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Ohne Ausweg

Originaltitel: Nowhere to Run

Herstellungsland:USA (1993)
Standard-Freigabe:FSK 18
Genre:Action, Drama, Krimi, Liebe/Romantik
Alternativtitel:Crossing The Line
Pals
Bewertung unserer Besucher:
Note: 7,17 (40 Stimmen) Details
inhalt:
Nach seiner spektakulären Flucht aus einem Gefängnisbus sucht Bankräuber Sam (Jean-Claude Van Damme) Unterschlupf. Er findet ihn auf einer einsamen Farm, bei der jungen, attraktiven Witwe Clydie (Rosanna Arquette). Doch die Landidylle trügt. Skrupellose Finanzhaie tyrannisieren Clydie, wollen sie mit brutaler Gewalt zum Verkauf ihres Grundstücks zwingen. Sam handelt sofort. Zwischen Ausbrecher, jagenden Cops und Syndikat entbrennt ein erbarmungsloser Kampf...
eine kritik von themoviestar:

1992 hatte Jean-Claude Van Damme nach einigen soliden Achtungserfolgen wie Leon (1990), mit stählerner Faust (1990) und Double Impact (1991) den endgültigen Durchbruch zu den großen Actionstars Hollywoods geschafft.  Mit Universal Soldier gelang ihm nämlich sein erster internationaler Kinohit, über 80 Millionen Dollar konnte sein mitreißendes Duell gegen Dolph Lundgren einspielen, was ihm auch flugs einen lukrativen 3 Picture Guarantee Deal  bestehend aus Ohne Ausweg (1993), Maximum Risk (1996) und Double Team (1997) mit Colombia Pictures einbrachte. Der 15 Millionen Dollar teure Ohne Ausweg ist der erste von drei Colombia Pictures Produktionen und ist in der öffentlichen Wahrnehmung mehr oder weniger fast unter gegangen, obwohl er mit 64 Millionen Dollar weltweitem Kinoerlös ganz ordentlich abgeschnitten hat. Vielleicht liegt es aber auch daran, dass Robert Harmons romantisch angehauchtes Actiondrama so ganz und gar nicht in das sonstige Rollenprofil des Karate Team-Europameisters von 1980 passen will. Ja sie haben sich nicht verlesen, ein Van Damme Film mit einer richtigen Love-Story! Mit angepasster Erwartungshaltung  kann Ohne Ausweg meiner Meinung nach durchaus Spass machen, auch wenn sich das Drehbuch so manchen Schnitzer leistet,  es streckenweise etwas arg schnulzig wird und ein bisschen mehr Action bestimmt nicht geschadet hätte.

Joe Eszter schrieb das Original Skript gemeinsam mit Richard Marquand, mit welchem er bereits 2 Filme gedreht hatte. Dieses Drehbuch wurde ursprünglich als ernsthaftes Drama mit vereinzelten Action Elementen verfasst, doch Jean-Claude van Damme übernahm es Jahre später, passte Inhalte an und so wurde daraus die Textvorlage für Ohne Ausweg. Eszter zeigte sich nachher in Interviews sehr verärgert über Van Dammes Änderungen: "Es hat seine Sensibilität verloren, es hat einfach alles verloren. Ich spreche nicht gerne über diesen Film" Aber auch The Muscels from Brussels, der für seinen Auftritt immerhin 3,5 Millionen Dollar Gage einstrich, wusch bezüglich Drehbuchmängel in einem späteren Bericht dreckige Wäsche: "Der Autor sagte mir, er würde alles überarbeiten.  Ich war in seinem Haus, er schüttelte mir die Hand, er versprach es mir, aber er reparierte es nicht."  Die Geschichte selbst lässt den Bankräuber Sam (Jean-Claude Van Damme) aus einem Gefängnisbus ausbrechen und auf der Farm der hübschen Witwe Clydie (Rosanna Arquette) sowie ihren kleinen Kindern Mike (Kieran Culkin) und Bree (Tiffany Taubman) untertauchen. Als Sam mitbekommt, dass Clydie vom skrupellosen Bauunternehmer Franklin Hale (Joss Ackland) und seiner rechten Hand Mr. Dunston (Ted Levine) zum Verkauf ihres Grundstücks gewaltsam gezwungen wird, schreitet Sam ein und unterstützt die Familie im Kampf gegen die Übermacht, welche auch die Polizei auf ihrer Seite hat...

