SCHNITTBERICHTE | # | A | B | C | D | E | F | G | H | I | J | K | L | M | N | O | P | Q | R | S | T | U | V | W | X | Y | Z
Titel suchen:
Returnal · Beginne deine Reise · ab 74,99 € bei gameware Daymare: 1998 Black Edition · Blutiges Horror-Gameplay mit Resi 2-Geschmack · ab 34,99 € bei gameware

Alexandre Ajas Maniac

Originaltitel: Maniac

Herstellungsland:Frankreich, USA (2012)
Standard-Freigabe:SPIO/JK geprüft: keine schwere Jugendgefährdung
Genre:Horror, Drama, Krimi, Thriller
Bewertung unserer Besucher:
Note: 8,16 (146 Stimmen) Details
inhalt:
Frank ist Besitzer eines Mannequin Ladens. Er lebt ein eher zurückhaltendes und verschlossenes Leben. Doch dies ändert sich, als die junge und hübsche Anna in sein Leben tritt. Für ihre neue Ausstellung wendet sie sich an Frank. Aus dem Treffen entwickelt sich eine Freundschaft. Doch der Schein trügt. Denn unter der Oberfläche verstärkt sich seine geheime Besessenheit. Je länger die Freundschaft anhält, desto heftiger tritt seine Manie zum Vorschein.
eine kritik von crank15neun:

Also mal ehrlich: William Lustig’s Maniac von 1980 – das ist ein Brett. Das habe ich erst vor kurzem festgestellt. Ich war beeindruckt und auf das 2012er Remake gespannt. Aber Remakes, das ist auch so eine Sache: was erwartet man da? Merzen sie Fehler aus, die das nicht perfekte Original gemacht hat und werden besser? Ziehen sie die Geschichte einfach nur in die aktuelle Zeit, aber kopieren ansonsten? Oder tragen sie einfach nur den selben Titel und visualisieren eine ganz andere Vision mit allerhöchstens dem gleichen Vornamen eines Charakters?

 

Im Remake ist Frank Zito Restaurator für Schaufensterpuppen, der ein Trauma aus der Kindheit nicht bewältigen kann, und so Frauen skalpiert, die sich in seinen Augen zu hautbetont ihren Mitmenschen zeigen. Als er auf eine Fotografin trifft, die seine Hingabe für die Puppen teilt, fängt er an, mit sich selbst und seinen Erinnerungen und Fantasien zu hadern.

 

Zu den Fakten: In „Maniac“ von 2012 steht Elijah Wood in den großen Fußstapfen von Joe Spinell. Zumindest in der Darsteller-Position. Das Drehbuch stammt von Produzent Alexandre Aja selbst, zusammen mit Grégory Levasseur. Levasseur und Regisseur Franck Khalfoun sind bekannt im Genre: sie arbeiteten bereits zusammen an „High Tension“ und „P2 – Schreie im Parkhaus“. William Lustig, Regisseur des Originals, produzierte das Remake mit, seine Firma Blue Underground betreibt in einigen Ländern auch den Verleih des Films. Aber allen voran steht natürlich ein Name: Alexandre Jouan-Arcady, besser bekannt als Alexandre Aja. Auch er war bei besagten Filmen bereits als Autor, Produzent und/oder Regisseur dabei. Mit weiteren Filmen wie dem „The Hills have Eyes“-Remake, „Mirrors“ (mit Kiefer Sutherland in der Hauptrolle) oder „Piranha 3D“ hat er die Branche richtig aufgemischt und sich in Hollywood einen Namen gemacht. Klar bei so einer (im französischen Genre-Kino erfahrenen) Crew-Besetzung: Es wird definitiv mehr nackte Haut geben und es wird explizitere Gewalt geben.

So ist es auch eingetroffen und „Alexandre Aja’s Maniac“ landete im Sommer 2014 auf dem Index und wurde im darauffolgenden Jahr sogar bundesweit beschlagnahmt. Jedoch wurde die Beschlagnahme im Sommer 2020 wieder ausgesetzt und der Film gelangte im Herbst dank Nameless Media (ein großes Dankeschön nochmal an dieser Stelle!!) auch in meine Hände.

 

Im Vorfeld kurz informiert, scheint das „Maniac“-Remake zu spalten: Viele sehr gute Bewertungen, ein paar durchwachsene Kritiken. Ich für meinen Teil finde den Film wirklich gelungen! Klar, der Streifen hatte viel mehr finanziellen Rückenwind als das Original, aber das ist in diesem Falle gut investiert.

