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Mystics In Bali

Originaltitel: Leák

Herstellungsland:Australien, Hongkong, Indonesien, USA (1981)
Genre:Horror, Fantasy
Bewertung unserer Besucher:
Note: 4,00 (2 Stimmen) Details
inhalt:
Um an weiteren Stoff für ihr Buch über schwarze Magie zu kommen verschlägt es die junge Autorin Catherine Kean (Ilona Agathe Bastian) nach Bali, wo sie die okkulten Geheimnisse des hiesigen Le'ak-Kults erforschen möchte. Zusammen mit ihrem Reiseführer Mehendra (Yos Santo) spürt sie die praktizierende Hexenkönigin (Sofia W.D.) auf, die verspricht Catherine unter ihre Fittiche zu nehmen und sie die uralten Zauber zu lehren. Wie das mit dunklen Mächten aber so ist hat die Hexe vor, Catherine für ihre ganz eigenen Zwecke zu benutzen und ganz Bali in albtraumhaftes Chaos zu stürzen.
eine kritik von the machinist:

Mystics in Bali

Was zur Hölle ist ein Leyak?

 

Dem indonesischen Volksmund entsprungen, handelt es sich bei einem Leyak (umgangssprachlich Le'ak, alternativ auch Penanggalan oder Krasue) um eine mythologische Sagengestalt, genau genommen um einen abgetrennten menschlichen Kopf, mit dessen Halsstumpf noch sonstige inneren Eingeweide (also Herz, Lunge, Darm, usw.) verbunden sind. Der vampirische Leyak kann zudem fliegen und ernährt sich vom Blut schwangerer Frauen und deren ungeborener Kinder. Und ja, genau sowas gibt es in Mystics in Bali von 1981 zu sehen. Der Film ist verallgemeinert ausgedrückt vielleicht so etwas wie der heilige Gral des kurzlebigen indonesischen Exploitation-Kinos der Achtziger, zudem eines der wohl bekanntesten Werke aus diesem Bereich. Und das nicht ohne guten Grund, denn besagter Leyak ist hier gerade einmal die Spitze des Abstrusitäts-Eisbergs.   

Um an weiteren Stoff für ihr Buch über schwarze Magie zu kommen verschlägt es die junge Autorin Catherine Kean (Ilona Agathe Bastian) nach Bali, wo sie die okkulten Geheimnisse des hiesigen Le'ak-Kults erforschen möchte. Zusammen mit ihrem Reiseführer Mehendra (Yos Santo) spürt sie die praktizierende Hexenkönigin (Sofia W.D.) auf, die verspricht Catherine unter ihre Fittiche zu nehmen und sie die uralten Zauber zu lehren. Wie das mit dunklen Mächten aber so ist hat die Hexe vor, Catherine für ihre ganz eigenen Zwecke zu benutzen und ganz Bali in albtraumhaftes Chaos zu stürzen...  

Die deutsche Touristin Ilona Agathe Bastian, die hier in ihrer ersten und einzigen Filmrolle zu sehen ist, befand sich derzeit auf einem Kurzurlaub in Bali und wurde rein zufällig für die Rolle der Catherine gecastet. Dem Produktionsteam war dabei offensichtlich vollkommen egal, dass die gute Frau keinerle Schauspielleistungen besaß und leider krankt das Machwerk an seiner ausdruckslosen Protagonistin, die eben tatsächlich nicht mehr ist als ein reines Mittel zum Zweck. Dass die fortwährend Talent vortäuschende Bastian überhaupt vor einer Kamera landete war eben nicht mehr als reiner Zufall.   

Die (Achtung: Wortwitz!) mystische Grundstimmung hingegen ist ein echter Hit und erinnert mitunter an die seltenen Horror-Ausflüge der Shaw Brothers aus dieser Zeit, ähnelt mit ihrem konstanten Einsatz von Nebelmaschinen und geisterhaft rauschendem Dschungelgeäst gelegentlich sogar an Sam Raimis ersten Tanz der Teufel. Von einer Splattershow sollte man jedoch nicht ausgehen, zwar hat Mystics in Bali durchaus einige Härten im Petto, darunter leicht eklige Transformationssequenzen bei denen sich Catherine und die Hexe in quiekende Schweine verwandeln und eine Szene in der lebende Mäuse gekotzt werden, doch davon abgesehen lässt man größere Gewaltexzesse außen vor.

