie "Autopsie: Mysteriöse Todesfälle", in der es um den als "Nightstalker" bekannt gewordenen Serieneinbrecher, - vergewaltiger und -mörder Richard Ramirez ging. So hatte ich mir im Laufe der Zeit mehr oder weniger detaillierte Kenntnisse über diverse reale Mordfälle und -serien angeeignet, so etwa - natürlich - über die "Big Four" der US-amerikanischen Serienkiller Ramirez, Dahmer, Gacy und Bundy sowie - ebenso natürlich - über den "King" Charles Manson. Es folgten die Fälle Ed Gein, David Berkowitz, Albert Fish, Carl Panzram, Dennis Rader, Henry Lee Lucas sowie in deutschen Gefilden Friedrich Haarmann, Fritz Honka, Jürgen Bartsch und noch diverse mehr. All diesen Fällen, so brutal und schockierend sie auch gewesen sein mochten, ist jedoch eins gemein: Sie alle lagen in einer relativ weit entfernten Vergangenheit. Luka Magnotta war hier und jetzt, und Berlin war gar nicht mal so weit weg. Das hatte an sich schon irgendwie etwas besonderes. Und beängstigendes.

Die Doku rollt den Fall aus Sicht der Facebookgruppen-Administratoren Deanna Thompson aka "Baudi Moovan" und John Green auf, die mehr zufällig über die Katzenvideos stolpern und anschließend versuchen, den Täter ausfindig zu machen. Dabei gehen sie mit detektivischer Kleinarbeit vor, nehmen etwa das erste Video Frame für Frame auseinander, erstellen Lagepläne des Raums, in dem es gefilmt wurde, scannen akribisch diverse Details wie eine Zigarettenschachtel, eine Steckdose, einen Staubsauger und eine Decke und grenzen so die Herkunft des Videos zumindest schon auf Nordamerika ein. Als eine Organisation militanter Tierschützer auf die Videos aufmerksam wird und eine Belohnung auf den Täter aussetzt, explodieren die Mitgliederzahlen der Gruppe und tausende Schnellschusshinweise gehen ein - sehr zum Leidwesen der Admins. Schließlich wird der vermeintliche Täter in Südwestafrika ausgemacht, was aber zur vorherigen Verortung in Nordamerika nicht passt. Der Beschuldigte entpuppt sich nachfolgend als Trittbtrettfahrer und als psychisch labil, weshalb er aufgrund des über ihn hereinbrechenden Shitstorms letztlich Suizid begeht. An diesem Punkt sind John und Deanna am Boden zerstört, weshalb sie überlegen ihre Bemühungen aufzugeben - als plötzlich von einem Fake-Profil ein Hinweis auf Luka Magnotta eingeht.

Ab hier erhält man einen etwaigen Eindruck, wie massiv gestört die Persönlichkeit des Täters sein muss: Das Internet wurde von ihm selbst gepflastert mit diversen gefälschten Artikeln und Fan-Einträgen, Fake-Profilen und gefotoshoppten Bildern, um den Eindruck zu erwecken, Luka Magnotta wäre der geilste Typ aller Zeiten. Gleichsam beeindruckend ist dabei sein Know-How über das Netz und dessen Infrastruktur, etwa dass er nahezu sämtliche Metadaten über von ihm hochgeladene Dateien wie Bilder oder Videos entfernt, damit nicht nachzuverfolgen ist, wann und wo diese aufgenommen wurden. Massiver Narzissmus trifft auf IT-Genialität und formt sich aus zu etwas ungeheuerlichem, und je weiter die Doku voran schreitet, desto ungeheuerlicher wird der ganze Fall. So hinterlässt der Täter in fast jedem Clip und jeder Nachricht an seine Verfolger versteckte Botschaften, etwa einen Titel aus dem Soundtrack von "Catch Me If You Can" (2002), was sehr eindeutig darlegt, dass er mit den Clips seiner Taten eine Schnitzeljagd eröffnen will. Hintergründe werden aufgedeckt und zeigen ihn als Teilnehmer einer Model-Castingshow sowie als Opfer einer Rufmord-Kampagne, die ihn mit der kanadischen Serienmörderin Karla Homolka in Verbindung bringt - welche er höchstwahrscheinlich, ebenso wie seine massive Internet-Präsenz, selbst inszeniert hat. Mit dieser und weiteren Background-Stories wird deutlich, dass Luka Aufmerksamkeit um jeden Preis will - ein Wunsch, der ihm seitens seiner Verfolger dankenswerterweise erfüllt wird. Sein Geltungsbedürfnis steigert sich in mehreren Clips immer weiter und gipfelt schließlich im Mord an dem Studenten Jun Lin.

Diesem Mord nachfolgend wird Luka schließlich per internationalem Haftbefehl gesucht. Schockierend wird dabei herausgestellt, dass er schon zuvor hätte aufgehalten werden können, hätte sich von behördlicher Seite jemand für die Arbeit der Online-Detektive interessiert. Scheinbar wurden aber sämtliche Hinweise, die der örtlichen (Anm.: kanadischen!) Polizei zuvor bereits zugespielt wurden, als unbegründete Hysterie ignoriert. In dieser Phase der Dokumentation kommt schließlich auch seine Mutter zu Wort und lenkt die Aufmerksamkeit auf Lukas Tätigkeit als Escort-Boy - und auf einen vermeintlichen Kunden, der ihn angeblich dominiert und zu seinen Taten gezwungen hätte. Hier nun kommt auch noch ein Rechtsanwalt ins Spiel, der darlegt, dass Luka sich bereits über ein Jahr vor Beginn seiner Taten an ihn gewendet hat, um sich Hilfe zu erbeten gegen besagten Kunden, der ihn erniedrigt und misshandelt habe. Diese Fährte erweist sich nachfolgend als - wie es der Autor eines Kriminalromans bezeichnen würde - red herring, was soviel bedeutet wie "falsche Fährte", da sich in seiner Gerichtsverhandlung keinerlei Beweise für diesen angeblichen Kunden und Auftraggeber finden lassen. Abermals ist allerdings erstaunlich, dass Luka seine Verteidigungsstrategie in diesem Fall offenbar schon sehr, sehr, wirklich sehr lange im Voraus geplant hat. Der Mord an Jun Lin geschah somit offenbar nicht spontan und lediglich aus der Steigerung der Gewalt heraus, sondern war bereits über ein Jahr zuvor schon einkalkuliert und durchgeplant. Als er schließlich von Deutschland nach Kanada ausgeliefert wird, sieht man ihn nach seiner Landung ob des um ihn herum stattfindenfden Medienzirkus sanft lächeln.

