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P.O.W. - Die Vergeltung

(Originaltitel: Behind Enemy Lines)
Herstellungsland:USA (1986)
Standard-Freigabe:FSK 18
Genre:Abenteuer, Action, Drama, Krieg
Alternativtitel:Attack Force 'Nam
P.O.W.: The Escape
Bewertung unserer Besucher:
Note: 7,50 (2 Stimmen) Details
inhalt:
Der Vietnam-Krieg ist zu Ende. Doch Colonel James Cooper hat sich eine letzte – gefährliche – Aufgabe gestellt: Die Befreiung seiner Kameraden aus den Gefangenen-Lagern weit hinter den feindlichen Linien, wo der sichere Tod wartet. Ein Himmelfahrts-Kommando, denn im Hinterhalt lauert Captain Vinh mit seinen Männern…
Diese Kritik enthält Informationen über den späteren Handlungsverlauf der Geschichte.
eine kritik von punisher77:

                                             P.O.W. - DIE VERGELTUNG

Sollte man mich fragen, was Videotheken so reizvoll gemacht hat, würde ich u.a. antworten: Die Filmplakate und Aushangfotos. Um die Aufmerksamkeit des Publikums zu erregen, musste man sich damals schon echt was einfallen lassen, eine Devise, die zwar nicht nur, aber auch die Firmen beherzigten, die ihre Filme exklusiv für den Videomarkt herstellten. Selbst billigst produzierte B – und C-Actionstreifen erhielten spektakuläre Plakate, so dass dem Videothekengänger pralles Blockbusterkino versprochen wurde, was sich leider nicht selten als Trugschluss entpuppte...um das zu durchschauen, hätte aber oft auch ein Blick auf die Fotos auf der Rückseite der Videokassettenhülle genügt, aber was soll´s. Leider ist die Qualität der aktuellen Filmplakate gehörig in den Keller gerasselt, da es mittlerweile zahlreiche andere Plattformen gibt, um einen Film zu bewerben – da ist es egal, dass im Grunde ein Filmplakat aussieht wie das andere.

Wie auch immer: Zu den lebhaftesten Erinnerungen meiner Kindheit und frühen Jugend gehört, was Videotheken angeht, jedenfalls das Bestaunen der Kinoplakate und Fotos in den Schaufenstern der drei Videotheken, die ich damals fußläufig erreichen konnte. Und einige Plakate hatten es mir besonders angetan, u.a. das Plakat des The Cannon Group Inc.-Actionreißers P.O.W. - Die Vergeltung (1986). Sowohl im Schaufenster der Stammvideothek meines Vaters als auch in den Geschäftsräumen, die man damals – obwohl Familien- und Erwachsenenbereich in „unserer“ Videothek nicht getrennt waren – auch als Kind in Begleitung von Erwachsenen betreten durfte (Der Geschäftsführer war diesbezüglich ziemlich locker…), prangte das Motiv mit David Carradine (1936 – 2009 / Kung-Fu, 1972-1975) in Soldatenuniform mit Stirnband, wie er ein überdimensionales Maschinengewehr abfeuert. Und im Hintergrund sieht man Helikopter, Jeeps, brennende, bzw. explodierende Wachtürme etc. Obwohl ich damals freilich „viel zu klein war“, um auch nur daran zu denken, meinen Dad darum zu bitten, den Film für uns auszuleihen, war klar – den musst du sehen, sobald es irgendwie geht. Doch bis zur Sichtung von P.O.W. - Die Vergeltung sollten Jahrzehnte (!) vergehen, da der Film später in der Videothek nicht mehr vorrätig war, auf Filmbörsen ließ sich der Film auch nicht auftreiben und auf DVD/Blu Ray wurde P.O.W. - Die Vergeltung erst im Jahr 2020 veröffentlicht.

Der Vietnamkriegsactionfilm wurde 1986 von Regisseur Gideon Amir (Accidents, 1989) veröffentlicht. Gerade mal zwei Millionen Dollar gestand ihm die Cannon Group Inc. zu, um den Streifen mit David Carradine in der Hauptrolle und Nebendarstellern wie Charles Grant (Delta Force, 1986), Mako (Conan, Der Barbar, 1982), Steve James (American Fighter, 1985) und Phil Brock (Thunder Alley, 1985) zu inszenieren. Wahrscheinlich musste Amir auf Sparflamme kochen, da die Cannon-Bosse Menahem Golan und Yoram Globus 1986/87 eine kostspielige Zusammenarbeit mit Sylvester Stallone betrieben, und da man meinte, Stallone eine Gage von zwölf Millionen Dollar für Over The Top (1987) zahlen zu müssen, hatten andere Regisseure, Schauspieler etc. wohl das Nachsehen.

