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Inside a Skinhead

Originaltitel: The Believer

Herstellungsland:USA (2001)
Standard-Freigabe:FSK 18
Genre:Drama
Alternativtitel:The Believer - Inside A Skinhead
Bewertung unserer Besucher:
Note: 6,33 (3 Stimmen) Details
inhalt:
Danny Balint ist ein junger jüdischer Mann, der in New York lebt. In den Nächten studiert er religiöse Schriften und lehrt hebräisch, während sich tagsüber eine komplett unterschiedliche Persönlichkeit herauskristallisiert. Danny wird von einer Kraft magnetisiert, die im völligen Gegensatz zu seinem Erbe steht: Neo-Faschismus. Basierend auf wahren Ereignissen erzählt dieser überraschende Psycho-Thriller vom Abtauchen in eine Welt der Gewalt. Aber es ist nicht nur die Gewalt in den Straßen, sondern die innere Gewalt und der Kampf in ihm selbst, einem Mann, der nicht aus seiner jüdischen Identität fliehen kann.
eine kritik von dicker hund:

Im Neonazi-Skinhead-Genre, das in den späten 1990ern mit Titeln wie "Romper Stomper" gehörig Fahrt aufnahm, stellt Henry Beans "Inside a Skinhead" einen Sonderling dar, weil sein Protagonist als abtrünniger Jude ein eben solcher ist. Daniel (Ryan Gosling, "Drive") tritt als Stiefel-Glatze mit Hakenkreuz-T-Shirt auf und lässt sein schweres Schuhwerk in den Bauch eines Buben mit Kippa fahren, den er gerade zu Boden gebracht hat. Ihn fasziniert die Idee von Macht, rassischer Überlegenheit und hemmungslos ausgelebtem Antisemitismus. Zugleich kann er nicht ertragen, wenn jemand die Schriftrolle mit dem Talmud berührt. Denn innerlich ringt der Rastlose mit sich, was Gosling mit anerkennenswerter Intensität spielt, ebenso wie seinen fanatischen Blick zwischen Wahnsinn und Charisma, wenn es um die selbstgewählte Rolle des arischen Leithammels geht.

"Jude! Jude! Jude! Jude! (...)"

Aus seinem Munde klingen die abstrusen Ideen aus dem rechtsextremen Milieu dank messerscharfer Rhetorik seltsam faszinierend. Das erkennt auch bald der selbsterklärte Faschist Curtis Zampf (Billy Zane, "BloodRayne", "Ritter der Dämonen"), der den jungen Rädelsführer als Redner in sein rassistisches Netzwerk einspannen möchte. Wie dieser fühlt er sich zu seiner sprachbegabten Stieftochter Carla (Summer Phoenix) hingezogen, die ausgerechnet die hebräische Sprache erlernen möchte, was das ambivalente Verhältnis zur Religion in bedächtiger Zweisamkeit zuspitzt. Am Rande finden sich kritische Anmerkungen zum Werte-Vakuum der USA.

"Ordnung und Disziplin sind nicht gerade die Nationaltugenden."

Vordergründiger ertönen jedoch die massiven Provokationen, die nicht einmal vor der Verhöhnung von Holocaust-Überlebenden Halt machen. Viel besseres ist von dem unberechenbaren Irrsinn der Gefolgschaft des "Believer" (Originaltitel) mangels Bildungshintergrund auch nicht zu erwarten. Das waffenverliebte, ungepflegte Redneck-Proletariat hört den Ausführungen des belesenen Maulhelden nur zu gerne zu. Dabei merkt es nicht, dass dieser noch immer in seine familiären und bekanntschaftlichen Beziehungen eingebunden ist, an deren Zugehörigkeit sein randständiges Fehlverhalten nichts ändert.