 

Fazit:

Bis heute hin kursieren noch einige Mirrors des "1-Lunatic-1-Ice-Pick"-Clips (Anm.: so lautet der Titel des Mord-Videos) im Netz - ganz abgesehen davon, was vermutlich im Darknet abgeht. Bislang habe ich es dennoch vermieden, mir den Clip anzusehen, und zwar zum einen aufgrund meines Empfindens, dass hier eine Grenze in Richtung Snuff verschoben wurde, über die ich nicht gehen möchte, und zum anderen heraus aus einem Anstandsgefühl für das Opfer, den Studenten Jun Lin, welcher auch erst mit dieser Doku einen Namen und ein Gesicht für mich bekam, was ich im Nachhinein sehr schockierend fand. Gleichwohl kann ich nicht leugnen, dass ich mir selbst dabei bisweilen bigott und scheinheilig vorkomme, da ich mir zuvor schon andere Todesvideos von Morden oder Selbsttötungen - als Beispiele seien hier die Fälle Budd Dwyer (US-Politiker, schoss sich vor laufenden Fernsehkameras in den Mund) und Christine Chubbuck (US-Fernsehmoderatorin, erschoss sich während einer Live-Sendung) genannt - oder auch die Archivaufnahmen in "Cannibal Holocaust", einem Film, den ich sehr hoch schätze, sowie die darin und in diversen anderen Filmen zu bestaunenden Tiertötungen angesehen habe und daran zumindest während der Sichtungen nichts verwerfliches fand. Weil ich mir einrede, dass die Tiere und Menschen, die in diesen Clips und/oder Filmsequenzen gestorben sind, ja nicht wieder lebendig werden, wenn ich sie mir nicht ansehe.

Was hat das alles aber mit der Dokumentation "Don't F**k With Cats" zu tun? Nun, diese Doku hat mich mit der finalen Frage, die Baudi Moovan uns als Zuschauer stellt - "Und ihr? Ihr habt euch gerade eine ganze Dokumentation über Luka Magnotta angesehen. Seid ihr mitschuldig?" - , genau darüber nachdenken lassen: Bin ich scheinheilig? Bin ich doppelmoralistisch, wenn ich einerseits Jun Lins Ermordung nicht sehen will, mir aber andere reale Tode angesehen habe? Wird mir diese Doppelmoral irgendwann auch als Rechtfertigung dienen, um mir "1 Lunatic 1 Ice Pick" vielleicht doch noch anzusehen? Und ferner: Befeuere ich mit meiner Faszination für Mörder und Wahnsinnige vielleicht genau das, was solche Menschen antreibt? Biete ich ihnen ebendie Bühne, nach der es ihnen verlangt? Es ist ja belegt, dass diverse kranke Persönlichkeiten wie etwa Ted Bundy, das Pärchen Daniel und Manuela Ruda oder eben auch Luka Magnotta die mediale Aufmerksamkeit genossen und geradezu darin schwelgten. Dass unsere Gesellschaft dazu neigt, Serien- und Massenmörder zu Popkultur-Ikonen zu stilisieren, trägt sicherlich dazu bei. Mache ich, wenn ich solchen Hypes hinterher renne, mich am Ende mitschuldig? Final vermag ich diese Fragen nicht zu beantworten. Da aber diese Doku sie nun aufgeworfen hat, gebe ich sie gerne an euch weiter: Seid ihr mitschuldig? Denkt mal drüber nach.

8/10
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Kommentare

28.12.2021 05:51 Uhr - cecil b
5x
Moderator
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Sehr interessante, breitgefächerte Vorstellung, mit Fragen, die der Leser sich stellen muss. Eine erstaunliche, aufwendige Arbeit.

Der Zwiespalt ist deutlich. Wie löblich ist das denn, wenn Selbstjustiz durchs Netz stattfinden kann, und es dadurch zu einem Selbstmord kommt? Die Macht des Internets. Vieles ist möglich, und das Meiste ist ganz was Feines, viele Künstler können sich dadurch verwirklichen. Aber es ist utopisch, zu denken, dass es da nicht auch eine andere Seite gibt.

Ich halte es für besonders schwierig, dass vieles legitimiert wird. Wenn auch nicht immer öffentlich. Das geht, weil von manchen Unternehmen intern beschlossen wird, was möglich ist. Es ist ja nicht lange her, da wurde so etwas wieder aufgedeckt, und dabei handelt es sich nicht um das Darknet. Richtig große Firmen können bedeutend schlimmer sein, weil sie bewusst politisch bedenklichen Bewegungen einen Raum geben, oder Menschen verachtenden Gruppen, die Menschen psychisch brechen.

Ich werde es nicht ändern können, und muss Verständnis dafür haben, dass viele meiner Lieblingsbands und andere Künstler solche Plattformen gebrauchen, und ich habe davon auch profitiert. Ich mache mir nichts vor, ich kann mich auf manchen Ebenen durch kritisch zu sehenden Plattformen verwirklichen, aber ich schränke diese Tatsache immer mehr ein, und damit teilweise auch mich. Aber es ist ja möglich, selbst mitzugestalten, wie auf dieser Seite hier.

Die folgenden Tatsachen möchte ich aber nicht mehr ignorieren, weshalb meine Entscheidung gefallen ist, nur noch ein kleiner Teil davon zu sein, und zwar nicht mehr auf der Seite direkt, und ich bestimmte Kontakte nun anders suche:

https://www.youtube.com/watch?v=ALzSAC4Wl6c

Was die eigene Entscheidung angeht, sehe ich das immer mehr so, dass man einen Einfluss haben kann. Nicht nur, indem man fragwürdige Videos meldet, sondern auch dadurch, dass man Wege sucht, oder Wege geht, die den Wahnsinn nicht noch mehr eine Plattform begünstigen.

Egal wie gut auch ich Cannibal Holocaust finde, ich habe meine Review vor langer Zeit aus dem Netz genommen, weil ich mich gegen Tiersnuff ausspreche. Ich halte es für richtig, mal Flagge zu zeigen. Dennoch gehört der Film auf diese Seite, es geht auch um die Infos, und die Meinung anderer muss man auch hinnehmen.