In P.O.W. - Die Vergeltung steht der Abzug der US-Truppen aus Vietnam kurz bevor, die Pariser Friedensverhandlungen laufen auf Hochtouren. Bevor es dazu kommt, begibt sich Colonel James Cooper (David Carradine) mit einem Platoon auf eine Mission, um amerikanische Kriegsgefangene aus den Klauen des Vietcong zu befreien. Die Mission schlägt fehl, Cooper gerät in Gefangenschaft und soll in Saigon wegen angeblicher Kriegsverbrechen angeklagt werden. Doch Coopers Lagerkommandant Captain Vinh (Mako) hat andere Pläne mit seinem prominenten „Gast“ …

Kann P.O.W. - Die Vergeltung halten, was sein Filmplakat, das mich bereits in jungen Jahren in seinen Bann gezogen hat und auch heute noch eine gewisse Anziehung auf alteingesessene Actionfans ausüben dürfte, verspricht, oder handelt es sich um einen der vielen Rohrkrepierer, die mit einem aufwändigen Artwork prahlten, nur um den erwartungsfreudigen Fan maßlos zu enttäuschen?

Nun, zuerst sollte man sich vor Augen führen, dass es sich bei P.O.W. - Die Vergeltung um eine Cannon-Produktion handelt, die wie viele andere Actionfilme dieser Firma auch (Man denke nur an Invasion USA mit Chuck Norris…) eine gehörige Trash-Schlagseite mitbringt, vor allem, weil David Carradine als Colonel Cooper hier anscheinend nicht nur gegen den Vietcong, sondern auch um den Colonel James Braddock-Gedächtnispreis kämpft, sprich: Er versucht patriotischer zu sein als der patriotischste Patriot im Actionfilm, sprich Chuck Norris, was zu einer Reihe unfreiwillig komischer Momente führt, die allerdings einen nicht unbeträchtlichen Teil des Unterhaltungswerts dieses Vietnam-Ballerfilms ausmachen. Von Anfang an herrscht große Ehrfurcht vor Colonel Cooper, der von David Carradine mit einem stoischen Minenspiel dargestellt wird, wie wir es sonst nur von Steven Seagal (Nico, 1988) kennen. Wenn er das Kommando hat, so raunt man einem Frischling zu, kommt jeder nach Hause, was sich wenige Minuten später als unhaltbare These entpuppt. Aber das ist nur der Anfang. Solange es um Amerikaner geht, stürzt sich Cooper eifrig in jede noch so aussichtslose Situation und selbst wenn alles und jeder um ihn herum niedergemäht wird … die Rettung einer amerikanischen Flagge hat oberste Priorität. Gegen P.O.W. - Die Vergeltung wirkt selbst ein Rambo II – Der Auftrag (1985), was Patriotismus angeht, geradezu subtil, was das Carradine-Vehikel allerdings nicht heldenhaft erscheinen lässt, sondern platt und unfreiwillig komisch. Aber wie gesagt – genau das macht, wenn man damit zurecht kommt, den Unterhaltungswert des Streifens aus.

David Carradine verzieht den gesamten Film über kaum eine Miene und lässt stattdessen lieber Fäuste und Feuerwaffen sprechen, was er aber ganz gut beherrscht, weshalb er sich nahtlos in die Tradition der übrigen Cannon-Actionhelden einreiht; ein Ruhmesblatt ist seine darstellerische Leistung allerdings nicht. Ähnlich verhält es sich mit dem Rest der Besetzung, wie z.B. Steve James, der die Klischeerolle des Vietnam-Buddys ordentlich ausfüllt. Mako bietet eine durchaus erinnerungswürdige darstellerische Leistung, leidet in der deutschen Fassung allerdings unter einem Sprecher, der für viele komische Rollen (u.a. in Bud Spencer-Filmen) bekannt ist, so dass ihm etwas von seiner Bedrohlichkeit genommen wird. Der Rest des Ensembles agiert zufriedenstellend, bzw. zweckmäßig.

Aber Filme wie P.O.W. - Die Vergeltung stehen nicht für tiefschürfenden Dramen, sondern für grobe Actionspektakel. Und Action bietet der Film in rauen Mengen, allerdings sorgt der von Gideon Amir inszenierte Streifen auch hier für jede Menge (unfreiwilliges) Schmunzeln. Der Streifen wartet mit einer der definitiv skurrilsten „Befreiungsaktionen“ auf, die man im modernen (Action)Kino je gesehen hat. Unsere amerikanischen Helden fliegen mit Helikoptern heran, pusten die Wachtürme eines Gefangenenlagers weg, nur um nach der Landung nach Herzenslust um sich zu ballern. Doch selbst unbedarfte Zuschauer dürften sich – völlig zurecht – fragen, worauf die GIs schießen...schließlich ist weit und breit kein Feind zu sehen. Egal, es wird geballert und geballert … als der Feind sich dann doch noch blicken lässt, ziehen sich die Amis sofort zurück – haben die etwa schon sämtliche Munition verschossen, fragt man sich selbst. Aber von den anderen Logiklöchern in diesem Vietnamkriegs-Nachklapp fangen wir besser gar nicht erst an.