Besonders herausstechend ist, dass der Film zu mindestens 90 % in der PoV-Perspektive gedreht ist. Das birgt viele Herausforderungen. So musste Hauptdarsteller Elijah Wood bspw. nahezu jeden Drehtag am Set sein. Nicht gewöhnlich bei einer Filmproduktion. Wie er selbst in einem Interview erzählte, glich der Dreh eher einer Choreographie, in der es schwierig war, Bewegungen natürlich erscheinen zu lassen. Doch diese Choreographie zwischen Elijah Wood, Kameramann Maxime Alexandre und Regisseur Franck Khalfoun ist wirklich geglückt. Bei meiner Bewertung des Originals habe ich allen voran die Atmosphäre herausgestellt und gelobt; ebendiese ist es, die ihrem Vorfahren hier absolut das Wasser reichen kann und sogar noch ein Stück intensiver gelungen ist. Durch die Ich-Perspektive lässt die Figur Frank Zito noch mehr Einblicke in seine deutlich schizophrene Psyche zu. Der spezielle Erzählstil wird ergänzt durch ruhige, intensive Voice-over von Elijah Wood. Sie komplettieren den Zugang zu seinem Innersten.

 

Wurde hier und da ein Detail der Geschichte verändert, dient dies lediglich der flüssigeren Erzählung. Dies empfinde ich, mit Blick auf das Original, nicht als störend. Da dies hier ein Hollywood-Streifen ist, war es zu erwarten, dass bestimmte Eckpunkte im Vergleich zum Original geändert werden. Dazu wurde der Film aber auch mit einigen Zitaten und Hommagen gespickt (man nehme hier die Skalpierung auf dem Schrottplatz als schönstes Beispiel). Schön zu sehen ist auch, dass sich die Macher auch wirklich Gedanken zu dem vorliegenden Stoff gemacht haben: Die Skalps in Frank’s Wohnung beispielsweise ziehen (im Gegensatz zum Original) mit der Zeit Fliegen an.

 

Kritikpunkte konnte ich im 2012er „Maniac“ von Alexandre Aja kaum welche finden. Natürlich ist das Geschmackssache! Die Story ist etwas ausgefeilter als im Original, die Darstellung des Hauptprotagonisten ist verstörend. Der Score und das Sounddesign sind gelungen, Kameraführung wie erläutert außerordentlich. Mit gutem Gewissen vergebe ich 10/10 Punkten. Ein großartiges, düsteres Filmerlebnis mit französischem Händchen liebevoll umgesetzt. Der bleibt erst mal im Kopf!

10/10
Weiter:
mehr reviews vom gleichen autor
Maniac
crank15neun
8/10
Onkel
crank15neun
6/10
die neuesten reviews
Martyrs
Jichi
10/10
Anonymous
sonyericssohn
10/10
Braindead
Karottenapfel
10/10
Bloodline
TheMovieStar
8/10
See
Kaiser Soze
8/10
Lady
dicker Hund
7/10
Dark
cecil b
8/10

Kommentare

12.01.2021 13:47 Uhr - sonyericssohn
1x
Moderator
User-Level von sonyericssohn 20
Erfahrungspunkte von sonyericssohn 8.934
Hm, also mit dem Original kann ich mich bis heute einfach nicht anfreunden. Nichts desto trotz interessiert mich die neue Version schon ziemlich. Und da ich Aja's Filme recht gern sehe... Jetzt muss der doch endlich mal ran 👍😁

12.01.2021 14:45 Uhr - McGuinness
1x
DB-Co-Admin
User-Level von McGuinness 7
Erfahrungspunkte von McGuinness 798
Vollste Zustimmung, der ist wahrlich ein Meisterwerk und auch ich sehe diesen gelungener bzw. bin von diesem weitaus mehr beeindruckt, als vom Original.
Das mit der POV - Perspektive und Franks Monologen ist wirklich genial umgesetzt und lässt uns als Zuschauer somit eine ungeheure Intensität beikommen.

Als ich damals hörte, dass Elijah Wood die Hauptrolle spielt, malte ich diesem Werk keine allzu großen Chancen aus, denn obwohl mir " Hooligans " (2005) mit ihm sehr gut gefallen hat, hatte ich doch irgendwie immer Frodo vor Augen, bin dann aber von seiner Darbietung hier sehr beeindruckt gewesen... Hut ab für diese Leistung !!!

Tolle Review von dir, zu einem echt genialen Horrorfilm... Düster, hart und unerbittlich ! 👍🏻

12.01.2021 16:08 Uhr - cecil b
DB-Co-Admin
User-Level von cecil b 18
Erfahrungspunkte von cecil b 6.464
Tolle Review! Zu einem guten Film, der mMn überbewertet wird.

kommentar schreiben

Um Kommentare auf Schnittberichte.com veröffentlichen zu können, müssen Sie sich bei uns registrieren.

Registrieren (wenn Sie noch keinen Account hier haben)
Login (wenn Sie bereits einen Account haben)