Ob Katzen getötet werden oder ein Gürteltier, das ist falsch. Ja, die Tierhaltung ist auch selten korrekt, aber da hat sich einiges getan, WEIL Konsumenten Flagge gezeigt haben. Es geht immerhin immer mehr in die richtige Richtung, das Wort Tierwohl gewinnt an Bedeutung. Ein Beispiel dafür, dass man etwas ändern kann.

Eier aus Käfighaltung kann man ja kaufen, das Huhn lebt ja sowieso im Käfig. Für mich kein Argument. Da das Tierwohl immer mehr eine Rolle spielt, hat es die Käfighaltung immer schwieriger. Und da die Wirtschaft durch Geld funktioniert, wird der zahlende, oder nicht zahlende Kunde, bedeutend sein.

Und warum werden Grausamkeiten gefilmt? Weil jemand möchte, dass das gesehen wird. Jeder, der sich das anschaut, handeln also auch im Sinne des Täters.

Wenn unvorhersehbar vor laufender Kamera schlimme Dinge passieren ist das natürlich etwas anderes, aber der Konsum von realer Gewalt, Mord und Selbstmord begünstigt logischerweise immer eine Plattform für Videos die das zeigen, Snuff ist dann der nächste Nachbar, ist doch klar.

Wenn Akteure sich dazu entscheiden, sich in Filmen real zu verletzen (Natural Born Killers), oder echte Leichen verwendet werden (Apocalypse Now), ist das fragwürdig. Aber in AN war das mehr oder weniger ein Fehler, und die Leichen wussten nicht davon. Juliette Lewis brach Tom Sizemore die Nase, das ist fragwürdig, aber das sind Erwachsene, die in einem Film mitgespielt haben, der den Horror der Popkultur -Killer darstellt, und die Gewalt- Kultur Amerikas.

Und ich sehe einen Unterschied zwischen einer Dokumentation, die etwas kritisch darstellt, und keinen Snuff zeigt, und den besagten thematisierten Videos.

"Todesvideos von Morden". Denk mal drüber nach.

28.12.2021 05:58 Uhr - McGuinness
5x
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Eine äußerst interessante Vorstellung, nicht nur auf die eigentliche Dokumentation bezogen, sondern vielmehr auf dein Fazit.
Ich selbst habe bisher eine Sichtung besagter Doku vermieden, da ich insbesondere Tierquälerei absolut gar nichts abgewinnen kann, weshalb ich es auch bis heute tunlichst vermeide, mir " Cannibal Holocaust " (1980) anzusehen, ganz gleich, ob die Tiere davon nun wieder lebendig werden oder eben nicht.

Der Faszination der Bestie Mensch, sei es nun in Gestalt von Ramirez, Bundy & Co., bin aber auch ich erlegen, sehe sogar sehr gerne Berichte / Dokus über diese oder lese Artikel zu den jeweiligen Fällen.
Schuldig an den Verbrechen selbst, evtl. hervorgerufen durch meinen eigenen Voyeurismus sowie dem Wunsch, mich durch derlei Gräueltaten zumindest für ein paar Momente aus meiner täglichen Lethargie herauszureißen, sehe ich mich aber weitestgehend nicht.
Jmd. der durch derlei Taten, sei es nun ein Luka Magnotta oder sonst wer, der gesellschaftlichen Norm entweicht bzw. völlig aus dem Rahmen fällt, so jmd. kann sich freilich der medialen Aufmerksamkeit sicher sein, welche von dem kranken Individuum ja letztendlich auch so gewünscht wird.
Interessant ist dabei immer - und ich ertappe mich stets selbst dabei - dass ich bei der Festnahme und Präsentation des vermeintlichen Täters einen wahren Teufel in Menschengestalt, die Fratze des Bösen, erwarte, und dann doch kurioserweise ein wenig enttäuscht bin, wenn der Beschuldigte vollkommen " normal " aussieht.

Um somit abschließend nochmals zu deiner Ausgangsfrage zurückzukehren, welche sich um die persönliche Mitschuld bzw. Mitverantwortung an derlei Verbrechen dreht, so kann ich diese weder komplett verneinen, noch bejahen, denn der Faszination für das Morbide auf der einen Seite sowie dem Wunsch nach Anerkennung seitens der Gesellschaft - und sei es durch noch so schreckliche Taten - auf der anderen Seite, dürften doch so einige folgen.