Trotzdem bietet P.O.W. - Die Vergeltung reichlich unterhaltsame Action und auch die eine oder andere spannende Sequenz. Zwar erscheint die 18er-Freigabe aus heutiger Sicht angesichts der Abwesenheit wirklich expliziter, blutiger Gewaltszenen etwas übertrieben, aber trotzdem wartet der Streifen – vor allem, wenn man sein niedriges Budget bedenkt – mit einer erstaunlichen Anzahl von Schießereien und Explosionen auf, die Regisseur Amir vielleicht nicht gerade meisterhaft, aber dennoch ordentlich in Szene gesetzt hat. Es rummst und kracht und scheppert dermaßen, dass man über so manche Schwäche des Films hinwegsehen kann und kaum Leerlauf aufkommt.

Erfreulich ist auch die Wende, die P.O.W. - Die Vergeltung nach dem ersten Drittel nimmt. Zunächst erscheint der Streifen wie ein Missing In Action II – Die Rückkehr-Abklatsch, da es in P.O.W. - Die Vergeltung – genau wie in dem Norris-Revanchismusklopper – um amerikanische Soldaten geht, die in vietnamesische Kriegsgefangenschaft geraten und fliehen. Aber in den letzten beiden Filmdritteln lassen sich die beiden Filme dann doch nicht so richtig miteinander vergleichen.

Unterm Strich ist P.O.W. - Die Vergeltung sicherlich kein Meisterwerk, und wer seine Actionfilme weniger trashig, bzw. unfreiwillig komisch mag und dafür mehr Wert auf Story, Charaktere usw. legt, sollte man von meiner Wertung 1-2 Punkte abziehen. Freunde des gepflegten B-Actionfilms im Allgemeinen und der Cannon-Filme im Besonderen sollten ruhig mal ein Auge riskieren. P.O.W. - Die Vergeltung hat mich – angesichts der Erwartungen, die das Plakat damals geweckt hat – nicht enttäuscht. Großer Erfolg war dem Zwei-Millionen-Dollar-Film allerdings nicht beschieden ...nur knapp 2,5 Millionen Dollar spielte Carradines Vietnamactionfilm in den USA ein. Anscheinend hatte sich die durch Rambo II – Der Auftrag (1985) entfachte Begeisterung für Vietnam-Revanchismusstreifen schon wieder gelegt, was man bei Cannon anscheinend aber nicht begriff. Ein Jahr später platzierte man Chuck Norris in Braddock – Missing In Action III erneut in einem Actionfilm mit Vietnamkriegshintergrund und holte sich am Box Office erneut eine blutige Nase...

7/10
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Kommentare

01.12.2020 18:55 Uhr - Kaiser Soze
1x
DB-Co-Admin
User-Level von Kaiser Soze 21
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Oh ja, die lieben Erinnerungen an die gute alte Zeit und das, was man seinerzeit schätze ^^ schöne Einleitung. Dein restliches Review steht der gelungenen Einleitung aber natürlich in nichts nach und ist herrlich persönlich, informativ und durch die wahrhaftige Fanbrille verfasst. Sehr gut! Freut mich, dass Du diese Lücke in Deiner Filmsammlung nach der langen Zeit schließen konntest; und uns solch ein gelungenes Review spendiert hast. In diesem Sinne, schönen Abend!

01.12.2020 19:02 Uhr - sonyericssohn
1x
Moderator
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Wieder eines dieser Werke das völlig an mir vorbeigerauscht ist.
Saubere Vorstellung !

01.12.2020 22:27 Uhr - Pratt
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DB-Helfer
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Tolles Review, den Film habe ich auch noch in guter Erinnerung, habe den zuletzt Anfang der 90er Jahre gesehen und als unterhaltsam "vermerkt", liegt auch schon zu einer neuen Sichtung bereit, nur die Zeit fehlt!!!

02.12.2020 15:25 Uhr - Punisher77
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DB-Helfer
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Vielen Dank für Eure netten Kommentare.
Und es ist immer wieder ein schönes Gefühl, mal wieder eine Lücke in der Sammlung zu schließen.

03.12.2020 12:45 Uhr - TheMovieStar
1x
User-Level von TheMovieStar 9
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Ein lesenswertes Review im bekannten Punisher Style. Tolle Vorstellung und gute Arbeit. Weiter so!

03.12.2020 21:13 Uhr - Punisher77
DB-Helfer
User-Level von Punisher77 14
Erfahrungspunkte von Punisher77 3.584
Vielen Dank, MovieStar, ich werde mir Mühe geben.

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