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Jungfrau unter Kannibalen

Originaltitel: Il Cacciatore di uomini

Herstellungsland:Deutschland, Italien (1980)
Genre:Abenteuer, Horror
Alternativtitel:Canibal, El
Devil Hunter
Devil Hunter, The
Man Hunter, The
Mandingo Manhunter
Bewertung unserer Besucher:
Note: 3,68 (21 Stimmen) Details

Inhaltsangabe:

Eine New Yorker Millionärstochter wird auf eine Tropeninsel entführt. Es gelingt ihr in den Urwald zu fliehen und wird aber dort zum gehetzten Wild sadistischer Kannibalen. Kann sie dem Fluch der Wilden entkommen? (Laser Paradise DVD)

eine kritik von dicker hund:

Wer zum Dschungelaffen ist Clifford Brown? Da hat sich Jesús Franco mal wieder eines Pseudonyms bedient, als er 1980 in einer Massenproduktion aus sieben Regiearbeiten auch noch zwei Kannibalenstreifen auswarf, nämlich "Die blonde Göttin der Kannibalen" aka "Mondo Cannibale, 3. Teil" und den hier zu bewertenden "Jungfrau unter Kannibalen". Dieser trifft gerne einmal auf Maximalverrisse.

"Ich hab' noch nie so etwas Furchtbares gesehen!"

Das ist verständlich für Rezipienten, die noch nicht allzu oft mit den Werken des umtriebigen Schmuddelpabstes in Berührung gekommen sind. Mängel sind schnell gefunden. Schon im Prolog sehen die Überblendungen unabsichtlich so aus wie Filmrisse, gerät die Kameraführung schon bei einfachsten Schwenks und Zooms ins Stottern, klingt der Tonschnitt so, als würden abwechselnd Audiokassetten auf einem Ghettoblaster mit zwei Tape-Decks abgespielt, deren Tasten klemmen.

"Was ist denn das für eine miese Vorstellung?"

Das Schauspiel reiht sich in diesen Dilettantismus ein, innerhalb von Parametern namens "gelangweilt" und "hölleninkompetent". Zumindest kennt man den edlen Retter der entführten Blondfrau Peter vom Sehen - es handelt sich um Al Cliver aus "Woodoo" und "Über dem Jenseits". Bock hat der dadurch noch lange keinen. Wie kann man es ihm verübeln, wenn sich diese westeuropäische Küsten-Flora als Urwald ausgibt, in welchem teilweise hellhäutige Nasen im Lendenschurz als Indios durchgehen sollen? Bei der physischen Gewalt (5/10) wird, sobald sie im wahrsten Sinne des Wortes Herzblut zeigen will, jeder Ansatz von Horror (4/10) durch die "Effekte" im Keim erstickt. Ein Gegenschnitt auf Schweinegedärm unter erkennbar abweichenden Lichtverhältnissen ist nicht gerade das, was Fans unter "Gore" verstehen. Dessen Hauptverursacher hat einen entzweigeteilten Tischtennisball als Gruselaugenersatz verpasst bekommen, was lachhafter kaum wirken könnte. Obendrein klingt seine Intonierung gerade so, als würde ein Magen-Darm-Grippe-Patient in einer vollen Badewanne tauchen.

Solcherlei Dinge sind indes typische Franco-Trash-Hürden, die bei vielen seiner Streifen ertragen werden müssen. Trotzdem ist hier nicht alles mies oder obermies. Der differenzierte Score wechselt manchmal passend von Buschtrommeln zu Instrumental-Pop und wieder zu einer bedrohlichen Geräusch-Kakophonie. Wenn zirpende Grillen ihre Nachbarn, die quakenden Frösche, besingen, lässt sich das zumindest akustisch als zivilisationsferner Atmosphäre-Ansatz akzeptieren. Hinzu tritt, dass die Auswahl weiblicher Mimen deutlich attraktiver ausgefallen ist als zum Beispiel in dem eigenwilligen "Greta - Haus ohne Männer". Ursula Buchfellner ("Sadomania") strahlt als 19jähriger blonder Sonnenschein die entführte Laura appetitlich aus, ihre 25 Jahre alte Kollegin Muriel Montossé ("Love Camp") hat den ultimativen Schlampen-Blick einstudiert und Aline Mess tanzt nicht minder exotisch als in "Diamonds of Kilimandjaro" aka "Mondo Cannibale, 4. Teil" der Fall. Schlüpfrige Nacktfotografien beim (zum Glück gepflegt-) buschigen Hüftschwung oder wehrlos in Ketten sind keineswegs frei von Erotik, während die enthaltenen Sexszenen (6/10) sowohl sleazig, als auch freizügig sind, was mangels Einvernehmen dann doch noch eine nennenswerte Härte transportiert. Letztere hat den Zensoren für eine Beschlagnahme gereicht.

"Jungfrau unter Kannibalen" hat viele Schwächen und nur wenige Stärken (4/10 Punkten). Er ist ein misogyn angehauchter, vergewaltigungsfreudiger Schmutzfink, dem aber die Fähigkeit, weibliche Haut vorteilhaft ins rechte Licht zu rücken, nicht abgesprochen werden kann. Seine zahlreichen Fehlbarkeiten gehen oft genug als unfreiwillige Komik (Humor 3/10) durch, was dem Unterhaltungswert zuträglich ist. Dass die technische Umsetzung eigentlich eine Frechheit ist, versteht sich bei Kenntnis der Regie-Hintergründe von selbst. Aber besser als der unsägliche "Cannibal Terror" ist dieser Möchtegernschocker allemal.