28.12.2021 09:01 Uhr - Draven273
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Einen schönen verregneten Gruß von Hamburg nach Kiel wenn ich mich nicht irre :) Mein lieber Fratze, da haste ja wieder mal was rausgesucht. Erstmal vielen Dank von mir für diese Vorstellung und ja, ich werde mir das noch ansehen, also diese Doku hier, auf den Rest dazu kann ich locker verzichten.
Wobei ich da aber genau schon in deinen Fragen wäre. Belügt man sich ab und zu selbst um das eigene Gewissen zu beruhigen? Wie weit ist man dafür verantwortlich etc.? Ja diese Frage habe ich mir hier und da auch immer wieder gestellt. Wir Menschen sind ja immer wieder fasziniert von Dingen die uns aus der, ich sage mal, normalen Welt rausreißen. Ich schaue gerne diese Dokus, und ja, ich kann nicht nach allen sofort gut schlafen, auch ich muss Dinge verarbeiten, mag anderen einfacher fallen, ich brauch hier und da ein bisschen. Mich reizt immer dieser psychologische Aspekt. Ich bin kein Psychologe, werde auch nie einer werden, aber mich interessiert halt das Denken dieser Leute und was sie dazu brachte so zu handeln. Warum und wie kann man Menschen oder Tieren so etwas antun. Und oft ist es ja so, dass einem diese Fragen nicht mal alle vernünftig beantwortet werden können. Find ich das toll was diese Menschen tun? Nein natürlich nicht. Aber ein gewisses Interesse wieso weshalb und warum ist trotzdem da. Ist eine Dokumentation über so eine Person oder so ein Thema besser als die ins Netz gestellten Live Videos? Ich finde ja, denn da fängt zumindest meine Grenze an, die originalen Aufnahmen wie jemand getötet wird oder umgebracht wird, interessieren mich einen Scheiß. Muss ich nicht haben, will ich nicht sehen etc. Und ja- ich kann mich wohl trotzdem nicht ganz frei sprechen, denn immer schaue ich noch eine Dokumentation über diese ganzen abscheulichen menschen- oder tierverachtenden Menschen an. Wie beantworte ich mir das denn jetzt selbst mal am besten? Ich kann es Dir nicht sagen. Ich kann nur soviel sagen, dass diese Leute meinen Klick oder Like nicht unter ihren Videos finden werden. Aber macht es das insgesamt besser....
Warum werden Actionfilme gedreht? Klar weil Menschen diese schauen wollen. Warum werden Horrorfilme gedreht? Klar weil Menschen diese schauen wollen. Viel anders ist das bei diesen Saschen auch nicht. Vielleicht wäre die Welt mit schönen Tiervideos, Komödien und nur Liebe und Freude viel besser dran, ist aber natürlich ein Irrglaube das dies passieren wird. Somit kann ich deine Fragen oben gar nicht richtig beantworten, so toll du mich jedoch zum nachdenken gebracht hast.
Was Filme wie Cannibal Holocaust angeht.... hätte mir damals schon jemand gesagt, diese und jene Szene kommt in dem Film vor, dann hätte ich das Ding wahrscheinlich gar nicht gesehen. Im Nachhinein dann zu erfahren das die Situation nun mal so ist und ich selbst konnte es dann ja auch bei der Sichtung erkennen, ist nicht so spaßig. Auch diesen ganzen Mist wie Traces of Death oder Gesichter des Todes, weil man ja mal unbedingt seine eigenen Grenzen austesten wollte, sind doch letztenendes absoluter filmischer Schrott, Sorry ist nur meine Meinung. Braucht aber kein Mensch, auch nur wieder meine Meinung :)
Ich möchte Dir gerne die Ted Bundy Doku auf Prime ans Herz legen, die mich wirklich mitgenommen hat, vor allem weil man sich sehr viel Zeit nimmt mit der Partnerin von Ted Bundy zu reden und seinem Bruder.
Worüber ich immer wieder erstaunt bin und McGuinness sprach dies auch schon an ist, dass viele immer einen tollen riesigen Schlächter, im Wikingerstyle, locker 2m groß, unendlich viele Muskeln, finsterer Blick etc erwarten. Und die Realität genau das Gegenteil zeigt, nämlich Leute die aussehen wie kleine Milchbubis und dies ja auch oft waren oder sind. Also diese Art der Killer wird ja in allen Filmen völlig falsch dargestellt und sollte ein Film dies tatsächlich mal tun, wird der Darsteller als nicht passend und furchteinflössend beschrieben....verrückte Welt...

28.12.2021 13:29 Uhr - tp_industries
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Hui, Fratze.
Hier hast du aber eine Nummer ausgepackt! Die von dir sehr informativ geschriebene Kritik zu dieser Dokumentation ist da im Grunde schon zweitrangig ( das ist nicht negativ gemeint ). Vielmehr hast du hier ein soziales Plädoyer angestoßen. Und dafür kann ich nur meinen Hut ziehen. Ganz starke Arbeit!!!

Zum Thema "mitschuldig": Hm, sehr schwierig. Ich kenne es selbst von einigen Bekannten. Diese regen sich zum Teil über Kleinigkeiten im Alltag auf. Gerade bei der jetzigen Covid 19 Situation wird sich viel über die Dummheit der anderen beschwert, egal welche Sicht jetzt nun vertreten wird. Auch wird sich schön über bestimmte Kriminalfälle ausgelassen. Betroffenen Tätern und Täterinnen wird dann auch pauschal das Menschenrecht abgesprochen. Dieselben Personen durchforsten aber auch die gängigen Internetseiten nach realen Tötungen, Unfällen usw. Je expliziter desto besser. Dann wird es fleißig über Messenger Apps geteilt. Hauptsache man hat den "nächsten krassen Scheiß" entdeckt. Ich selbst werde als "Pussy" bezeichnet, da ich mich weigere mir sowas anzuschauen. Hauptsächlich aus ethischen Gründen. Wenn ich besagte Personen auf die Doppelmoral hinweise, stoße ich auf taube Ohren. Also ja, in dem Bezug sollte sich wirklich jeder hinterfragen!
Bei Dokus sehe ich das anders. Diese sollen informieren und können zu Denken anregen. Damit meine ich keine Fake Dokus wie "Gesichter des Todes" und all seine Geschwister. Wenn eine Doku informativ und möglichst sachlich ist, und es vermeidet Gräueltaten der Unterhaltung wegen auszuschlachten, dann hat sie in meinen Augen ihre Daseinsberechtigung und der Konsument sollte sich nicht hinterfragen müssen ob er eventuell mitschuldig ist.

Zum Begriff "Monster" bzw "Bestie": Ebenfalls ein schwieriges und emotionales Thema. Sehr oft ( auch hier bei Schnittberichte.com ) wird bei bestimmten Verbrechern ( wie Pädophilen ) von Monstern gesprochen. Und genauso oft wird die Menschlichkeit abgesprochen. Das sehe ich zum Teil etwas kritisch. Das Bild des Monsters wird ja auch gerne durch die Medien kreiert. Bezeichnungen wie "Der Schlächter von ..." usw verkaufen sich einfach besser. Und alleine durch diese Bezeichnungen formt sich ein Bild bei den Menschen. Und wie McGuinness schon geschrieben hat, bestätigt sich dieses Bild oftmals nicht wenn der Täter oder die Täterin gefasst wird. Als Beispiel nenne ich da gerne das 2 stündige Interview welches mit Armin Meiwes im Gefängnis gemacht wurde und auf YouTube zu sehen ist. Blendet man seine Tat sowie das Gefängnis aus, dann lernt man einen wortgewandten, gebildeten und mitunter sympathischen Mann kennen. Einen Menschen der auch ein Nachbar sein könnte, mit dem man nette Gespräche am Gartenzaun führt. Aber man weiß eben was dieser Mensch gemacht hat. Frage: Würde man diesen Menschen als Monster bezeichnen wenn man nicht wüsste was er getan hat ( deswegen die Metapher mit dem Nachbar )? Ist der Mensch die Bestie oder ist "nur" die Tat bestialisch?
Worauf ich hinaus will ist, das die Medien und die Menschen dazu neigen, bestimmte Personen als Monster abzustempeln und ihnen gar das Menschenrecht entziehen zu wollen. Es ist einfacher da man sich alleine dadurch von besagten Personen distanzieren kann. Man muss sich nicht tiefer damit auseinandersetzen. Es sind Monster und fertig.
Und genau das sehe ich kritisch. Es muss sich damit auseinandergesetzt werden. Mit der Geschichte der Personen. Mit der Psyche der Personen. Mit diesen Erkenntnissen können dann präventive Maßnahmen erstellt werden ( Menschen mit pädophilen Neigungen können sich zum Beispiel in bestimmten Einrichtungen melden BEVOR sie straffällig werden ). Und diese Maßnahmen sind erwiesenermaßen erfolgversprechender als immer gleich nach "Todesstrafe" zu brüllen. Nicht umsonst wurde diese Strafe in vielen Ländern abgeschafft.