Ansonsten ist der Film aber vor allem eines: Verdammt witzig! Vorausgesetzt natürlich man geht auch mit der richtigen Erwartungshaltung an das wirre Horror-Spektakel heran, denn wer nach Logik sucht ist hier ganz sicher an der falschen Adresse. Für Freunde kontinuierlichen C-Movie-Blödsinns ist Mystics in Bali andererseits eine echte Offenbarung. Die schrille Hexe dominiert mit ihrer grotesk übertriebenen Lache nahezu jede Szene und bietet, empfohlenen in der englisch lokalisierten Fassung, eine harte Belastungsprobe für jedes Zwerchfell. Hinzu kommt dilletantisches Schauspiel der Sonderklasse, allerlei unsinnige Dialoge und die dem Film eigenen bizarren ''Running Gags'', dei denen man nicht immer weiß ob diese beim Dreh auch wirklich beabsichtigt waren. Wenn Cathrine Gespräche mit ihrem treuen Begleiter Mehendra aufs Endlose mit dem Kürzel ''Hendra'' beginnt, unterbricht oder beendet (am besten mal mitzählen), rollen aller bemühter Melodramatik in ihrer Stimme zum Trotz nicht nur die Augen des besagten Hendra, sondern obendrein Lachtränen beim Publikum. Nervtötend wird dies meist nie, da im Film ein hohes Maß an Abwechslung herrscht und man sich daran gut getan hat abseits der gemächlicheren Zwischentöne eine verrückte Idee die nächste jagen zu lassen.    

Basierend auf einem Roman gleichen Namens kann Mystics in Bali, oder schlicht Le'ak wie er im Heimatland heißt, als ambitionierte Aufarbeitung indonesischer Folklore überzeugen. Nur der Versuch, diese auch dem geneigten Nicht-Indonesier näherzubringen scheitert kläglich, denn selbst in seiner dem schwer zu durchschauenden Subtext entschlackten US-Fassung von 85 Minuten erweist sich das Schlockfest als zu großer Kulturschock für westliche Zuschauer. Dazu sind einige Zusammenhänge ob der nicht immer optimal gesetzten Schnitte nur schwer nachvollziehbar. Andernfalls gerät die indonesische Originalfassung mit 116 Minuten viel zu lang für den kurzweiligen ''Best-Worst-Movies''-Marathon bei dem im besten Falle sehr viel Alkohol fließt (ein Trinkspiel mit der Nennung von ''Hendra'' bietet sich an). Resümierend lässt sich sagen, dass keine der beiden Fassungen die direkt bessere ist, die kürzere US-Version aber sicher am meisten Laune macht, zumal sie immerhin das volle Programm fernöstlicher Low-Budget-Horror-Weirdness bereithält. Nicht zu vergessen einen fliegenden Kopf mit raushängenden Eingeweiden der vor verpixelten Greenscreens schwebt.     

Das letzte Filmdrittel eskaliert in hanebüchem Schwulst, dicht gefolgt von schwarzmagischen Martial-Arts-Kämpfen und einem nicht minder irren Finale in dem sogar Laserstrahlen aus Fingerspitzen geschossen werden. Dergleichen sollte auch zum Markenzeichen des Regisseurs H. Tjut Djalil werden, der sich einen festen Platz im VHS-Markt Indonesiens sicherte und später auch den Action-Trasher Lady Terminator sowie den Mondo Macabro-Klassiker Dangerous Seductress abdrehte.

Wirklich genießen kann man das Sammelsurium an abstrusen Ideen, schlechtem Schauspiel und miserablen Spezialeffekten aber sowieso nur unter den Gesichtspunkten eines Trashfilms. Unter diesem Aspekt funktioniert Mystics in Bali jedoch hervorragend, ist so gesehen natürlich immer noch kein sonderlich guter Film, aber ganz bestimmt einer, den man so schnell nicht vergessen wird. Oder um es mit den Worten von Hendra (dem Mann mit den tausend T-Shirts) zu sagen...

''It's kinda weird, isn't it? It's really unbelievable.''

 

Fazit

Mystics in Bali ist hoffnungslos crazy, aber in Anbetracht seines kulturellen Kontextes auch ziemlich interessant. Ansonsten bietet das indonesische Exploitation-Horror-Trash-Unikat in jedem Fall Lachtränen-Garantie und dürfte insbesondere für Fans obskurer Midnight Movies ein absoluter Blast sein.

7/10
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Kommentare

17.01.2021 09:01 Uhr - dicker Hund
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Hört sich nach einem wunderbar kryptischen Exoten an, den Du offenbar mit ungläubigem Staunen rezipiert hast. Je nach aktueller Stimmung könnte der mir sogar gefallen.

Danke für die Vorstellung!

17.01.2021 10:06 Uhr - Nubret
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Schöne Besprechung, aber mit diesem indonesischen Zeug bin ich doch sehr vorsichtig..

"Virgins of Hell" find ich fürchterlich, und auch der Kassenschlager "Jaka-Der Rebell" ist eigentlich erst ab 1,2 Promille zu ertragen.

Aber vielleicht wag ich mich irgendwann mal ran. Die Schauspielkünste von Frau Bastian reizen mich schon.

17.01.2021 11:22 Uhr - shharry2
1x
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Ja, der Titel sagt mir was und ich hab irgendwann auch mal ein paar Ausschnitte davon gesehen, ist aber schon länger her.

