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The Little Things

Herstellungsland:USA (2021)
Standard-Freigabe:FSK 16
Genre:Thriller
Bewertung unserer Besucher:
Note: 7,00 (2 Stimmen) Details
inhalt:
Eigentlich sollte Joe „Deke“ Deacon (Washington), der Deputy Sheriff von Kern County, auf einer Routine-Mission in Los Angeles nur ein paar Beweise überprüfen. Doch stattdessen wird er in die Suche nach einem Serienmörder verwickelt, der die Stadt terrorisiert. Der leitende Ermittler des L.A. Sheriff Departments, Sergeant Jim Baxter (Malek), ist von Dekes polizeilichen Instinkten beeindruckt und nimmt – inoffiziell – seine Hilfe in Anspruch. Doch während die beiden Cops dem Mörder auf der Spur sind, kommen immer mehr Geheimnisse aus Dekes Vergangenheit ans Tageslicht – Geheimnisse, die so verstörend sind, dass sie mehr als nur Baxters Fall bedrohen könnten.
Diese Kritik enthält Informationen über den späteren Handlungsverlauf der Geschichte.
eine kritik von velvetk:

Im letzten Akt geht The Little Things leider empfindlich Schwung ab - ich habe mich darüber sogar so sehr geärgert, dass ich es aufgebracht vor mir hin flüsterte: "Oh, Mann! Ist das wirklich der Schlusspunkt!?" 

Damit bringt Regisseur und Autor John Lee Hancock aber im Gegenzug jene gedachten Erwartungen zu Ende, die The Little Things von Beginn ab immer wieder leicht ins Wanken zu setzen vermag. Dabei ist das sehr typische und reichlich bediente Grundgerüst der Cops-suchen-Mörder-Story ein immer wieder gern gesehener Standardbausatz, der hier sehr geschickt über die ganze Handlung auseinander-, und bis kurz vor Ende grandios wieder aufgefädelt wird. John Lee Hancock versteht es gut, erst unscheinbare Melodien und Klänge in die erste Filmhälfte zu weben, um sie dann im dritten Viertel - absolut passend - zu Krönen. Ein renommierter, aber einst gefallener Cop (Denzel Washington), der auf seine alten Tage noch einmal eine ganz besondere und längst vergangen geglaubte Gelegenheit bekommt an einem wichtigen Fall mitzuwirken. Ein ehrgeiziger und zunächst aalglatt wirkender Jungspund (Rami Malek), der schnell einsehen muss, dass es zwischen den Zeilen und unter der Oberfläche viel mehr zu entdecken gibt, als einem oft lieb ist. Und natürlich ein unerwartet vereinnahmendes Gegengewicht zu diesen gewieften Polizisten, ein Mann (Jared Leto), der des Serienmordes verdächtigt wird. Viele Klassiker des Thrillers und auch jede Menge Serienkost schwebt einem da vor, schält sich The Little Things in dieser Konstellation langsam durch die Zeit.

Das bedacht und sehr ruhig inszenierte Thriller-Drama belohnt ein wachsames Auge und nimmt sich einer Tugend an, die bei mir immer gut den Zähler füllt: The Little Things lässt seinen Montagen und Fügungen, seinen Charakteren und der Abwärtsspirale menschlicher Täuschung immer genug Raum und Zeit. Immer wieder gibt es Phasen, in denen nicht weiter gesprochen wird und die praktische Ermittlung damit Vorrang erhält. Das hat zur Folge, dass man Malek und Washington oft genug bei Observierungen aus dem Auto heraus zuschaut. Das wird längst nicht so extrem ausgedehnt wie zuletzt in Dragged Across Concrete und stellt sich auch mitnichten dermaßen zwischen alle Stühle der Moral - doch das Skript, das auch mal ausspart, hält stets ein paar dunkle Überraschungen parat, punktet mit intensiven Dialogen, in Details aufgehenden Beobachtungen und kantigen Portraits die schon auf dem Papier sehr viel hergeben. Der Cast rechtfertigt dann fast alles und lässt sämtliche Schlenker der Handlung so hoch es geht pulsieren.