Ich möchte aber dennoch betonen, dass selbstredend jeder Straftäter für seine Verbrechen geradestehen MUSS. Ich will mit meiner Aussage auch keinen Straftäter in Schutz nehmen oder mit deren Taten sympathisieren bzw die Taten kleinreden. Ich möchte nur auf die fast schon pauschale Verteufelung hinweisen, welche in meinen Augen keine Probleme löst!

Sorry Fratze. Auch mein Kommentar ist etwas ausschweifend. Da hast du aber was in Gang gesetzt! :)

28.12.2021 14:35 Uhr - cecil b
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tp_industries: Eine tolle Ergänzung, vieles sehe ich sehr ähnlich.

SAVAGE

https://www.schnittberichte.com/review.php?ID=5532

MICHAEL

https://www.schnittberichte.com/review.php?Success=Ihr%20Review%20wurde%20ge%E4ndert%20und%20wurde%20bereits%20von%20ihnen%20freigegeben.&ID=3705

und TYRANNOSAUR

https://www.schnittberichte.com/review.php?ID=3953



dürften dir gefallen!

28.12.2021 16:37 Uhr - tp_industries
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@Cecil

Vielen Dank!

"Savage" habe ich schon gesehen und finde ihn großartig! Den will ich hier auf jeden Fall auch noch besprechen.

Die anderen 2 Titel haben mir bis eben noch gar nix gesagt. Für mich klingen sie inhaltlich aber extrem interessant. Danke für die Tipps! :)

28.12.2021 19:42 Uhr - cecil b
3x
Moderator
User-Level von cecil b 19
Erfahrungspunkte von cecil b 7.048
Gerne. Freue mich auf deine SAVAGE -Review, meine ist angestaubt. ;)

29.12.2021 02:03 Uhr - Fratze
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DB-Helfer
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Erfahrungspunkte von Fratze 868
Wow, Leute! Vielen Dank euch allen für eure ausführliche, differenzierte Resonanz!

Die Frage war offenbar mindestens berechtigt, und schön zu sehen dass sie nicht nur mich umtreibt. Seht es mir nach, dass ich jetzt nicht auf alles eingehe, aber ein paar Punkte möchte ich gerne rauspicken und dazu Stellung nehmen.

@cecil:
Also zunächst mal zu deinem "Denkanstoß" zum Schluss ;) : Ich verstehe, worauf du hinaus willst, aber da steht ja "Todesvideos von Morden oder Selbsttötungen", was einerseits eine Aufzählung verschiedener Todesarten ist und andererseits diese speziellen hier gemeinten Todesvideos von solchen mit anderen Todesarten wie Unfällen oder Hinrichtungen (z.B. Saddam Hussein) abgrenzen soll. Anders ausgedrückt: Ja, jedes Mordvideo ist natürlich auch ein Todesvideo, aber nicht jedes Todesvideo zeigt auch einen Mord. So wie die Geschichte mit den Fingern und Daumen ^^

Randnotiz: Den erwähnten Suizid von Budd Dwyer gibt es übrigens auch in Michael Moores Doku "Bowling for Columbine" zu sehen, und zwar genau den Moment wo er abdrückt - eingebettet in eine Collage mit diversen (zufällig) gefilmten Tötungen mit Schusswaffen.

Ansonsten gehe ich bei dem meisten was du sagst durchaus mit, einiges sehe ich aber anders. Z.B. Tierhaltung: Dass man da als Konsument Einfluss nehmen kann ist absolut gut und richtig; dann allerdings verstehe ich nicht ganz, warum du Massentierhaltung (Legebatterie) damit relativierst, dass die Hühner ja sowieso im Käfig leben. Widerspricht sich das nicht ein bisschen? Schlägt m.E. in eine ähnliche Kerbe wie sich den Tiersnuff in CH schön zu reden (ist halt so, kann ich nicht ändern, kann daher auch die Eier kaufen -> natürlich kann man das, aber würden alle so denken, würde sich doch eben nichts für die Tiere ändern... ?).

Interessant, dass du noch "Apocalypse Now" erwähnst, weil gerade der in meinen Augen ein Paradebeispiel für Doppelmoral und Mit-zweierlei-Maß-Gemesse istDabei wusste ich bislang sogar nur vom Wasserbüffel, der am Ende ebenfalls real getötet wurde. Soso, auch noch richtige echte Leichen, ja? oO Das macht den Film für mich dann ja noch mal eine Spur verwerflicher. Komischerweise wüsste ich nicht, dass Herr Coppola irgendwelche negativen Konsequenzen ob dieses Films ereilt hätten - Ruggero Deodato hingegen bekam wegen CH ja sogar ein Jahr Berufsverbot, wenn ich mich recht entsinne. Das verstehe wer will.