Eine äußerst seltene Tour in den Weg einer verlorenen Seele bietet "Inside a Skinhead", wodurch er sich als große Filmperle empfiehlt (8/10 Punkten). Schauspielerisch exzellent, enthält er eine Vielzahl spannend-abseitiger Momente, in welchen er mit Elan selbst radikalste Vorgehensweisen als interpretationsoffene Zuspitzung einer entrückten Gefühlswelt liest. In schwarz-weiß gehaltene Fake-Rückblenden zeigen die historische Mütze mit dem Totenschädel, ohne den Zweiklang zu verhehlen, den solche Bilder bei dem titelgebenden Antihelden emotional auslösen. Nur schade, dass die gewünschte Provokation nur selten über Andeutungen ihrer Implikationen hinausgeht (Gewalt, Sex und Horror je 3/10). Angesichts des Sujets hätten diese Stilmittel ruhig grober dosiert werden können. Die blasphemischen Äußerungen im Schüler-Alter enthalten dagegen einen optimal dosierten Anteil bizarren Humors (2/10), der sich nochmals in einem wunderlich verlaufenden Interview wiederfindet. Vermutlich vor allem der Thematik geschuldet vergab die FSK dafür den Rotflatschen. 

8/10
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Kommentare

22.01.2021 07:26 Uhr - McGuinness
2x
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Ich hatte mir schon mal kurz überlegt , mir diesen Film anzusehen, mich aber dann doch noch anderweitig entschieden, da ich mich mit dem zu krassen Gegensatz (Jude und gleichzeitig Neo - Nazi zu sein) einfach nicht anfreunden kann und ich persönlich jetzt auch nicht gerade ein Fan von Ryan Gosling bin.
Andere Werke wie beispielsweise " American History X " treffen da schon eher meinen Geschmack bzw. erscheinen mir plausibler, was deiner toll verfassten Review allerdings keinen Abbruch tut 😉

22.01.2021 09:22 Uhr - DriesVanHegen
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Der hat mich sehr überrascht, da ich mir tatsächlich im Vorfeld relativ wenig darunter vorstellen konnte.
Mir hat die ziemlich subtile Herangehensweise gefallen, da sich wirklich mehr mit der inneren Zerrissenheit seines Protagonisten befasst wird, als effekthascherischen Taten.

Meine bescheidene Kritik vergibt ein ähnliches Fazit: https://www.filmtoast.de/the-believer/

22.01.2021 12:01 Uhr - Dissection78
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Den Film habe ich noch nicht gesehen, hatte ihn noch nicht mal auf dem Schirm, doch das Sujet interessiert mich. Ich werde hier definitiv einen Blick riskieren. Danke für die Vorstellung, dicker Hund!

Das Thema mag vielleicht ungewöhnlich sein, allerdings ist es nicht komplett an den Haaren herbeigezogen. Man google Dan Burros (anscheinend wurde "The Believer" von dessen Geschichte inspiriert, die Geschehnisse wurden jedoch von den 60ern in die 90er verlegt), Kevin Wilshaw oder Patrol 36.

22.01.2021 12:55 Uhr - tp_industries
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Du hast den Film in deiner Kritik wirklich klasse getroffen!

Mir hat vor allem, wie driesvanhegen schon sagte, die ruhige und charakterbezogene Erzählweise gefallen. Eine der intensivsten Szenen war für mich die Gesprächsrunde zwischen den stramm rechten Neonazis und den Holocaustüberlebenden. Dialogtechnisch brilliant geschrieben und auch wenn da "nur" geredet wird, fährt einen diese Szene durch Mark und Bein.
Danke für die Vorstellung Hund!

@McGuinness
Ryan Gosling gilt als Meister des minimalistischen Schauspiels. In dieser frühen Rolle bricht er jedoch des Öfteren mal emtional aus und ich sehe das als eines seiner besten Leistungen an. Und das der Hauptcharakter Jude und gleichzeitig Neonazi ist, wird im Verlauf der Geschichte glaubhaft dargestellt. Und wie dissection schon richtig angemerkt hat, beruht der Film z.T. auf wahre Ereignisse. Ich kann den Film auch wärmstens empfehlen!

Mein Kommentar möchte ich mit einem Zitat aus dem Film abschließen, welches mich sehr beeindruckt hat. Da ich den genauen Wortlaut nicht mehr weiß, gebe ich es sinngemäß wieder.