 

4/10
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Kommentare

11.04.2021 10:15 Uhr - Nubret
4x
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Morgen, Kollege!

Da hast Du mal wieder eine sehr vergnüglich-bissige Morgenlektüre für mich hingezaubert.

Francos ungeliebter Heuler ist natürlich eine Sache für sich. Dilletantisch von A bis Z, aber irgendwie hat er auch was. Nun ja, ich hab ihn jedenfalls trotz aller Defizite auch noch in meiner Sammlung stehen, da das totschicke Covermotiv alleine schon den Besitz rechtfertigt. 4 Punkte sind natürlich das absolute Maximum für die filmischen Qualitäten. Alles was darüber läge, wäre der blanke Hohn.

11.04.2021 10:47 Uhr - CHOLLO
3x
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Den wollte ich mir mal ungesehen als Ultrasteel von XT besorgen. Jetzt bin ich froh es nicht getan zu haben. Deine Verisse schmecken mir am besten. Die kommen immer kräftig unterhaltsam daher.

11.04.2021 12:46 Uhr - sonyericssohn
2x
Moderator
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Die Kritik macht wieder mehr Laune als offenbar der Film. Das Kannibalenzeug is eh nicht meins und fühle mich hier wieder bestätigt :-D

11.04.2021 13:36 Uhr - shharry2
2x
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Schöne Kritik dickes Hündchen, das ist einer der Filme Francos', den ich schon lange auf meiner Must-See-Liste habe, und deine Besprechung hält mich nicht davon ab, ganz im Gegenteil würde ich sagen. ;-)

11.04.2021 14:03 Uhr - dicker Hund
1x
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Danke für das rege Feedback, liebe Kollegen!

@Nubret
Vier gewinnt!

@Chollo
Kräftig liegt mir im Blut.
;-)

@Sony
Mir hat die süffisante Schreibe auch mehr Spaß gemacht als die eigentliche Sichtung...

@shharry2
Auch den Heulern kann man Unterhaltungswert abgewinnen. Nur zu.

11.04.2021 14:06 Uhr - Underdog78
1x
Obwohl ich den meißten Kannibalen Schinken aus dieser Zėit durchaus was abgewinnen kann ist dieses Machwerk mit 4 Punkten sehr großzügig überbewertet.
Ich habe den Film aber vor circa 35 Jahren das erste und letzte mal gesehen und würde ihn bei einer Neusichtung unter anderer Prämisse mit einem lachenden und einem weinenden Auge besser bewerten als es meine Erinnerung im Moment zulassen würde.
Das Review zu lesen hat aber trotzdem viel Freude gemacht!

11.04.2021 15:27 Uhr - Draven273
1x
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Diese geniale Review ist tausendmal besser als dieser filmische Untergang und allein durch ihren Unterhaltungswert und dem hohen humoristischen Anteil, der mich, auch beim zweiten Mal durchlesen immer noch zum lachen bringen konnte, eine ganz klare 10/10. Da gibt es nichts zu rütteln. Wenn ich gewusst hätte, dass dieser Verriss- und ja dicker Hund er ist Dir gelungen- so unterhaltsam ist, dann hätte ich ihn schon viel früher gelesen, eigentlich wollte ich um den Titel einen großen Bogen machen. Glücklicherweise habe ich mich anders entschieden. Tolle Arbeit dicker Hund

11.04.2021 16:29 Uhr - dicker Hund
1x
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Danke für die Blumen!

@Underdog
Das mit den konkurrierenden Augen dürfte eine kompatible Haltung für diesen nicht ganz so köstlichen Schinken sein.

@Draven
Verrisse lese ich auch nur, um mich zu beömmeln, nicht aus Interesse am Film. Aber die phantastischen 4 sind hier noch wohlwollend. Ganz harte Worte gibt es bei mir erst im roten Bereich (3 oder weniger).

12.04.2021 23:09 Uhr - Romero Morgue
1x
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Kurz, knackig und süffisant - genau wie der Film. Passt also! 😉

Und wieder mal eine Review welche den Film sogar besser dar stehen lässt als er es in Wirklichkeit verdient hat. Und bei 4 Punkten soll das was heissen.
Das einzige was ich als gelungen in Erinnerung habe, ist die bereits angesprochenen Musikalische-Soundkulisse. Über den Rest legen wir lieber den Mantel des Schweigens.

13.04.2021 00:20 Uhr - Punisher77
1x
DB-Helfer
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Vorzüglicher Verriss eines Films, von dem ich schon viel gehört habe, der aber nie in meinem Player landen wird. Auch Dank Deiner tollen Kritik.

13.04.2021 06:18 Uhr - dicker Hund
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@Romero
Freut mich, wenn's gefällt. Die Erotik empfand ich halt auch als gelungen. Dann wäre da noch die unfreiwillige Komik. Kann aber nachvollziehen, wenn man das nicht gelten lassen will.

@Punisher
Bitter für den Film, dass diese von Dir immer noch als Verriss empfundene Kritik schon die nachsichtigste ist, die man auf SB.com finden kann.

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