@Mc:
Deine Haltung zu CH finde ich absolut legitim, konsequent und respektabel. Am liebsten sind mir immer die Leute, die in dieser Diskussion am lautesten schreien, wie furchtbar, grausam und verwerflich sie den Tiersnuff finden - den Film aber trotzdem gesehen haben. Weil sie sich ein Bild machen wollten. Am besten mehrfach. *facepalm*

Das Dilemma mit der Mitschuld: Gänzlich freisprechen kann sich wohl niemand davon, der solche realen Fälle verfolgt. Natürlich steht nicht immer an erster Stelle die Medien- bzw. Publikumsgeilheit der Täter, aber sie kann eben auch eine nicht unerhebliche (wenn nicht gar - wie im Falle Magnotta - die!) Triebfeder sein, die dann von uns als Konsumenten noch befeuert wird. Dieses Dilemma kommt ja auch in der Doku zum Tragen, weil die Admins sich fragen, ob sie durch ihr Verhalten Luka immer mehr bestätigt und immer weiter getrieben haben. Was aber wäre die Alternative gewesen? Einfach nur das Video melden? Oder gar ignorieren? Hätte er dann aufgehört? Oder hätte er womöglich immer heftigere Inhalte hochgeladen, bis er endlich Aufmerksamkeit bekommt? Fragen über Fragen...


@Draven:
Haha, das liest sich so ähnlich wie das Gedankenkarussell, das bei mir nach dieser Doku bzw. bei dieser Rezi kreiste ^^

Eins sei hervorgehoben: Es ist nicht bloß wie ich schrieb morbide Faszination, sondern eben auch das Interesse, was den Täter zu seinen Taten getrieben hat, an seiner Psychologie und seiner Historie, da hast du absolut recht. Vielen Dank für diese Ergänzung.

Die Ted-Bundy-Doku hatte ich schon mal angefangen (wenn wir die gleiche meinen), da kam mir dann aber irgendwas dazwischen, und ich hatte nicht weiter geguckt. Ist hiermit vermerkt, in Bälde noch mal neu gesichtet zu werden ^^


@tp:
Na, du kennst aber nette Leute (das ist durchaus negativ gemeint ;D ... aber keine Sorge, nicht deine Schuld ^^). Absprechen des Menschseins und Forderung nach Todesstrafe sind so merkwürdige Reflexe, die ich nur schwer nachvollziehen kann - aber ja, natürlich ist es einfach. Schwarz-Weiß-Malerei, Kategorisieren und Schubladendenken sind immer einfach. Gibt einem ja in gewissem Maße auch Sicherheit, um sich in der Welt zurecht zu finden... aber wenn das solche Auswüchse annimmt, dass man gewisse Personen (Straftäter) am liebsten selber an die Wand stellen würde, ist das deutlich zu viel des "Guten". Und dann auch noch selber nach möglichst heftigen realen Inhalten suchen... nee. Da fiele mir auch nix mehr zu ein.

Armin Meiwes ist ein sehr interessantes Beispiel. Der nette Typ von nebenan, der kein Wässerchen trüben könnte. Den Eindruck hatte ich schon damals von ihm, als er auf dem Spiegel-Cover gelandet war. Und das ist es eben: Es ist halt nicht immer der zahnlose Hinterwäldler oder der bullige, entstellte Hüne Marke "Maniac" oder "Leatherface" (auch sowas kann vorkommen, ist aber nicht die Regel), sondern häufig der unscheinbare, der nette oder manchmal gar der charmante Typ (Bundy). Luka Magnotta z.B. ist ja auch nicht übermäßig groß und ziemlich schmal, man hätte ihn nie für einen Killer gehalten.


@all:
Darüber, dass eine Doku über einen Killer zu sehen was anderes ist als aktiv im Netz nach Snuff o.ä. zu suchen, sind wir uns offenbar alle einig, sofern die Doku den gezeigten Fall nicht zu Unterhaltungszwecken besonders reißerisch ausschlachtet. Dazu ist anzumerken, dass "Don't f***k with Cats" ja schon mal allein vom Titel her ziemlich Aufmerksamkeit heischend ist; darüber hinaus wird die Doku zusätzlich mit einer recht treibenden, aufwühlenden bzw. stimmungsgeladenen Musikkulisse untermalt, um den Zuschauer in die "richtige" Stimmung zu versetzen. Tw. werden auch ziemlich schnelle Schnitte verwendet, insgesamt ist der Stil sehr dynamisch. Der Fall selbst wird also nicht unbedingt reißerisch in Szene gesetzt, aber dennoch wird der Zuschauer mit solchen mehr oder weniger subtilen Stilmitteln manipuliert.




Soooo, das reicht jetzt glaub ich erstmal 8P Ich wünsche gute Nacht und, falls wir uns vorher nicht mehr lesen, schon mal guten Rutsch ^^

29.12.2021 02:14 Uhr - Fratze
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Interessanter Fact als Nachtrag: Ich habe gerade festgestellt, dass der englische Wikipedia-Artikel über Luka Magnotta entfernt wurde. Stattdessen findet man jetzt den Artikel "Murder of Jun Lin" (https://en.wikipedia.org/wiki/Murder_of_Jun_Lin). Trotzdem geht es darin fast ausschließlich um Magnotta.

29.12.2021 12:30 Uhr - cecil b
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Ein tolles Miteinander an dieser Stelle! :)

Fratze: Antwort Teil 1, ich muss gleich los, aber das brennt mir unter den Nägeln:

Das mit der Käfighaltung habe ich so gemeint: Das ist kein Argument, ich sehe das also so wie du! :) Das konnte man missverstehen, und ich bin froh, das 'aufzudecken'. ;)

AN: Der Tiersnuff ist verwerflich, da widerspreche ich mir ein wenig, ich bin subjektiv. Ich sehe einen Unterschied darin, dass der Büffel durch den Schlag mit der Machete nach ungefähr einer Sekunde nicht mehr präsent war. Genau wie mit dem Huhn in NEKROMANTIK, den ich auch sehr schätze. In CH ist das ein langer qualvoller Tod. Die besagten Hühner und Büffel kommen auf eine ursprünglich übliche, schnelle Art und Weise zu Tode. Das finde ich nicht so schlimm wie den qualvollen langen Tod. Was ich aber sagen muss, der Weg von dem gehörnten und dem gefiederten Tier zu diesem Tod ist auch nicht legitim. Da wären wir aber wieder bei der Haltung...

Ich sehe Unterschiede, und werte die emotional und gedanklich anders aus. Eins ist weniger schlimm als das andere, so sehe ich das. Ich kann verstehen, wenn man das dann kritisch sieht. Meiner Meinung mach gibt es da aber kein klares richtig oder falsch, schwarz/weiß -Denken.

Todesvideo: Danke für die Aufklärung, AUCH da sehe ich Unterschiede.