Zunächst beginnt Ohne Ausweg wie ein typischer Van Damme Actionreißer mit dem rasant inszenierten Überfall auf den Gefangenentransporter und der etwas erzwungen wirkenden Sympathisierung des Hauptprotagonistens: Wir erfahren nämlich, das Sam für seinen Befreier Billy (Anthony Starke) in den Knast gegangen ist um diesen zu schützen, während Billy kurz danach im Kugelhagel sterben muss. Anschließend widmet sich Regisseur Robert Harmon, unter dessen Verantwortung 1986 der hochspannende Psycho Thriller Hitcher - Der Highwaykiller entstand, ganz dem Aufbau seiner vorhersehbaren Filmromanze zwischen Sam und Clydie. Selbstverständlich wird dem Publikum mit entsprechenden Solo Körperpflegeszenen demonstriert, wie attraktiv sie sind, spätestens da weiß auch der Letzte, dass die beiden irgendwann in der Kiste landen werden. Van Damme darf indessen den geheimnisvollen Fremden mit Herz verkörpern, er kommt der Familie gegen Hales Schläger zur Hilfe, er repariert Maschinen, er spielt mit den Kindern und gewinnt ihr Vertrauen. Harmon betont hier bewußt die ländlich familäre Idylle, um die emotionale Ebene für die leidenschaftliche Liebschaft zu erstellen und den Kontrast zur gefährlichen Bedrohung der gewissenlosen Schurken zu unterstreichen.

Gemäß gängiger Klischees zieht Clydie Vergleiche zu ihrem verstorbenen Mann bezüglich Vaterqualitäten und erliegt letzten Endes Sams Charme, was mit einer gemeinsamen Nacht besiegelt wird. Umso größer ist die Enttäuschung, als dessen Vergangenheit ans Licht kommt und die Bösewichte zu rabiateren Methoden greifen. Leider erscheinen einige Plotwendungen, obwohl sie für Tempo und Bewegung sorgen, nicht immer nachvollziehbar. So habe ich mich beispielsweise gefragt, warum auf einmal das FBI ausgerechnet bei Sheriff Cole (Edward Blatchford) vorspricht und Sams wahre Identität platzen lässt, die hatten nämlich bis dahin keinen blassen Schimmer, wo er steckt. Auch das Sam aus heiterem Himmel auftaucht, als der kleine Mike in der Scheune von Hales Handlanger gestellt wird, obwohl er eigentlich kurz zuvor mit dem Motorrad geflüchtet ist, dass glorifiziert zwar Van Damme als beeindruckenden Retter, wirkt aber gleichzeitig auch wie an den Haaren herbeigezogen. 

Und was ist mit der Action? Die Fans des Belgiers müssen jetzt ganz stark sein, in Ohne Ausweg gibt es nahezu keine Gelegenheiten, die sonst spektakulären und vernichtenden Martial-Arts Fähigkeiten ihres Idols zu bewundern. Van Damme wird zwar in einige solide inszenierte Kloppereien verwickelt und darf im etwas blutiger geratenen Showdown mit Waffengewalt seine Liebsten verteidigen, sein Kampfstil beschränkt sich aber auf gezielt eingesetzte Faustschläge, was auch prima zur eher realistischen und bodenständigen Ausrichtung des Films passt. In die selbe Kerbe schlägt der Härtegrad von Ohne Ausweg, bis auf eine intensivere Gewaltspitze während der Endabrechnung gibt es meiner Meinung nach keine Szene, welche die bis heute noch geltende FSK 18 Freigabe rechtfertigen würde. Ohnehin muss sich  Nowhere to run, so der Originaltitel, den Vorwurf der Actionarmut bzw. der unvorteilsmäßigen Aufteilung berechtigter Weise gefallen lassen, da Romantik und Dramabestandteile nicht in der Lage sind, den Zuschauer durchgehend bei Laune zu halten, was sich auch an einem größeren Durchhänger in Filmmitte bemerkbar macht.

Führt man sich mal vor Augen, wie unbeholfen Van Damme in seinen Frühwerken wie Bloodsport oder Kickboxer auftrat, wenn er in längere Dialoge verwickelt war bzw. Gefühle zeigen musste, ist das Niveau seines Schauspiels in Ohne Ausweg um mindestens 75% gestiegen. Das Acting wirkt routiniert, sicher und selbstbewußt und die Mimik hat deutlich mehr an Nachhaltigkeit gewonnen. Sein Objekt der Begierde Rosanna Arquette spielt die emanzipierte Powerfrau mit viel Elan und Feuer, während die Darsteller der Kinder Kieran Culkin sowie Tiffany Taubman ebenfalls zu überzeugen wissen und die obligatorischen Geschwisterrangeleien authentisch vorführen. Auf Antagonistenseite gefallen vor allem Joss Ackland als schmieriger Baulöwe und Ted Levine als Psychopath mit den markanten Gesichtszügen, die Rolle des korrupten Sheriffs Cole (Edward Blatchford) wurde meiner Meinung nach fehlbesetzt, ihm fehlt es an Ausstrahlung und Charisma.