Denzel Washington führt seine beachtliche Vita auf einem hohen Level fort und überzeugt abermals in seiner mimisch spielerischen Paraderolle als gewissenhafter und integrer, rechtschaffender und innerlich nicht immer ausgeglichener Charakter. Als gezeichneter Loner auf dem Abstellgleiß spielt er wie immer mit beeindruckender Routine auf, wobei das Wort Routine nicht negativ gemeint ist. Seine gewohnt gekonnte Art, diese immer willkommene Stimmlage Washingtons, ja, so wie er die Leinwand mit Leben und Magie zu füllen weiß, wird einfach nicht schal und wirkt nimmer müde oder gar unschlüssig. Wie immer groß! Mit Rami Malek hab ich's leider schon immer schwer gehabt und bin froh, ihn endlich mal nicht durch seinen viel zu müde klingenden deutschen Stammsprecher Bastian Sierich erlebt zu haben. Dass man Malek den Oscar vor zwei Jahren unverdient geschenkt hat, konnte ich immer noch nicht überwinden, doch den Detective in The Little Things schultert er ordentlich, ohne dass ich hier in Jubel ausbrechen möchte. Er spielt mit Denzel Washington und fällt nicht zu weit unter seine Präsenz, darüber kommt aber nie hinaus. Washington hat rollenbedingt die durchweg besseren Szenen abbekommen. Allein, wie er mit der Taschenlampe in seinem Hotelzimmer die Wand anleuchtet und sich in diffusen Gedanken verloren der Opfer windet. Oder die Szene, in der Washington seine Ex-Frau besucht, was keine zwei Minuten Spieldauer veranschlagt - stark! John Lee Hancock vertraut seinem gut durchdachten Drehbuch, welches oft nur andeutet. Er vertraut auf seine Regiehandwerk, welches zwar immer sehr an Sieben oder True Detective erinnert, doch dem Stoff damit genüge tut und ihm eine wichtige Portion Fläche gewährt.

Das eigentliche und nicht abzusehende Highlight ist aber Jared Leto und seine hagere, auf eine seltsame Weise entstellte Metamorphose. Ich sah den Trailer vor ein paar Wochen und erkannte ihn gar nicht als ihn selbst wieder. Und selbst als er im Film schon ein paar Schritte getan hatte, rieb ich mir die Augen ungläubig. Als er dann in einem Verhörraum vor Malek sitzt, kam ich aus dem gebannten Staunen nicht mehr heraus. Das vergangene Filmjahr mag nicht groß und weitreichend wie sonst gewesen sein, aber eine Oscar-Nominierung für den besten Nebendarsteller, wenn nicht sogar der Gewinn dieser Trophäe, wäre hier mehr als verdient. Die klobig dürre Physis und der langsam trabende Gang samt einigen gut aufgetragenen Gimmicks, färbt das bewegte Bild mit ehrfürchtigem Unwohl. Die Art wie Leto sich dann gibt, in seine langen schwarzen Haare gehüllt, wie er widersprüchlich getragen und unschuldig beißend spricht, ist grandios! Man sieht diese Figur zum ersten Mal und meint sofort, sie wirke tumb und so ein bisschen zurückgeblieben. Doch wenn Jared Leto dann mit seinen groß stechenden Kulleraugen agiert und reagiert, wird es durchweg unheilvoll. Lange keinen so finster gerissenen Antagonisten mehr gesehen. Auch seine Figur bekommt interessante, oftmals zynisch amüsante Zeilen in den Mund gelegt, und wie Jared Leto diese intoniert und zum Besten gibt, ist Platin. Vielleicht ist er auch der Grund, weshalb die letzten Minuten des Films nicht ganz gelungen sind. The Little Things gewinnt über sein ziemlich oft gesehenes Grundkonzept dann an ungeahnter Höhe, ist Jared Leto ganz im Zentrum des Films. Da können Malek und Washington zum Schluss, trotz guter Stiche und Zitate zurück zum Anfang, nicht mehr ganz anknüpfen.

Frisch schwankt The Little Things zwischen sieben und acht Zählern, mit leichter Tendenz nach dann und wann. Doch der genaue Blick für die kleinen Dinge könnte bei einem weiteren Kontakt zu tun und aus der Masse anderes herausstechen lassen.

8/10
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Kommentare

16.02.2021 20:16 Uhr - cecil b
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Eine sehr schön und kreativ verfasste Review! Hut ab!

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