Ich interessiere mich für Dokus, die subtil sind, aber grausames thematisieren. Die Beschäftigung mit Satanismus hat mich an meine Schmerzgrenze gebracht.

MEIWES: Ich fand FLESHLOVER super, und habe den auch besprochen.

Kunst kann sich mit allen beschäftigen. Aber eine Abgrenzung zur Realität ist wichtig, wie ich finde. Wobei die eigene Entscheidung viel Spielraum hat. Könnte für dich dies bezüglich interessant sein:

https://www.schnittberichte.com/review.php?ID=15198

Sie verletzt vor dem Publikum.

Auch wünsche allen einen guten Rutsch! :) https://www.youtube.com/watch?v=SHfyW_BUxVc



29.12.2021 13:35 Uhr - tp_industries
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@Cecil

Kleine Korrektur zu "Nekromantik". Es war ein Kaninchen und kein Huhn welches da geschlachtet wurde. Aber in dem Fall stimme ich dir zu. Das Kaninchen in "Nekromantik" wurde von einem Fachmann professionell geschlachtet. Das ist auch so zu erkennen. Besagtes Kaninchen wäre auch so oder so für den Verzehr verarbeitet worden. Egal ob man es filmt oder nicht, diese Szene hätte so oder so stattgefunden. Dabei wurde auch darauf geachtet, dass das Tier so wenig wie möglich leidet. Kein Vergleich zu der Schildkrötenszene in CH. Und jeder der zum Beispiel zu Weihnachten gerne einen Kaninchenbraten verdrückt, sollte auch wissen wie dieser auf dem Teller gelandet ist.
Für mich geht speziell diese Szene in Ordnung, da sie mit CH oder den Katzenvideos im obigen Review nichts zu tun hat. Bei diesen Beispielen wurden die Lebewesen nur für den reißerischen Effekt gequält und gefoltert. So etwas ist mMn mit Kunst nicht zu rechtfertigen. CH hat zwar im Kern eine lobenswerte Grundaussage, aber die Tierszenen rechtfertigen gar nix.

@Fratze
Ja, manchen Leuten ( bestimmte Arbeitskollegen oder bestimmte Familienmitglieder ) kann man manchmal leider nicht aus dem Weg gehen. Gerade im Kollektiv kommen da manchmal die tollsten Aussagen zusammen. Freunde kann man sich zum Glück aussuchen. Weswegen sich die für mich fragwürdigen Aussagen auf meinen Bekanntenkreis beschränken. :)

29.12.2021 14:15 Uhr - Man Behind The Sun
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Ich hatte ja selbst eine Kritik zu der Doku verfasst, die aber bei weitem nicht so detailliert und ausgearbeitet ist, wie deine.
Deswegen Hochachtung davor und gut zu wissen, dass die Doku auch andere Menschen überzeugen konnte :)

29.12.2021 17:16 Uhr - Fratze
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@cecil:
Haha, ach sooo 😅 Jetzt verstehe ich wie du das meintest mit der Käfighaltung. Das war dann wohl zwischen dem von dir geschriebenen und dem von mir gelesenen ein bisschen lost in translation sozusagen... da bin ich ja beruhigt, hatte mich schon etwas gewundert 😛 Also, danke für die Aufklärung.

@tp:
Ach ich weiß nicht... die Schildkröte wurde ja auch mit einem Schlag enthauptet, wenn ich mich recht erinnere. Dass sie hinterher ohne Kopf noch so ewig weiter zuckt... ich weiß nicht, ob da eine professionelle Schlachtung viel anders ausgesehen hätte. Zudem meine ich (frag bitte nicht nach Quellen 😝), dass Schauspieler und Crew am Set im Dschungel hockten und schlicht Hunger hatten, da haben sie dann die Schildkröte gefangen und Deodato hat sich entschieden das ganze zu filmen, wäre folglich wohl auch so oder so passiert. Richtig scheiße verhält sich da eigentlich nur Perry Pirkannen (der Blonde), der nachher noch mit dem Kopf rumspielt. Also... nicht falsch verstehen, die Tiersnuff-Szenen in CH sind und bleiben mindestens vollkommen unnötig, und der Film wird dadurch immer einen schalen Beigeschmack haben! Aber ich würde da definitiv keine Unterschiede zu Tiersnuff-Szenen in anderen Filmen wie jetzt NekRomantik oder AN machen wollen.

@MBTS:
Danke dir auch noch mal für dein Feedback, das freut mich auch. Ich glaube, deine Rev hatte ich damals auch gelesen... ich guck das noch mal nach, und dann revanchiere ich mich da auch noch mal mit einem Comment 😁👋

29.12.2021 20:03 Uhr - tp_industries
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@Fratze

Ehrlich gesagt liegt meine letzte Sichtung von CH schon ewig zurück. In meiner Erinnerung war die Schildkröte während der Schlachtung lebendig und wurde vorher nicht getötet. Meine Erinnerung kann mich aber auch täuschen und ich würde nicht meine Hand dafür ins Feuer legen.
Interessant finde ich, dass du hier von Tiersnuff sprichst. CH müsste ich zur Klärung nochmal schauen. Bei Nekromantik und AN habe ich aber keinen erkannt. Für Tiersnuff müsste ja, aus Gründen der Unterhaltung, die Tötung und Folterung eines Tieres zelebriert werden. Und das würde ich zumindest bei diesen beiden Titeln nicht unterschreiben. Nekromantik habe ich ja schon erklärt. Und bei AN bin ich bei Cecil. Die Szene mit dem Wasserbüffel ist nicht sehr lang und er wurde auch sehr schnell getötet.
Die Sache mit den echten Leichen habe ich bisher nur von cecil gehört. Habe einige Dokus (u.a. heart of darkness ) gesehen, aber davon war nie die Rede.
Aber auch hier kann mir meine Erinnerung einen Streich spielen. Fraglich wäre auch ( sofern das mit den Leichen stimmt ), ob man tatsächlich echte Leichen abgefilmt hat, oder auf Archivaufnahmen vom Vietnamkrieg zurückgriff und diese dann im finalen Schnitt mit eingearbeitet hat. Ein komplexes Thema. :)