So ist der zwischen den weltberühmten Krachern Universal Soldier (1992) und Harte Ziele (1993) erschiene Ohne Ausweg für sich gesehen ein kleiner, leiser Actionfilm mit Gefühl für zwischendurch, der den Zuschauer trotz gelegentlichen Rosamunde-Pilcher Schmalz Anfällen, der nicht immer zu Ende gedachten Story und der spärlichen Action leicht überdurchschnittlich unterhalten kann. Jean-Claude Van Damme überzeugt als gereifter Kämpfer mit Herz, Rosanna Arquette weiß ihre weiblichen Reize gewinnbringend einzusetzendie vorkommenden Actionsequenzen sind solide und technisch einwandfrei realisiert und die beiden gemeingefährlichen Antagonisten sorgen für ein ansprechendes Gut vs. Böse Duell mit einem mitreißenden Finale. MovieStar Wertung: 6/10 Punkte

6/10
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Kommentare

17.01.2021 21:40 Uhr - sonyericssohn
1x
Moderator
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Damals einer meiner Favoriten ! Der lief rauf und runter...bis ich ihn nicht mehr sehen konnte 😆 Keine Ahnung wie der heute bei mir ankommen würde, fand das Teil aber recht charmant. Nur das mit der Freigabe irritiert tatsächlich.

Feiner Reminder (wie's neudeutsch heißt). Oder ReminderInnen...?

18.01.2021 00:02 Uhr - Ghostfacelooker
1x
User-Level von Ghostfacelooker 19
Erfahrungspunkte von Ghostfacelooker 7.266
Hab den auch seltsamerweise und warum auch immer (da mir die Culkin Boys nie zusagten) besser in Erinnerung, hm muß ich mir irgendwann mal wieder ansehen.
Aber bei "vernichtenden Martial Arts Fähigkeiten" wäre mir fast der Cappucino aus der Nase geschoßen, weil mir dabei auch noch zusätzlich Van Dammes aufgerißene Augen a la Bloodsport Dim Mak) sowie der dickere Seagal einfiel^^^^^^

18.01.2021 01:06 Uhr - Tom Cody
1x
DB-Helfer
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Schöne Kritk, die auch, durchaus nachvollziehbar, die sicherlich vorhandenen Mängel des Films aufzählt.

Ich mag den Streifen aber irgendwie und bin mit 7 Punkten dabei. Wahrscheinlich, weil "Ohne Ausweg" zu der Familie der Filme zählt, die alle (mehr oder weniger) Remakes (bzw. Varianten) des stil- und genreprägenden Westernklassikers "Mein großer Freund Shane" sind, zu denen ich u.a. zähle: "Pale Rider" (selbstverständlich), "Malone", "Soldier", "Roadhouse", "Steel Dawn", "Fire Down Below" und "Missionary Man".
Zwischen den Jahren habe ich letztens erst erneut "Malone", "Roadhouse", "Fire Down Below" und diesen Film hier geschaut. :-)

18.01.2021 01:23 Uhr - McGuinness
1x
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Schön das du dir dieses Werk des Belgiers vornimmst, welches ich noch als relativ solide in Erinnerung habe und das ich mir eigentlich mal wieder anschauen könnte.

Die Action ist leider tatsächlich etwas unterrepräsentiert, doch im großen und ganzen wusste mir das Dargebotene zu gefallen und ich zähle diesen Film zu den besseren Errungenschaften der " Muscles from Brussels ".

Ich mag es ja generell immer, wenn du solch mir ebenfalls bekannte und geschätzte Werke der 80er / 90er - Jahre besprichst... Da werden jedesmal Erinnerungen wach.

Danke dir für diesen Anflug von Nostalgie 😊

18.01.2021 13:37 Uhr - TheMovieStar
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@ All: Danke euch allen fürs Lesen, euer Lob und eure Rückmeldungen, hat mich sehr gefreut 😊😊😊

21.01.2021 10:16 Uhr - cecil b
1x
DB-Co-Admin
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Auf diese Art und Weise wird für mich ein Text interessant, der sich mit einem Film beschäftigt, der mich nicht interessiert! Thanx, TheMovieStar!

21.01.2021 19:09 Uhr - TheMovieStar
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@ Cecil: Danke auch dir fürs Lesen und dein Lob. Freut mich wenn ich dir einen für dich offensichtlich uninteressanten Film etwas schmackhaft machen konnte.

24.01.2021 10:18 Uhr - Draven273
1x
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Ein Film der über die Jahre bei mir gereift ist. Den fand ich als Bub im Kino damals nicht so berauschend, vor allem im Vergleich zu den anderen Feuerwerken die der Belgier da abgefeuert hat. Aber wie gesagt, der zählt heute sowieso zu seinen besseren Streifen und weiß mich auch noch immer zu unterhalten. Vielen Dank für die zusätzlichen Infos, da ich mich ja immer gar nicht damit so auseinandersetze freue ich mich immer über die Hintergrundinfos.

24.01.2021 15:51 Uhr - TheMovieStar
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@ Draven: Danke auch dir fürs Lesen, deine Rückmeldung und dein Lob, hat mich sehr gefreut 😊

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