Gutes Review mit interessanten Details, das indonesische bzw asiatische Kino ist schon eine Sache für sich, und auch nicht jedem gleichermaßen zugänglich.
Das "Lady Terminator" vom selben Regisseur ist wußte ich bisher nicht, danke.

17.01.2021 11:59 Uhr - The Machinist
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@dicker Hund: Ja, da muss man schon lustig drauf sein. Das war ich zu dem Zeitpunkt und hatte einen Heidenspaß. Außerdem ist die Atmo echt ansprechend, was bei einem Film dieser Qualitätsklasse schon heraussticht.

@Nubret: Danke dir. Deine beiden kenne ich auch, ansonsten eben noch ''Lady Terminator'', ''Dangerous Seductress'', ''The Devil's Sword'' und ''Satan's Slave''. Fand ich eigentlich alles echt spaßig

@shharry2: Vielen Dank! Ich kenne ihn von Brandon Tenolds YouTube-Kanal, der Reviews zu unbekannteren Kultfilmen jeglicher Art macht. Da ich selbst mit asiatischem Kino sehr viel anfangen kann, war es für mich natürlich ein Must-See. Inszenatorisch zeigt sich ''Mystics in Bali'' sogar sehr von westlichen Horrorfilmen der Zeit beeinflusst, der ganze infantile Irsinn erinnert dann an solche Sachen wie den Japan Klassiker ''Hausu'' oder ''Seeding of a Ghost'' von den Shaw Brothers, befindet sich qualitativ aber 'ne ganze Nummer drunter.

Wer sich ein eigenes Bild machen möchte:
https://www.youtube.com/watch?v=Z6zu1UXN0dw
In heißer Erwartung auf die Szene in der die Hexe Blut trinkt. Aber sagt nicht ich hätte euch nicht gewarnt. ;-)

17.01.2021 12:45 Uhr - shharry2
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@The Machinist

Danke für den Hinweis mit dem YouTube-Kanal.
Ich habe beim Lesen deines Reviews auch sofort an "Hausu" denken müssen der ist auch total abgefahren. ;-)

17.01.2021 13:02 Uhr - Thodde
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Frage: Wo kann man sich denn die Originalfassung reinziehen? Ich kenne bisher nur die US-Fassung von der Mondo Macabro DVD. Die finde ich allerdings super.

17.01.2021 13:26 Uhr - The Machinist
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@Thodde: Die Originalfassung existiert zumindest als alte VCD. Habe ich tatsächlich in der immensen Filmsammlung meines 2018 verstorbenen Opas entdeckt. Die Qualität ist aber so hundsmiserabel, dass man da mitunter nur noch schwerlich was erkennt bzw. manche Szenen funktionieren überhaupt nicht mehr. Habe interessehalber mal durchgespult und dann die Version auf YouTube geglotzt. Ansonsten wahrscheinlich nur von illegalen Bezugsquellen, aber von Dergleichen halte ich mich grundsätzlich fern.
Sorry, wenn ich dich enttäuschen muss.

18.01.2021 13:30 Uhr - Mr.Tourette
1x
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"First you had my curiosity, now you have my attention"

Da ich am Indonesisch lernen bin gibts doch nix besseres als ein paar dieser Perlen im Original zu sichten. Jaka klingt besonders gut. Da muss ich doch glatt schauen, wir an diese Filmchen rankomme :D

18.01.2021 14:58 Uhr - The Machinist
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@Mr.Tourette: Empfehlenswert sind da natürlich noch die neueren Filme der Mo Brothers (z.B. ''Killers'', ''Headshot'', ''The Night comes for Us''), die sich da drüben als absolute Hitgaranten erwiesen haben. Sind halt überwiegend vollkommen überzogene Blutschlachten, keine Ahnung ob du sowas magst.

18.01.2021 17:33 Uhr - Mr.Tourette
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18.01.2021 14:58 Uhr schrieb The Machinist
@Mr.Tourette: Empfehlenswert sind da natürlich noch die neueren Filme der Mo Brothers (z.B. ''Killers'', ''Headshot'', ''The Night comes for Us''), die sich da drüben als absolute Hitgaranten erwiesen haben. Sind halt überwiegend vollkommen überzogene Blutschlachten, keine Ahnung ob du sowas magst.


Danke für die weiteren Tipps.

Ich bin weder Gorebauer noch zartbesaitet. Wenn ein Film gut ist, ist der gut.;)
Und in dem Fall, wo es auch noch ums Sprachen lernen geht, ist der Kritiker in mir sowieso weniger streng.


21.01.2021 10:20 Uhr - cecil b
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Ist wohl ein feiner Spaß für mich, Danke The Machinist!

Sehr schöner Text! :)

Mäuse auskotzen, genau mein Ding. ;)

"

21.01.2021 16:50 Uhr - The Machinist
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@cecil: Das dachte ich mir schon. :)
Wie schon oben geschrieben, kann man sich die internationale Version in guter Qalität auf YouTube ansehen.

Danke für's Reinschauen.

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