29.12.2021 20:45 Uhr - Fratze
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@tp:
Also meine letzte Sichtung war zwar auch nicht gestern, aber CH rotiert schon in recht regelmäßigen Abständen bei mir im Player, von daher kannst du mir das denk ich schon glauben: Es waren ein, vielleicht zwei Hiebe mit der Machete, und der Kopf war ab. Trotzdem zappelt das Vieh aber wie gesagt noch ewig weiter, vielleicht täuscht dich auch deshalb deine Erinnerung 🤷‍♂️

Tiersnuff: Okay, die genaue Definition wäre wohl "das Töten von Tieren ausschließlich (!) zum Zwecke der kommerziellen Verwertung dieser Szenen resp. zu Unterhaltungszwecken abgefilmt" (kommt das inetwa hin?), das träfe dann zu 100% vermutlich auf die wenigsten dieser Szenen zu. Ich habe diesen Begriff aber jetzt mal der Einfachheit halber benutzt, und ich glaube, es weiß trotzdem jeder, was ich meine 😉

Und ich meine auch, dass die Wasserbüffel-Szene nicht ganz so sauber war, da waren glaub ich schon mehrere Machetenhiebe im Spiel... aber auch da: Nagel mich nicht fest 😬

Und auch wenn diese Szenen anders als in CH unter professionellen Bedingungen stattfanden: Was haben die in diesen Filmen zu suchen? Bzw. hätten die Filme auch ohne diese Szenen funktioniert? Da bin ich mir ziemlich sicher, dass die Antwort "ja" lautet. Auch deshalb finde ich hier mit zweierlei Maß zu messen schwierig.

29.12.2021 21:19 Uhr - cecil b
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ALSO: Tp_industries: Danke für die Korrektur, dann war es ein Kaninchen, (wurde glaube ich auch gehäutet), lange nicht gesehen. Ansonsten stimme ich dir diesbezüglich zu.

TIERSNUFF: CH: Die Schildkröte hatte ich gar nicht mehr vor Augen. In einer Szene wird ein Nasenbär aufgeschlitzt, der zappelt ordentlich. Das fand ich krass. Die Tiere sollen gegessen worden sein. Na toll. Ich müsste ein Schwein nicht beim lebendigen Leibe aufschlitzen, das geht auch anders.

Für mich kommt es vor allem darauf an, wie schnell das Tier zu Tode kommt.

Ich schätze, der erste Machetenhieb in AN dürfte dem Tier schon den Gar ausgemacht haben, die anderen Hiebe sollten noch erschreckender wirken. Mit Erfolg.

Deinem Fazit diesbezüglich, FRATZE kann ich nur zustimmen. MARIAN DORA kriegt das mit Effekten hin.

AN: LEICHEN: https://www.kino.de/film/poltergeist-1982/news/filme-haben-echte-leichen-verwendet-neu-20170605/

Friede sei mit euch.




29.12.2021 23:24 Uhr - Fratze
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Stimmt, wir hatten uns jetzt sehr auf die Schildkröte versteift... der Nasenbär ist tatsächlich bedeutend krasser in Szene gesetzt, Nahaufnahme und er zappelt und quiekt wirklich ganz schön lange. Spätestens an der Stelle ist klar, dass der "Spaß" vorbei ist.

Edit.:
Ich möchte noch mal anmerken, dass ich es sehr angenehm finde, hier eine Diskussion über ein heikles Thema zu führen, bei der alle sachlich bleiben und sich nicht gegenseitig angiften. Kommt in letzter Zeit ob bekannter äußerer Umstände selten genug vor, daher auch dafür noch mal ein großes Danke 🙏 😁

29.12.2021 23:56 Uhr - cecil b
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Fratze: Miteinander: So kann es gehen, das macht doch Spaß. :)

Und von mir aus kann man mir vorwerfen, dass ich mal ausdrücklich ausspreche, dass ein respektloser Umgang hier keinen Platz haben muss und soll.

Gerade kontroverse Filme, Themen und Co. , die Schnittberichte ja wohl auch ausmachen, verlangen nach einem nicht engstirnigen Umgang. Oder einfach Toleranz.

Gehört irgendwie zur künstlerischen Freiheit, finde ich. :)

30.12.2021 13:13 Uhr - tp_industries
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@Fratze und Cecil

Ohja, da haben wir uns etwas zu sehr auf die Schildkröte versteift. Cecil hat recht. Der Nasenbär ist hier so jämmerlich krepiert. Da lag auch der Fehler in meiner Erinnerung. Wie gesagt ist meine letzte Sichtung schon einige Zeit her. Und da ich Schildkröten besonders mag ( die sind einfach so herrlich gechillt ), habe ich es vermutlich so projiziert.
Dahingehend gestehe ich meinen Fehler ein.

Wie ich schon geschrieben habe, ist das ein wirklich emotionales und komplexes Thema. Da kann man schnell in eine Doppelmoral fallen. Da stimme ich Fratze zu.

Zum Thema "Leichen bei AN": Danke für den Link Cecil! Wieder was gelernt. Schon krass und auch fragwürdig wie man sich zu so einer Idee hinreißen ließ. Auf der anderen Seite passt es auch zu der völlig chaotischen Produktion des gesamten Streifen's. Aber ich bleibe dabei, ich finde AN großartig ( Ja, ich weiß. Die Doppelmoral mal wieder. :P ).

Zum Thema "Miteinander": Da bin ich bei Euch! Manchmal klappt es eben. Und wenn es so konstruktiv, respektvoll und tolerant abläuft macht diskutieren auch Spaß. So soll es sein!

Falls wir uns vorher nicht nochmal schreiben, wünsche ich einen guten Rutsch ins neue Jahr!


Friede sei auch mit Euch und bleibt wie Ihr seid, und vor Allem gesund! :)

30.12.2021 21:16 Uhr - cecil b
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tp_industries: Stimme dir in jeder Hinsicht vollkommen zu, rutsch auch du gut rein, natürlich bitte jeder andere auch, der niemanden zu sehr auf die Füße tritt. :)

Alle anderen können mir den Buckel runterrutschen. ;)

P.S. : AN ist mein Lieblingsfilm. So oder so. Kein anderer fesselt mich so sehr.

Eine inspirierende Review, Fratze. :)

30.12.2021 23:00 Uhr - Fratze
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30.12.2021 21:16 Uhr schrieb cecil b
Eine inspirierende Review, Fratze. :)


^^ merci vielmals!

31.12.2021 03:26 Uhr - cecil b
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:)

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