Einer von Danny's Skinhead Kumpels meint:"Hey Danny, wie kommt es eigentlich das du so viel über das Judenzeug weißt?"

Danny:"Wie kommt es das du das nicht weißt? Wie kannst du einen Hass auf etwas haben, was du gar nicht kennst oder verstehst?"

Dieses Zitat trifft leider auf viele andere Themen zu, welche die Welt in den letzten Jahren beschäftigen. Und anstatt immer gleich wütend oder gar hasserfüllt gegen irgendjemanden oder irgendwas zu sein, sollte man sich wirklich mit den Dingen beschäftigen und den sachlichen Dialog suchen. Leider neigt der Mensch überwiegend dazu, anderen die Schuld für irgendwas zu geben und sich im Zweifel dem Hass hinzugeben. Ist ja einfacher als sich mit unangenehmen Themen sachlich zu beschäftigen und sich vielleicht sogar selbst zu hinterfragen.

@dicker Hund
Sorry falls ich etwas zu weit ausgeholt haben sollte. Aber wie du siehst löst der Film einiges jn mir aus!
Danke nochmal für die Vorstellung!😉

22.01.2021 15:05 Uhr - The Machinist
2x
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Bei dem Streifen besteht meinerseits noch Nachholbedarf, auch da ich großer Fan von Ryan Gosling als auch von ''Romper Stomper'' oder ''American History X'' bin.
Danke für die Vorstellung, werde ich mir in absehbarer Zeit bestimmt noch zulegen.

22.01.2021 22:29 Uhr - dicker Hund
3x
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Schönen Abend, liebe Kommentierer!

@McGuinness
Passt schon. Der Protagonist kann sich mit dem von Dir genannten Gegensatz ja auch nicht anfreunden.
;-)

@Dries
Schön, wenn unsere Meinungen hier zusammenfallen.

@Dissection und Machinist
Freut mich, wenn ich Euch was Neues aufs Radar geben konnte.

@tp
Kommentare, für die man sich entschuldigen sollte, sind hier sehr rar gesäht. Deiner gehört ganz bestimmt nicht in diese Kategorie! Das von Dir ausgewählte Zitat passt auch zu der diffusen Identifikation mit Eichmann, der an einer Stelle lobend als Judenkenner und -hasser erwähnt wird.

22.01.2021 23:09 Uhr - ulver
1x
Obwohl es viele Jahre her ist, dass ich den Film sah ist er mir sehr deutlich in Erinnerung geblieben. Besonders die schwer fassbare Ambivalenz, die der Hautprotagonist verkörpert berührt mich immer wieder. Grade diese Ambivalenz macht den Film so einzigartig und sicherlich auch kontrovers. Du dicker Hund legst eine, wie ich finde, bemerkenswerte Spannweite an Filmbesprechungen an den Tag. Auch dieser Text ist dir gelungen.

23.01.2021 11:16 Uhr - DriesVanHegen
3x
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Durch die an Dan Burros angelehnte Geschichte, thematisiert der Film ja einen Umstand, der im Judentum tatsächlich relevant besitzt: Jüdischer Selbsthass.
Ich muss ja gestehen, dass mir die Existenz dieses Umstands bis zum Film gar nicht bewusst war. Von daher: Bildungsauftrag erfüllt.

23.01.2021 18:21 Uhr - ActionJackson77
1x
Auch hier ein rockiges Review, top geschrieben. Gefällt mir

24.01.2021 10:34 Uhr - Draven273
1x
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Den muss ich unbedingt noch anschauen. Mir lief erst vor kurzem ein Trailer hierzu über den Weg, schnell hab ich mir eine Notiz gemacht. Wo die Notiz abgeblieben ist weiß der Henker, aber dank Deiner Review hier, wurde der Gedanke diesen Film anzuschauen doch gleich wieder in mein Gedächtnis katapultiert. Und wie sich Deine Review liest, ist das mal genau das, was ich mir gerne anschauen möchte, der Trailer hatte mich schon angefixt. Anscheinend kann man hier auch nicht wirklich etwas verkehrt machen. Vielen Dank für diese nette und schön geschriebene Review.

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